Am 14.Mai ging es endlich los. Es war nicht einfach. Nein alles andere als das. Vorallem der Abschied von meiner Mutter fiel mir extrem schwer.

Ich fuhr entlang der Bergstrasse, es war grau in grau, nicht nur das Wetter, auch in mir gab es kaum Farbe. Ich war hundemuede und ausgelaugt, irgendwie leer und doch war ich erleichtert dass es endlich los ging. Ich rollte so dahin, fast ferngesteuert und fragte mich warum mache ich das eigentlich? Ich quaelte mich regelrecht, ja es ging mir beschissen. 

Nach etwa zwei Stunden machte ich Pause, ich konnte nicht mehr, ich schaute auf den Neckar und es brach in mir zusammen, der ganze Stress, die viele Gedanken, ich konnte mich nicht mehr zusammenreissen, ich heulte einfach los. 

Und irgendwie hatte es aber trotzallem von Anfang an etwas ganz befreiendes. Da lag nun etwas voellig ungewisses vor mir, eine Reise die keinen fixen Endpunkt hat, nur einen groben Plan, eine Idee, ein Lebenstraum.

Ich folgte dem Paneuropa Radweg. Der geht eigentlich von Paris nach Prag, passiert auf
seinem Weg aber auch Heidelberg. Somit ging er fuer mich eben auf halben Weg los.

Ich rollte entlang des Neckars bis nach Neckargerach und goennte mir dort die erste Nacht
unter einer Bruecke, in sicherer Distanz zu ein paar Anglern. Somit war ich die erste Nacht
nicht alleine und konnte in Ruhe schlafen. Den hatte ich auch bitter noetig.

Ueber Heilbronn ging es nach Oehringen, dort hatte ich riesen Glueck und wurde von einer netten Familie nach Hause eingeladen. Heisse Dusche, warmes Essen und eine Matratze kamen wie gerufen, denn es regnete und einsam fuehlte ich mich auch. 

Wer haette schon erwartet in Deutschland eingeladen zu werden? Ich dachte nur wie genial ist das denn…..

Ueber Rothenburg o.d.T. ging es an jeder Michkanne vorbei durchs schoene Bayern….zudem ging es ordentlich rauf und runter.

Ich naechtigte immer wieder an Wohnmobilstellplaetzen, somit musste ich kein Geld bezahlen und war in sicherer Umgebung.

Laut ist dieses Land. Und extrem besiedelt. Teilweise so haesslich verbaut und doch gibt es immer wieder auch Stellen wo ich denke, ach das ist ja richtig nett hier. Die Rapsfelder waren wunderschoen anzusehen, die kleinen Ortschaften in der Oberpfalz waren idyllisch und die Waelder die man immer wieder durchstreift geben einem das Gefuehl dass Deutschland schon auch Natur zu bieten hat.

In Weiden luden Juergen und sein Hund mich zum Abendessen und Fruehstueck bei Ihnen im Wohnmobil ein. Super lecker und schoen auch ab und an Unterhaltung zu haben.

Die Grenze war erreicht. Irgendwie war ich auch stolz, am ersten Tag hatte ich noch gedacht, ich schaffe es ja nicht mal bis in die Tschechei. Aber jeden Tag lief es besser. Ich gewoehnte mich langsam an die Radelei, der Hintern tat nicht mehr weh, auch die Knie hatten sich bereits beruhigt. Die Kreuzschmerzen wurden deutlich besser und es ging irgendwie aufwaerts mit mir.

Und was noch viel wichtiger war, es begann Freude zu machen.

Man sagt ja immer woanders ist es besser. Und irgendwie hatte ich das Gefuehl ploetzlich war alles viel bunter und schoener als in der Heimat. Der Weg ging wunderschoen durch Waelder hindurch, an winzigen Ortschaften vorbei, schlaengelte sich an dem ein oder anderen Bach entlang und es war ploetzlich so ruhig und naturbelassen. Einfach herrlich.

Der ein oder andere Ort erinnert doch sehr an die alten DDR Zeiten, graue Fassaden, broeckelnde Mauern und sogar den guten alten Konsum gibt es noch.

Billig ist es hier. Somit goennte ich mir glatt eine Uebernachtung in einer Pension fuer 8 Euro. Klamotten waschen und duschen war noetig gewesen.
Die Leute erscheinen mir sehr zurueckhaltend zu sein, ja ich wuerde sagen fast scheu sind sie. Kaum einer sagt Hallo und kein einziger spricht mich an. Kaum jemand scheint Englisch zu koennen.

Der Radweg ist auch auf tschechischer Seite vorbildlich ausgeschildert und fuehrt einen stellenweise, ganz zu meiner Ueberraschung, wirklich durch den Acker. Der viele Regen hat einige Wege in eine Matschlandschaft verwandelt und stellenweise bin ich echt genervt. Es gibt so viele ruhige Strassen in diesem Land, warum bitte muss ich durch diesen Acker hier? Selbst die Kuehe wunderten sich wer da wohl sein Radl so durch den Matsch schiebt….

Ein hollaendisches Rentnerehepaar waren bisher die einzigsten anderen Fernradler die ich getroffen habe. Zu meinem Entsetzen machen sie genauso viele km und Hoehenmeter am Tag wie ich, auch ihr Gepaeck scheint nicht weniger zu sein.

Hm, mein Trainingszustand ist wirklich eine Katastrophe.

Bis Prag waren es dann noch etwa 100km, die schaffte ich dank heftigem Rueckenwind und super Strassen dann locker in einem halben Tag und war gluecklich mein erstes Ziel erreicht zu haben, auch wenn es nun regnete und der Tag genauso grau in grau war, wie der erste. Und doch ist er schon viel bunter und froehlicher und auch voller Vorfreude auf das was da noch alles kommen wird. Der Anfang ist gemeistert, die groesste Huerde geschafft.

In Prag goennte ich mir einen Radpausetag und schlenderte durch die
verwinkelten Gassen entlang prunkvoller Gebaeude und golden verzierten Kirchendaechern.

Doch nun geht es weiter Richtung polnische Grenze. Ich moechte verschiedenen National Parks einen Besuch abstatten und freue mich auf Natur, Ruhe und Einsamkeit.

Welt ich komme.

 

 

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