An der Suedseite des Shadarsko Jezero Sees ging es nach Albanien. Wer hier an entspanntes Radeln denkt irrt gewaltig. Bei ueber 40 Grad und jeder Menge Huegel und Berge schwitzte ich ordentlich, allerdings war die Landschaft wirklich sehr beeindruckend und somit jeden Schweisstropfen wert.

Ein witziger Kiwiradler (Neuseelaender) kam mir entgegen und erzaehlte von seinen Strapazen die er in Albanien erlebt hatte.

Die Grenzpassage war voellig unspektakulaer, es gab nicht mal einen Stempel.

In der ersten Nacht in Albanien hatte ich wieder grosses Glueck und durfte bei Leuten im Haus uebernachten. Zum Fruehstueck bekam ich eine riesen Portion Pommes, Gemuese und Fleisch. Sehr lecker.

Es ging nun in die Berge nach Theth. Anfangs noch eine schoene Strasse, entwickelte sich der Weg im weiteren Verlauf in eine brutale Piste, aber ersteinmal musste der Pass auf 1720m ueberquert werden, wobei der Weg zum Pass noch gut fahrbar war.
Die Aussicht war Alpin, aber nicht grandios.

Langes runterrollen nach Theth um mich von dort wieder langsam aber stetig hinauf zu quaelen.

Wenn wenigstens mal diese wahnsinns Hitze ein Ende haette, dann waeren solche Passagen auch viel einfacher zu ertragen.

Es kam kein Dorf, kein Laden, kein Restaurant, einfach nix. Bisher gab es immer und ueberall gute Versorgungsmoeglichkeiten, leider nicht auf diesem Weg. Ich hatte ordentlich Hunger. Ein Jeep, ein deutsches Nummernschild, ein Blitzgedanke. Ich frage einfach gnadenlos nach etwas zum essen und wurde mit Pasta und Tomatensosse ausgestattet. Super. Meine Wasserflaschen liess ich mir noch auffuellen und fing gleich an zu kochen.

Waehrend die Nudeln so vor sich hinkochten muss ich irgendwie an den Kocher gekommen sein und der ganze Topf fiel um und die Nudeln landeten alle im Dreck. Ich haette mich erwuergen koennen. Einzeln sammelte ich sie wieder auf und ignorierte die gelegentlichen steinigen Bisse einfach.

Im Laufe des Tages erreichte ich irgendwann den naechsten Pass und traf drei Oessi Motorradfahrer die mir Wurst und Kuemmelbrot von daheim gaben. Kuemmelbrot wuerde ich daheim nie essen, aber unterwegs relativieren sich viele Dinge und man isst was man bekommt.

Ein Gewitter zog auf, ach herrlich endlich mal eine Abkuehlung. Die Landschaft erschein in satten Farben als die ersten Sonnenstrahlen hinter den Wolken hervortraten. Die Abfahrt war traumhaft. Der Weg entlang steiler Bergpassagen endete in einer wunderschoenen Schlucht.



Kurz bevor es stockdunkel war entdeckte ich noch eine kleine Stelle zum zelten. Prima. Mit knurrendem Magen, aber schoenen Gedanken an die Erlebnisse des Tages legte ich mich schlafen.

Albanien hat eine hohe Arbeitslosigkeit, wie in Bulgarien auch sitzen die Maenner den ganzen Tag im Cafe, Frauen sieht man dort keine. Das Land ist extrem billig. Das Essen wie ueberall im Balkan, Cevapcici, Pommes und Tomatensalat. So langsam geht mir das immer gleiche Essen wirklich auf den Keks.

Im Osten in der Gegend um Kukes machte ich noch einen Schlenker nach Shishtavec durch die wilde Berglandschaft.




Auf einer Hochalm in einer Art Jurte hatte ich ein paar schoene Stunden mit einer Familie verbracht.

Sie alle hatten eine Menge Freude zu beobachten wie ich mein Zelt aufstelle, was ich in meinen Taschen habe und wer ich wohl so bin. Mein Rad musste unbedingt ueber Nacht in die Jurte, sie hatten Angst es wuerde jemand klauen.

6 Wochen verbringen die Leute in den Bergen und die ganze Familie schlaeft gemeinsam mit Vieh und Vorraeten in der Huette. Zum Abendessen gab es leckeren Joghurt, gebackene Paprikaschoten, frische Milch und selbst gebackenes Brot. Mit Spaghetti ohne Sosse und verkohlten Maiskolben wurde ich zum Fruehstueck verwoehnt. Eine herzliche Verabschiedung und ich war wieder auf dem Weg.



Den kurzen Schlenker durch Mazedonien am Ohrid See entlang haette ich mir sparen koennen, ziemlich langweilige Gegend und total touristisch.

Zurueck in Albanien gab es an der Grenze diesmal einen Stempel, haengt wohl ganz von der Tagesform des Grenzers ab ob der Pass gestempelt wird oder nicht.

Abends hatte ich wieder super Glueck, eine riesengrosse Familie lud mich ins Haus ein. Bei einer zehnkoepfigen Familie kommt es wohl auf den einen mehr am Tisch nicht an.

Auf dem Weg ins Bad entdeckte ich eine Waschmaschine und konnte mir die Frage nicht verkneifen ob ich meine Waesche waschen duerfte, denn es war mir bereits super peinlich mit solch dreckigen Klamotten in denen der Dreck und Schweiss der letzten Wochen klebte mit den Menschen am Tisch zu sitzen.

Herrlich dieser frische Waschmittelduft, er begleitete mich den ganzen darauf folgenden Tag.

Der Sueden des Landes war eher unspektakulaer und somit nahm ich Kurs auf Griechenland, mein letztes europaeisches Land bevor es nach Asien geht.

Albanien hat mir super gefallen, tolle karge Landschaft, extrem nette Menschen und wenig Verkehr.

Das einzigste negative was zu erwaehnen waere ist der viele Muell der ueberall zu sehen ist.
Witzig war, das war bereits in Bulgarien so, dass man ja meint wenn man den Kopf schuettelt und nein wenn man nickt, das war teilweise doch sehr verwirrend.

In Griechenland erstmal der Preisschock. Alles so teuer wie in Deutschland, das bin ich nicht mehr gewohnt.

Die Hitze wurde nun ertraeglicher, ein Glueck. Es hat nun nur noch 35 Grad tagsueber und wenigstens die ersten Stunden des Tages sind noch kuehl zum radeln, auch nachts kuehlt es einigermassen ab.

Durch den Vikos-Aoos National Park ging es an Schluchten, Steinhaeusern und alten Steinbruecken vorbei.


Durch romantische Landschaft und super ruhige Straesschen ging es hinauf zum hoechsten Pass des Landes, den Katara Pass, 1690m.

Ich wurde lang und ausgiebig vor den boesen Hirtenhunden im Norden Albaniens gewarnt. Allerdings waren nirgendswo bisher die Hunde so lieb und nett wie dort. Angsteinjagend sind allerdings die Hunde hier in der Gegend. Im ganzen Rudel kommen sie auf einen zugerannt, zaehnefletschend und bellend verteidigen sie ihre Herde. Da helfen nur Steine, bruellen und hoffen. Bisher bin ich jedesmal davon gekommen.

Meteora. Tolle Felsenkulisse, geniale Lage der Kloester, allerdings alles kleiner als ich gedacht haette.

Das Gestein Konglomerat, fuer jeden Kletterer ein Paradies.




Nachdem ich die Nase gestrichen voll hatte von den taeglichen Hoehenmetern, sehnte ich mich nach einer flachen Etappe und waehlte den Weg durch die Ebene Richtung Sueden. Natuerlich hatte ich diesmal brutalen Gegenwind und viel Verkehr, alles kann man wohl nicht haben.

Delphi musste ich mir wieder hart erkaempfen und hoffte dass die alten Steine die Anstrengung auch wirklich wert sind. Die Anlage liegt traumhaft in den Bergen, Kalkfelsen, Olivenbaeume und suedlaendischer Flair.

Dann das 1.Mal der Blick zum Meer und der strenge Duft des Salzwassers. Die Prise war allerdings zu heftig, es stuermte ordentlich so dass ich ewig brauchte bis ich die Bruecke nach Peleponnes erreichte.

Die Griechen sind nicht besonders gastfreundlich. Bisher durfte ich noch in keinem Garten uebernachten. Man schickte mich immer zur Kirche oder zum Sportplatz. Schade man bekommt dadurch ueberhaupt keinen Kontakt zu den Einheimischen und deren Lebensweise.

Peleponnes ist nicht weiter der Rede wert. Viele langweilige km durch oede Landschaft. Somit entschied ich in Tripolis den Sueden der Halbinsel auszulassen und direkt nach Athen zu fahren.

Der Weg in die Stadt war chaotisch. Verkehr ohne Ende. Ueber warmshowers habe ich eine super Uebernachtungsmoeglichkeit und werde hier ein paar Tage ausruhen, mein Rad auf Vordermann bringen, meine weitere Route planen, die Faehrpassage in die Tuerkei organisieren und einfach mal Pause machen.

Ich bin ein wenig nervoes was kommen wird. Ab sofort liegen viele moslemische Laender vor mir. Prinzipiell weiss ich dass ich bisher immer sehr gute Erfahrungen mit Moslems gemacht habe und dass sie extrem gastfreundlich sind. Trotzallem hat man ein anderes Gefuehl im Magen als wenn man durch Polen oder Griechenland radelt.

Aber ich bin guter Dinge und freue mich auf exotischere Lebensweisen, fremdes Essen und neue Erfahrungen.

Asien ich komme.

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