Ängste & Gefahren auf meiner Fahrrad Weltreise und wie ich damit umgehe?!

Ängste & Gefahren auf meiner Fahrrad Weltreise und wie ich damit umgehe?!

Apr 23, 2016

Immer wieder werde ich gefragt, ob ich denn keine Angst habe so ganz alleine dort draussen in der weiten Welt, in der so viele Gefahren lauern?

Oftmals ist die nächste Frage dann: Hast Du keine Angst vor der Zukunft?

Sicherlich habe ich manchmal Angst, doch ist es wie mit allem, man kann lernen sich der Angst zu stellen und je länger ich nun unterwegs bin, desto weniger Angst habe ich.

Welche Gefahren gibt es und vor was soll ich eigentlich Angst haben?
Gefahren auf einer Radweltreise?

  • Verkehr
  • Krankheiten
  • Angriffe durch Mensch und Tier 

Ängste auf einer so langen Fahrradweltreise?

  • Zukunftsangst & Existenzangst
  • Verlustangst

 

 

Verkehr:

Der Verkehr ist aus meiner Sicht heraus das absolut gefährlichste auf einer Radreise. Immer wieder erfahre ich von Weltreisenden, die von einem LKW erfasst wurden und ums Leben kamen.

Ich versuche verkehrsreiche Strassen so gut es geht zu meiden. Leider ist das allerdings in manchen Ländern nicht immer möglich, da oft nur eine einzige Strasse vorhanden ist. Doch sobald es Alternativen gibt nutze ich diese auf jeden Fall, auch wenn es ein grösserer Umweg sein sollte.

Das liegt allerdings auch viel  daran, weil ich Verkehr einfach ätzend finde. Ich kann die Umwelt nicht geniessen, wenn ich von dem Krach der Autos zugedröhnt werde und ständig aufpassen muss was passiert. Ich liebe daher die einsamen Regionen sowieso am meisten. Städte meide ich so gut ich kann.

Wochenenden sind in trinkfreudigen Ländern Zeiten, in denen ich die Strassen so gut es geht meide. Ich habe da ein paar heikle Situationen in Zentralasien erlebt, in denen ich von Betrunkenen fast angefahren wurde.

Ich vermeide nachts zu fahren. Wenn ich es tue, nutze ich immer eine Rücklichtleuchte und vertraue auf die Reflektoren an meinen Taschen.

Es gab auch Zeiten, da bin ich auf der falschen Seite geradelt, also gegen die Fahrtrichtung, um den Verkehr im Blick zu haben. Allerdings macht man sich da sehr schnell unbeliebt.

Ein Spiegel ist hilfreich, leider sind mir schon etliche abgebrochen.

Am Ende muss man sich aber auch immer wieder vor Augen halten, dass auch zu Hause die Gefahr des Strassenverkehrs immer präsent ist, auch wenn natürlich die Fahrweise in Mitteleuropa rücksichtsvoller ist als in vielen anderen Ländern.

 

 

 

 

Krankheiten:

Natürlich kann man Pech haben und sich den ein oder anderen Durchfall einfangen. An Dengue Fieber, Malaria oder sonstigem erkranken.

Ich war in den fast drei Jahren, die ich nun unterwegs bin, nur ganz wenige Male krank. Einmal in der Türkei, als ich drei Tage das Klo kaum verlassen konnte. Einige Male hatte ich Schwierigkeiten mit einer alten Verletzung am Fuss wegen Überlastung. In Süd-Korea bin ich mit dem Smog nicht klar gekommen und hatte wochenlang Atembeschwerden.

Also insgesamt wirklich alles nichts tragisches.

Ich bin immer an der frischen Luft, habe Bewegung, versuche mich gesund zu ernähren, bin keiner Heizungsluft ausgesetzt und sitze nicht mit vielen Leuten in einem Büroraum. Ich behaupte jetzt einfach mal, dass das Leben einer Radweltreisenden gesünder ist, als das eines „normal“ lebenden Bürgers.

Auch schon alleine deswegen, weil ich dem nachgehe, was mich glücklich macht und ich mich nicht jeden Tag zur Arbeit quälen muss oder irgendeinem Gesellschaftsdruck ausgesetzt bin. Die meisten Krankheiten, die wir uns einfangen kommen doch durch Stress. Den habe ich zwar auch, aber ich mache ihn mir selber, er wird mir nicht von aussen aufgezwungen.

Ich bin für den Ernstfall gerüstet und habe eine Krankenversicherung. Ich weiss von einigen Langzeitradlern, dass sie keine haben. Ich persönlich würde das Risiko nicht eingehen wollen.

 

 

 

 

Angriffe durch Menschen:

Ich hatte Pech in der Türkei und wurde von zwei Männern mit einem Messer bedroht. Ein Glück wollten sie nur Geld und ein Handy. Zudem bin ich von vier Motorradfahrern verfolgt und während der Fahrt geschlagen worden. Kinder beschmissen mich mehrfach mit Steinen und ich hatte mehrere extreme Anmachen.

Sexueller Belästigung ausgesetzt zu sein kommt immer wieder vor. Nicht nur in muslimischen Ländern. Aber mit einem gesunden Selbstbewusstsein und geeigneter Kleidung kann man das Schlimmste vermeiden.

Ich hatte an der Grenze zum Iran einen heiden Respekt vor dem was auf mich zukommen wird. Die Vorfälle in der Türkei hatte ich noch lange nicht verarbeitet gehabt und die Medienwelt, die uns immer einredet wie schlecht die Welt angeblich ist, hat mich zusätzlich verunsichert. Doch der Iran war wunderbar und sicherlich ein ganz wichtiger Teil meiner Reise, der mir Kraft gegeben hat. Ich bin über meine Komfortzone weit hinausgegangen und habe Erfolg gehabt.

Ich habe so extrem viele positive Begegnungen gehabt, dass die wenigen negativen Vorfälle schon lange vergessen sind. Ich kann daher mit gutem Gewissen behaupten, dass unsere wunderschöne Erde eine viel friedlichere Welt ist, als immer behauptet wird.

Auch bin ich der Meinung, dass ich mittlerweile die Schurken schon von Weitem erkenne. Man bekommt einen Blick fürs Wesentliche. Ich habe mir eine gute Menschenkenntnis angeeignet.

Ich bin allermeistens herzlich willkommen und werde in vielen Ländern mit Gastfreundschaft überschüttet und von allen Seiten beschützt. Sicherlich vor allem weil ich eine Frau bin, denn ich bin keine Gefahr für andere.

Angst hatte ich am Anfang vor allem nachts. Wo schlafe ich? Doch wenn man über eine so lange Zeit am Ende eines jeden Tages einen sicheren Platz gefunden hat, wird man ruhiger und sicherer. Ich habe nachts nur noch selten Angst – ich habe viel dazu gelernt.

Angst kommt ja vor allem durch Unerfahrenheit. Je mehr man sich der Angst stellt, desto mehr erkennt man, dass am Ende die Angst unbegründet ist.

Eigene Grenzen überschreiten ist daher sehr wichtig um Sicherheit zu gewinnen. Auch ist es wichtig sich seine eigene Meinung über Nationen zu bilden und sich nicht durch andere verunsichern zu lassen, die selber noch nie vor Ort waren.

An sich selber glauben kann zudem Berge versetzen.

 

 

 

Angriffe durch Tiere:

Hunde sind nicht gerade mein Lieblingsthema. Leider habe ich vor allem in Nordgriechenland, in der Türkei, in Ost- Tibet und in Russland keine guten Erfahrungen mit den Streunern gemacht.

Die beste Taktik ist stehen bleiben um damit den Jagdinstinkt zu unterbinden und zusätzlich einen Stein aufheben und zur Not auch gezielt werfen. Es gibt aber Hunde, die gegen all das resistent sind und zweimal hatte ich in Ost-Tibet Todesangst, doch habe es geschafft die Situation mit Hilfe anderer zu überstehen.

 

 

 

 

Zukunftsangst & Existenzangst:

Habe ich keine. Ich weiss ich kann mit sehr wenig auskommen. Ich habe ein paar Kisten im Keller meiner Mutter stehen und weiss gar nicht mehr was dort eigentlich drin sein soll, was so wichtig ist, dass ich es irgendwann einmal eingepackt habe.

Ich lebe schon immer nach dem Motto, je weniger ich besitze desto besser.

Ich habe keine Verantwortung für irgendjemanden und bin der Meinung, dass ich mich selber immer in irgendeiner Form ernähren kann. Ob nach der Reise ein Leben in Deutschland noch möglich ist oder auch von mir gewünscht ist, weiss ich nicht, aber das ist für mich im Moment auch nicht so wichtig um dass ich mir darüber Sorgen mache.

Ich lebe heute hier und jetzt und liebe mein Leben mehr als je zuvor. Frei von Zwängen, voller Abenteuer und fast ohne Sorgen. Gibt es etwas besseres? Für mich derzeit ganz sicher nicht. Der Rest klärt sich morgen oder übermorgen oder in 20 Jahren.

Spekulieren ob ich irgendwann einmal krank und pflegebedürftig bin und mich dann nicht mehr versorgen kann, so ganz ohne Versicherung und Geld, halte ich für eine ungesunde Lebenseinstellung. Wir Deutschen tendieren dazu uns gegen jeden und alles zu versichern. Es gibt keine Sicherheit im Leben und sich wegen dieser evtl. Möglichkeit sein Leben lang auszubremsen, halte ich für absolut falsch und als verschenkte Lebensqualität.

 

 

 

 

Verlustangst:

Als ich losgefahren bin hatte ich keine Angst einen Status zu verlieren oder irgendeinen von mir geliebten job. Zudem hatte ich eine langjährige Beziehung kurz zuvor aufgegeben und war somit freier als je zuvor. Ich habe keine Kinder. Ich besass nicht viel und hatte nichts zu verlieren. Ich war kein glücklicher Mensch und wusste ich musste wieder einmal los und die Welt erleben um wieder Spass am Leben zu haben. Es sollten diesmal Jahre werden, aber mehr stand nicht fest.

Das einzigste was mich gequält hat, war die Angst meine mir liebsten Menschen für eine sehr lange Zeit nicht mehr zu sehen.

Was ist wenn sich meine eigene Weltanschauung so verändert, dass ich den Bezug zu meinen Freunden nicht mehr aufrecht erhalten kann?  Vereinsame ich dann irgendwann?

Wie gehe ich damit um, wenn meiner Familie etwas passiert während ich unterwegs bin? Mache ich mir dann ewig Vorwürfe?

Der Verlust eines lieben Menschen, ist die einzigste richtige Angst die ich habe, denn mir sind meine Familie & Freunde sehr wichtig. Bisher konnte ich alles aufrechterhalten und ich hoffe es wird auch so bleiben. Ich habe neue Freunde dazu gewonnen, aber meine Sandkastenfreunde und meine Familie bleiben ein extrem wichtiges Wurzelwerk in meinem Leben. Der Gedanke sie zu verlieren macht mir Angst.

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