Dorothee Fleck – radelte bereits zweimal um die Welt

Interview 
Als Frau mit dem Fahrrad um die Welt

Dorothee Fleck – radelte bereits zweimal um die Welt

Okt 7, 2014

— Argentinien – Patagonien – El Chalten – 2014 —

1. Bei beiden Weltumradelungen bist Du in Richtung Osten aufgebrochen, die Touren ähneln sich eigentlich sehr. Welche Variante fandest Du spannender und welche Reise hat Dich irgendwo mehr fasziniert? Afrika und den Nahen Osten hast Du dabei komplett ausgelassen, gibt es dafür Gründe?

Ich möchte meine Reisen, Leute, Länder nicht priorisieren. Es gibt da keine „besser“, „schöner“ oder „faszinierender“, alle sind anders und auf ihre Weise speziell. Auf meiner ersten Weltumrundung radelte ich durch Russland und die Mongolei, traf dort sehr nette Leute kam durch wundervolle Landschaften. Das gleiche war auf der zweiten Weltreise durch die Stan Länder.

Eigentlich wollte ich schon beim ersten Mal entlang der Seidenstrasse fahren, liess mich aber von all den Visaproblemen abschrecken, wie es von anderen berichtet wurde. Es war viel einfacher die Visa für Russland und die Mongolei zu bekommen. Nach all den Erfahrungen, die ich das erste Mal gemacht habe, wusste ich dass ich auch mit den Hindernissen entlang der Seidenstrasse zurechtkomme. Am Schluss war alles gar nicht so schlimm, wie jeder meinte.

Zuerst wollte ich auf meiner zweiten Weltumrundung auf der nördlichen Hemisphäre bleiben, nach China durch Russland und über die Beringstrasse nach Alaska. Zum Glück bekam ich eine Einladung von australischen Freunden, eine gute Ausrede um den Strapazen des russischen Winters zu entkommen. Meine Freunde waren ein Grund wieder nach Australien zu gehen.

Ein anderer war, es gab noch ein Stückchen oben im Norden, Cape York, was ich noch nicht gefahren war und was mich sehr reizte. Ausser Australien, war ich auch in Chile und China auf beiden Weltreisen. Überall fuhr ich in verschiedenen Teilen. Ich war schon in Israel und Jordanien. Bisher war mir noch nicht danach alleine durch den Iran oder Irak zu fahren. Vielleicht wenn ich älter bin.

Afrika steht ganz oben als Ziel für längere Reisen. Es war mir zu viel den Kontinent auch noch an eine Weltreise zu hängen. Ich brauche immer etwas Zeit die Eindrücke und Erlebnisse zu verdauen, bevor neue dazu kommen.

 

— Bolivien – Salar de Uyuni – 2010 —

2. Was war für Dich das schwierigste auf den Reisen, was Dich vielleicht auch immer wieder an Grenzen gebracht hat?

Dem Ganzen ein Ende zu setzen und wieder nach Deutschland zurück zu kommen.

 

— Australien – Northern Territory – 2009 —

3. Hattest Du auch manchmal Angst? War das vielleicht bei der zweiten Reise weniger der Fall?

Natürlich habe ich manchmal Angst. Das ist auch gut so, es hindert mich daran grosse Dummheiten zu machen. Aber wenn die Angst meine Freiheit einschränkt, unternehme ich etwas gegen sie. Ich lerne, mache Erfahrungen und fange mal klein an. Auf meiner zweiten Weltumrundung habe ich viel mehr wild gezeltet.

Ich kann einen Platz viel besser als sicher oder unsicher einschätzen. Das gleiche gilt für lange, einsame, dirtroads, ich habe genug Erfahrungen damit und habe seither immer überlebt. Nun weiss ich, ich kann es angehen.

 

— Tadschikistan – Pamir Highway – 2012 —-

4. Welches waren für Dich die fünf landschaftlich schönsten Streckenabschnitte weltweit?

 

  • Mongolei: grüne Hügel mit weissen Gers
  • Tajikistan: blauer Himmel, blaue Seen, weisse Berge
  • Australisches Outback: endloser Horizont mit einem ebenso endlosen Sonnenauf- und untergang
  • Bolivien: das Licht auf dem Altiplano
  • Chile: Carretera Austral, überall Gletscher und Wasserfälle

— Australien – Queensland – Savannah Way – 2013 —

5. Du hast sicherlich viel Hilfe unterwegs bekommen, in welcher Form auch immer. Welche davon war für Dich die wichtigste oder ergreifenste?

Ja, in abgelegenen Gebieten haben viele Autofahrer mir frisches Wasser oder etwas zum Essen gegeben. In anderen Gebieten haben sie mir ein Bett angeboten, auch wenn sie nur ein Zimmer im Haus hatten. Einmal auf der Strasse durch die Taklamakan Wüste hatte ich einen Platten. Das ist ja normalerweise kein Problem.

Nur, nachdem ich den Schlauch gewechselt hatte, bemerkte ich, dass meine Pumpe kaputt ist. Wahrscheinlich hatte sie zu viel Regen und Sand abbekommen. Von den wenigen Autos, die vorbei fuhren, hat keines gehalten. Dann kam ein altes, kleines Moped, der Fahrer hielt und wir überlegten uns, wie er mir helfen könnte. Das einzig mögliche war, dass er mit meinem Hinterrad zur nächsten Werkstatt fährt und es dort aufpumpen lässt.

Gedacht, getan. Ich habe ihn mit meinem Hinterrad samt Rohloff-Nabe fortfahren sehen und fragte mich, ob ich ihn mit meinem Rad je wiedersehen würde. Ich weiß nicht, wie viele Kilometer er fahren musste. Nachdem ich ungefähr eine Stunde in der Wüste gewartet habe, kam er zurück, mein Hinterrad fest aufgepumpt. Anstatt dass er etwas Geld oder sonst was für seine Hilfe angenommen hätte, hat er mir Brot angeboten.

 

— Australien – Queensland – Cook Shire – 2013 —

6. Jeder Radler kennt diese endlos langen, meist langweiligen Strecken, wo man sich quält und an dem Sinn des Ganzen zweifelt. Wo gab es für Dich diese Strecke und wie hast Du es am Ende geschafft?

Eigentlich sind alle Strecken mit Gegenwind endlos und langweilig, vor allem durch die weiten Ebenen der Wüste. Glücklicherweise bin ich etwas älter und brauche niemandem mehr etwas zu beweisen. Es macht keinen Sinn, gegen den Wind anzukämpfen, Du wirst immer verlieren. Wenn ich genug habe, mache ich wenn möglich früher Schluss oder, ich kann auch Hilfe annehmen, wenn ein Autofahrer anhält und mich mitnehmen möchte. Man darf sich nicht selbst im Weg stehen.

— Chile – Patagonien – 2014 —

 

7. Was für ein Typ bist Du? Die Planerin, die bereits morgens weiβ, wo sie abends unter kommt? Oder überläβt Du das alles dem Zufall? Kochst Du? Zeltest Du meistens oder übernachtest Du gerne bei Leuten oder in Unterkünften? Kurzum, wie sieht Dein normaler, wünschenswerter Radreisetag aus ?

Ich liebe die Freiheit, die ich beim Fahrradfahren habe. Ich möchte auch die Freiheit haben, so lange zu fahren, wie ich will, schlafen, wo ich will. Nur wenn ich eine Einladung habe, weiss ich am Morgen, wo ich am Abend übernachten werde. Also, mein perfekter Radreisetag sieht folgendermaßen aus:

Ich wache in meinem Zelt auf, es ist schon hell, die Sonne ist aber noch hinter dem Horizont. Es ist weit weg von jeglicher Zivilisation. Ich mache mir Kaffee und frühstücke beim Sonnenaufgang. Dann packe ich und mache mich auf den Weg. Es sollte nicht wärmer als 35 C und kälter als 20 C werden. Dann fahre ich soweit ich will, mit Pausen natürlich. Vielleicht komme ich an einem Laden vorbei, wo ich etwas zum Essen kaufen und Wasser haben kann. Wenn die Sonne untergeht, möchte ich mein Zelt aufgestellt haben und in den letzten Sonnenstrahlen mein Abendessen essen.

Hört sich sehr romatisch an, nicht wahr? Aber es ist wie jeden Tag Kuchen und Schokolade essen. Nach 2-3 Tagen möchte ich eine Änderung. Dann möchte ich jemanden treffen, mit dem man sich richtig unterhalten kann und etwas anderes sehen, als nur die Strasse.

 

— Madagaskar 2006 —

 

8. Du bist bei beiden Touren sehr viele km gefahren. 61.140 km und 48.028 km. Bleibt da Zeit zum verweilen, zum genieβen, zum kennenlernen und zum reflektieren?

Ja natürlich, sonst würde ich meiner Ansicht nach etwas falsch machen.

 

— Australien – Cape York – 2013 —

9. Was hast Du aufgrund Deiner Erfahrungen aus der 1. Radweltreise an Deiner Ausrüstung optimiert um für die zweite Weltumradelung besser gerüstet zu sein?

Eigentlich nicht viel, schon bei meiner ersten Weltumrundung hatte ich einige Erfahrungen mit Radreisen und bin da schon mit sehr guter Ausrüstung gestartet. Ich habe nur mein Zelt erneuert. Zuerst hatte ich das Hilleberg Akto, was fantastisch war, aber nicht freistehend, somit musste ich immer Heringe oder andere Hilfsmittel benutzen um es aufzustellen. Für die zweite Tour bekam ich das Hilleberg Soulo. Ich werde mich nie wieder von dem Zelt trennen. Es ist einfach perfekt.

— Australien – West Australien – Pentecost River Durchquerung – 2009 —

10. Welches Land hat Dich am meisten überrascht ?

Ich denke Uruguay. Eigentlich wusste ich überhaupt nichts über das Land, nur ein bisschen über die Zeit während der Diktatur und des Militärregimes. Obwohl es das teuerste Land Südamerikas ist, habe ich mich direkt in es verliebt. Es ist so ruhig, kaum Verkehr. Es gibt kaum Uruguayer mehr, und die, die noch da sind, sind so gelassen. Und in Bezug auf Fahrrad-Kultur-Reisen ist einiges los.

— Tadschikistan – Pamir Highway – 2012 —

11. Erzähle bitte eine Situation von Deinem Leben auf der Straβe, die Dich besonders lange beschäftigt hat.

Es begab sich zu einer Zeit, als ich über den Pamir Highway gefahren bin. Von einer Bauernfamilie, die sehr hoch fern ab von jeglicher Zivilisation lebt, wurde ich eingeladen. Wie üblich war es die Aufgabe des Mädchens am Abend die Kühe zu melken. Sie fragten mich, ob ich gerne mitgehen würde. Ich musste ihnen gestehen, ich kann keine Kühe melken. Sie waren sehr überrascht und fragten mich, was ich machen würde wenn ich Milch haben wollte. Ich antwortete, ich gehe in den Laden und kaufe welche.

Für jemanden der vielleicht 100km vom nächsten Laden entfernt wohnt, muss sich das komisch angehört haben. Ich kann vieles, aber ich kann nicht einmal Kühe melken, ganz zu schweigen in einer Umgebung wie ihrer überleben. Und wir denken wir sind besser und müssen ihnen einiges beibringen. Ich möchte dorthin gehen und alles lernen, was unsere Zivilisation schon lange verloren hat.

— Australien – Cape York – 2013 —

Wenn Du mehr über Dorothee und ihre tollen Reisen erfahren möchtest schau doch einfach bei ihr vorbei womencyclingguide.com

 

 

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