Krakau enttaeuschte mich, ich hatte von der Stadt mehr erwartet, aber ich hatte riesen Glueck denn ueber warmshowers bekam ich eine tolle Uebernachtungsmoeglichkeit in einer vegetarischen 6’er WG und wurde dort herzlich aufgenommen und fuerstlich versorgt.

3 Naechte blieb ich bis es im Regen weiter ging.

Urspruenglich wollte ich in die Hohe Tatra, doch wegen des anhalten schlechten Wetters hatte ich mich von dem Gedanken verabschiedet und bog stattdessen auf die Holzarchitekturroute ab und habe es nicht bereut.

Unzaehlig viele, alte und aus Holz gebaute Kirchen gibt es in der polnischen Provinz Malposka zu bestaunen. Eine faszinierender als die andere. Die Innenraeume wunderschoen bemalt und huebsch dekoriert, die Daecher mit Holzspindeln gedeckt, die Fassaden teils in pechschwarz gehalten.

    

Die griechisch orthodoxen Kirchen mit den typischen Zwiebeltuermchen sind besonders entzueckend anzusehen.

Die meisten sind winzig klein, teils sind sie auf der UNESCO Liste. Leider stand ich bei manchen vor verschlossener Tuere.

Was richtig auffaellt ist die extreme Glaeubigkeit der Menschen. Es finden andauernd Messen statt, auch unter der Woche. In Scharen laufen die Menschen in die Gotteshaeuser. Oft muessen viele sogar draussen stehen weil sie im Inneren keinen Platz mehr finden. In den Gaerten stehen Kreuze, kleine Kapellen, Maria Statuen und Bilder von Ex-Papst Johannes Paul.

Einmal beobachtete ich sogar wie Kinder in einer langen Reihe zur Beichte anstanden. Jedes der Kinder kniete nieder, bekreuzigte sich, fluestere dem Priester etwas ins Ohr und die meisten waren sichtlich erleichtert als sie die Beichte hinter sich hatten. Ich fragte mich was ein Kind in diesem Alter denn zu beichten habe? Ich moechte es nicht verurteilen, aber in Frage stellen moechte ich es schon.

    

Am 7.Juni war es dann endlich soweit, die Sonne zeigte sich und der ewige Regen hatte vorerst ein Ende. Das Wetter ging mir bereits aufs Gemuet und ich fragte mich mehrmals taeglich warum ich mir das eigentlich antue, somit war ich heilfroh dass ich meinen Regenklamotten nun mal eine Pause goennen durfte.

Der Weg fuehrte nun an wunderschoenen Blumenwiesen vorbei, durch Waelder hindurch, an kleinen Doerfern entlang und an unzaehligen Storchennestern vorbei.

    

Mehrmals sprangen vor mir ein paar Rehe ueber die Strasse, eines davon sogar mit 2 Rehkitzen. Raubvoegel kreisen immer wieder ihre Bahnen. Endlich bin ich wieder in der Natur, ich sauge die Landschaft, die Ruhe und die Waerme richtig in mich auf.

Im Bieszczadzki National Park genoss ich mein erstes grosses Lagerfeuer, musikalisch untermalt von 3 Gitarren sangen zig Leute polnische Lagerfeuerlieder. Es war richtig gemuetlich.

Es geht mir gut, die anfaenglichen Bedenken sind verflogen, die Neugierde treibt mich voran. Ich treffe so viele Menschen die meine Reise bewundern, die mich immer wieder fragen ob ich keine Angst habe so alleine. Manche schuetteln auch nur mit dem Kopf wenn ich ihnen antworte wohin ich ueberall radeln moechte. Staendig werde ich nach meinem Alter gefragt, diese Frage ueberrascht mich eigentlich immer wieder und meistens sind die Leute dann noch irritierter wenn ich ihnen eine Antworte gebe. Frei nach dem Motto in dem Alter hat man doch besseres zu tun….so jedenfalls interpretiere ich ihren Gesichtsausdruck.

In der letzten Zeit fuehlte ich mich auch immer weniger alleine, ich geniesse es mir meine Gedanken zu machen, frei zu sein, zu entscheiden wohin ich fahre und was ich mache, wann ich aufstehe und wo ich mein Zelt platziere. Intensivere Unterhaltungen sind allerdings schwer, die meisten sprechen nur gebrochenes Englisch oder Deutsch.
Das Exotische fehlt mir noch ein wenig, sowohl in der Landschaft als auch in der Kultur und in den Menschen, aber das wird von ganz alleine kommen je weiter ich in den Osten vordringen werde.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 

Pin It on Pinterest

Share This