In einem kleinen Dorf in Transilvanien kurz vorm Aufstieg zum Trans Fagarasan Pass durfte ich in einem Wochenendhaus uebernachten. Es war Sonntag Abend und die Besitzer im Aufbruch. Sie hinterliessen mir den vollen Kuehlschrank, den Gemuesegarten und den Schluessel den ich am naechsten Morgen bei der Nachbarin abgeben sollte.

Wenn man alleine unterwegs ist, sind genau das die Momente die einem die Seele streicheln. Die Erlebnisse der Gastfreundschaft sind wichtig um sich zu motivieren und um am Plan festzuhalten. Sie kommen meistens dann wenn man sie auch wirklich noetig hat. Denn es ist ein ewiges auf und ab, mal ist man voller Tatendrang und einem gehoert die Welt und keine 5 Minuten spaeter fuehlt man sich Mutterseelen alleine und haette so gerne jemanden an der Seite mit dem man reden kann.

Ich knackte an diesem Tag die 3000 km Marke und wie immer bei etwa 3000 gefahrenen km riss mein Schaltzug. Doch alles halb so tragisch dafuer habe ich ja Werkzeug und Ersatzteile dabei.

32 lange km schlaengelt sich die Strasse den Trans Fagarasan Pass hoch. Zusaetzlich jagte ein Gewitter das Naechste.

    

Laci und Feri, zwei Wohnmobilfahrer, versorgten mich bereits mittags mit einer warmen Suppe und gluecklicherweise uebernachteten sie oben am Pass auf 2050m, den ich nach 1635 kumulierten Hoehenmetern ziemlich kaputt und keine 2 Minuten vor einem Hagelsturm erreichte.

Freudestrahlend nahmen sie mich in Empfang und versorgten mich bestens, sogar duschen durfte ich.

Auf der Suedseite des Passes traf ich zwei chaotische Suedkoreaner die bereits 30.000km auf dem Tacho stehen haben. Sie sind bei minus 40 Grad im Pamir Gebirge unterwegs gewesen. Sie erzaehlten ganz begeistert vom Iran.

Auch das sind Motivationsmomente die mich anspornen und bei denen ich denke, ja genau das moechte ich alles auch erleben. Irgendwie gibt es einem Mut und neue Kraft.

    

Die naechsten Tage waren hart. Es ging durch die oede Walachei. Maisfelder wechselten sich mit Sonnenblumenfeldern ab, dazwischen ab und an ein Dorf. Sonst passierte absolut nichts. Ein Glueck fragte ich jeden Abend am richtigen Haus und bekam immer einen Schlafplatz und Essen.

Aber das kann auch anstrengend sein. Man erzaehlt seine Geschichte immer und immer wieder, oftmals nur mit Haenden und Fuessen. Man ist muede und kaputt und moechte eigentlich nur schlafen, stattdessen werden die Nachbarn hinzugerufen und man wird bestaunt. Schade dass eine richtige Unterhaltung nicht moeglich ist, denn ich haette selbst so viele Fragen.

    
Endlich war die Donau errreicht, per Faehre ging es nach Bulgarien. Banditen soll es hier geben, das jedenfalls hoerte ich oft in Rumaenien. Und keine 2km vom Grenzort Nikopol entfernt rief mir ein Taxifahrer in deutsch zu, aber pass auf, hier gibt es Banditen.

    

Im ersten Dorf das ich erreichte wollte ich auf dem Rasen vor einem Haus zelten. Das Zelt stand keine 10 Minuten da kam der Buergermeister hoechstpersoenlich und sorgte dafuer dass ich im Haus uebernachten durfte. Es gibt zu viele Banditen war die Aussage des englischsprechenden Herrn den ich per Telefon gereicht bekam.

Bulgarien ist ein Paradies fuer Radfahrer. Einsame Strassen, viele Huegel und Berge.

Das Balkangebirge musste ueberquert werden und ich suchte mir den wahrscheinlich schwierigsten Pass dafuer aus. 900hm uebelste Piste musste ich bewaeltigen um von Apriltsi zur Berghuette Tazha auf 1550m zu gelangen. Ich glaube im Endeffekt habe ich den Weg verfehlt, denn es war eher eine downhill Piste als ein Weg. Ich kam voellig fix und fertig in der Huette an.

    

    

Die Abfahrt war dagegen umso schoener, wenn auch total holprig, war sie landschaftlich sehr reizvoll.

Seit Polen soll es in den Waeldern und Bergen ueberall Braunbaeren geben, leider habe ich noch keine gesehen, wirklich sehr schade.

Von Plovdiv, der zweitgroessten Stadt des Landes, ging es ins Rhodopen Gebirge. Es begann ein Kampf gegen jeden einzelnen Pass, mal auf einer brutal verblockten Schotterpiste, dann wieder gemaechlich ansteigend auf einer super Strasse.

    

    

Im Sueden der Berge, nahe der griechischen Grenze hoerte ich zum ersten Mal den Muezzin rufen. Es gibt hier viele Tuerken. Die Maenner sitzen stundenlang im Cafe und scheinen alle Zeit der Welt zu haben.
Zigeuner gibt es ebenso. Sie hausen in der Bergen schon fast wie Indianer.

    

So richtig warm werde ich mit dem Land und den Leuten nicht. Ich vermisse die Gastfreundschaft die ich in den anderen Laendern geniessen durfte.

Ich glaube es wird Zeit weiter zu ziehen. Auf nach Mazedonien, doch zuvor schaue ich mir noch das Rila Kloster an.

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