Der Iran ist spannend. Die Menschen wahnsinnig freundlich, die Moscheen wunderschoen und die Kultur vielfaeltig und nicht gerade leicht zu begreifen.

Ich habe es in keinster Weise bereut den Iran zu besuchen, mehr sogar, ich freue mich riesig die
Chance zu haben dieses Land naeher kennenzulernen. 

Frauen haben im Iran einen ganz anderen Stellenwert in der Gesellschaft, als es in der Tuerkei der Fall ist.

Ueberall sieht man viele selbstbewusste, huebsch gekleidete und geschminkte Frauen. Sie fahren Auto, studieren, haben Berufe im Oeffentlichen Leben und man hat in keinster Weise das Gefuehl man befindet sich in einer Maenner dominierenden Gesellschaft.

Trotzallem sind in den Gegenden, in denen ich unterwegs war, etwa die Haelfte der Frauen mit dem schwarzen Chador bekleidet. Irgendwie sehen fuer mich dadurch alle gleich aus.

Als Westler hat man vielleicht den Gedankengang der Unterdrueckung, ich allerdings haben den
Eindruck diese Frauen sind gluecklich und zufrieden.

Sie sind oft sehr neugierig, laecheln mir zu und freuen sich des Lebens mich zu sehen.

 

Maenner sind mir gegenueber ebenso sehr offen. Sie treten mir hoeflich und respektvoll entgegen.

Die Iraner sind nicht nur ein sehr froehliches und freundliches Volk, sie sind auch gebildet.
Das Land ist kaum vermuellt, die Strassen in einem sehr guten Zustand, die Menschen gepflegt,
die Wohnungen immer sauber und aufgeraeumt. Sie sind stolz auf ihr Land, auf ihre Kultur und ihre Geschichte.
Der Islam ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens.

 

Das Essen dagegen ist leider nicht sehr vielfaeltig und auch nicht besonders schmackhaft.
Der Tee ein Glueck lange nicht so stark wie in der Tuerkei. Die selbstgemachten Suessigkeiten fuer meinen Geschmack viel zu suess.

 

Die Familie hat einen aeusserst hohen Stellenwert. Die Aelteren werden sehr verehrt. Oftmals sitzen Onkel, Tante, Oma, Enkel und zig weitere Familienmitglieder auf dem Boden, plaudern und essen. In konservativen Familien legen die Frauen selbst innerhalb des Familienkreises ihren Chador oder ihr Kopftuch nicht ab und auch von mir wird dann erwartet meine Haare zu bedecken.

 

In den Doerfern haben die Wohnungen oftmals nur 2 Raeume. Die Einrichtung besteht aus dem Fernseher, aus zusammengefaltenen Matratzen und Decken, die an der Seite gestapelt liegen, sowie dem Ofen. 

Der eine Raum wird geheizt, der andere bleibt kalt. Die Kueche ist oftmals in einen der beiden Raeumen integriert.

Zum Essen wird eine Plastiktischdecke auf dem Boden ausgelegt. Zum Schlafen werden die Decken
oder Matratzen ausgerollt, manche, auch die Aelteren schlafen auch auf dem blanken Teppich.

Betten wie wir es kennen gibt es keine. Die einzelnen Familienmitglieder haben keine Privatsphaere,
kein eigenes Zimmer, nicht mal einen eigenen Schrank. Moechte jemand frueher schlafen,
muss er den Krach um sich herum akzeptieren. Ruecksichtsnahme scheint irgendwie unbekannt zu sein.

 

Ich werde ueberall bevorzugt behandelt. Ich bekomme immer zuerst das Essen, bekomme immer
die groesste Portion. Ich werde dauernd bedient und es wird staendig darauf geachtet dass
es mir gut geht. Teilweise sogar etwas penetrant und oft ist es mir auch sehr peinlich.
Helfen darf ich leider nicht. Der Gast soll sich wohl fuehlen und sich ausruhen.

Das Wohnzimmer wird extremst beheizt, teilweise habe ich wirklich Schwierigkeiten die Hitze zu ertragen.

Moechte ich im unbeheizten Raum schlafen, muss ich ewig lange Diskussionen fuehren, weil keiner
verstehen kann, dass ich freiwillig in einem kalten Raum naechtigen moechte.

Mir ist es doppelt recht, denn somit habe ich den Schlafplatz fuer mich alleine.

 

Die Gastfreundschaft ist ueberaus herzlich, es beeindruckt mich jeden Tag von Neuem,
wie sehr man als Auslaender im Land willkommen ist. Etliche Male hoerte ich schon: Herzlich willkommen im Iran, herzlich willkommen in meiner Stadt, danke dass Du mein Land besuchst.

Autofahrer verschenken Fruechte oder heissen Tee, winken und hupen und rufen mir zu.
Staendig werde ich fotografiert, teilweise komme ich mir schon fast wie ein Star vor.

Es werden etliche Fragen gestellt, immer wieder die gleichen, jeden Tag von Neuem.
Es geht weit ueber die Standartfragen wie Name, Alter, Beruf und Herkunft hinaus.

Warum ich nicht verheiratet bin, warum ich keine Kinder habe, ob man in Deutschland mit
seiner Freundin/Freund Sex hat, mein Gehalt wird abgefragt, die Namen meiner Familienmitglieder,
die Beziehung zwischen dem Iran und Deutschland. Wieviel mein Rad und meine Kamera kostet und
natuerlich wie mir der Iran gefaellt. Zudem so seltsame Fragen wie: Wer ist der schoenste Mann im Raum oder wer hat den schoensten Namen.

 

Isfahan ist eine moderne Stadt, sehr lebhaft, verkehrsreich und voller wunderschoener Kulturschaetze.

Pooyan, ebenso Mitglied des Radlerhelfernetzwerkes und seine wohlhabende Familie nahmen mich
herzlich auf. Es gefiel mir so gut, dass ich 6 schoene Tage mit ihnen verbrachte.

Carlos und Xavi, 2 spanische Radler wohnten zur selben Zeit dort. Mit den beiden Spaniern gab es
jede Menge zu lachen und mit den beiden Soehnen der Familie fuehrte ich intensive Gespraeche
ueber Werte, Religion, Politik und Kultur.

 

Am 21.12. feiert man im Iran die laengste Nacht des Jahres. Wir drei Radler waren mit zur Familienfeier eingeladen, die sich als eine wunderschoene Feier entpuppte. Ca. 30 Leute waren eingeladen.

Nuesse, Fruechte und Datteln, Kuchen und Kekse waren die Vorspeise. Reis, Nudeln und Suppe folgten. Gedichte wurden vorgetragen, Lieder gesungen und vorallem viel getanzt. Obwohl ein paar Tage zu frueh, war es fuer mich meine vorgezogene Weihnachtsfeier.

 

Ich fuehrte an diesem Abend ein intensives Gespraech mit einem 30 jaehrigen Freund der Familie.
Er erzaehlte mir, dass er bereits seit 4 Jahren eine Freundin hat, die er allerdings nur etwa
3-4 Mal im Jahr sehen kann.

Wenn sie sich treffen, dann nur heimlich, meistens irgendwo in einem Park. Beide sind noch Jungfrau und darauf legt er auch grossen Wert. Sie moechten heiraten, allerdings muss er noch jede Menge Geld sparen, denn die Dame erwartet ein Auto, ein Haus und einiges an Gold zur Hochzeit. Zudem ist ihre Schwester die Aeltere und noch nicht verheiratet und sie muessen erst warten bis sie den Bund der Ehe geschlossen hat, da es sonst sehr verletztend fuer sie waere wenn ihre juengere Schwester zuerst verheiratet waere.

Seine Eltern haben sie bereits kennengelernt und sind mit seiner Wahl einverstanden. Sobald er verheiratet ist, wird er das Elternhaus verlassen und in das gemeinsame, neue Haus einziehen.
Sein Kumpel dagegen ist bereits verheiratet, hat allerdings noch nicht genug Geld fuer ein eigenes Haus und somit leben sie weiterhin getrennt und jeder bei den eigenen Eltern.

 

Ich wurde von einem Journalisten fuer eine Nachrichtenagentur interviewt und zudem stundenlang in der Stadt von einem Fotografen fotografiert. Interessant, wenn man auch mal vor der Kamera steht, nicht immer nur dahinter, so wie ich es jahrelang beim TV gewohnt war.

 

Von Isfahan aus versuchte ich eine einsame Strecke Richtung Yazd zu finden, doch leider sind selbst die Nebenstrassen im Iran stark befahren. Ich liess mir von Pooyan zuvor meinen Standard „Steckbrief“ in Farsi uebersetzen und zeigte am 1. Abend an einer Moschee ein paar Maennern meinen Zettel. Es wurde telefoniert, diskutiert, Leute kamen und gingen und keine 10 Minuten spaeter sollte ich einem Mann folgen.

Wiedereinmal sass ich inmitten einer riesigen Familie, wurde verkoestigt, ausgefragt, mit allen Familienmitgliedern einzeln fotografiert und hatte einen Platz zum schlafen.

 

Die Landschaft wurde wuestenhafter, der Verkehr lies ein Glueck nach. In Varzaneh hatte ich das grosse Glueck beim Emam Hossein Gedenktag teilzunehmen. Hunderte Menschen sangen, beteten, weinten, klatschten und waren teils ausser sich.

Viele Frauen waren anstelle des schwarzen Chadors, im weissen Chador bekleidet, das einzigste Mal wo ich das bisher gesehen habe. Ich wurde vom staatlichen Fernsehen interviewt, konnte das Video anschliessend allerdings nirgendswo online finden. Wer weiss ob es jemals gesendet wurde.

Essen wurde fuer jeden ausgegeben und nach etwa 1 Stunde war der Zauber wieder vorbei.

 

 

Ich fuhr weiter durch die Wueste, teils durch schoene Landschaft, kein Dorf mehr weit und breit.
Mir ging ein Lied durch den Kopf, ein Kinderlied, welches auf meiner damaligen Lieblingsschaltplatte zu hoeren war. Ich war noch sehr klein als mich dieses Lied begeisterte. Ich sang es laut vor mir her und freute mich des Lebens: „Dem Mutigen gehoert die Welt, rampadampadam, zum gluecklich sein braucht man kein Geld, rampadampadam…..

 

Noch rechtzeitig vor Sonnenuntergang erreichte ich ein Haus an dem ich klopfte, Salam sagte und meinen Zettel zeigte. Ich wurde ins Haus gebeten, doch irgendwie schauten mich alle seltsam an und fragten mich immer wieder ob ich Mann oder Frau bin. Ich zog meine Muetze aus und zeigte meine langen Haare, worauf man mir gleich zu verstehen gab, ich solle doch meine Haare sofort wieder bedecken.

 

 

Kurze Zeit spaeter kam ploetzlich ein englisch sprechendes Maedchen ins Haus, die mir uebersetzte,
dass die Familie es einfach nicht glauben konnte, dass ich als Frau den ganzen Weg aus Deutschland
alleine mit dem Rad gefahren bin und deshalb mich so oft gefragt haben ob ich wirklich eine Frau bin.

Die Mutter haette zu ihrem Jungen gesagt, warum bringst Du mir diesen Mann ins Haus und der Junge meinte wohl mehrmals, aber sie ist doch eine Frau.

Es ist daher schon oefters passiert, dass Maenner mir die Hand gegeben haben und als ich sie
gegruesst habe sie verschreckt feststellten dass ich eine Frau bin, denn die Hand schuettelt man
nur mit dem gleichen Geschlecht.

Ich muss dazu sagen, dass ich absichtlich waehrend ich Rad fahre kein Kopftuch trage,
sondern nur eine Muetze und darueber eine Kaputze. Keine iranische Frau kleidet sich so,
kein Wunder also, dass sie manchmal denken ich sei ein Mann. Irgendwo schuetzt es mich auch,
daher behalte ich es bei.

 

 

Der einsame Weg endete schon bald wieder auf einer verkehrsreichen Hauptstrasse. LKWs
donnerten pausenlos an mir vorbei und ich hatte das Gefuehl auf der A5 unterwegs zu sein.
Ich erreichte Nain, ein wunderschoener Ort voller Lehmhaueser, toller Moscheen und einzigartiger Architektur.

Es war Heilig Abend und bereits dunkel als ich einen Radfahrer entdeckte. Es war Rafael,
der Spanier mit dem ich bereits in der Tuerkei unterwegs war. Wir konnten es beide nicht glauben,
freuten uns riesig und wuenschten und frohe Weihnachten.

 

 

Wir suchten uns jeder ein Hotelzimmer. Ich war muede und wollte mir einfach etwas Ruhe goennen.
Ich wollte einen Abend lang die Moeglichkeit haben die Tuere zu schliessen, keine Fussballernamen und kein Heil Hitler zu hoeren. Nein ich wollte alleine sein.

Ich konnte die Temperatur in meinem Zimmer so regeln wie ich es wollte, konnte ins Bett und aufstehen wann ich wollte und ich musste zudem nicht ueberlegen ob mein Verhalten unhoeflich sein koennte.

Ich wollte ausserdem einen Abend lang nicht das typische Dauergrinsen aufziehen das man an sich hat wenn man sich nicht unterhalten kann. Nein, mein Heilig Abend gehoerte mir ganz alleine und das war sehr gut so.

 

Rafael und ich fuhren gemeinsam weiter. Wir waren wieder ein Team.

Leider gab es nur eine Strasse nach Yazd und das war der Hwy. Es war aetzend laut und nervig.
In Aqba kam ich das 1.Mal in den Genuss beim Helal Ahmar zu naechtigen.
Helal Ahmar ist das iranische rote Kreuz, das etwa alle 80km entlang der Haupstrassen stationiert ist.
Als Radler wird man dort herzlich aufgenommen, kann duschen, oftmals sogar in einem Bett schlafen und wird zudem verkoestigt. Es arbeiten dort allerdings immer nur Maenner, somit bin ich immer die einzigste Frau. Mit Rafael war es nun ersteinmal wieder etwas schwieriger mit den Maennern zu kommunizieren, denn sie sprachen Anfangs immer erst mit ihm.

Doch nach einiger Zeit entspannte sich oftmals die Lage und auch mir wurden Fragen gestellt.

 

 

Doch es ist offensichtlich, dass es fuer mich deutlich einfacher ist mit den Frauen in Kontakt zu treten, die wiederum den Rafael deutlich distanzierter betrachten.

 

Ueber den spannenden Ort Meybod ging es nach Yazd. Im Silk Road Hotel duerfen Radler umsonst uebernachten.
Die Atmosphaere dort war international. Ich fuehrte Gespraeche mit Reisenden aus allen Herren Laendern, ein richtiges Backpacker Mekka.

 

 

 

Yazd ist wunderschoen, ein Flair aus 1001 Nacht. Lehmmauern, bunte Moscheen, Bazare,
kleine Handwerksbetriebe, prunkvolle Grabmale und ein Labyrinth aus kleinen Gassen praegen das Stadtbild.

 

 

 

Ich sass stundenlang in einigen Moscheen und beobachte das Geschehen. In Schreinen muss auch
ich den Chador tragen, den man am Eingang gereicht bekommt. Maenner und Frauen haben getrennte Eingaenge.

Der kleinere Teil der Moschee steht den Frauen zu, die Moscheemitte den Maennern. Ab und an
bekommt man auch in der Moschee cay serviert, manchmal sogar Brot.

Oftmals werde ich neugierig angesprochen und wie immer mit Fragen bombardiert oder
kichernd mit zig Frauen zusammen fotografiert.

 

 

Viele Frauen weinen am Schrein, andere lesen in Ruhe den Koran, manche plaudern auch stundenlang, fast schon wie bei einem Kaffeekraenzchen. Ich persoenlich finde dass der Innenraum einer Moschee deutlich mehr Waerme und Wohlsein ausstrahlt als es in den meisten Kirchen der Fall ist.

Es ist einfach gemuetlicher auf dem Teppich zu sitzen und cay zu trinken ,
als auf den harten Holzbaenken muxsmaeuschenstill innezuhalten.

 

 

 

Yazd war einfach klasse und sicherlich eines der Highlights im Iran.

Am letzten Tag des Jahres ging es weiter, wobei wir an diesem Tag nicht weit kamen, denn in dem Ort Taft bemerkten wir die Vorbereitungen fuer ein Fest und wollten dieses auf keinen Fall verpassen.

Wiedereinmal ging es um Emam Hossein, dem Emam den die Iraner am meisten verehren.
Emam Hossein ist ihr Held, der vor 1400 Jahren auf tragische Weise ums Leben kam.

Maenner singen, schreien, rennen und schlagen sich im Rhythmus der Melodie auf die Brust.
Zudem wird ein riesengrosses Holzrad auf dem Festplatz im Kreis gefuehrt und von bruellenden
Fahnentraegern begleitet. Die Frauen, alle im schwarzen Chador bekleidet, stehen weinend am Rand
des Geschehens.

Eine Gedenkfeier voller Emotionen. Spannend und beeindruckend, doch irgendwie auch ein bisschen unheimlich zugleich.

 

 

Nach Taft ging es ueber die Berge und wiedereinmal schneite es.

 

Voellig durchnaesst erreichten wir ein Dorf, doch leider wollte uns ausgerechnet an diesem Tag
niemand aufnehmen und somit schliefen wir in einer Moschee und assen Rafaels Notration.

Er hatte seit Goereme/Tuerkei ein wenig Bulgur dabei und ich fahre seit Athen 2 Gaskartuschen spazieren, die ich nun zum ersten Mal brauchte.

Morgens um 5.30 Uhr war die Nacht zu Ende, denn Muezzin rief zum Gebet. Es war so laut, dass ich das Gefuehl hatte die Fensterscheiben vibrierten.

Im Vergleich zur Tuerkei ist die Laermbelaestigung des Muezzins hier allerdings deutlich reduzierter.
Erstens beten sie hierzulande nur 3mal am Tag und nicht 5mal und zweitens sind die Lautsprecher
nur um die Moschee herum platziert und nicht an jeder Strassenecke.

 

Kurze Zeit spaeter kamen die Glaeubigen. Wir hatten ueber Nacht unsere Sachen zum trocknen
ausgelegt und die Raeder in die Mosche gestellt, zudem lagen wir noch in unseren Schlafsaecken.
Aber all das stoerte anscheinend niemanden. Ich lag genau in Richtung Mekka und die 
Frauen beteten somit direkt in meine Richtung, Mir war die ganze Situation super peinlich.

Die verschneiten Berge hinter uns gelassen fuhren wir im Sonnenschein weiter durch die Wueste.
Abarkuh war von der Architektur her aehnlich wie Meybod, Nain oder Yazd. 

Ein gut betuchter Mann lud uns zum Essen ein. Das erste Mal hoerte ich positives ueber das Regime und boese Stimmen gegen Irans angebliche Feinde.

Seine 15 jaehrige Tochter steckt er bereits in einen Chador.

 

In den naechsten Tagen fragte ich oefters Leute indirekt nach ihrer politischen Einstellung und
zu meiner grossen Ueberraschung waren es fast immer pro Regime Stimmen.
Nun bin ich mir nicht sicher ob sie es aus der Angst heraus sagten, oder aus innerer Ueberzeugung.

Khomeini und Khamenei begegnet man ueberall. Im TV, auf Plakaten, an Hausfassaden, in Haeusern,
Moscheen und Geschaeften haengen ihre Bilder.

 

Zuvor hatte ich den Eindruck die Menschen sind fast alle gegen das Regime. Manche mit denen
ich sprach versuchen das Land zu verlassen, andere wollen ihr image nach aussen hin deutlich verbessern.

Daher bekomme ich auch oft Fragen gestellt, wie die Beziehungen zu Deutschland sind oder die
innige Bitte allen meinen Freunden zu erzaehlen, dass der Iran voller freundlicher Menschen ist.

Pasargad, eine der antiken Staetten kurz vor Shiraz, erreichten wir kurz nachdem es
wieder einmal anfing zu schneien. Vor dem Eingang steht unuebersehbar dieses Plakat.

 

Pasargard selbst war fuer mich nicht weiter interessant, es ist einfach viel zu wenig uebrig von der
einstigen Pracht. Wir schafften es an diesem Tag noch bis zum Helal Ahmar und wurden wieder einmal herzlich aufgenommen.

 

Am naechsten Morgen war alles tief verschneit, einige Unfaelle ereigneten sich bereits und es
waere zu gefaehrlich gewesen noch bis Shiraz zu fahren. Somit fuhren wir die letzten 100km
mit dem Bus. Der Bus brauchte dafuer 9 Stunden. Es herrschte das totale Chaos auf den Strassen.

Shiraz hatte 20 Jahre lang keinen Schnee gehabt, doch nun gleich so viel dass sogar
die Schulen geschlossen wurden. Persepolis hatten wir dadurch leider auch nicht gesehen.
In Shiraz wohnten wir bei einer Familie. Ahmed feierte seinen 34. Geburtstag,
die Gaeste waren 4 Maenner, seine beiden Soehne, Rafael und ich.

Seine Frau verschwand kurz bevor die Maenner erschienen. Ich kam mir dezent deplatziert vor,
obwohl es eine sehr lustige, wenn auch sehr seltsame Veranstaltung war.

Iraner machen oftmals einen sehr weiblichen Eindruck und man urteilt vielleicht zu schnell,
aber als die 5 Iraner anfingen zu tanzen, war es offensichtlich dass ich auf einer Schwulenparty gelandet war.

Ich musste mein Visum verlaengern, weil meine ersten 30 Tage bereits abgelaufen waren.
Die Auslaenderpolizei war brechend voll mit Leuten unterschiedlicher Nationalitaeten.
Es herrschte Chaos. Ich wurde auch hier zuvorkommend behandelt. Pakistanis und
Afghanen wurden teils angeschrien, ich dagegen wurde sogar mit zu den einzelnen Raeumen begleitet.

Im Endeffekt bekam ich von etwa 6 unterschiedlichen Leuten mindestens 10 Haekchen oder Unterschriften auf irgendwelchen Antragsformularen. Manche davon sah ich mehrmals auf meiner Runde durch die verschiedenen Raeume. Irgendwie war es sogar amuesant. Leider bekam ich nur 21 Tage anstelle 30. 

Die Herren liesen nicht sonderlich mit sich reden. Am Ende war es aber auch egal, denn ich aenderte meinen Plan danach sowieso.

Wir blieben nicht lange in Shiraz, denn bis auf ein paar wirklich beeindruckende Moscheen,
gefiel uns die Stadt nicht sonderlich. Der Verkehr war wieder sehr nervig.

Ab Shiraz veraenderte sich einiges. Die Menschen hatte dunklere Hautfarben, sie trugen buntere Kleidung, die Strassen waren deutlich dreckiger und die Doerfer deutlich aermer.
Nomaden zogen mit ihren Ziegenherden durchs Land und lebten teils in Zelten.
Das Essen endlich schmackhafter. Und es war endlich waermer.
Doch irgendwie war es nicht mehr der Iran den ich zuvor kennengelernt hatte. Es war anders geworden.

 

 

 

Ueber Duzeh ging es nach Jahrom. Eine wunderschoene Strecke. An Oasen und kahlen Bergen vorbei,
Palmen und kleine Seen. In Jahrom, bei Zahrah und ihrer Schwester sowie deren Eltern, verbrachten wir sogar zwei Naechte. Sie sprach Englisch und somit konnte ich einige Fragen stellen, die mich seit langem sehr interessierten.

Ihr Haus bestand aus einem Raum. Wohnzimmer und Kueche in einem, sowie einer Art Gang mit ein paar qm Platz. Bevor ihre beiden Brueder auszogen, lebten somit 6 Menschen auf diesem engen Raum.

Fuer mich unvorstellbar. Ich stellte an diesem Abend das erste Mal seit der Tuerkei mein Zelt wieder auf, endlich war es nun nachts wieder warm genug dafuer. Zur Belustigung der halben Nachbarschaft trug es ebenso bei.

Jeder lies sich davor fotografieren.

 

 

Rafaels Visa ging zu Ende und somit musste er den Bus von Lar nach Bandar Abbas nehmen.

 

 

Er begleitete mich noch bis zum Hwy als ein Motorradfahrer uns hinterher fuhr und die ueblichen Fragen stellte.
Doch irgendwie hatte ich das Gefuehl mit ihm stimmte etwas nicht und somit fuhr ich vorne weg.
Als wir weit genug auseinander waren, kam er zu mir gefahren und fragte mich ganz deutlich nach Sex.
Ich sagte ihm er solle verschwinden, doch das tat er nicht. Ganz im Gegenteil er draengelte mich mit seinem Moped immer weiter in den Graben. Ich hielt an und bruellte ihn an, Rafael war mittlerweile bei uns und machte ihm deutlich er solle abhauen, was er dann auch tat.

Wir ueberlegten was wir tun sollten. Von Weitem beobachtete er uns und Rafael meinte
ich solle nun auf keinen Fall alleine weiter fahren. Wir fuhren zurueck in die Stadt und sahen ihn noch ein paar Mal an unterschiedlichen Strassenecken. Er verfolgte uns.

Schlussendlich ueberredete mich Rafael mit ihm im Bus mitzufahren. Es blieb mir ja auch gar nichts anderes uebrig.

Ich war genervt und enttaeuscht.

Bis Bandar Abbas war es nicht mehr weit. Eine haessliche Stadt. Bereits 2 Wochen zuvor bekam ich von Mohammed einen Anruf, sollte ich nach Bandar Abbas kommen, koennte ich gerne bei ihm wohnen. Woher er meine Nr. hatte weiss ich bis heute nicht.

Wir blieben eine Nacht, kauften das Faehrticket nach Sharjah in den Emiraten und verliessen nachts das Land.

 

Dubai versetzte mich ersteinmal in einen Kulturschock. Aber dazu mehr beim naechsten Mal.

11850km

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