Dubai, ein Meer aus Wolkenkratzern, riesigen Einkaufszentren, Multi-Kulti und dicken Autos.
Kurzzeitig dachte ich, wir waeren in Manhattan gelandet.

Der Verkehr ist voellig irre, lauter Angeber, die mit ihren nagelneuen Autos keine Ruecksicht
auf irgendjemanden nehmen, schon gar nicht auf eine Radlerin.

Zudem ueberall Verbotsschilder. Kein Baden, kein BBQ, kein Radfahren, kein nix.
Der Gipfel der Verbote bestand darin, dass ich mein Rad nicht einmal vor der Dubai Mall abstellen durfte. An jeder Ecke lauerte ein Sicherheitsmann, der mich woanders hin schickte.

In der Stadt dreht sich alles ums Geld. 80% der Bewohner sind Auslaender. Die Arbeiterklasse kommt aus den Philippinen, Indien, Bangladesch oder Pakistan. Die gut ausgebildeten Europaer bilden die Mittelschicht, die reichen Emirates die Elite.

 Rafael und ich verabschiedeten uns, sein Weg fuehrt ihn nun an der Kueste entlang nach Muskat

im Oman und von dort weiter nach Indien. Ich dagegen wollte mir in Ruhe die Berge im Landesinnere des Omans anschauen.

Es fiel uns beiden schwer lebe wohl zu sagen, schliesslich hatten wir einiges zusammen erlebt, doch irgendwie wurde es auch Zeit wieder alleine unterwegs zu sein.

Ich war muede und ausgebrannt, ich sehnte mich nach Ruhe und Erholung.
Ich wollte wieder meinem eigenen Rhythmus nachgehen. Vorallem wollte ich endlich auf einsamen Pisten unterwegs sein.

Der Verkehr im Iran war einfach oftmals zu viel gewesen.

Hauptgrund meiner Entscheidung den Oman zu besuchen, war allerdings die Kaelte.
Iran hatte dieses Jahr einen besonders strengen Winter erlebt und ich wollte mir nun etwas Waerme goennen.

 

 In Yazd, im Iran, hatte ich ein nettes deutsches Ehepaar kennengelernt, bei denen ich in Dubai uebernachten durfte. Ihre Siedlung spiegelt eine amerikanische Wohngegend wieder.

Sicherheitspersonal, der Schulbus haelt direkt vor der Haustuere, philippinisches Hausmaedchen, Golfplatz um die Ecke, joggende Leute am Strassenrand sowie die auerbewaesserung irgendwelcher Rasenflaechen. Nachts zudem pompoese Lichtspiele entlang riesiger, schon fast kitschiger Wolkenkratzer.Ich war ploetzlich in einer anderen Welt. Luxus pur inmitten der Wueste.

Im Iran wurde ich fast als Heldin betrachtet und ueberall extrem nett behandelt.
Hier war ich ein absoluter Niemand. Eine arme Europaerin die sich kein Auto leisten kann.

Ich beantragte ein Usbekisches Visum, erkundigte mich nach einem Iranischen Visum
und versuchte mich mit den neuen Gegebenheiten anzufreunden, denn ich erlitt einen richtigen Kulturschock. Ich war in genau der Gesellschaftsform gelandet, die ich mit Absicht zu Hause verlassen hatte, nur war sie hier um ein vielfaches verschaerft.

Es war aetzend die Stadt zu verlassen. Auf der Autobahn duerfen Radfahrer nicht fahren,
Alternativen gibt es aber keine. 

Egal, ich ertrug den Laerm, ignorierte die Radverbotsschilder und fuhr Richtung Oman.

Begleitet von herrlichem Rueckenwind kam ich bereits am 1.Tag zur Grenze.  Mein Pass wurde zwar kontrolliert, jedoch nicht gestempelt. Irgendwie fand ich das bereits seltsam, doch dazu spaeter mehr.

Mit Freuden verliess ich die Emirate in der Hoffnung im Oman ein friedlicheres Leben anzutreffen.

In der ersten Nacht erwischte mich die Dunkelheit frueher als erwartet und ich suchte Schutz in einer Moschee. Leider war ich hier nicht erwuenscht, ich solle doch zur Polizei gehen und dort nach Unterschlupf fragen.

Der Polizist fragte nach meinem Pass.

Ich huete meinen Pass wie einen Schatz und gebe ihn nur sehr ungern aus der Hand, ging der Forderung aber nach. Es dauerte eine ganze Weile bis der Polizist zurueck kam.
In den Haenden hielt er einen ganzen Buendel Kopien, denn er hatte in der Zwischenzeit alle meine Visa und Stempel fotokopiert.

Ich dachte mich tritt ein Pferd und fragte ihn, was das denn nun sollte. Im Endeffekt schickte man mich eh wieder weg, doch zuvor wurde ich noch seitenlang in irgendeinem Buch registriert.

Schlussendlich schlich ich mich aufs Moscheegelaende und stellte mein Zelt versteckt hinter einer Mauer auf. 

Auch die 2.Passkontrolle erfolgte ohne Stempel.

Ich befand mich nun bereits eine Weile auf omanischen Boden und hatte weder einen VAE (Vereinigte Arabische Emirate) Ausreisestempel noch einen Oman Einreisestempel bekommen.
 

Wartungsarbeiten an meinem Rad wurden faellig. Umringt von einigen staunenden Indern reparierte ich mein Rad. Ich wechselte meine Kette nach 5000 gefahrenen Kilometern und ersetzte einen angerissenen Schaltzug sowie eine gebrochene Speiche.
 

 

Gegen Nachmittag erreichte ich die 3.Grenzkontrolle.

Der Grenzpolizist suchte nun vergeblich nach einem VAE Ausreisestempel und fragte mich, wo er denn den Stempel finden koennte. Ich erklaerte ihnen, dass auf der gesamten Strecke nirgendswo
eine VAE Grenzkontrolle gewesen sei und zeigte ihnen auf der Karte genau wo ich lang gefahren bin und sie bestaetigten meine Aussage. 

Die Grenze liegt genau 25km in der Richtung aus der ich gekommen bin, nur etwas abseits des Weges, ich solle dorthin zurueck fahren. Toller Witz dachte ich mir nur so. Eine Grenze nach der man erst einmal suchen musste, hatte ich zuvor auch noch nicht gesehen.

Einer der Grenzpolizisten hatte Mitleid mit mir und fuhr mich die Strecke zurueck zur Grenze, die von der Strasse, von der ich gekommen bin, definitiv nicht zu sehen war.

VAE verlangte 35 Dirham Ausreisesteuer. Der Omani Polizist meinte das sei Schmiergeld,
ich hatte allerdings eine offizielle Quittung bekommen. 

Zurueck an der omanischen Grenze fragte ich nun nach einem 30 Tage Visum.
Kostenpunkt 20 Rial/40 Euro, die man allerdings nur per Kreditkarte bezahlen kann.

Nun hatte ich das naechste Problem, denn ich besitze keine Kreditkarte. Mit Bargeld, weder in Rial noch in Euro oder Dollar, war hier nichts zu machen. Nach langem hin und her kam ein teurer Wagen vorgefahren. 

Ich witterte meine Chance und erklaerte dem offensichtlich reichen Mann meine Situation. Fuer den netten Omani ueberhaupt kein Problem. Er hiess mich im Land herzlich willkommen. bezahlte die Visagebuehr und meinte ich solle mein Geld behalten, ein Willkommensgruss seinerseits.

Wow, ich bedankte mich freudestrahlend, grinste den Grenzern zu, bekam mein 30 Tagevisum und fuhr meines Weges.

Es war nun bereits stockdunkel.

An der Grenze stand ein LKW nach dem anderen. Keine gute Stelle zum Zelten.
Unweit des Grenzpostens gab es ein weiteres riesiges, eingezaeuntes Polizeigelaende und ich versuchte mein Glueck erneut. Allerdings wurde ich auch hier wieder abgewiesen.

Vor dem Eingang zu zelten war komischerweise kein Problem.

Bewacht von einem mit schwerem Gewehr bewaffneten, patrouillierenden Polizisten legte ich mich schlafen.


Am naechsten Morgen ging es endlich abseits der Hauptstrasse durch wunderschoene Wuestenlandschaft. Ich genoss die Stille, lauschte dem Zwitschern der Voegel und sog die Landschaft richtig in mich auf.

Ich war nun endlich dort angekommen, wo ich seit langem hin wollte, naemlich in der Natur.

Kein Auto, kein Laerm, kein Haus, nur ich. Es war so sehr entspannend, dass ich oft Pause machte, um die Ruhe zu geniessen.

Der Weg ging vom Teer in eine Staubpiste ueber, Kamele kreuzten meinen Weg, Adler kreisten ihre Runden am Himmel und ab und an sah ich Ziegenherden oder kleine Oasen.

 Eine Familie lud mich zum Fruechte essen ein und hatte sichtlich Spass an unserer Begegnung.
 

Gegen Abend freute ich mich auf eine einsame Zeltnacht mit Lagerfeuer und Sternenhimmel, doch ein Ehepaar lud mich nach Hause ein. Eine riesige Familie, 8 Brueder mit Ehefrauen und deren ganzen Kinderschar, zudem Onkel und Tanten. Ich musste traditionelle Kleider anziehen und wurde damit unter schallendem Gelaechter fotografiert.

Ich kam mir ein bisschen vor wie der Affe im Zoo, spielte das Spiel aber klaglos mit. Die Art der Unterhaltung oder auch Abwechslung, die man den Leuten bietet, gehoert zu einem Radlerleben genauso dazu, wie das taegliche, teils monotone pedallieren. 

Es ist irgendwo die Bezahlung fuer die Gastfreundschaft, die man geschenkt bekommt.
Ein Geben und Nehmen, wie so oft im Leben. 

Man schenkte mir ein omanisches Kleid, Schmuck und einen Aschenbecher.
Zum Essen gab es fritierte Brotfladen und suessen Milchtee.


Ich merkte, wie sehr ich mich nach Erholung sehnte. Dieses laute Geschrei um mich herum nervte mich total. Einerseits war es sehr interessant zu sehen wie Omanis leben, andererseits brauchte ich einfach eine Pause von all diesen abendlichen, anstrengenden Begegnungen. Wir sassen auf einer Art Terrasse. 

Ein Lagerfeuer brannte inmitten der Flaeche, eigentlich, ohne Laerm, eine wirklich gemuetliche Atmosphaere. 

Kurz nach dem Abendessen, fragte man mich ob ich bereits einen Schlafplatz haette.
Das war nun neu fuer mich, das 1.Mal, wo man mich im Dunkeln weg schicken wollte, da es bereits finster war. Man hatte Verstaendnis und somit durfte ich bleiben. Ins Haus selber wurde ich nicht gefuehrt.

Am naechsten Morgen bekam ich suesses Brot. Es erinnerte mich ein wenig an Esspapier, welches wir als Kinder immer assen. Das seltsame Brot war mit suess schmeckenden Nudeln garniert,
dazu gabs wieder suessen Milchtee. 

Ich war froh, als ich weiter fuhr. Die Geschenke liess ich mit Absicht zurueck, ich glaube auch nicht, dass sie wirklich Ernst gemeint waren.
 

 

Ich erreichte Bat, eine von der Unesco geschuetzte Ausgrabungsstaedte aus dem Bronze-Zeitalter. Fuer einen Laien auf den 1.Blick nicht gerade viel zu entdecken, doch ich hatte Glueck und traf auf eine Gruppe Archaeologen, der ich mich fuer 3 Tage anschliessen durfte. Ich bekam einiges erklaert, durfte im Labor Hand anlegen und bekam zudem die Aufgabe, unterschiedliche Sand- und Steinhaufen durchzusieben und nach Keramikstuecken sowie Steinwerkzeugen zu suchen.

Ich war ueberrascht, wieviel ich fand, schliesslich waren die Fundstuecke etwa 4000 Jahre alt.

 


Ueber eine Wadipiste, also entlang eines Flussbettes, ging es einsam weiter.
Ueber den kleinen Ort Sint radelte ich ueber eine Bergpiste Richtung Al-Hamra.


Die Landschaft war atemberaubend schoen und das Beste war, sie gehoerte mir ganz alleine.
Versteckt von der Piste baute ich mein Nachtlager auf. Kein Licht weit und breit, nur die Sterne zum Greifen nahe. Herrlich friedlich und einfach nur entspannend. 

 Den naechsten Tag machte ich mich auf in Richtung Plateau. Eine Aussichtsplattform auf 2000m Hoehe, von der man in die tiefe Schlucht des omanischen „Grand Canyons“ schauen kann.

Die Strasse war brutal steil. Anfangs noch geteert ging sie irgendwann in eine Staubpiste ueber.

Ich war einige Stunden unterwegs, bis ich die 1500hm geschafft hatte um am Canyonrand die Tiefe der Schlucht bewundern durfte. Wiedereinmal war es sehr windig, die halbe Nacht flatterte mein Zelt im Wind und hielt mich vom schlafen ab.

Nach der rauschenden Abfahrt entdeckte ich die wahre Schoenheit des Canyons, denn von hier unten war der Canyon deutlich beeindruckender anzusehen als von oben.
 

 

 
Ich zeltete inmitten der Schlucht auf einem Felsvorsprung. Eine traumhafte Stelle.  Morgens 5.30 Uhr schallte das Echo des Meuzzins durch die Schlucht, Zeit zum Aufstehen.

Al-Hamra, eine Oasenstadt voller alter, verlassener Lehmhaeuser. Die Oase wunderschoen gruen mit bewirtschafteten Feldern und einem alten Falaj, einem Wasserkanalsystem.

 

 

Mein Zelt stellte ich heimlich inmitten der Palmen auf. Es gibt eine Regel beim Zelten, entweder es sieht einen jeder oder es sieht einen keiner, in dieser Nacht sollte mich keiner entdecken.

 


Auch im Oman leben viele Gastarbeiter, vor allem Inder, Pakistanis und Bangladeschis.
Sie arbeiten auf den Feldern, fuehren Schneiderwerkstaetten, Waescherreien, sind Verkaeufer oder besitzen sogenannte Coffe shops in denen sie leckeres indisches Essen servieren. Genau dort esse ich taeglich. Fuer wenig Geld gibt es grosse Portionen Reis mit Linsengemuese, dazu extrem suessen Milchtee. 
 

Ich mag die Inder, ein freundliches Volk. 

Die Omanis benutzen die shops als eine Art Drive in. Sie fahren direkt vor den Laden, hupen penetrant, warten bis der Inder rausgerannt kommt, geben ihre Bestellung auf, um dann bei laufendem Motor die Lieferung abzuwarten. 

Leider auch hier eine Zweiklassengesellschaft.

Hupen ist sowieso Volkssport. Omanis hupen zum Hallo sagen, aber auch als Warnung,
aber sicherlich auch zum Angeben, zudem immer dann, wenn sie auf meiner Hoehe sind. Ich weiss nicht ob sie es lustig finden, ich jedenfalls finde es aeusserst unnoetig, zuerst 50m zuvor als Warnung zu hupen, um dann nochmals zum Spass auf gleicher Hoehe ordentlich Krach zu veranstalten.
Es mag ja nett gemeint sein und ihnen ist sicherlich nicht bewusst, wie oft man am Tag mit der Hupe konfrontiert wird. 

Trotz allem sind Omanis extrem hilfsbereite und freundliche Menschen. Sie fragten mich oft wie es mir geht, woher ich komme und ob ich Hilfe benoetige. Sehr angenehm ist, dass sie nicht aufdringlich sind. 

Nach kurzer Zeit gehen sie wieder ihrer Wege.

Es gibt keine endlosen Fragen, was ich nach dem Iran als sehr entspannend betrachtete.

Nur die Kinder in den abgelegenen Bergregionen koennen etwas anstrengend werden, sie versuchten oefters mal meine Taschen zu oeffnen oder bettelnden penetrant nach Schokolade. 

Was mich etwas in Verlegenheit brachte, denn ich bin eine sehr schlechte Luegnerin, war die Tatsache, dass ich oft gefragt wurde, ob ich alleine bin. In besiedelten Gegenden war ich immer ehrlich, auf einsamen Pisten dagegen, sagte ich oefters mal, mein Freund ist entweder kurz vor mir, oder kurz hinter mir, je nachdem aus welcher Richtung der Wagen kam. 

Obwohl ich wirklich nie das Gefuehl hatte, irgendjemand meint es boese mit mir, ganz im Gegenteil, aber sicher ist sicher. 

Von Al-Hamra ging es ueber das Wadi Tanuf nach Nizwa. Ich wollte mir den Freitagsmarkt in Nizwa anschauen, der groesste Viehmarkt des Omans. Der Viehmarkt war wirklich sehenswert.
Maenner laufen in einem Rondell mit ihrem zu verkaufenden Vieh im Kreis herum.
Lautstark geht der Verkauf von statten. Anfangs Ziegen, zur spaeteren Stunde Rinder.

Unweit des Rondells wird Vogelvieh, vom Kanarienvogel bis zur Taube, in Kaefigen verkauft.
Die Omanis, wie immer fein in ihrem traditionellen Gewand, dem Adishidasha gekleidet.

Die Frauen teils mit den traditionellen Masken, die das meiste des Gesichts verdecken, zudem mit bunten, wunderschoenen Kleidern bekleidet.

Ich wuerde die prozentuale Verteilung Maenner zu Frauen auf 98% zu 2% schaetzen. Selbst junge Maedchen sah ich keine.

Frauen sieht man ueberall sehr wenige, wenn dann in Begleitung eines Mannes oder der Familie.

Die allermeisten moechten nicht fotografiert werden und das respektiere ich. 

Ich war bereits vor 7 Jahren schon einmal im Oman mit dem Rad unterwegs. Seitdem hat sich das Verkehrsaufkommen stark erhoeht und viele neue Strassen sind dazu gekommen. Was damals noch ein klappriger pick-up war, ist heute ein moderner Gelaendewagen.

Birkat al Mawz war erreicht, ein weiterer schoener Oasenort.  

Von dort war es nicht mehr weit zum Anstieg nach Sayq, doch ein Polizeiposten liess mich nicht passieren. Die Strasse sei zu steil, es waere zu gefaehrlich mit dem Rad auf das Plateau zu fahren. Ich musste lachen, vor allem weil ich die brutal steile Strasse sowieso groesstenteils nur hochgeschoben haette.

Ich fand jemanden, der mich mitnahm. Der Fahrer wurde registriert um sicher zu gehen, dass er mich auch wirklich erst aus dem Wagen laesst, nachdem die extrem steilen Anstiege

vorbei sind. 

Irgendwie hatte es mir dadurch den Spass an dem Plateau ordentlich verdorben. Einen Berg, den ich mir nicht selber erarbeite, verliert reichlich an Attraktivitaet. Ich blieb kaum 5 min in Sayq und fand jemanden, der mich wieder mit hinunter nahm, denn ich musste dem Polizisten versprechen,

dass ich die Strecke mit dem Rad auf keinen Fall herunterfahren werde. 

Ich kam mit dem Fahrer ins Gespraech, er hatte ueber WhatsApp, dem beliebtesten Kommunikationsweg im Oman, bereits von mir gehoert. Er zeigte mir ein Bild welches wohl angeblich bereits durch halb Oman verschickt wurde, keine Ahnung wer das von mir geschossen hatte.

Er klagte mir sein Leid ueber den Druck den seine Mutter auf ihn ausuebt, doch endlich zu heiraten.

Vorschlag ihrerseits sei seine Cousine, doch weder er noch sie finden Gefallen an dem Gedanken.

Zur Verabschiedung sagte er mir noch ich sei die erste Frau, ausserhalb seiner Familie, mit der er je gesprochen hat. Er war 25. 

Ich fuhr in einen kleinen Wadi hinein. Wadi Muaydin. 

Kurz vor dem Dunkel werden errreichte ich das Ende des Flussbettes und kam in eine winzig kleine Oase. Eine Gruppe Frauen sass vor einem Haus und nahm mich freundlich auf. Ich bekam Fruechte, Tee und gekochte, dicke Bohnen.

Mein Zelt stellte ich im Schutze einer Mauer auf, denn es war wieder einmal extrem windig an diesem Abend. Zwei Damen sprachen gutes Englisch, mit der einen kam ich ins Gespraech. 

Sie war 25 und wartete sehnsuechtig darauf, dass ein Mann an ihre Tuere klopft und bei ihren Eltern um ihre Hand anhaelt. Ich fragte sie warum ihr das so wichtig sei. Woraufhin sie erwiderte, es sei ihre einzigste Chance aus diesem Wadi herauszukommen. Doch was ist wenn Du ihn nicht liebst hakte ich gleich nach.

Woraufhin sie sagte: Ich glaube nicht an die Liebe, wenn dann kommt sie nach der Hochzeit.
5000 Rial/10.000 Euro wuerde sie von ihrem zukuenftigen Mann fuer die Vermaehlung verlangen.
Der Preis fuer eine Frau im Oman.

Ich fragte sie warum sie nicht selbst Ausschau nach einem Mann haelt, denn wie sie mir selbst sagte, sei die Chance relativ gering, dass sich ein Mann hierher in ihre Oase verirrt. 

Woraufhin sie meinte, sie duerfe mit einem fremden Mann nicht sprechen und hat dies auch noch nie getan, selbst mit den gleichaltrigen Jungs, mit denen sie im Wadi aufgewachsen ist, haette sie seit der Pubertaet nicht mehr reden duerfen. 

Ein kleiner Junge gesellte sich zu uns, ihr Bruder, allerdings ist der Junge von der 2.Frau ihres Vaters. Die 1.Frau bereits 47, die 2.gerade mal 32 Jahre alt. Beide leben mit ihm zusammen.

Ich dachte sehr lange ueber unser Gespraech nach und fragte mich zwischendurch, was das fuer ein Gott sei, der den jungen Menschen das schoenste der Welt verbietet, naemlich das Erleben der Liebe?

Ueber Izki ging es ins Wadi Indam, in eine abgelegene Gegend. 

Viele Kamele, winzig kleine Doerfer, karge Berge und eine nagelneue, kaum befahrene Strasse. Ich suchte wieder Schutz vor dem starken Wind, der sich zwar meistens nach dem Sonnenuntergang legte, aber eben auch nicht immer.

In der ersten Siedlung wurde ich vertrieben, in der zweiten dagegen durfte ich mein Zelt wieder einmal hinter einer Mauer aufstellen. Lauter seltsame Leute wohnten hier. Ich hatte Inzucht in Verdacht Es war schon fast unheimlich.

Ich bekam Tee und wie meistens leckere Datteln. Manchmal sind sie in Sesam eingerollt, dann sind sie besonders schmackhaft. 

Die seltsame Sippe, umgab mich eine Weile bis ich ihnen zu verstehen gab, dass ich nun schlafen wollte. Kamele stolperten nicht weit von meinem Zelt entfernt vorrueber, der Mond war so hell, dass man die Umgebung gut erkennen konnte.

Irgendwie war es gruselig an diesem Abend, es war nur ein Gefuehl, aber das hielt mich vom schlafen ab.

Gegen Morgen wachte ich voellig erschrocken auf, denn der Mann der Sippe stand im stockdunkeln direkt vor meinem Zelt und schaute zu mir herein. Ich stand senkrecht im Zelt und war ploetzlich hellwach, reagierte voellig hysterisch und schrie ihn an.

Doch ein paar Atemzuege spaeter realisierte ich, dass er mir nur das Fruehstueck und eine Schuessel Wasser zum Waschen ans Zelt gestellt hatte. Ich war erleichtert und aergerte mich zudem ueber meine Reaktion.


 Im Wadi Khabbah zeltete ich unweit ein paar Haeusern und setzte mich gemuetlich an mein Lagerfeuer. Zwei Frauen sowie zig Kinder gesellten sich zu mir und kochten mir leckeren cay.

Es stellte sich heraus, dass auch hier beide Frauen zu einem Mann gehoerten, die Kinder somit alle Geschwister sind.

Auf meine Frage hin ob die beiden Frauen sich gut verstehen, erwiderten die Kinder lachend: ja auf jeden Fall.

 Witzig an diesem Abend war, dass sie mich fragten, ob ich meine Schuhe zum Schlafen ausziehen wuerde. Ich erklaerte ihnen, dass ich nicht nur meine Schuhe, sondern auch alle meine anderen Kleider ausziehe um schlafen zu gehen. 

Kurzzeitig schaute ich in voellig entsetzte Gesichter.

Eine heisse Diskussion ging vonstatten und kurze Zeit spaeter zeigte man mir pantomimisch, dass die Frauen zum Schlafengehen nicht einmal ihr Kopftuch absetzten. 

In einem kleinen Ort erwischte mich ein heftiges Gewitter. Der Regen hielt ueber Stunden an. Die Strassen standen unter Wasser und im Wadi waere es viel zu gefaehrlich gewesen zu zelten.

Ich hoerte mich nach einer Uebernachtungsmoeglichkeit um und ein netter Omani besorgte mir eine Unterkunft im Krankenhaus. Ich bekam den Schluessel fuer eines ihrer Gaestezimmer, die sie sonst den Familienangehoerigen irgendwelcher Patienten zur Verfuegung stellen.

Ein riesen Bett mit einer weichen Matratze sowie einer heissen Dusche empfingen mich. Es ist wirklich beeindruckend und ich bin so sehr dankbar darueber, wie sehr mir Menschen immer und immer wieder helfen.

Jeden Tag bekomme ich in irgendeiner Form Unterstuetzung. Ob durch Menschen von unterwegs, oder durch Freunde von zu Hause. Durch Spenden fremder Menschen uebers Internet oder mentale Unterstuetzung durch Facebook Freunde.

Ohne diese Hilfe von aussen waere solch eine Radreise sicherlich gar nicht moeglich.
Hiermit nochmals herzlichen Dank an alle. 

Als Dankeschoen hinterlasse ich vor Ort eine kleine Visitenkarte mit meinem Namen, meiner webadresse und mit ein paar Bildern von mir zur Erinnerung. Meistens freuen sich die Leute sehr ueber dieses kleine Dankeschoen.

Wie es weiter ging….bald im naechsten blog.

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