Kirgistan gewährt als einzigstes Zentralasiatisches Land, eine 2 monatige, visafreie Aufenthaltsdauer. Ich hatte somit endlich mal wieder keinen Visa Stress und hatte vor mir das Land in Ruhe anzuschauen.

Mir gefiel Kirgistan auf anhieb. Die Berge sahen fantastisch aus, die Wiesen waren voller blühender Blumen und oftmals kamen Hirten des Weges und ritten auf ihren Pferden um ihr Vieh die Straβe oder den Hang entlang zu treiben.

Die erste Nacht verbrachte ich noch in einem Dorf, doch danach ging es schon bald in die Natur. Ich atmete richtig auf und genoβ die Landschaft in vollen Zügen. Setzte mich immer und immer wieder an den Straβenrand und staunte.

   

Obwohl ich auf der Hauptstraβe in Richtung Bishkek unterwegs war, war der Verkehr nicht dramatisch. Endlich mal wieder Ruhe und die Möglichkeit das Panorama genieβen zu können, ohne dass einem die Atmosphäre durch das Gehupe der Autos zerstört wurde.
Ich war wieder in den Bergen und ich war einfach nur begeistert.

Ich hielt an einem kleinen Cafe an und bestellte etwas zu Essen und blieb deutlich länger dort sitzen als geplant, denn plötzlich tauchte ein Radfahrer aus der gleichen Richtung auf, aus der ich gekommen war.

David, ein Franzose, der nach 3 Jahren nun auf dem nach Hause Weg ist und noch einen Schlenker durch Zentralasien dran hängen möchte. Ein netter Kerl, 28 und deutlich fitter als ich. 

Wir fuhren gemeinsam weiter und fanden jeden Abend eine tolle Stelle zum zelten und David kochte uns immer etwas leckeres zu Essen. 

Tagsüber aβen wir irgendwo in einem kleinen „Restaurant“, oder einem kleinen Cafe am Straβenrand. Die Leute waren allerdings meistens nicht sonderlich freundlich und sehr geschäftstüchtig und versuchten uns permanent übers Ohr zu hauen.

So richtig Spaβ machte es daher nicht dort zu essen.

Es war schön wieder einmal den Weg mit jemandem teilen zu können. Sich zu unterhalten, Meinungen auszutauschen, Ideen zu sammeln und während der Fahrt nebeneinander herzuradeln und über die Welt zu philosophieren. Mit David ging das prima.

Doch merkte ich wieder einmal, dass man vieles dadurch lange nicht so intensiv erlebt,
wie wenn man alleine unterwegs ist. Anstelle sich mit den Einheimischen auseinander zusetzen, weil man das zwangsweise tun muβ, wenn man Kontakt haben möchte,
hat man ja bereits jemanden zum reden dabei und somit schottet man sich ein wenig von der Welt, in der man gerade unterwegs ist ab und redet über die Dinge, die sonst irgendwo auf unserer Erde passieren. Es entgeht einem dadurch auch einiges.

Irgendwie hat es halt, wie so häufig im Leben, alles seine zwei Seiten.

 

Nach ein paar Tagen errreichten wir den ersten hohen Pass. Ala Bel Pass.
Es lag noch Schnee, kein Wunder, es war erst Mitte Mai und der Pass auf 3100m.
Die Landschaft war genial, das Wetter warm und sonnig, nicht einmal die Nächte waren mehr kalt. 

Der zweite Pass, Too Asuu Pass ist auf 3200m untertunnelt. Dort erlebten wir ein super Schauspiel, denn der Verkehr wurde gestoppt und nur wir zwei durften weiter.
Nichts ahnend, kam uns auf halber Strecke im Tunnel eine riesige Schafsherde
samt Schäfern entgegen. 

Tolle Atmosphäre, ein wahrscheinlich einmaliges Erlebnis.

Danach ging es in endlosen Serpentinen ewig lange bergab.

Kurz vor Bishkek trafen wir zuerst ein Französisch-Russisches Radlerpaar und kaum später ein Schweizer Radlerpaar, mit denen wir abends den Zeltplatz teilten.
Immer wieder spannend was andere so erlebt haben, was andere für Ausrüstungsgegenstände dabei haben und welchen Weg sie einschlagen werden.

Bishkek ist eine moderne, russisch geprägte Stadt, in die man wohl nur fährt um Besorgungen zu machen. Im Hostel trafen wir somit etliche andere Reisende.
Radler, Wanderer und Backpacker, die alle nur den Weg hierher gefunden haben
um sich die Visa für die angrenzenden Länder zu besorgen.

Einer davon hatte mich ganz besonders beeindruckt. Ein Franzose, der den ganzen Weg bis Bishkek gelaufen ist. Er war bereits 3 Jahre unterwegs. Ein total ausgeglichener, in sich ruhender Kerl, der bis in die Mongolei möchte.

Ich war mir noch nicht ganz im Klaren darüber, wie es nun weiter gehen sollte. Durch Kasachstan, Russland und dann in die Mongolei oder durch China in die Mongolei oder nur durch China?

Es ist bekannt, dass es sehr schwierig ist, russische Visa ausserhalb des Heimatlandes
und ohne eine Visaagentur zu bekommen, doch ich wollte mein Glück versuchen und fuhr somit zur Russischen Botschaft. Als ich dann aber die riesige Menschenschlange vor dem Gattor stehen sah, die sich alle in Miesepeter Laune die Löcher in den Bauch standen,
war mir erst einmal die Lust vergangen. Nach einer Weile schaffte ich es eine Frage los zu werden, wurde aber auf den nächsten Tag vertröstet.

In der Zwischenzeit ging ich zur „berühmten“ Miss Liu, die für China Visa zuständig ist.
Leider haben die Chinesen im letzten September ihre Visapolitik wiedereinmal verschärft
und es gibt nur noch selten mehr als 30 Tage, mit der einmaligen Möglichkeit der Verlängerung um weitere 30 Tage, was früher zweimalig möglich war.

Bis vor kurzem war Bishkek noch einer der wenigen Orte weltweit, an denen es einfach war 90 Tage zu bekommen, aber auch das ist nun vorbei.

Witzigerweise bestehen die Chinesen auf eine Kirgisische Registrierung bei der Polizei,
die selbst von den Kirgisen seit einiger Zeit nicht mehr von Ausländern verlangt wird
und daher hatte ich die natürlich nicht. Ich hatte davon zuvor auch noch nie gehört.

Wahnsinnige 150$ für ein 30 Tage Visa + eine Gebühr von 600 Som (etwa 9 Euro)
für die Registrierung + 200 Som Schmiere oder Strafe, weil ich mich nicht innerhalb 5 Tagen registriert habe. Lächerlich, aber nichts zu machen.

Am nächsten Tag fuhr ich, wie gesagt bekommen, mittags Punkt 14 Uhr wieder zur Russischen Botschaft und kämpfte mich wieder durch die Menschenmassen durch und entschied kurzfristig, bevor ich überhaupt mit irgendjemanden gesprochen hatte,
dass ich darauf keine Lust habe. 

Ich habe keine Lust darum zu betteln in ein Land gelassen zu werden. Wer nicht will dass ich ihn besuche, der hat Pech gehabt. Es war mir auch einfach nicht wichtig genug gewesen. Die Entscheidung war somit gefallen. Auf nach China.

4 Tage später hatte ich mein China Visa im Pass und 90 Tage Zeit um ins Land einzureisen.

Nachdem ich noch ein paar weitere Tage in Bishkek verweilte, fuhren David, der in der Zwischenzeit sein Tajikistan, Afghanistan und Usbekistan Visa bekommen hatte, und ich zusammen weiter, obwohl wir wuβten, dass unsere Route nur ein paar Tage die gleiche sein wird.

Doch nach etwa 40km stellten wir fest, dass sein Rahmen gebrochen war, er muβte zurück nach Bishkek und schlug mein Angebot ihm zu helfen aus und somit fuhr ich alleine weiter.
Er fand dann jemanden, der den Stahlrahmen schweissen konnte, was ich kaum später erfahren hatte.

Ich bummelte durch die Landschaft, genoβ wieder die Natur und vermied die Hauptstrassen wo es ging.

Nächtigte bei Leuten im Garten oder zeltete irgendwo vor toller Landschaftskulisse.
Ich war wieder alleine und somit hatte ich wieder meinen eigenen Rhythmus.

Die Tage sind nun bereits extrem lange.

Man hat ewig Zeit und kann somit immer und immer wieder anhalten und staunen.
Ich machte deutlich weniger km als sonst, da ich viel zu sehr verliebt in die weite Landschaft war und es viel zu schade gewesen wäre einfach durchzuradeln.

Das Wetter wurde allerdings zunehmends wechselhafter. Oftmals 3 Jahreszeiten an einem Tag. Sturm, Regen, Sonne, Hagel und 5 Minuten später wieder 30 Grad.

Eine Besonderheit in Kirgistan, die mich total fasziniert hat, sind die extrem ausgefallenen Friedhöfe, die oftmals an Hängen hoch oben trohnend über den Dörfern liegen.

Die Gräber sind besonders hübsch gestaltet und somit bekommt der Tote hier
einen exklusiven Platz in der weiten Landschaft. Wirklich sehr beeindruckend.

Eines Abends auf dem Weg von Kochkor zum Karakol Ashuu, einem Pass entlang des Kara Moynok Gebirgszuges, fragte ich in Ak Talaa bei einem Haus, ob ich auf der riesigen Dorfwiese zelten dürfte.

Freudestrahlend wurde ich begrüβt und durfte bleiben. Kaum später kam eine Frau des Weges und brachte Tee, Brot und ranzige Butter, sowie die obligatorischen Bonbons.

So saβen wir beide, drauβen auf der verkackten Schafswiese und picknickten zusammen.
Solche Momente sind einfach klasse und genau für solche Momente lohnen sich alle Strapazen immer und immer wieder durchzustehen.

Der Himmel verdunkelte sich zunehmends und die Frau lud mich ins Haus ein. Platz hatten sie genug. Gegen 22 Uhr gab es Bratkartoffeln und Zwiebeln und jeder löffelte aus dem gleichen groβen Teller sein Essen.

Wie immer gab es Tee, der allerdings hier nun mit Milch zubereitet wird. Eine Kanne Milch, eine Kanne Wasser und eine Kanne Tee stehen bereit. Ein Schuβ Milch zuerst, danach einen kleinen Schuβ Schwarztee, der Rest wird mit kochendem Wasser aufgegossen. Lecker.
Wer möchte verfeinert den Tee dann noch mit etwas Sahne und natürlich Zucker.
Die Milch hat einen ziemlich faden Geschmack, sie sieht zudem eher aus wie Wasser.

Am nächsten Morgen gab es zum Frühstück eigentlich das gleiche. Brot, dazu Sahne,
ranzige Butter, Marmelade, leckeren Joghurt und wie immer Tee.
Alles selbst gemacht.

Ich bekam noch ein Lunchpaket gepackt und fuhr weiter in Richtung Pass.
Das letzte Dorf durchstreift warnten mich immer wieder Leute und Hirten,
dass der Pass noch verschneit sei.

Doch ich hatte in der Touristeninfo in Kochkor die Info bekommen, dass der Pass mit dem Rad machbar sei, wenn er auch mit dem Auto noch unmöglich ist zu passieren und somit fuhr ich weiter.

Obwohl ich schon dachte, naja wenn eine Hirte auf dem Pferd mich davor warnt,
wird da schon irgendwas dran sein. Aber ich blieb stur und neugierig und fuhr weiter.
Die Landschaft war geprägt von einem wunderschönen Fluβtal, an dem sich Familien in Jurten auf den Wiesen der Berge verteilt um ihre Herden kümmern. Pferde, Schafe und Rinder werden hier gehalten.

Es sieht klasse aus, wenn man die schwarzen Klekse der Tiere in der Weite der Bergwelt
an den Hängen rennen sieht.

Auf etwa 2700m stellte ich mein Zelt geschützt zwischen Bäumen auf, um dem permanenten Wind ein wenig aus dem Weg zu gehen.

Bäume gibt es hier eigentlich nur sehr selten welche. Von Wäldern überhaupt keine Spur.

Der nächste Tag war wieder so sehr beeindruckend, dass ich mir unendlich viel Zeit lieβ,
bis ich den eigentlichen Pass anging.

Doch je näher ich kam, desto mehr Schnee sah ich auf der Piste liegen. Der Anfang war noch einfach, danach wurde es zunehmend schwieriger. Ab 3300m musste ich immer wieder meine Sachen hintereinander über die Altschneefelder tragen.
Zweimal fürs Gepäck, einmal fürs Rad, insgesamt also bei jeder Passage 3mal hin und zurück.

Es war anstrengend, doch ein Glück war der Schnee pappig und nicht vereist, somit hatte ich immer gut halt und es gab eigentlich keine Gefahr, den Hang herunterzuschlittern. Der Himmel wurde zunehmends dunkler, die kleinen Jurten hatte ich lange hinter mir gelassen und ich fühlte mich ein wenig verloren in dieser Bergwelt, vorallem als es dann anfing zu schneien und die ersten Blitze und Donner zu hören und zu sehen waren.
Schon bald fand ich es irgendwie nicht mehr ganz so lustig.

In der Hoffnung das letzte Altschneefeld hinter mir zu haben und ich bereits das Gipfelmännchen von weitem sah, wuβte ich warum die Hirten mich alle warnten, denn eine etwa 3 m hohe Schneewand, eine Art Wächte, versperrte den Weg zum Pass.

Wäre noch jemand dabei gewesen, hätte man es vielleicht schaffen können, aber für mich alleine war es unmöglich das komplette Gepäck über diesen riesigen Berg Schnee zu hiefen und dabei nicht rückwärts den Hang hinunter zu fliegen.

Das Gewitter machte mir zusätzlich Sorgen und somit kehrte ich vernünftigerweise aber zähneknirschend wieder um. Das hieβ nun leider wieder jedes Altschneefeld 3 mal laufen
und zudem den ganzen Weg wieder zurück zu radeln. 

Aber so war es eben. Abwärts war es dann ein Glück deutlich leichter. Trotzallem war ich total am Ende gewesen. Der Schnee ging in Regen über und es schüttete mittlerweile wie aus Kübeln.

Einige Bäche muβte ich noch queren, bevor ich wieder in der Nähe der Jurten war und irgendwo auf den groβen Wiesen mein Zelt aufstellte. Ich war patschnaβ und es war mittlerweile eiskalt gewesen, doch es ist immer wieder erstaunlich wie schnell es doch im Zelt warm wird. 

Ich kochte mir einen heiβen Tee und machte mir heiβes Porridge mit leckeren Trockenfrüchten, die es hier überall zu kaufen gibt.

Es war bereits dunkel als Pferde zu Besuch kamen und ich hoffte, dass sie mein Zelt auch in der Nacht wahr nehmen werden und nicht ausversehen darüber stolpern.

Doch was mich viel nervöser machte, war das nächste Gewitter was mich umgab.
Es gibt wohl kaum etwas gruseligeres, als im Zelt auf 3000m zu sitzen und das einzigste Metall was es in der ganzen Umgebung gibt mein Rad ist, was keine 2 m neben mir im Gras liegt.

Der Donner wurde lauter und die Blitze erhellten das ganze Zelt. Der Wind war so heftig, dass ich dachte er zerfetzt mir das Zelt. Es war so irre laut, durch das Flattern der Zeltwand und dem prasselnden Regen, dass ich mich selbst kaum mehr hätte reden hören können.

In solchen Situationen wünscht man sich dann super gerne jemanden neben einem,
mit dem man die Angst teilen könnte. Doch das Gewitter zog ein Glück irgendwann vorbei und ich schlief vor lauter Müdigkeit sofort ein.

Bei strahlendem Sonnenschein begann der nächste Tag und ich trocknete meine Klamotten und vorallem auch meine Schuhe im Wind. Dann fuhr ich zurück, immer bergab entlang der Schotterpiste.

Ein paar Hirten erkundigten sich nach den Bedingungen am Pass und mit Zeichensprache erklärte ich ihnen die Situation. Im kleinen Dorf Ak-Talaa angekommen, klopfte ich wieder bei der Familie und sie nahmen mich freudestrahlend in Empfang.

Ein Mann kam zu Besuch und es wurde ordentlich Vodka getrunken.
Der Besucher forderte mich sicherlich 20mal am Abend auf auch zu trinken
und war auch irgendwie sonst ein unangenehmer, lauter Zeitgenosse.
Es wurde permanent reihum geröpst und irgendwie hatte es eine Atmosphäre
aus sagen wir mal: Eine Mischung aus Russland und China.

Es gab das Kirgisische Plov (Reis, Karotten, Hühnchen) zum Abendessen und wieder wurde ein riesen Teller in die Mitte des niedrigen Tisches gestellt. Nur diesmal bekam jeder seinen eigenen Teller.

Man sitzt hier zwar noch auf dem Boden, aber man breitet keine Tischdecke mehr aus.
Man fischte für mich die besten Hühnchenstücke aus dem riesigen Berg Reis heraus
und schaufelte sie mir auf den Teller, wobei ich dann die Hälfte der Stücke wieder zurück gab.

Je länger wir aβen desto mehr mischte sich der Besucher
in meine Essensangelegenheiten ein.
Er fing an mir mehr Reis auf meinen Teller zu schaufeln,
obwohl ich ihm sagte dass ich ich genug habe
und wühlte zudem mit seinen Mechanikerölfingern im Reis rum
und suchte nach weiteren Hühnchenteilen und schmiss sie mir auf den Teller.
Pinzig darf man hier jedenfalls nicht sein.
Die abgekauten Hühnchenknochen wechselten dann öfters mal den Besitzer
und jeder kaute irgendwann mal auf dem gleichen Knochen rum.
Dazu eines der Kinder, dass permanent nur Stunk verbreitete.
Entweder es schmiss mit Essen durch die Gegend
oder haute irgendjemanden in der Runde ins Gesicht oder auf den Rücken.
Dazu ein Vater, der das alles nur komisch fand.

Die Nacht über schüttete es wieder und ich war froh im Haus zu sein.
Am nächsten Morgen waren auch die Gipfel rund ums Dorf mit Neuschnee bedeckt.
Ich war einfach noch zu früh im Jahr unterwegs
und hatte mittlerweile Bedenken für all meine weiteren Pläne, die ich fürs Land hatte.

Sie boten mir an mich waschen zu dürfen und die Gelegenheit nahm ich natürlich gerne wahr.
Eine Art Sauna empfing mich.
Zuerst holten sie mit ihrem Esel neues Wasser von irgendwo her
und füllten damit eine Art Wasser-Ofen, den sie mit getrocknetem Kuhdung befeuerten.
Das Wasser kochte vor sich hin und der Wasserdampf verteilte sich in dem kleinen Raum,
der nach aussen dicht war.
Es war mollig warm. Daneben stand ein Bottich mit kalten Wasser und ein Schöpfer,
zudem ein Eimer. Man mischt nun das heiβe Wasser mit dem kalten,
je nach Belieben und schüttet sich dann mit dem Schöpfer das Wasser über.

Auβerdem bekam ich von der Frau des Hauses noch meine Klamotten genäht,
denn sie ist Schneiderin und hatte das somit in Handumdrehen für mich erledigt.
Einfach genial. Diesmal bekam ich einen ganzen Liter Joghurt mit auf den Weg
und verabschiedete mich mit etwas Wehmut, von den einzigsten Menschen,
die ich in diesem Land wenigstens ein biβchen kannte.

Bei ordentlichem Gegenwind bog ich nun auf die A367 in Richtung Song Kul ein,
einem See inmitten der Berge. Kurz vor dem nächsten Regenschauer
kam mir ein Wiener Radler entgegen, der aber kaum Zeit hatte
und den Rückenwind ausnutzen wollte. Danach traf ich 2 Motorradfahrer,
die auf dem Weg nach Hong Kong sind. Sie erzählten mir,
dass der Pamir Hwy auf Tajikischer Seite wieder einmal geschlossen ist.
Das tat mir besonders leid für David, der nun evtl. nicht durch Tajikistan
und Afghanistan reisen kann, so wie er es geplant hatte.
Viele weitere Radler sind auf dem Weg Richtung Tajikistan
und werden vor verschlossenen Türen stehen und Probleme mit ihren Visa bekommen.
Wir standen eine ganze Weile, dann fing es richtig an zu schütten
und somit fuhr jeder seines Weges.
Irgendwann kam ich kurz vor dem Pass Kizart Ashuu klitschnass
und vom Wind fast zerfetzt an einem kleinen Bauernhof an
und fragte um Unterschlupf. Ich durfte im eiskalten Bauwagen nächtigen
und war froh um ein trockenes Plätzchen, denn es schüttete die ganze Nacht lang durch.
Eine Katze lag im Sofasitz und ich befürchtete auch,
dass es Mäuse gab, denn ich hörte immer wieder quitschende Geräusche,
die ich der Katze nicht zu ordnen konnte. Doch am nächsten Morgen,
sah ich dann, dass die Katze 4 Junge hatte
und wuβte nun endlich woher diese seltsamen Geräusche kamen.

Mit patschnassen Klamotten und Schuhen ging es bei Gegenwind weiter.
Es war noch ordentlich kalt, doch die Landschaft war herrlich.
Das grün der Wiesen war so intensiv durch den vielen Regen,
die Farben waren leuchtend und satt.

Nach dem Pass ging es nur noch abwärts. Vorbei an Jurten,
bei denen ich zum Kumys eingeladen wurde.
Ein seltsames Nationalgetränk, bestehend aus gegorener Stutenmilch.
Nicht wirklich mein Ding.

Ein französisches Radlerpaar kam mir entgegen und wir plauderten eine ganze Weile.
Irgendwie scheint Kirgistan eine grosse Anziehungskraft für Radler zu haben.
Ich habe hier fast mehr Radler in 3 Wochen gesehen, als zuvor in einem Jahr.
Aber ich freu mich immer sehr über solche Begegnungen.

Von Chaek machte ich 2 Tage Pause, denn das Wetter war einfach nur naβ und kalt.
Ich wohnte in einem kleinen Gästehaus, als einzigster Gast.
Doch ich muβ sagen, sobald die Leute etwas mit dem Tourismus zu tun haben,
sind sie oftmals unfreundlich und riechen nur das Geld. Auf den Dörfern,
wo kaum ein Tourist vorbei kommt, oder bei den Hirten in den Bergen,
sind die Leute unheimlich freundlich, wenn auch zurück haltend.
Aber mir ist die zurück haltende Art viel lieber als diese permanenten Belagerungen,
die ich im Iran erlebt habe.

Man kann sich einfach vor ein Magazin (einen Laden) setzen
und in Ruhe etwas essen oder die Karte studieren,
ohne dass man Fragen beantworten muβ.
Es dauert meistens eine ganze Weile bis man angesprochen wird.
Ich finde das sehr erholsam.

Von Chaek ging es weiter Richtung Song Kul, einem See auf 3000m, umringt von hohen, schneebedeckten Bergen.
Der Weg dorthin war geprägt von einem Fluβtal,
wobei er teilweise durch Minenfelder verschandelt wurde.

Doch dazu beim nächsten Mal mehr.

 

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