Auf dem Weg zum Song Kul, einem See auf 3000m, traf ich William, einen Holländer, der mit einer holländischen Radgruppe unterwegs war. Er war das Schluβlicht der Gruppe und tat mir ein wenig leid, da sich absolut niemand um ihn zu kümmern schien.

Er war völlig überfordert, konditionell am Ende. Zudem hatte er sich mit dem Gepäck total überladen. Zu all seinen Packtaschen hatte er noch zusätzlich jede Menge Plastiktüten
ums Rad herum baumeln.

Es war interessant zu sehen, wie lange er brauchte um sein Zelt aufzustellen und sein vieles Zeug irgendwie unter Kontrolle zu bekommen. Sein Wasser für sein Astronautenessen fing an zu kochen, als ich bereits fast eingeschlafen war.

Am nächsten Morgen dann, ein wahnsinns Blick nach drauβen. Wir waren umgeben von einer wunderschönen weiβen Pracht. Toll sah es aus.

William brauchte eine geschlagene Stunde, bis er alles wieder eingepackt hatte und endlich fertig war. Ehrlicherweise würde ich Pickel kriegen, wenn ich das jeden Morgen von neuem erleben müsste, bzw. wenn meine eigene Packweise so ineffizient wäre, dass ich selber so lange brauchen würde, denn im Normalfall bin ich nach 10 min startklar.

Der Kara Keche Pass lag auf 3360m und als wir nach mehr als 6 Stunden endlich oben ankamen, sah William ein, dass es besser wäre umzudrehen und auf einer einfacheren Strecke weiterzuradeln.

Irgendwie tat er mir leid, zumal es ein echt netter Kerl war.

Ich hatte nun ziemlich viel Zeit verloren und hoffte, dass ich es noch bis zum Sonnenuntergang zum Song Kul See schaffen werde. Der Weg war die reinste Matschepatsche. Der Schnee fing hier oben gerade erst an zu schmelzen. Irgendwann war die Straβe blockiert, weggerissen durch einen Fluβ und somit ging es querfeldein weiter.
Gerade noch rechtzeitig vor der Dunkelheit fand ich eine super Stelle direkt am See.
Allerdings war es eiskalt.

Ich wachte nachts vor Kälte auf und muβte dann leider zum pinkeln raus. Ich zitterte am ganzen Leib, doch war ich zeitgleich überwältigt davon die vielen funkelnden Sterne zu sehen. Kein Streulicht zerstörte den glasklaren Blick zum Himmel. Es war gigantisch. Ein Blick wie im Planetarium.

Doch bei minus 8 Grad hielt ich es nicht lange drauβen aus. Ich zog alles an was ich an Klamotten dabei hatte und versuchte im Schlafsack wieder warm zu werden.

Am nächsten Morgen schneite es erneut und ich saβ bis etwa 12 Uhr in meiner kleinen Hundehütte und wartete auf besseres Wetter. Nachdem es aufhörte zu schneien, war der Schnee erstaunlicherweise schon bald wieder geschmolzen.

Mit viel Rückenwind ging es am Seeufer entlang Richtung Osten. Ich kam an Jurten vorbei, trank dort Tee und aβ Brot und traf ein paar Leute.

Überrascht war ich als ich die beiden Französischen Radlerinnen wieder traf, die ich bereits von Bishkek her kannte.

Zum Auftakt des nächsten Tages ging es in Serpentinen einen steilen Hang hinunter. Eine kleine Siedlung war in Sicht und ich fragte bei einem Haus nach Essen und Tee.

Das totale Chaos herschte hier. Die Kinder kackten einfach vor die Haustüre, die Ziegen rannten in der Stube umher und auf dem Tisch wurde gerade Fleisch geschnitten, wovon die Hälfte davon auf dem Boden lag.

Sie wollten 200 Som für Brot und Tee, am Ende einigten wir uns auf 20 Som. Sie probieren es immer wieder mehr von mir zu verlangen.

Die Landschaft war weiterhin atemberaubend, das Wetter isländisch.

Im Laufe des Tages erreichte ich die Hauptstraβe Richtung Naryn.

 

Die Leute fahren wirklich brutal egoistisch. Frei nach dem Motto, Platz da jetzt komme ich.
Ich landete mehrmals im Graben, um nicht von irgendjemanden über den Haufen gefahren zu werden und hatte teilweise wirklich Bedenken.

Dann passierte etwas, was mich doch etwas schockte. Nachdem ich wieder einmal Angst um mein Leben hatte und gerade so davon kam und nicht unter der Motorhaube endete,
zeigte ich einem Fahrer als „danke schön“ den Stinkefinger. Oje, was ein dramatischer Fehler.

Die Reifen quitschten, er fuhr mit Vollgas rückwärts direkt auf mich zu. Ich versuchte mich zu retten indem ich den Hang runter raste in Richtung Acker. Er stieg aus, schrie mir hinterher, schmiss mit riesigen Steinen nach mir und schien irgendwie total auszuticken.

Ich strampelte so schnell wie ich konnte und ein Glück verfolgte er mich nicht weiter. Es wird viel getrunken, viel zu viel. Ständig sieht man in den Dörfern Leute die Straβe entlang torkeln und das bereits zur Frühstückszeit. Viele davon werden auch am Steuer sitzen und das endet dann wahrscheinlich in solchen agressiven Fahrweisen.

In Naryn entschied ich mich in Richtung Tosor Pass zu fahren, eine Strecke die unter Radlern als besonderes Schmankerl angepriesen wird.

Das Wetter war weiterhin nicht gut und ich befürchtete, dass es noch zu viel Schnee hatte, doch ich fuhr los.

Es ging vom Teer bald wieder in eine Piste über und kaum später, war ich wieder einmal alleine in dieser weiten wunderschönen Landschaft.

Jurten und Hirten kamen ab und an des Weges, die ihr Vieh die schmalen Hangwege entlang trieben. Die Viecher hatten ordentlich Angst vor mir und ich brachte somit die Herde jedesmal total durcheinander, weil die Tiere vor Schreck öfters einfach den Hang hinunter rannten.

Es tat mir ja sehr leid und teils waren die Hirten, obwohl sie immer sehr freundlich waren,
auch nicht sonderlich begeistert darüber, aber ich konnte mich leider auch nicht in Luft auflösen.

 

Wiedereinmal war ich umgeben von einem Gewitter und wiedereinmal erwachte ich in einer wunderschönen Schneelandschaft, als ich auf 3500m kurz vor dem Pass zeltete.



Der Pass selbst, Tosor Pass, 3890m, war ein kleines Abenteuer. Umgeben von schroffem Fels und steilen Hängen, hörte ich es von allen Seiten her rumpeln. Überall Steinschlag und kleine Schneelawinen, doch der Weg hatte genug Abstand, so dass keine Gefahr für mich bestand.

Auch zuvor hatte ich öfters Stellen wo es Erdrutsche gegeben hatte und ich dann stellenweise das Rad und die Taschen einzeln durch den Fluβ oder über die Felsen tragen musste.

Mit der dünnen Luft hatte ich kaum Probleme, ich war seit Monaten wunderbar akklimatisiert.

In ewig langen Serpentinen ging es nun non stop den Hang hinunter, bis ich irgendwann bei heiβen Temperaturen am Issyk Kul See auf 1700m ankam und meine Finger nun endlich Erholung vom vielen bremsen bekamen.

Ich lieβ meine Sachen in einem privaten Haus stehen und trampte nach Bishkek um mir dort ein Kasachstan Visa zu besorgen.

Ich verbrachte nochmals einige Zeit mit anderen Radlern und Touristen in einem Hostel und trampte nach Erhalt des Visa wieder zurück zu meinem Rad. Ab dem 15.Juli kann man in Kasachstan visafrei einreisen, noch knapp 4 Wochen und ich hätte mir den Umweg sparen können.

Das Essen in Kirgistan ist wieder einmal sehr fleischlastig. Es gibt ein paar Gerichte, die sind wirklich sehr lecker, vorallem Lachman.

Nudeln mit Gemüse, Soβe und ein paar Fleischstückchen. Auch gibt es, wie in Usbekistan, gefüllte Samsa und Mandi und zudem Kotlett mit Reis, Makkaronies und Kretschke (Buchweizen).

Sehr seltsam sind die Joghurt Bällchen, die man am Straβenrand kaufen kann, sehr salzig und sehr streng im Geschmack.

Von Barskon fuhr ich entlang des riesigen Issyk Kul Sees bis Karakol und nistete mich dort in einem kleinen Hostel ein. 

Ich bekam ein „Luxuszimmer“ mit einer genialen Matratze für 6$ und somit blieb ich 3 Nächte um wieder einmal so richtig gemütlich schlafen zu können.

Auch das 3.WM Spiel der Deutschen hatte ich versucht irgendwo sehen zu können und muβte dann leider zum 3.Mal frustriert aufgeben, denn die wenigen TV Kanäle zeigten leider kein Fuβball.

Von Karakol bis zur Kasachischen Grenze war es nun nur noch eine Tagesfahrt, doch es war Freitag Abend, das hieβ wieder einmal jede Menge Betrunkene auf der Straβe anzutreffen.

Die Strecke war dick rot auf der Karte markiert, doch die Straβe war eine ziemlich ruppige Schotterpiste.
Hirten kamen des Weges. Zuerst 2 Jungs, die mit dicken Knüppeln „bewaffnet“ waren und unangenehmerweise immer näher zu mir ran kamen.

Ich wuβte nicht wirklich was die Typen wollten und ich versuchte sie los zu werden, doch sie verfolgten mich eine ganze Weile lang. Es war mir unangenehm. Kaum hatte ich sie abgeschüttelt, kam ein Mann des Weges geritten, gab mir die Hand, drückte mit seinen Bärenpranken kräftig zu und wollte meine Hand überhaupt nicht mehr los lassen.

Kein Mensch weit und breit, nur der Mann und ich.

Irgendwie war der Typ mir suspekt und auf seine Frage hin ob ich allein bin, sagte ich nein nein, mein Mann ist kurz hinter mir. Dann zog er ab.

Ich fuhr noch bis zu einem Dorf und fragte nach der Möglichkeit mein Zelt irgendwo in der Nähe der Häuser aufzustellen, denn ich wollte in dieser Gegend und dazu noch an einem Freitag Abend wirklich nicht wild zelten.

Eine Frau lud mich ins Haus ein, lies mich dann aber 1 Stunde vor der Türe sitzen, bis ich beim Nachbarn fragte ob ich mein Zelt aufstellen könnte. Er war ein alter Mann und somit hatte ich keine Bedenken.

Morgens streckte er seinen Kopf unter die Zeltplane und fragte mich ob ich chai möchte. Ein Glück war ich bereits angezogen.

 

Wir saβen an einem kleinen Tisch und frühstückten zusammen, als er mir sagte er sei 45. Ich hätte ihn locker auf 70 geschätzt.

Der alte Mann vom Vorabend war somit gerade mal 3 Jahre älter als ich. Im Laufe des Frühstücks wollte er mich überreden noch eine weitere Nacht zu bleiben und dann bei ihm mit im Bett zu schlafen.

Zigaretten sollte ich ihm noch welche bezahlen und er würde mir gerne einen Kuβ geben.
Er wurde immer unangenehmer und ich machte dass ich weg kam.

Kurz vor der Grenze traf ich Hubert, einen Polen der von Malaysia nach Hause trampt. Wir tauschten Geld untereinander, zudem SIM Karten und Landkarten. Auβerdem gab er mir noch eine DIN A 4 Seite voller Standardfragen ins Chinesische übersetzt. Super, die Begegnung war für uns beide ein Volltreffer.

Die „am Ende der Welt liegende“ Grenze war völlig unproblematisch. Keine 15 min später war ich in Kasachstan.

Nach 7 Wochen verlieβ ich somit ein wunderschönes Land und war gespannt was mich nun erwarten wird.

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