Der erste Eindruck von Kasachstan bezog sich auf die Fahrweise der Autofahrer. Ein deutlich angenehmerer Fahrstil begegnete mir. Die Fahrer nahmen plötzlich Rücksicht, scherten aus wenn sie an mir vorbei fuhren und hupten wirklich nur wenn sie mich warnen wollten.

Auch wurde ich in einem Laden plötzlich wieder gegrüβt, worauf ich in Kirgistan 7 Wochen vergeblich wartete. Ich grüβte in Kirgistan immer zuerst, doch es grüβte nie jemand zurück.

Im ersten Dorf machte ich Pause und bestellte mir etwas zu Essen. Ich hätte vor Freude Purzelbäume schlagen können, denn da stand ein Wok und der Koch zauberte mir ein leckeres chinesisches Reisgericht. Genial. 

Gutes Essen vermisse ich seit ein paar Monaten doch sehr und von daher freue ich mich nun total auf China.

Leider hätte ich mich innerhalb von 5 Tagen in Almaty bei der Polizei registrieren müssen, um länger im Land bleiben zu können, doch die 500km Umweg waren es mir nicht wert gewesen und somit nahm ich den direkten Weg nach China.

Es werden angeblich groβe Summen Strafe verlangt, falls man die Registrierung nicht vor nimmt. Wenn ich innerhalb der ersten 5 Tage wieder ausreise, entfällt die Registrierungspflicht.

Nachdem ich die ersten Tage in einem fremden Land immer ersteinmal vorsichtig bin und versuche ein Gespür für die Menschen zu bekommen, suchte ich in einem Dorf eine Zeltstelle. 

Ich machte mich bei den Leuten bekannt und stellte mein Zelt auf der Dorfwiese auf.
Eine Dame lud mich ins Haus ein und gab mir Essen und Tee. Sie wollte mich dazu überreden im Haus zu schlafen, doch das wollte ich nicht. Es war mittlerweile richtig heiβ
und somit war es im Haus einfach viel zu stickig zum schlafen.

 

Die Leute leben von der Viehwirtschaft. Käse, Butter, Sahne, Kymus und Milch produzieren sie und verkaufen es nach Almaty.

Der Ramadan hatte angefangen. Das bedeutet von 3.30 morgens bis 20.45 abends kein Essen und vor allem nichts trinken.

Ich frage mich wirklich, was das für einen Nutzen haben soll. Der Tochter des Hauses ging es gar nicht gut und sie schaute unentwegt auf die Uhr. Kein Wunder bei der Hitze ohne Flüssigkeit.

Doch es halten sich lange nicht alle Leute ans Fasten, für viele scheint Ramadan keine Bedeutung zu haben. 

Das letzte Mal erlebte ich Ramadan in Mazedonien, wahnsinn wie lange ich schon unterwegs bin.

Der Islam hat in Zentralasien lange nicht den Stellenwert, wie er ihn in den anderen Muslimischen Ländern zuvor hatte. Man hört zwar häufig den Muezzin rufen, aber ich habe in der ganzen Zeit nur einen einzigen Mann zum beten den Teppich ausrollen sehen.

Vor allem Freitags sieht man die Leute in die Moschee gehen, aber das tägliche Leben dreht sich nicht um die Religion. Zumal sie besonders Freitags gerne viel Alkohol trinken,
was ja im Islam eigentlich verboten ist.

Als ich morgens auf der Dorfwiese gerade am zusammen packen war, kamen 3 Leute aus unterschiedlichen Häusern heraus und luden mich zum Frühstück ein.
Wirklich super nette Menschen.

Die Straβe ging nun in vielen Serpentinen bergab und somit wurde die Hitze immer unerträglicher. 

Die Landschaft veränderte sich zunehmends und aus der Berg und Wiesenlandschaft wurde weite Steppe. Die Straβe führte nun immer geradeaus und am Horizont war absolut nichts zu sehen.

Doch es kamen immer wieder Dörfer, die Abwechslung brachten. 

Am Abend suchte ich mir wieder einen Zeltplatz, doch auch hier wurde ich wieder ins Haus eingeladen und nahm die Einladung diesmal gerne an. Ich durfte sogar duschen und meine Klamotten waschen.

Die Dusche war eine Auβendusche. Ein Eimer, der einen Gieskannenhals hatte. Das Wasser kalt, aber bei der Hitze eine geniale Abkühlung.

Eine Englischlehrerin wurde angerufen, die allerdings bei dem Satz „wie heiβt Du“ schon Schwierigkeiten hatte. 

Trotzallem traf ich in der kurzen Zeit in Kasachstan mehr Leute die Englisch sprachen als in den ganzen 7 Wochen in Kirgistan. Der Bildungsstand scheint allgemein höher zu sein.
Die Aussagen der Leute stimmen meistens. Man merkt auch, dass sie besser mitdenken
und sich in einen Fremden besser reinversetzen können. Wenn sie mir eine Zahl nennen und ich ihnen zu verstehen gebe, dass ich die Zahl nicht verstehe, holen sie sofort von sich aus einen Taschenrechner zur Hilfe.

In Kirgistan muβte ich immer ersteinmal eine Weile auf dem Taschenrechner rum tippen,
bis jemand verstand was ich wollte.

Hier kommt auch wieder der alt bekannte Trick mit dem Übersetzungsprogramm zum Tragen, etwas was in Kirgistan völlig unbekannt ist.
So saβen wir in der lauhen Nacht und tippten Sätze in ein iphone und lieβen es uns übersetzen und versuchten so zu kommunizieren.

Auch hatte die Tochter des Hauses ein Englischbuch, in dem wir blätterten und Standartfragen stellten. Natürlich bekam ich auch wieder Fotoalben gezeigt und ich tat so, als würde mich die Hochzeit der Tante XY total interessieren.

Doch irgendwann wurde es ungemütlich, denn der Vodka wurde ausgepackt. Nachdem die Leute schon bald nur noch lallten, ging ich ins Bett. Ein Glück lieβen sie mich in Ruhe schlafen.

Zum Frühstück stand der Vodka bereits wieder auf dem Tisch und einer der Typen ging mir wirklich ordentlich auf den Keks. Es wurde Zeit weiter zu ziehen.

Ich traf zwei Franzosen die von Bangkok Richtung Paris radeln. Sie gaben mir 4 übersetzte Pappzettel um damit in China nach Zeltplatz, Dusche, Essen und Unterkunft fragen zu können. Sehr hilfreich.

Meine eigentlich letzte abendliche Station in einem kleinen Dorf, kurz vor der Chinesischen Grenze, wurde etwas unschön. Wieder fragte ich nach einem Zeltplatz und wieder wurde ich eingeladen. Es ist von den Leuten her sehr angenehm. Sie sind super gastfreundlich.
Kinder rennen mir hinterher, viele Leute winken mir zu und nach der Einladung fragt niemand nach Geld.
Auch wird man nicht dauernd beschummelt.

Die Frau des Hauses gab mir Lachman und Tee. Der Tee wird schon fertig zubereitet auf den Tisch gestellt. Milch, Schwarztee und irgendein Fett. Kein Zucker.
Als ich zwei Portionen des Lachman gegessen hatte, welches ähnlich schmeckte wie das in Kirgistan, merkte ich sofort dass mit dem Essen irgendetwas nicht in Ordung war.

Bauchkrämpfe, Durchfall und Erbrechen waren die Folge. Ganz besonders unangenehm mit einem Plumpsklo, dass sowieso schon total eklig ist und zudem auβerhalb des Hauses steht.

Ich bekam die Nacht irgendwie rum und quälte mich am nächsten Tag die verbliebenen 20km bis zur Grenzstadt. Ich nistete mich dort notgedrungenerweise in ein kleines Hotel ein und versuchte zu regenerieren.

Einen Tag Puffer hatte ich noch, doch am nächsten Tag muβte ich unbedingt über die Grenze, um durch die verpflichtende Registrierung keine Strafe zahlen zu müssen
und hoffte, dass ich bis dahin wieder fit bin.

Alles in allem, war es sehr schade, dass ich für Kasachstan nicht mehr Zeit hatte, denn ich glaube die Menschen sind es wert länger zu bleiben. 

Ich hatte von dem riesigen Land nur einen Mückenschiβ gesehen und fragte mich beim überschreiten der Grenze, wie es wohl in anderen Landesteilen zu geht.

Ein neuer Abschnitt meiner Radweltreise fing nun an. Auch wenn es durch die Uiguren in China noch etliche Muslime in der Provinz Xinjiang gibt, die Provinz in die ich zuerst fahren werde, ist es trotzallem eigentlich nun zu Ende mit den muslimischen Ländern.

Ich sags auch ganz ehrlich, irgendwie bin ich froh drum. Insgesamt habe ich nun über 9 Monate in islamischen Ländern verbracht. Mir reicht es nun. Ich bin nun gespannt auf meine Lieblingsreligion, den Buddhismus.

Auf nach Gdai – wie sie hier so schön sagen – auf nach China.

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