Golmud, eine nichts sagende Stadt, in der es eine Jugendherberge gab und ich mich auf eine Dusche freute. Doch, wer hätte das gedacht, ich hörte einmal wieder mein geliebtes „mei you“. Nein, das darf jetzt nicht wahr sein, in der Provinz Qinghai gelten wieder einmal andere Gesetze und da dürfen Ausländer selbst in der Jugendherberge nicht übernachten. Ich solle doch im Park gegenüber zelten, meinten die vielen Leute, die nun im Gespräch verwickelt waren, denn es gebe nur ein einziges Hotel in dem Ausländer 
übernachten dürfen und das war ein 4 Sterne Hotel.

Der Park war mit  einem Gattor abgeschlossen und zum drüber klettern kein Problem, 
aber das Rad hätte ich nicht über den hohen Zaun hiefen können. 

„Kann ich das Rad in der Jugendherberge irgendwo abstellen?“ Natürlich war es wieder einmal „Mei you“. Somit fuhr ich aus der Stadt nachts um 0 Uhr wieder raus und hoffte noch irgendetwas zu finden. 

Doch ich hatte Glück, in einem Gästehaus kannten sie die Vorschriften nicht und somit kam ich dort sogar umsonst unter und erfreute mich an einer heißen Dusche.

Am nächsten Tag versuchte ich Postkarten zu verschicken. Selbst wenn ich den Leuten
die Postkarten unter die Nase halte und ihnen zudem das Symbol für Briefumschlag
und Briefmarke in meinem Bildwörterbuch zeige, verstehen sie nicht wohin ich möchte.

Doch ich fand die China Post. Ich übergab meine Postkarten und symbolisierte, dass ich gerne Briefmarken hätte und die Postkarten nach Deutschland gehen sollen. 

Deutschland hatte ich mir bereits von einem Chinesen auf das Adressfeld schreiben lassen.
Was tat die Dame? Sie stempelte die Postkarten ohne Briefmarken. 

„Äh, Moment sagte ich“ und kramte aus meiner Tasche ein paar Yuan Scheine um zu verdeutlichen, dass ich doch auch bezahlen muß. Daraufhin wurde wieder einmal abgewunken und alles war „mei you“. Ich muß woanders hin, bloß wohin?

Ich saß die Sache aus, denn ich habe mittlerweile kapiert, wenn man einfach beharrlich bleibt, dann eröffnet sich irgendwann ein Weg. Und so war es auch. Es wurde telefoniert,
wie immer diskutiert und plötzlich doch Geld von mir verlangt.

Schlußendlich wurden die Postkarten in ein Kuvert gesteckt, das Geld mit dazu und wer weiß schon, was nun damit passieren wird. Sicher ob das nun klappen wird war ich mir jedenfalls nicht.

In Golmud sah ich die ersten Tibetischen Gesichter und außerhalb der Stadt entdeckte ich die ersten Gebetsfahnen und buddhistischen Tempel. Zudem begrüßte ich die ersten Tibeter mit „Tashi Delek“. Die Grußformel der Tibeter.

Wow, Tibet war nicht mehr weit. Doch leider darf ich als Ausländerin nicht nach Tibet. Kontrolle ist in China alles. Nur mit Guide und einer Gruppe, nicht als Individualtourist.

Ab Golmud nahm der Verkehr deutlich zu. Keine Autobahn mehr, kein Standstreifen mehr. LKWs, jede Menge dicke Autos und unendlich viel Militär. Ich fuhr 2 Tage lang nur an Militärkasernen und Truppenübungsplätzen vorbei. 

Die Straße geht schnurstracks nach Lhasa und somit kam zum normalen Verkehr noch der Pilgerstrom hinzu. Ich traf viele Chinesische Radler, die alle nach Lhasa wollten.

Ich hatte mich drei Chinesischen Studenten angeschlossen, die sich in Golmud ihr Rad gekauft hatten und noch nie aus ihrem Heimatort herausgekommen sind. Wir alle hatten Probleme mit der Höhe, denn nun waren wir bereits auf 4000m angekommen.

Die 1. Nacht nächtigte ich in einem Büroraum, während die Jungs in einem stinkenden
Maschinenraum unter kamen. Die 2. Nacht fanden wir an einer Tankstelle einen Schlafplatz im Mehrbettzimmer.

  

Es war super interessant zu beobachten, wie die Jungs leben. Sie hatten eine Dose Medikamente für 14 Tage dabei, die dreimal größer war als meine, dafür allerdings
kein Werkzeug oder Ersatzteile.  Zu jeder Mahlzeit assen sie zig Tabletten. Zudem Gemüse aus eingeschweissten Packungen und andauernd irgendein Chemie Zeug. Sie waren super ausgestattet mit nagelneuen Klamotten, unter anderem Jack Wolfskin.

Chinesische Räder scheinen nicht gerade super zu sein, denn andauernd war irgend etwas kaputt und sie waren heil froh, dass ich alles dabei hatte um ihnen zu helfen.

   

Es wurde immer kälter und regnerischer. Der höchste Pass auf der bisherigen Strecke ging nun bis auf 4750m hinauf. Beim hochfahren merkte ich noch nicht wirklich, dass ich bald Probleme haben werde, aber je länger ich dort oben verweilte, desto mehr Kopfschmerzen bekam ich, zudem wurde  mir plötzlich eiskalt.

Auf dem Pass war Jahrmarktstimmung. Lauter kreischende Chinesische Touristen, die alle jede Menge Papierschnipselchen einfach in die Weite schmissen. 

Ich hoffte auf eine lange Abfahrt, mußte aber leider feststellen, dass der nächste Ort nur etwa 200m tiefer lag, eigentlich viel zu hoch um sich richtig zu akklimatisieren.

Hier trennten sich unsere Wege, denn die Jungs fuhren weiter nach Lhasa und ich bog auf die Straße 308 nach Yushu ab. Doch mein Kopfweh wurde immer schlimmer und somit suchte ich nach einer Unterkunft. Der Ort war schauderhaft. Dreck und unfreundliche Leute, überzogene Preise und nur seltsame Gestalten.

50 Yuan (etwa 8 $) wollten sie hier für ein Bett in einem 5’er Schlafraum, in dem es aus sah,
als würden die Ratten mit im Zimmer leben. Zudem hatte ich keine Lust mit 4 anderen Chinesischen Männern, die alle in dem Zimmer rauchten, die Nacht zu verbringen.

Ich schaute mich weiter um und entdeckte in der Ferne noch ein Haus. Ich betrat das angeschlossene Restaurant und fand zu meiner Freude lauter Tibetische Gesichter vor. Sie lächelten mir zu und ich wurde mit einem herzlichen Tashi Delek begrüßt.

Wow, das war eine ganz andere Atmosphäre plötzlich. Ich bekam ein schönes, gepflegtes Zimmer für 40 Yuan und wurde zudem zum Tee eingeladen.

Die Frau des Hauses war eine elegante, aufrecht gehende, wunderschöne Frau. Ihre ruhige und herzliche Art beeindruckte mich. Wir sprachen kein Wort miteinander, kamen aber mit Gesten sehr weit. Ruhe strahlte hier jeder aus. Kein lautes Gerede, kein forscher Ton, nein sie gingen respektvoll und sorgsam miteinander um. Eine ganz andere Welt, als drei Häuser zuvor.

Manche Tibeter sehen aus wie Nordamerikanische Indianer. Sie tragen teils unheimlich edle Kleider, dazu wunderschönen Schmuck und man hat wirklich den Eindruck, ihr Äußeres ist ihnen sehr sehr wichtig. 

Die Frau des Hauses deutete an der Wand auf ein Poster mit der Stadt Lhasa. Ich versuchte ihr zu erklären, dass ich dort nicht hinfahren darf und gab das erste Mal während meiner Reise, meinen Pass freiwillig jemandem in die Hand um ihr anhand des Visa zu erklären, dass ich dort von den Chinesen nicht erwünscht bin. Ich wußte die Frau behandelt meinen Pass wie einen Schatz und genau so war es auch. Ich habe noch nie jemanden so sorgsam damit umgehen sehen, wie sie das tat.

Ihre Tochter konnte Lateinische Buchstaben, Sanskrit und Chinesisch schreiben. Sehr beeindruckend. Sie schrieb mir die Orte auf, die auf meinem Weg lagen, dazu die Kilometer. Die Angaben stimmten ganz genau.

Am nächsten Morgen frühstückte ich noch, ehe ich mich auf den Weg Richtung Yushu machte. Der Asphalt endete hier, nun ging es auf der staubigen Wellblechpiste weiter. Ich hatte weiterhin Kopfweh und jeder Hubbel in der Straße sorgte für zusätzliche Schmerzen.

Ich bekam kaum Luft und meine Kondition war plötzlich auf dem Nullpunkt. Ich kam einfach nicht vorwärts. Ich quälte mich regelrecht und machte mehr Pause als das ich radelte. Jedesmal wenn ich mich hinsetzte schlief ich kurz ein. Die Höhe zwang mich in die Knie.

Jeder vorbei fahrende LKW wirbelte so viel Staub auf, dass ich jedes Mal die Luft anhalten
mußte um nicht pausenlos auf Sand zu kauen, doch danach hatte ich richtige  Erstickungsanfälle,  so sehr fehlte mir plötzlich der Sauerstoff.

30 endlose km radelte und schob ich teils sogar, vor lauter Müdigkeit, in Richtung Osten. Weiter kam ich nicht, dann fing es ordentlich an zu regnen und ich verschanzte mich in einem Abflußrohr.

Doch unweit der Stelle sah ich eine Fabrik und erhoffte mir dort einen Schlafplatz. 
Patschnass bekam ich ein Zimmer für mich alleine und durfte zudem mit am Abendessen teilnehmen. Teils schlafen die Arbeiter hier zu sechst in einem winzigen Raum. Sie arbeiten zusammen, essen zusammen, schlafen zusammen und wenn sie auf die Toilette gehen, können sie nicht mal dort die Türe hinter sich schliessen. Das alles über Monate, jeden Tag aufs Neue.

Doch ich habe den Eindruck, das stört die Chinesen überhaupt nicht. Sie sind es gewohnt andauernd unter Menschen zu sein. Privatsphäre gibt es hier nicht. 

Die Nacht über hatte ich extreme Schlafstörungen, ich wachte immer wieder auf und hatte das Gefühl ich ersticke. Es waren fast schon Panikanfälle. Trotz Schmerztabletten hatte ich rasende Kopfschmerzen. Normalerweise hätte ich in tiefere Lagen runter fahren sollen, aber die Option hatte ich nicht. Die ganze Strecke bis Yushu verlief zwischen 4200 und 4800m.

Bei brutalem Wind und matschigen Straßen ging es am nächsten Tag weiter. Ich war so müde und kaputt, dass ich mich wieder nur quälte.

Seit vielen Tagen hatte ich jeden Tag einen oder sogar 2 Platten am Hinterrad und ich suchte jedesmal von Neuem nach irgendeinem Auslöser. Nur fand ich nie etwas und somit hatte ich an diesem Tag die Nase voll und tauschte den alten Mantel gegen einen nagelneuen, den ich seit Erzurum / Türkei mit mir rumschleppte. Obwohl das Profil noch absolut super war, schien der Mantel sich aufzulösen, nach bereits 13.000km. Mein Vorderrad Mantel hat mittlerweile etwa 30.000km drauf.

  

Schleppend kam ich voran und schaffte es bis zu einem kleinen Ort, in dem ich von einem Tibeter ins Haus eingeladen wurde. Wunderbar warm und erholsam. Ich wollte einfach nur sitzen und nichts tun. Ich war total am Ende.

Pausenlos kamen und gingen irgendwelche Leute bei ihm ein und aus. Alles Tibeter. Wunderschön gekleidet, toller prunkvoller Schmuck, egal ob Mann oder Frau. Mit ihren Cowboyhüten sehen sie teils wirklich lustig aus.

Im Raum brannten die Butterkerzen. Dalai Lama hing an der Wand und im Hintergrund 
lief Tibetische Musik. Ich bekam Yak Tee. Zum Glück ohne Butter und ohne Salz. Sondern nur Schwarztee, Yak Milch und Wasser. Trinkbar, wenn auch kein Leckerli. 
Geschmackloses, vor Fett triefendes Gebäck wurde dazu gereicht.

Die Nacht schlief ich mit einem Pärchen zusammen im Hinterzimmer. Mir ging es gar
nicht gut. Ich bekam keine Luft und saß die halbe Nacht am offenen Fenster, hörte dem endlosen Gekläffe der Straßenköter zu und versuchte mich selbst zu beruhigen.

Der nächste Morgen war grau in grau, es stürmte und es fing genau in dem Moment an
zu regnen, als ich los fuhr. Ich kämpfte nicht nur mit meiner Kondition, sondern auch mit
dem Sinn in dem Zustand weiter zu fahren. Aber ich hoffte auf eine Besserung, sowohl meines Gesundheitszustands, als auch der Straße, sowie des Wetters. Doch der Weg war der reinste Matsch. Es war einfach nur ätzend.

Immer wieder hielt ich bei Straßenarbeitern und deren Zelten an und erhoffte mir heißen
Tee und etwas warmes zu Essen. Sie versorgten mich immer reichlich und waren super nett zu mir. Sie leben in noch deutlich ärmlicheren Umständen, als die Fabrikarbeiter, denn über Monate hausen sie in diesen dreckigen Zelten.

Ein Ofen in der Mitte und ringsherum das blanke Chaos. Es war Mitte August und teils schneite es, hagelte oder regnete es, dazu ein nicht endend wollender starker Wind. Es war eiskalt und ich hatte das pure Mitleid mit diesen Leuten, die hier nicht nur im Sommer arbeiten, sondern auch zu ganz anderen Jahreszeiten in den primitiven Zelten leben müssen.

Meistens verschanzte ich mich vor dem Regen und dem Wind in irgendeinem Abflußrohr
unter der Straße und zeltete dort in geschützter Lage. Alles war naß und klamm und
ich fing an es zu hassen. Es war eine reine Quälerei.

Doch das Wetter besserte sich kurzfristig und die Sonne in Kombination mit dem starken Wind, trocknete den Schlamm in kürzester Zeit aus und verwandelte die Piste wieder in eine totale Staubpiste. Leider war der LKW Verkehr durch die vielen Straßenarbeiten so unangenehm, dass ich mir immer wieder gut zureden mußte, nicht aufzugeben und mich von irgendjemanden mitnehmen zu lassen. Wenn ich nicht so stur gewesen wäre, hätte ich das auch gemacht, aber ich wollte es schaffen jeden Meter zu radeln.

Touristen, 2 Belgier und 1 Engländer hielten mit ihrem Auto an und schenkten mir eine 10 minütige Unterhaltung. Wow, die erste Unterhaltung mit Westlern seit Hami. Sie sagten mir ab Yushu wird die Landschaft besser. Woraufhin ich sagte, „toller Trost, bedenkt man, dass es noch 400km bis dorthin sind“. Sonst waren das für mich etwa 3 Tage gewesen, aber unter diesen Bedingungen waren es wahrscheinlich 8 lange, eiskalte, winderzersauste, ätzende Tage.

Wildtiere waren so zahlreich hier, dass ich mich trotz der üblen Bedingungen immer 
wieder von Neuem daran erfreute, wenn ein Fuchs, Gazellen, Murmeltiere oder das speziell hier in der Region lebende Kiang (Tibetischer Wildesel) in der endlosen Grassteppe von mir entdeckt wurde. Hamster rannten pausenlos von einem Bauloch ins nächste. Adler, Kraniche und sogar Geier sah ich so unendlich viele, dass es zum täglichen pedalieren gehörte. Es war die wildreichste Gegend seit meinem Start in Deutschland und das hielt mich am Leben, das motivierte mich jeden Tag aufs Neue.

  

  

Durch die Nacht die ich am Fenster verbrachte, hatte ich mir einen ordentlichen Zug am Hals eingefangen. Ich konnte meinen Kopf in keine Richtung mehr drehen, fand keine schmerzfreie Position mehr auf dem Rad und nachts wurde das liegen auf der Matte zum Alptraum. Erholen konnte ich mich also irgendwie nie.

Im Laufe der Tage wurde mein Kopfweh besser. Die Atemnot blieb aber bestehen.
Meine Tagesleistung war Anfangs 30km und erhöhte sich dann irgendwann auf 50-60km.

Bedenkt man, dass ich etwa 10 Tage zuvor meinen Rekord von 180km und 2500hm schaffte,
war das doch ein herber Einbruch. Wobei man das natürlich schlecht vergleichen kann,
denn zuvor hatte ich prima Asphalt und nun fuhr ich auf einer üblen Piste.

Eines Abends, bei schüttendem Regen, fand ich in einem bereits mit Wasser 
vollgelaufenden Wasserkanal noch eine kleine trockene Stelle fürs Zelt und kochte
mir eine eklige Fertigsuppe. Als ich dann in meinen klammen Schlafsack kroch, Schmerzen am Hals hatte, Atemnot und alles naß war, da dachte ich das erste Mal, „so tief bist Du jetzt schon gesunken“. „Du bist 42 Jahre alt und lebst jetzt schon wie eine Ratte im Abflußkanal.“

Ich hatte Hunger, aber nichts mehr zu Essen, denn seit Tagen konnte ich nirgendswo mehr etwas einkaufen. Ich hatte an diesem Abend so richtige die Nase voll. Wenn ich gekonnt hätte, wäre ich sicherlich auf die Idee gekommen mich von Scotty (der Typ von Raumschiff Enterprise) irgendwo hin beamen zu lassen. Doch es half alles nichts, die Option gab es nicht, ich wischte den Gedanken beiseite und versuchte einzuschlafen.

Der nächste Morgen brachte zumindest einmal eine kurze windstille Zeit und etwas Sonne. Straßenarbeiter luden mich zu einem warmen Frühstück ein und ein Motorradfahrer zog mich ein kurzes Stück den nächsten Pass hinauf, indem ich mich bei ihm fest hielt. Eine lange Abfahrt und endlich ein Laden in Sicht.

Meistens kommt eben nach einem Hundstag wieder ein sonniger Morgen und die Welt ist wieder kunterbunt und voller Leben.

Qumaleh war erreicht und ich freute mich auf eine Dusche, ein warmes Zimmer und gutes Essen und vorallem auf eine Pause. Für 100 Yuan (ca.16$) wohnte ich in einem Hotel was mehr einer Irrenanstalt glich, als einem Hotel.

12 Tage hatte ich keine Dusche mehr gesehen, doch in dem Hotel gab es keine, wobei es im Ort eine öffentliche Badeanstalt gab, in der man duschen konnte. 

Das Hotel war voller lauter und irgendwie total durchgeknallter Menschen. Chinesen sind einfach irre laut. Pausenlos wurde rumgeschrien und Türen zugeknallt. Neben meinem Fenster stand der Generator der die ganze Zeit lief und die kläffenden Hunden rannten die ganze Nacht in der Nähe des Fensters entlang. Erholung war das alles nicht.

Ich mußte weiter, mein Visum war wieder einmal am ablaufen, nachdem ich für die Strecke nun so lange gebraucht hatte, lief mir die Zeit davon. Kaum hatte ich den Ort verlassen entdeckte ich Teer. Etwa 50km bis in den nächsten Ort. Wow, das war Erholung pur. Ich gönnte mir nochmal eine Nacht in einem netten Hotel und fuhr dann am nächsten Morgen weiter.

Wieder regnete es, stürmte es und wieder waren endlose Pässe zu überbrücken. Die Straße war die reinste Matschepatsche, der Teer war lange hinter mir und der Regen nahm kein Ende. Egal, Augen zu und durch.

Ich sah aus wie ein Ferkel, als ich voller Matsch in ein Dorf kam und kein Geld mehr hatte, da ich nirgendswo Geld tauschen konnte. Ich ging schnurstracks zur Polizei und versuchte meine Situation zu erklären. Der Polizist, ein Tibeter, lud mich sofort in ein Restaurant ein und organsierte für mich ein Bett in einem Zimmer auf der Polizeiwache. Zudem gab er mir noch ein Tachengeld, damit ich den Weg bis Yushu noch finanzieren konnte. Super nett.

Der höchste Pass mit 4797m war erreicht und nun war es nicht mehr weit bis Yushu, das war das was mich voran trieb. Ich musste unbedingt Donnerstag Abend dort ankommen, da ich Freitags aufs PSB (Police Security Büro) musste um zu fragen, ab wann ich meine Visaverlängerung beantragen kann, denn es waren nur noch 8 Tage bis zum Ablaufdatum. Ob ich überhaupt eine zweite Verlängerung bekommen werde, stand sowieso noch in den Sternen.

An einem Donnerstag Nachmittag, Ende August, rollte ich patschnass in Yushu ein.
Sichtlich erleichtert und völlig kaputt von der anstrengensten Piste meines Lebens. 750 lange endlose Kilometer hatte ich hinter mir. Selbst Island war da nur  in Kindergeburtstag dagegen gewesen.

Ich kam in der Jugendherberge unter und fiel fast tot ins Bett.

9 Uhr stand ich beim PSB. „Nein, leider können wir in Yushu keine Visa verlängern.“ Ich soll nach Xining. Sehr nette Beamte, denen ich glaubte, was sie sagten. Ich wurde noch in ein anderes Büro in der Stadt geschickt, welches ich trotz in Chinesischen Schriftszeichen geschriebener Adresse, etwa eine Stunde lang suchte. Dort bekam ich die gleiche Auskunft
und das Xining der nächst mögliche Ort sei. Xining liegt etwa 17 Stunden Busfahrt von Yushu entfernt. Ich war, wie man sich sicherlich vorstellen kann, endlos begeistert.

  

Yushu hatte sich nach dem schlimmen Erdbeben vor einigen Jahren zu einer modernen Stadt heraus geputzt. Die vielen Tibeter, die hier leben, passen überhaupt nicht in das moderne Stadtbild das sie umgab.

Ich mußte Geld abheben. Doch in ganz Yushu akzeptierte kein ATM meine Karte. Zudem tauschte keine einzige Bank meine Dollar Scheine. Ich hörte nur „mei you“ und wurde meistens am Schalter ignoriert, aus Scham denke ich, da niemand mit mir etwas anfangen konnte. Ich solle nach Xining fahren und dort Geld tauschen.

Unglaublich dachte ich mir nur so, der Ort war 750km weg und da schickten sie mich
zum Geld wechseln hin. Eine einzige Bankangestellte sprach ein wenig Englisch und ihr erklärte ich, dass ich aber ohne Geld nicht nach Xining komme, da ich das Busticket gar nicht bezahlen kann. Sie tauschte mir zu meinem riesen Glück 50 $ aus ihrer eigenen Tasche.

Nun mußte ein Plan her. Xining ja oder nein. Gibt es noch eine bessere Alternative? Nein. Ich lies mein Rad, samt Gepäck in Yushu in einem noblen Hotel im Gepäckraum stehen und setzte mich in den Bus nach Xining.

Kilometerstand: 21400 km

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