Ich fuhr die Straße Richtung Hongsa, denn dort erwartete mich Monica,
eine seit 7 Jahren in Laos lebende Deutsche, die mich zum Käs‘ Spätzle Essen
eingeladen hatte.

Vor Wochen kontaktierte sie mich bereits über facebook und lud mich herzlich
in ihr Gästehaus ein.

Auf der Straße beobachtete ich eine schreckliche Szene. Ein Hund rannte auf die Straße
und wurde von einem LKW angefahren und vor lauter Schock, biss er sich in den Fuß
einer Passantin fest. Doch Leute eilten sofort zu ihr und fuhren sie zum Arzt.
So wie sie gekleidet war, konnte sie sich sicherlich die Behandlung und die Tollwut
Impfungen leisten, die sie nun dringend nötig hatte.

Mein Schaltzug riss mal wieder und somit fummelte ich eine Weile lang an meiner
Schaltung herum, bevor es weiter gehen konnte.

In Pakbeng erreichte ich den Mekong und hatte eigentlich geplant ein kurzes Stück darauf in Richtung Hongsa zu fahren. Doch als ich am Abend die Touristenmassen mit dem Boot von Thailand kommend sah, die am nächsten Morgen weiter nach Luang Prabang fuhren, die gleiche Richtung, die ich fahren wollte, strich ich den Gedankengang wieder und fuhr anstelle mit dem Boot mit meinem Radl weiter. 
Wie immer waren die Straßen brutal steil und ich brauchte den ganzen Tag für die 90km nach Hongsa.

Monica war eine kleine deutsche Insel inmitten von Laos. Die Käs‘ Spätzle waren ein voller
Erfolg und die kuschelige Matratze einfach himmlich. Zum Frühstück gab es Brot mit Butter und Honig, dazu leckere Spiegeleier gewürzt mit interessanten deutschen Gesprächen.

Manchmal tut so etwas richtig gut. Im Laufe der 4 Tage, die ich hier verwöhnt wurde,
gab es noch leckere Kartoffelpuffer mit heißem Apfelmus und Zimt und Zucker,
zudem Bratkartoffeln. Ach herrlich, kein Reis, endlich mal wieder Kartoffeln.

Monica lud mich zusätzlich noch zu einem Elefanten Marsch durch die Wildnis der
Umgebung ein. Sechs Stunden ging es kreuz und quer durch den Dschungel.

Ich saß lange vorne, direkt auf den Schultern des wunderschönen Tieres und bekam somit
jede seiner Bewegungen direkt zu spüren. Wenn es abwärts ging oder er gerade mal wieder
irgendeinen Baum aus dem Boden riss, war es eine ziemlich wackelige Angelegenheit gewesen, denn festhalten konnte ich mich nirgends. Die Haut ist extrem rauh und die Haarstoppeln total hart. Ein tolles Erlebnis.

Nun lief mir die Zeit davon und somit lies ich mein Rad bei Monica im Schuppen stehen und
nahm den Bus nach Vientiane.

Am nächsten Morgen ging ich zu allererst zur Deutschen Botschaft und beantragte
einen vorläufigen Pass. Leider war die Deutsche Botschaft nicht gerade der einfachste
bürokratische Akt, den ich im Laufe meiner Reise hinter mich bringen musste.

Deutsche Vorschriften gehen ganz einfach auch über Landesgrenzen hinaus. Am Ende
war es leider so, dass ich zwar innerhalb zwei Tagen einen vorläufigen Reisepass bekommen habe, einen permanenten Reisepass konnte ich jedoch nicht beantragen.
Der dauert leider 2 Monate, so lange wollte ich nicht warten.

Eigentlich schickt die Botschaft einem einen Reisepass nicht hinterher und obwohl ich
einen Weg fand sie davon zu überzeugen, dass sie mir eben doch den Pass nachschicken können, scheiterte es an der seltsamen Abwicklung des Transportweges.

Der Antrag wäre von Vientiane nach Berlin gegangen und von Berlin der Pass nach Vientiane. 

Danach wäre der Pass nicht direkt an eine andere Botschaft geschickt worden, nein er
wäre wieder von Vientiane nach Berlin zurück gegangen, um ihn dann von da aus an die
richtige Stelle zu verteilen. 

Nachdem die Botschaft in Vientiane nur alle 2 Wochen von einem Kurier beliefert wurde,
konnte ich das also vergessen, denn ich konnte nicht genau sagen, wo genau ich in
3 Monaten sein werde.

Als nächstes überquerte ich völlig problemlos den Mekong und reiste nach Thailand aus
um dann keine 5 Minuten später wieder einzureisen und mir in Laos direkt an der Grenze
ein neues Visum zu holen. Total einfach.

Nun stand die Chinesische Botschaft an. Vielleicht bekomme ich ja doch nochmal ein
Chinesisches Visum?
Da war ich unsicher, denn eigentlich gibt es derzeit kein 3. Visum mehr in Folge.
Doch ich wollte es probieren. Ich versuchte aber so kleinlaut wie möglich aufzutreten
und fragte sicherheitshalber nur nach 30 Tagen.

Verlangt war ein Flugticket hin und zurück, zudem eine Hotelbuchung für die ersten Nächte. Kein Problem, ich bezahlte 5$ und beauftragte ein Reisebüro die Buchungen für mich zu tätigen, die sie dann sofort nach dem Ausdruck wieder stornierten. Ich hatte ja nun einen neuen Pass und somit erhoffte ich mir, dass ich vielleicht Glück habe und die Botschaft denken wird, dass ich in der letzten Zeit nicht in China gewesen bin.

Allerdings blöd sind sie natürlich auch nicht, denn ich bin ja jederzeit im Rechner auffindbar. Doch es gab keine Fragen, ich sollte die Gebühr in einer Bank einzahlen und am nächsten Tag wieder kommen. Was, so einfach? Das gibts ja gar nicht. Ich bekam 30 Tage für 50$. Prima.

  

Nun fehlte noch Vietnam. Vietnam hat die gleiche seltsame Visa Regelung wie Usbekistan und Turkmenistan. Man muss das Ankunftsdatum genau festlegen. Somit gab ich den 18.12. – 18.01 an. In dem Zeitraum gilt das Visum, wer später einreist, verliert einfach die vorhandenen Tage. 70$

   

Zurück in Hongsa, befreite ich mein Rad aus dem staubigen Schuppen und radelte wieder
einmal auf einer wahnsinns steilen Strecke nach Luang Prabang. Die Landschaften in Laos
ähneln sich auf Dauer sehr, doch was mich an dem Land sehr fasziniert ist die Ruhe die
es ausstrahlt. Die Uhren ticken hier deutlich langsamer.

  

Ein weiteres Mal zeltete ich in einer Schule in irgendeinem Dorf und wurde von der
Lehrerin zum Abendessen und Frühstück eingeladen. Super nett und auch sehr lecker.
Ihre Küche war das reinste Chaos und ich würde sagen, die meisten Leute die ich so kenne,
hätten hier ganz sicher nicht gegessen. Sie selber war sehr attraktiv und auch sauber gekleidet.

  

Luang Prabang ist ein Touristennest und trotz allem hat es seinen Charme irgendwie bewahrt. Doch so richtig sprang der Funke nicht über, obwohl ich trotz allem eine Woche in der Stadt verbrachte.

Die Stadt war voller Backpacker. Es gibt sicherlich welche davon, mit denen ich etwas anfangen kann, doch die meisten sind gerade mit dem Abi fertig und machen ihre ersten Reiseerfahrungen auf dem so einfach erlebbaren „Banana Pancake Trail“. Viele sitzen zusammen, aber reden nicht miteinander. Nein, sie tippen stundenlang Texte in ihre Iphones und nehmen die Umgebung eigentlich gar nicht wahr.

Schon seltsam. Fliegen durch die halbe Welt um dann in der Ferne einen Banana Milk Shake zu trinken und mit wem auch immer online zu chatten. Früher hat man zusammen gesessen, geredet und was erlebt. Nun gibt es in jedem Gästehaus WIFI und die Leute scheinen zu vereinsamen. Sehr schade.

Auch dachte ich die letzten Wochen öfters an meine Backpackertage zurück, als ich mit Hühnern auf dem Schoß durch 3.Weltländer polterte und eingequätscht den ganzen Tag durchgeschüttelt wurde.

Der Standard Backpacker von heute macht so etwas allerdings nicht mehr. Heute sitzt man bequem im komfortablen Bus oder noch besser gleich im Flieger und fliegt mal eben von Vientiane nach Bangkok, anstelle sich in den Zug zu setzen.

Ist ja heute alles so billig und so viel einfacher. Mir würde das Abenteuer fehlen. Auch der
Gedanke an die Umwelt kommt mir hier viel zu kurz. Oft frage ich mich auch, wer bezahlt
den Studenten das alles?

Die Reisewelt ist eine andere geworden und ich bin heil froh auf dem Rad unterwegs zu sein und die Möglichkeit zu haben mit all diesen, aus meiner Sicht heraus negativen Entwicklungen, nichts groß zu tun zu haben.

Als ich durch die Gassen radelte, entdeckte ich durch puren Zufall einen Menschen, der mir
bekannt vor kam. Nicki, ein alter Bekannter aus meinem Heimatdorf. Wir redeten 2 Abende
lang über alles mögliche, eine tolle Begegnung.

Nun sollte es aber endlich weiter gehen, doch als ich bereits am aufbrechen war, rief jemand von weitem „Heike“. Huch wer kennt da meinen Namen? Ein Radlerpaar erkannte mich durch mein orangenes Tuch, denn sie verfolgten meinen blog schon eine Weile.

Auch in Vientiane an der Grenze zu Thailand hatte ich das selbe erlebt. Ein Radler erkannte
mich, wusste meinen Namen und meine Geschichte. Zudem vor ein paar Tagen in einem
kleinen Dorf. Ein Kiwi (Neuseeländer) hatte meine Visitenkarte, die ich als Dankeschön
irgendwo in Turkmenistan hinterlassen hatte, gezeigt bekommen und schaute seitdem
öfters mal auf meine website und kannte mich unter dem Namen Pushbikegirl.

Eines Abends fragte ich in einem Dorf wo ich zelten könnte. Man verwies mich, wie immer,
an das Schulgelände. Als ich Nachts bereits am Schlafen war, kam plötzlich ein Wagen
vorgefahren. In jedem anderen Land hätte ich mir wahrscheinlich kurz Gedanken gemacht, nicht so in Laos, denn hier tut einem wirklich niemand etwas.

Die Polizei stand mit 5 Mann plötzlich um mein Zelt herum und wollte mich partout nicht hier übernachten lassen. Nach längerer Diskussion musste ich zusammenpacken und mein Rad auf einen pick-up laden. Keiner der Männer wollte mit anpacken, wobei ich Ihnen klar machte, entweder sie helfen mir das schwere Rad dort hochzuladen oder aber ich bleibe hier, denn alleine schaffe ich das nicht. Sie wollten auch, dass ich auf der Ladefläche Platz nehme, woraufhin ich sagte, vergesst es, einer von Euch kann ja dort im Dreck sitzen. Das wollten sie natürlich auch nicht und somit saßen wir gequätscht vorne im Fahrerhaus und fuhren durch die dunkle Nacht den Weg zurück den ich gekommen war.

Sie luden mich vor einem Gästehaus ab und fuhren erst dann weiter als sie sicher gehen
konnten, dass ich dort auch wirklich übernachte. Angeblich gibt es ein Gesetz in Laos,
was besagt, dass man nur mit einem Business Visum, nicht mit einem Touristen Visum
außerhalb eines Hotels übernachten darf. Sicherlich eine erfundene Geschichte.

Ich war somit wieder auf der Hauptstraße und blieb nun auch dort. Fast eben, ging es
wunderbar entspannt auf guter Straße wieder Richtung Norden. In jedem Dorf standen Kinder an der Straße und streckten ihre Hand aus um meine Hand abzuklatschen. Überall rief man mir wieder „Sabaidee“ zu und ich fühlte mich wirklich herzlich willkommen. Die Kinder lachen einen so fröhlich an, es ist schon fast bezaubernd.

  

Laoten sind außerhalb der Touristengebiete wirklich ehrlich und höflich. Immer wird sich
bedankt. „Khop Chai Lai Lai“ heißt danke so schön auf Laotisch. Man wird freundlich bedient und einem wird immer ein Lächeln geschenkt.

In den Touristengebieten dagegen ist man schon fast ein laufender Geldautomat. Freundlichkeit muss man dann oftmals suchen gehen und man hat wirklich das Gefühl jetzt geht es nur noch ums Geld.

Was ich daraus immer wieder ziehe ist, dass Geld Kulturen verändert, Geld verdirbt den
Charakter. Es ist wirklich schade, wie sehr Geld uns Menschen beeinflusst.

In Luang Prabang wohnte ich 7 Tage im gleichen Gästehaus und wurde nicht einmal mit
Sabaidee zurück gegrüßt, wenn ich das Haus betrat oder morgens aus meinem Zimmer
schaute und ein herzliches Hallo in die Runde rief.

Doch sicherlich hat der Tourist selber auch einen starken Einfluss daran, wie die Einheimischen auf die „Gattung“ Fremder zugehen, denn das arrogante Verhalten der reichen Westler ist teils wirklich peinlich. Kein Wunder also, dass die Einheimischen früher oder später einen Touristen nur noch als einen laufenden ATM ansehen, denn viel mehr ist von vielen nicht zu erwarten.

In Luang Prabang hat die Regierung Schilder aufgestellt, mit denen sie die Touristen auf
deren Fehlverhalten auf nette Art und Weise aufmerksam machen möchten. Kleiderordnung, Verhalten im Tempel etc. Doch leider scheinen viele die Schilder nicht zu beachten.

Das Laotische Essen ist ok, aber kein Highlight. Meistens gibt es Nudelsuppen zu allen
Tageszeiten, die lecker und erschwinglich sind, nur leider nicht sättigend. Auch die anderen Gerichte, die man vorallem auf dem Markt bekommt, sind immer Säuglingsportionen, denn selbst der Deutsche Seniorenteller fällt größer aus. Eigentlich muss ich immer mindestens 2 Portionen bestellen und dann geht das Essen schnell ins Geld.

Meine Lieblingsspeise ist ein Nachtisch. Maniok, Melone, Banane, Reis, Bohnen und einiges
an mir nicht bekannten Zutaten wird gekocht und anschließend mit Sirup und Kokosnussmilch verfeinert. Ultra lecker.

    

Boule ist ein beliebter Zeitvertreib, ebenso die beliebte Ballsportart Takraw. Man spielt
auf einem Volleyballfeld mit einem Rattan Ball und köpft oder schießt den Ball über das Netz. Hände sind tabu. Ein sehr schnelles und akrobatisches Spiel.

Natürlich ist auch Fußball begehrt und das beliebte Reifenspiel, indem kleine Kinder einen
Reifen vor sich her rollen. Ein 3.Weltspiel was weltweit bekannt ist.

Seit Laos bin ich ein Stück weit ziellos und auch kraftlos. Ich hatte den Eindruck die Pause
schadete mir mehr, als dass sie mir gut tat. Ich hatte irgendwie die Lust verloren und quälte mich jedesmal wenn ich wieder auf der Straße war und kämpfte um jeden Kilometer. Ich fand Laos auch ein bißchen langweilig. Es passierte nichts. Alles war so einfach. Die Leute verstanden immer was ich wollte, die Landschaft war irgendwo immer die Gleiche, die Dörfer sahen gleich aus, das Leben plätscherte so vor sich hin. Nichts aufregendes geschah.

Ich konnte auch die vielen Berge und Hügel nicht mehr ertragen. Es muss für mich Sinn
machen einen Berg zu erklimmen, doch den Sinn hatte ich in Laos irgendwann verloren,
denn ich wusste genau wie es hinter dem Berg aussah, nämlich genauso wie vor dem Berg
und das motiviert mich nicht. Ich kann mich nur jeden Tag aufs Neue anpeitschen, wenn ich weiß es wird spannend, denn hinter der nächsten Kurve kommt etwas unbekanntes.

Ich bin einfach auch in der letzten Zeit zu viele Berge gefahren, ich sehnte mich nach flachen Strecken.

Irgendwo war ich reisemüde. Ich konnte die Schönheit des Landes wohl gar nicht mehr richtig aufnehmen, so jedenfalls fühlte es sich an.

So langsam aber sicher entwickelte ich dann wieder einen Plan wie es weiter gehen sollte,
was einiges an Motivationsschub für mich gab, denn ich hatte nun Japan, Korea, Taiwan
und evtl. Russland vor dem geistigen Auge, doch der Weg ist weit dorthin und ich bin gespannt wie alles werden wird.

In Nong Kiao gönnte ich mir eine Fährfahrt auf dem Nam Ou Fluß. Gemütlich und mal etwas anderes, die Welt vom Wasser aus zu erleben.

  

Bis Vietnam war es nun nicht mehr weit. Kurz vor der Grenze, erreichte ich einen nächsten
Meilenstein – 25.000 km.

Einige Berge noch und ich rollte ins nächste Land.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 

Pin It on Pinterest

Share This