Yangshou schockierte mich dann ersteinmal. Selbst jetzt im Winter war hier die Hölle los. Party, Kneipen, Halli Galli und irre viele Chinesische Touris. Hohe Preise und alles andere als eine schöne, natürliche Idylle inmitten von Reisfeldern, die ich eigentlich erwartet hatte. 

 Auch hatte ich immer wieder erlebt, dass hier die Chinesen beschummeln, etwas was ich zuvor so nicht erlebt hatte.  

 Das kleine Zimmer, das ich fand hatte ein Glück einen AC, den man auch als Heizung nutzen konnte und somit hatte ich einige Tage ein schönes, warmes Zimmer und wartete auf besseres Wetter. 

Doch das bessere Wetter kam leider nie und als die Temperaturen wieder leicht gestiegen waren fuhr ich trotzdem weiter und versuchte die Landschaft zu geniessen. 

 

Doch nicht nur dass es diesig war und man die tollen Berge eigentlich gar nicht sehen konnte, nein, was mich viel mehr schockierte war, wie die Chinesen es auch hier geschafft haben, die ganze Szenerie zu verschandeln. Auch hier wird überall nur gebaut. Alle 50m ein Baukran, LKWs die Material überall hinfahren, Baulärm und hässliche Fassaden.
Dazu Smog aus dem entfernten Guilin was scheinbar bis hierher strömte.

 

 
Es machte keinen Spaß, schon gleich gar nicht, da ich zudem noch an jeder noch so kleinen Sehenswürdigkeit sofort zur Kasse gebeten wurde. Die Chinesen scheinen ein Talent dafür zu haben ihr Land unattraktiv zu machen.Ich kann nur hoffen, dass sie den Westen des Landes noch lange so belassen, wie ich die Gebiete angetroffen habe, denn es wäre eine Schande, wenn sie auch dort rikoros zuschlagen und die Idylle und Ursprünglichkeit zerstören werden.

 
Ich kam an ein künstlich angelegtes Feld mit Blumen und erlebte etwas wirklich sehr trauriges. Busladungen von Chinesen wurden hierher gekarrt und zu meinem entsetzen zahlten die Städter Eintritt um sich gegenseitig auf der kleinen Blumenwiese zu fotografieren. Ist das nicht grauenhaft? In was für einer menschenfeindlichen Welt wachsen diese Menschen auf? Es kam mir wirklich so vor, als hätten sie noch nie auf einer natürlichen Blumenwiese
gestanden.

Irgendwie depremierte es mich. Ja, ich erlebte hier eine Welt, die mir nicht gefiel. Ein 1.3 Milliarden Volk ist im Aufbruch und hinterlässt dabei unwiderrufliche Spuren an die Umwelt. Chinesen werden früher oder später ein riesen Problem mit Krebs bekommen, bei den vielen Giften, denen sie permanent ausgesetzt sind. 


Ich wollte eine Hauswand fotografieren, als ein Mann, der das zufälligerweise beobachtete auf mich zugstürzt kam und mich anschrie: „No!“ Keine Ahnung was ich da wieder falsch
gemacht hatte.Obwohl ich sagen muß, dass mir diesmal nicht so viele Menschen über den Weg gelaufen sind, die so sehr geschrien haben, das war beim letzten Mal viel schlimmer gewesen.

In Xingping nistete ich mich in der Jugendherberge ein. Jugendherbergen sind immer super Anlaufstellen um Kontakt zu anderen Reisenden zu bekommen. Ich traf einen Kiwi,
ein Kanadisches Pärchen und einen Deutschen und hatte dadurch jede Menge Unterhaltung, die ich ausgiebig genoß.  

 
Zudem gab es einige Westler, die seit einiger Zeit in China verweilten und mir sagten, dass es im Norden von China noch viel schlimmer sei was den Smog und den Lärm und die  Baustellen anbelangt.Ich bin allerdings nicht sicher, ob sie jemals mit dem Rad auf den Landstraßen unterwegs waren, denn vom Busfenster aus auf der Autobahn sieht man all die verwahrlosten Gegenden eher weniger. Von Stadt zu Stadt reisen ist da doch etwas ganz anderes, denn die Städte sind meistens sauber.  

 
Am Hausberg in Xingping genoss ich dann allerdings ein paar wirklich schöne Stunden, denn die Aussicht von dort oben war einfach atemberaubend.Der Kiwi allerdings erlebte an diesem Tag einen neuen Geburtstag, denn er stürzte 100m senkrecht die Felswand hinunter, doch konnte er sich ein Glück an einem Baum rettend festhalten.

Er alarmierte die Rettung mit seinem handy und saß abends mit ein paar Schrammen beim Abendessen und erzählte mir seinen aufregenden Tag.  

Genau 8 Tage vor Ablauf meines Visums machte ich mich auf den Weg nach Guilin um rechtzeitig wieder einmal beim PSB (Public Security Büro) mein Visum verlängern zu lassen, denn das geht erst 7 Tage vor Ablauf des aktuellen Visum.

Zuerst hies es, ich müsste in Yangshou in einem Hotel wohnen, sonst könnten sie mir kein Visum geben. Zudem muss ich für 30 Tage entweder 3000 US$ bar vorweisen, oder aber
eine schriftliche Bankbestätigung, um beweisen zu können, dass ich den Aufenthalt auch finanzieren kann.

 

Es dauerte eine ganze Weile den Beamten zu überreden, dass er doch bitte liebenswürdigerweise einmal eine Ausnahme machen soll. Zu meiner Verwunderung
willigte er ein. Gut, das Problem war geklärt, nun kam aber ein weitaus größeres Problem, denn er meinte allen Ernstes, ich könnte mein neues Visum in 15 Tagen
dann wieder abholen, sie würden mir in der Zeit ein Ersatzpapier ausstellen und sie behalten den Pass bis dahin hier.

„Nein, bitte nicht, was soll das denn jetzt wieder?“ fragte ich. Woraufhin er sagte: “Normalerweise dauert es in Guilin 7 Tage um die Visumverlängerung zu bekommen, da aber in 7 Tagen das Chinesische Neujahrsfest ist, dauert es diesmal 15 Tage.

Und was bitte soll ich nun 15 Tage in Guilin machen?“ erwiderte ich. Daraufhin meinte er, mit so einer fiesen, arroganten Chinesen Art, „ich solle die Zeit eben im Hotel abwarten“.
Auch nach ein paar wiederholten Ansätzen, mir doch bitte das Visum schneller auszustellen, hatte er nur ein ekliches Lächeln für mich übrig.

Nun hatte sogar ich die Nase endlich voll von China. Ich war nun soweit wie viele andere Radler schon längst vor mir. Was zu viel ist, ist nun zu viel. Ich zerknüllte das Antragsformular und bedankte mich höflich bei dem Beamten und warf ihm den Knoll auf seinen Schreibtisch.  

 
Ich sags noch einmal. Chinesen wollen keine Individual Touristen, die evtl. Unruhe im Land stiften könnten. Die Dinge sehen könnten, die sie nicht sehen sollen. Die den Chinesen evtl. Informationen geben, die sie nicht wissen sollen. Die Chinesische Regierung will nur Pauschalis, die für ihre Reise viel Geld bezahlt haben und brav irgendeinem Führer hinterher laufen und den Blick hinter die Fassaden verwehrt bekommen.

Doch irgendwo hatte ich das Gefühl, dass mir dieser PSB Beamte vom Universum geschickt wurde, denn ehrlichweise hätte ich keine Lust mehr gehabt noch einmal etwa 1300km durch ein verstaubtes Land zu radeln, wenn es mich auch tierisch ärgerte nun die Strecke nicht mehr radeln zu können.

Ich musste nun eine Lösung finden, denn in 6 Tagen von Guilin nach Xiamen zu radeln, hätte ich nicht geschafft. Die Bahn hatte leider vor 4 Wochen ihre Regeln geändert, seitdem darf man keine Räder mehr mit dem Zug transportieren, nur noch separat mit einem Gepäckservice, bei dem mir niemand sagen konnte, wann genau das Rad dann in Xiamen eintreffen wird. Vielleicht 4 Tage oder 5 oder vielleicht auch nie?

Am Busbahnhof versuchte ich der Dame am Schalter zu erklären was ich wollte, doch da biss ich wieder einmal auf Granit und nachdem die Dame keine Lust hatte zu verstehen was ich gerne von ihr haben wollte, schloss sie einfach den Schalter und eine aufgebrachte Horde von Chinesen tobte hinter mir in der langen Schlange.

 

Die Busfahrer sahen seelenruhig zu, wie ich mich abmühte mein Rad in den Bus zu verladen, aber keiner kam auf die Idee mir zu helfen.

Wenn ich da im Gegenzug an die super lieben Iraner denke, die mir den Aufenthalt so perfekt wie möglich gestaltet hatten und mir halfen wo immer sie konnten, ist es irgendwie schon wahnsinn wie unterschiedlich Kulturen sein können. Eines ist sicher, Chinesen werden jedenfalls nie meine Lieblingsrasse werden.

Der Bus war ein Schlafwagen, denn die Fahrt dauerte 20 Stunden. Der Innenraum war in einem desolaten Zustand. Kakerlaken rannten umher, Ameisen, zerfetzte Betten und
viel Dreck. Doch was dem Busfahrer super wichtig war und er mir in einem Wutanfall erklärte war, dass ich ja die Schuhe ausziehe, bevor ich den Wagen betrete und diese dann
in eine Plastiktüte einpacke.

Das ist das Konträre in dem Land. Auf der einen Seite Dreck und Chaos und auf der anderen eine vorgeschobene Ordnung und viele Regeln.

 

Ich steuerte Xiamen an, weil ich von dort die Fähre nach Taiwan nehmen wollte und hoffte, dass ich es schaffen werde noch so kurzfristig ein Ticket für die Überfahrt am selben Abend zu bekommen, denn die nächste Fähre ging erst in 5 Tagen, am allerletzten Tag meines gültigen Visum.

Die Stadt spiegelte genau das wider, was ich von Chinas Osten erwartet hatte. Reichtum.

Die Dame am Hafenschalter hatte keine Lust sich mit mir zu beschäftigen. Zwei Jungs halfen mir der Dame zu erklären, was ich denn gerne möchte. Doch auch die beiden wurden schnippig abgewürgt und im Regen stehen gelassen. Nachdem ich somit am Schalter kein Ticket kaufen konnte, kauften die Jungs es für mich online und ich gab ihnen das Geld in bar. 80 Euro kostete die Überfahrt incl. Bett und Frühstück.

Nach fast 5 Monaten China, kann ich nun sagen, der Westen ist wunderschön. Auch bin ich froh den Osten in einem ganz kleinen Rahmen gesehen zu haben um das Land in seiner Gesamtheit erlebt zu haben, auch wenn mir immernoch die großen Metropolen wie Shanghai und Peking fehlen. Aber ich sags ganz ehrlich, meine Neugierde ist nun ausgebrannt – vorerst habe ich genug China gesehen.

Ich betrat die Fähre zusammen mit zwei Kanadierinnen, wovon die eine seit 3 Jahren in China lebt und auch Chinesisch spricht und auch sie sagte, Chinesen sind einfach super anstrengende Menschen, egal ob man Ausländer ist oder nicht, denn sie behandeln sich auch untereinander einfach grauenhaft.

Bereits auf der Fähre hatte ich den Eindruck ich fahre nun vom Regen in strahlende Sonnenschein, denn plötzlich wurde ich wieder wie ein Mensch behandelt und unheimlich freundlich begrüßt. Die Besatzung waren Taiwanesen. Meine Vorfreude auf ein neues Land stieg und ich hatte ein riesengroßes Grinsen auf den Lippen.  

 

Ein Chinese wollte mich noch davon überzeugen, dass ja Taiwan zu China gehört, doch lachte ich ihn nur aus und sagte zu ihm: „Ich verlasse jetzt China und ich bin froh drum!“

Woraufhin er fragte ob es mir denn nicht gefallen hat? Ich wusste gar nicht was ich darauf sagen sollte, denn insgesamt fand ich China ja doch irgendwie klasse. Ihm meine Gedanken zu erklären, wäre sowieso auf totales Unverständnis gestossen und somit lies ich die Frage einfach unbeantwortet, schaute auf die Baukräne, die in der knallroten Sonne leuchteten und verabschiedete mich innerlich von einem sehr anstrengenden, aber auch sehr spannenden Land.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 

Teilen
Twittern
+1
Pin