Am Flughafen wurde ich von Brad abgeholt. Brad hat bei facebook eine Gruppe „Korea by bike“ und wir waren seit einiger Zeit in Kontakt. Ich freute mich sehr darüber, dass er sich die Mühe machte mich abzuholen.

Der Flughafen liegt auf einer Insel und die Straßen sind für Radler gesperrt, somit nahmen wir die U-Bahn und ließen uns direkt zu ihm nach Hause bringen.

Die U-Bahn in Korea ist spottbillig. Eine Fahrt einmal quer durch Seoul kostet kaum mehr
als einen Euro, bedenkt man, dass man 2 Stunden in der U-Bahn verbringt, um an das
andere Ende zu kommen. Seoul gehört zu den größten Städten der Welt.

Hochhäuser, riesige Brücken, endlose Reklameschilder und high tech an jeder Ecke
waren für mich der erste Eindruck im Land.

 Netterweise durfte ich bei Brad und seiner Familie übernachten. Brad ist Kanadier und mit einer Koreanerin verheiratet.

Die Wohnung sah aus, wie überall auf der Welt, hatte allerdings eine Besonderheit und das waren die Schlafplätze. Eine Fußbodenheizung sorgt für ein sehr warmes Bett, da nur eine sehr dünne Matte als Schlafmatratze benutzt wird. Man liegt sozusagen fast auf dem Boden.

Das Kopfkissen ist ein viereckiges, fast schon hartes Schaumstoffpolster, mit dem ich mich nicht gleich anfreunden konnte. Die erste Nacht war es einfach nur brutal heiß, denn Hitze von unten, während dem Schlafen kannte ich so noch nicht und somit machte ich das Fenster immer weiter auf. Obwohl ich auf der anderen Seite auch sagen muss, dass es richtig gemütlich ist, wenn man auf so einer kuschelig warmen Matte liegt.

 Mit Brad erkundigte ich Seoul. Wir besuchten den Palast und beobachteten die Leute an ihrem Wochenendausflug in die Stadt.

Die Mode ist der letzte Schrei in Korea. Jungs im Studentenalter tragen schwarze, riesige Brillen, die das halbe Gesicht verdecken. Manche sogar ohne Glas, nur das Gestell. Dazu trägt man schwarze Hochwasser Hosen, weiße Socken und braune Schuhe. Die jungen Studenten machen zudem einen sehr femininen Eindruck.

Die älteren Damen sind oft kunterbunt gekleidet. So viele schrille Farben als Farbkombination in einem Kleidungsstück ist schwer zu toppen und amüsierte
mich doch sehr. Dazu eine riesen Schildmütze, oftmals dazu ein witziges Tuch für das gesamte Gesicht, bei dem die Nasenlöcher raffiniert ausgespart werden.

Es schaut wirklich kein bisschen Haut mehr heraus. Auch die Hände werden vor der Sonne mit Handschuhen geschützt.
 

Jeans habe ich nirgends gesehen. Generell sind ab 40 Jahren dann Outdoor Klamotten voll trendy. Die beste Gore Tex Jacke für den kleinen Spaziergang bei strahlendem Wetter. Alles muss super toll und teuer sein, sonst scheint es nicht gut genug zu sein.

 Ich wurde am 3.Tag vom Koreanischen Sender EBS News interviewt.

Sie hatten mich bei facebook entdeckt. Es wurden weitere Radler dazu eingeladen und ich gab mein Bestes. Ein witziges Team.

Ein paar der Radler begleiteten mich noch ein kurzes Stück auf dem extrem gut ausgebauten Radweg durch Seoul. Eine futuristische Betonlandschaft umgab mich.
Schön bedeutet für mich allerdings etwas anderes.

Korea hat ein wahnsinns Radwegenetz auf die Beine gestellt. Zu perfekt für meinen Geschmack, wenn es auch wirklich sehenswert war, wieviel Arbeit und Geld darin
investiert wurde.

Tunnels nur für Radler. Sicherlich alte Bahntrassen die da übernommen wurden, trotz allem einfach unglaublich. Keine Tunnels in denen das Wasser von der Decke tropst oder stockdunkel sind, nein, Tunnels, die man absolut bemerkenswert beleuchtet hat. Man fährt in den Tunnel hinein und das Licht begleitet einen in einer Welle nach draußen.

Etwa alle 5 Kilometer gibt es ein Luxusklo mit Klopapier, teils mit Musikberieselung
oder witziger Klospülungsgeräusche, die man bei Bedarf anschalten kann, um wahrscheinlich beim Sitzung halten von den eigenen Geräuschen abzulenken.
Manchmal gibt es sogar beheizte Klositze. Sehr oft auch WIFI.

 Für die Radwege hat Korea ein Passsystem erstellt, an dem man einen Radlpass an verschiedenen Stationen stempeln kann. Doch das ist irgendwie albern, für Kinder allerdings bestimmt ein toller Motivationsgrund.

Was ich auch witzig finde, dass an manchen Stellen Luftdruckgeräte zur Verfügung

stehen. Die Leute blasen sich damit den Dreck von den Klamotten,wenn sie gerade
von einem kleinen Spaziergang  auf betonierten Wegen zurück kommen, damit sie den angeblichen Dreck nicht ins Auto tragen.

An jeder Ecke Kia und Hyundai Autos und eine seltsame Schrift, bei der ich wieder

einmal nichts lesen kann. Die Sprache klingt für mich ein wenig nordisch, wenig Ost-Asiatisch. Ich denke, dass hier ein Mongolischer Einfluss drin steckt.

Eine sehr seltsame Sprache mit ewig langen Wörtern und seltsamen Buchstaben
Kombinationen, wenn man sie in die Lateinische Schrift übersetzt.

 Die Straßenschilder sind oftmals ins Englische übersetzt, sonst allermeistens überall

nur Koreanisch. 
 

Die ersten Tage passierte nicht wirklich viel. Ich musste mich erst einmal wieder an
das neue Land gewöhnen und mich sprachlich irgendwie durchwurschteln, denn Englisch spricht hier kaum jemand, wenn dann Jugendliche.

In den kleinen Lokalen ist es somit wieder nicht ganz so einfach etwas zu bestellen,

zumal bei Koreanern nichts irgendwie herum steht und man auf Sachen deuten kann,
wie sonst überall. Bei Koreanern ist alles aufgeräumt und im Kühlschrank.
Zudem ist das Essen so fremd, dass ich gar nicht weiß auf was ich deuten soll.

Gymnastik und Krafttraining ist hier ebenso total hip. An jeder Ecke stehen im Freien

Trainingsgeräte und vor allem die älteren Leute sieht man viel damit trainieren.

Morgens machen die Leute ihre Gymnastikübungen auf den kleinen grünen Inseln,
die zwischen den Betonlandschaften übrig geblieben sind. Nicht wie in China und
Taiwan in einer Gruppe, nein jeder für sich. Mit einem extrem ernsten Gesichtsausdruck.

 Zum Lächeln scheint man in Korea eher in den Keller zu gehen, oder aber sie teilen

vielleicht ihre Freude nur unter Freunden? Jedenfalls wirkt es für mich sehr freudlos.
 

Eine andere Welt, eine ganz andere Welt würde ich sogar sagen, die ich hier erleben darf.

Die Leute sind sehr schüchtern, aber sobald sie auftauen sind viele freundlich und auch hilfsbereit, wenn auch sehr spießig und regeltreu. Irgendwie scheint es noch schlimmer zu sein als bei uns in Deutschland. Oder aber ich war schon lange nicht mehr zu Hause und kann mich nicht mehr wirklich daran erinnern? 
 

Sie verhalten sich irgendwie sehr widersprüchlig, denn trotz regeltreue gehen sie gerne über rote Ampeln, drängeln sich vor und sind aus meiner Sicht heraus auch sehr egoistisch in ihrem Verhalten. Vielleicht auch hier ähnlich wie bei uns.

Mir fiel es einfach negativ auf.

 Es regnete in Strömen, als ich von weitem das Zeichen für SPA/24 Stunden entdeckte. Ein Jimjilbang kam mir wie gerufen. Brad hatte mir vorher erklärt, wie so ein Jimjilbang funktioniert. 8000 Won – ca.6,50 Euro kostet hier die Übernachtung in einem großen Aufenthaltsraum inkl. Benutzung aller Wellness Bereiche. Genau das richtige bei dem eiskalten Wetter und wohl das billigste Vergnügen in ganz Korea.

Ich bekam ein rosa Gewand und 3 Handtücher und machte mich auf den Weg ins Bad. Schuhe gehen ins 1.Schliessfach, danach die Kleider ein paar Meter weiter ins nächste Schliessfach. Das Gewand ist nur für die Nacht und man betritt nackt den Wellness Bereich. Männer und Frauen getrennt. Eigentlich war es eine klassische Sauna – Badeanstalt,  ohne Schwimmbecken. Verschieden temperierte kleine Badebecken sowie Trockensauna.

Bemerkenswert allerdings fand ich die Wascheinrichtungen. Niedere kleine Waschbecken, auf kleinen Hockern sitzende Damen, die sich dort ungelogen stundenlang  ihre Haut schrubbten. Als ich mich klassisch duschte und mich einseifte schien das allerdings nicht richtig gewesen zu sein, denn kaum später kam eine Koreanerin zu mir und fing an meinen ganzen  Körper mit einem sehr rauhen Waschlappen zu schrubben.

Ich fand das ziemlich lustig. Man geht in eine Badeanstalt und wird dann von einer fremden Frau gewaschen. Hinterher habe ich allerdings erfahren, dass das häufig untereinander gehandhabt wird und eine freundliche Geste sei. Ich kam mir allerdings in der ganzen Zeit sehr beobachtet vor.

Geschlafen wird im rosa Gewand, direkt auf dem beheizten Boden. In dem Raum war die Luft allerdings so trocken und so heiß, dass ich am Fenster geschlafen habe, denn bei 35 C in einem stickigen Raum würde ich am nächsten Morgen vor lauter Kopfschmerzen gar nicht wissen wie ich den Tag rum bringen soll. Nachdem ich ganz alleine war, machte ich das Fenster voll auf und hatte trotzdem noch irre Probleme die Hitze vom Boden her zu ertragen.

 
Der Regen begleitete mich weiterhin. Die Natur war gerade im Anfangsstadium des Frühlings und alles war noch sehr kahl und wenig ansprechend. Dazu ein Radweg, der flach wie ein Brett entlang eines Flusses einmal quer durchs Land ging. Kein Radler außer mir zu sehen, dafür aber ein weißer Mittelstreifen und immer wieder die Pfeile in welche Richtung wer zu radeln hat. Fast jeden Kilometer bekommt man angezeigt wie weit es noch bis Busan ist, der zweitgrößten Stadt im Süden des Landes.

 Bemerkenswert ist, dass die Koreaner es geschafft haben, den Radler komplett vom Straßenverkehr fern zu halten. Man kreuzt wirklich nahezu nie eine Autostraße und wenn dann wird man elegant mit riesigen Schildern und bemalten Flächen auf der Straße, oder sogar auf extra errichteten Brücken umgeleitet.

An einer Stelle konnte ich es nicht glauben. Der Radweg ging direkt auf ein Haus zu, welches auf einer Klippe stand. Rechts davon die Straße, mehr Platz war nicht.

Um den Radler auf keinen Fall auf die Straße zu lenken, hat man nun für die etwa 30m die das Haus im Weg stand, eine Holzbrücke auf Stegen gebaut und so leitet man den Radler geschickt ums Haus herum. Die Kosten für die vielen Radwanderwege müssen immens gewesen sein.

Soweit ich mitbekommen habe, ist das Radwegenetz  bei vielen Koreanern auch sehr unbeliebt, da keiner weiß für wen die vielen Radwege eigentlich gebaut wurden.

Ich gebe es offen und ehrlich zu. Es war langweilig dort zu fahren und ich verlor sehr schnell die Lust. Es passierte nichts. Die Landschaft war immer die Gleiche, der Weg ohne Überraschungen, jeden Abend ganz einfach am Rande des Radweges auf einer Art Pavillion das Zelt aufstellen und am nächsten Tag wieder den perfekten Teer unter die Räder nehmen, umgeben von Beton und irgendwo auch seltsamen Leuten.

 Wenn ich Radler getroffen habe, waren diese allermeistens sehr reserviert. Wenn ich Anfangs gewunken habe und Hallo gesagt habe, haben sie sich höflicherweise auf dem Rad vor mir verbeugt, aber ohne Lächeln, oder Freude, eher aus der Pflicht heraus, so jedenfalls kam es mir vor.


Es ist nicht so einfach zu erkennen, ob es sich um ein kleines Lokal, einen Supermarkt oder sonst etwas handelt, wenn man auf eine Häuserfassade schaut.
Alles sieht irgendwie gleich aus. Kein Bild verrät um was es sich handelt. Die Koreanische Schrift über dem Haus und fertig.

Und so passierte mir eine ziemlich peinliche Geschichte. Ich war in einem sehr kleinen Dorf und hatte mächtig Hunger und dachte, ein Haus mit großer Schrift über der Türe, ist sicherlich eine Art Lokal.

Ich trat ein und rief ein paar Mal „Hallo“ bis eine verschlafene Dame aus einer Türe heraus kam.Ich versuchte ihr klar zu machen, dass ich Hunger habe und ohne weitere Diskussionen ging sie in die Küche und fing an zu kochen. Ich fragte sie ein paar Mal, was es denn kostet, denn Korea ist sehr teuer, da wollte ich keine böse Überraschung erleben. Doch bekam ich immer wieder die Antwort:
„Es kostet nichts“.

Ich ging wie selbstverständlich auf die Toilette und obwohl mir das Lokal schon seltsam vor kam, hatte ich noch keinen Verdacht ich könnte hier voll ins Fettnäpfchen tappen. In einem Koreanischen Lokal sitzt man normalerweise auf dem Boden, zieht vorher die Schuhe aus und sitzt dann an einem sehr niedrigen Tisch. In einem privaten Haus muss man die Schuhe ebenso ausziehen. Hier allerdings war der Tisch wie in Europa und ich konnte  die Schuhe anlassen.

 Ich wurde mit einem riesen Tablett voller kleiner Schälchen verwöhnt. Fleisch, Fisch, Reis und irre viele unterschiedliche Gemüsesorten. 

Das Essen war ultra lecker gewesen und immer wieder bekam ich Nachschub und am Ende musste ich nichts bezahlen.

Irgendwann dämmerte es mir und im Nachhinein, bin ich mir fast sicher, dass es sich hier um ein Privathaus gehandelt hatte, denn Lokale sehen in Korea von innen ganz anders aus. Die Frau hatte aber auch nicht den Eindruck gemacht, als sei es nicht ok, dass ich einfach so ins Haus gegangen bin.

Mit einem peinlichen Grinsen fuhr ich weiter, ich musste einfach über mich selber lachen.

In einem kleinen Dorf, welches wie immer Abseits des Radweges war, kam ich in ein winziges Lokal, wo ich mir eine Suppe kochen lies. Ein Mann der mir gerade einmal bis zur Schulter ging und zwei alte Frauen, die vielleicht 1,40m waren, saßen bereits dort. Der Mann stand sofort auf und machte sich über meine Größe lustig.

Er war besoffen und nervte eigentlich nur jeden und die Frauen versuchten immer wieder ihn auf die Straße zu schmeissen, doch er konnte sich einfach nicht einkriegen und kam immer wieder zu mir und lachte sich über seine und meine Größe kaputt.

Ich sah an vielen Stellen „Putzkolonnen“ von alten Leuten, die den Müll einsammelten, Gartenarbeiten verrichteten und des öfteren sah ich auch Leute, die für Zucht und Ordnung im Land sorgten.

Mülleimer sind Mangelware in Korea. Ich weiß nicht ob es AB Massnahmen sind oder was der Grund der nicht vorhandenen Mülleimer ist, aber man scheint lieber Leute Müll einsammeln zu lassen, als Mülleimer aufzustellen.

Die öffentlichen Gärten werden non stop in Schuss gehalten, auch wenn ich an einer Stelle mehrere Tage zeltete, kam die selbe Gruppe alter Leute am nächsten Morgen wieder und arbeitete wieder an dem gleichen Stück Rasen, an dem ich am Vortag schon dachte, der ist doch tiptop, was muss man da noch machen?

Knieend rutschen die Frauen über den Rasen. Alle wie immer bis zur Nasenspitze mit Klamotten bedeckt, selbst wenn es in Strömen regnete.

In den Läden, wurde ich häufig verfolgt. Wenn ich im Regal etwas heraus genommen habe und es wieder zurück gestellt hatte, wurde es eine Sekunde später wieder Koreanisch richtig hingestellt, wahrscheinlich einen Millimeter verdreht, jedenfalls anders als ich es tat.

Überall Kameras die jede Bewegung beobachten, security und mehr Verkäufer und Aufpasser als Kunden.

Ein ehemaliger Englisch Lehrer, der keinen richtigen Englischen Satz reden konnte,

mir aber ganz stolz erzählte, dass er Direktor war und seine Kinder in Seoul studieren
und ebenso sehr gebildet sind, lud mich ins Haus zum Abendessen ein.

Er schickte mich zur Übernachtung ins Gemeindehaus, über was ich sehr erfreut war.
Er betonte einige Male wie lieb und gastfreundlich Koreaner sind und zudem war es
ihm auch ganz wichtig mir zu erzählen wie gut das Koreanische Essen sei.

Ich erfuhr zudem von jedem anwesenden Mann den Titel, die Position am Arbeitsplatz und bekam von jedem die Visitenkarte.

 Nach ein paar Tagen verlies ich aus Langeweile den Radweg und versuchte

die Schönheit des Landes zu entdecken, doch dazu mehr im nächsten blog.

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