Ich war nun in der Japanischen Zivilisation und musste mich erst einmal an die vielen Menschen gewöhnen, auch wenn ich natürlich noch bei weitem nicht in irgendeiner Groβstadt war. Aber mir langte der Trubel bereits, mehr muss es gar nicht sein.

Matsumoto ist bekannt für sein Schloβ. Edel thront es inmitten eines kleinen Teiches.

Doch was mich in Matsumoto viel mehr begeisterte war die Tatsache, dass ich mehr Touristen an einem Nachmittag traf, als in den ganzen 10 Wochen insgesamt, die ich bereits in Japan unterwegs war. Und nachdem ich nie Probleme habe auf andere Leute zuzugehen, redete ich den ganzen Nachmittag lang über Gott und die Welt mit den unterschiedlichsten Nationen. Einfach herrlich.

Am Abend traf ich eine Japanerin, die Führungen im Schloβ leitet und sie fragte mich wo ich denn übernachten werde. Wie immer hatte ich noch nichts entschieden, obwohl es bereits schon wieder spät in der Nacht war.

Durch Ihre Zustimmung stellte ich mein Zelt am Rande der Parkanlage neben dem Schloβ auf und hatte irgendwie schon ein ungutes Gefühl, war aber einfach zu faul, um noch nach einer Alternative zu suchen.

Um 6 Uhr morgens wachte ich schlagartig auf. Das Zelt wackelte. Jemand stolperte offensichtlich über meine Heringe. Ein Japaner, etwa 20, schaute direkt in mein Zelt hinein. Er fing an sich die Schuhe auszuziehen und wollte ganz offentlich ins Zelt kommen.

Ich war sofort hell wach. Nur das Moskitonetz trennte uns und in meinem Schreck gab ich ihm einen ordentlich Schubser und schrie ihn an, er solle verschwinden. Doch der Kerl lies nicht locker, fummelte weiterhin am Zelt herum, fand aber den Reiβverschluss nicht.

Blitzschnell zog ich mich an, schrie ihn weiter an und schubste ihn erneut vom Eingang weg. Leute waren in der Nähe, hauptsächlich alte Menschen. Keiner kam mir zu Hilfe. Es machte sogar den Anschein, als würden sie mit Absicht weg schauen. Gemerkt haben sie es ganz sicher, denn in Japan schreit normalerweise niemand, schon gar nicht so, wie ich das in dem Moment getan habe.

Er roch nach Alkohol, doch war ich mir nicht sicher ob er nur besoffen oder vielleicht sogar bekifft war. Er war einfach super seltsam und zum Glück überhaupt nicht aggressiv, nur total penetrant.

Auch schien er nichts von mir persönlich zu wollen, sondern es machte wirklich den Eindruck als wolle er sich nur ins Zelt legen. Nachdem ich ihn davon aber abhalten wollte, packte ich ihn an den Armen, schob ihn zur Seite und spürte dabei überhaupt keine Gegenwehr.

Von dem Moment an wusste ich, hier gibt es keine Gefahr und schaltete beruhigt drei Gänge runter. Ich packte meine Sachen, hielt ihn dabei auf Abstand, schmiss seine Schuhe in der Gegend umher um Zeit zum packen zu haben und fuhr davon.

  

Ich hatte die Situation anschlieβend mehreren Japanern erzählt und wollte wissen aus welchem Grund mir niemand geholfen hat. Dachten die Leute, die Frau ist doch selber Schuld wenn sie an einem solchen Platz zeltet? Oder machten sie es sich einfach und wollten selber nicht in Schwierigkeiten kommen? Oder gibt es in Japan so wenig Kriminelle, dass niemand davon ausging, dass mir etwas passieren könnte?

Insgesamt war es allen mit denen ich gesprochen habe peinlich, dass niemand nach mir schaute und waren sich einig, dass die Leute einfach nichts damit zu tun haben wollten. In vielen Ecken der Welt wäre es sicher nicht anders gewesen, trotzdem enttäuschte es mich.

Ich traf die gleiche Frau vom Vortag und nachdem ich ihr die Geschichte der Zeltnacht erzählte, lud sie mich zu sich ins Haus ein. Es gab Japanisches BBQ.

Von ihrem Sohn erzählte sie mir, dass er bis vor kurzem einen job hatte, bei dem er von 9 Uhr morgens bis 5 Uhr morgens gearbeitet hat. Ein ganzes Jahr lang. Mo-Fr und insgesamt nur lächerliche 4 Tage frei. Dann brach er zusammen. Burnout.

An einem 7-Eleven schenkte mir ein LKW Fahrer einen 1000 Yen Schein (135 Yen = 1 Euro). Ich solle mir etwas zu Essen davon kaufen. Kaum später bekam ich von einer Frau Schokolade geschenkt und war wie immer überrascht wieviele nette Menschen es in Japan gibt.

Um ins Netz zu gehen, muss man in Japan etwas tricksen. Manchmal findet man am „Mishi No Eki“ – also an einer Raststätte – einen Internet Zugang. Allerdings hat man allermeistens auβer auf der Toilette keinen Netzanschluβ.

Am 7-Eleven gibts nur social media, bei Lawson dagegen hat man 5 x 1 Stunde Zugang, oftmals im Schneckentempo, aber umsonst. Bei Family Mart immer 10 Minuten, dann muss man sich wieder erneut einwählen. Ich habe einige Stunden auf Toiletten gesessen und den Stecker der hightech Klos verwendet um damit Kontakt zur Auβenwelt aufzunehmen um mir den ewigen Regen etwas zu versüβen.

Nachdem ich nicht einmal für eine Unterkunft bezahlt habe, geht das leider nicht anders.

  

Das Wetter wurde nun endlich besser. Die Sonne kam immer wieder zum Vorschein und der ewige Regen schien ein Ende zu haben.

Spielhallen sind eine begehrte Abwechslung für jung und alt. Man sieht sie in den gröβeren Ortschaften wirklich pausenlos. Die Automaten sehen nicht von dieser Welt aus und erinnern mehr an Starwars oder Raumschiff Enterprise.

   

Am Fuβe eines der höchsten Passstrassen in den Japanischen Alpen, gönnte ich mir zwei besonders schöne Onsen. Das eine lag wunderschön an einem Bachlauf im Wald. Vom Heilwasser wird behauptet, dass man nach 2 Stunden Aufenthalt in den nächsten paar Jahren keine Erkältung mehr bekommen wird. Nur hat das sicherlich noch keiner getestet, denn 2 Stunden hält man es in dem heiβen Wasser niemals aus.

Das andere Becken hatte ich für mich ganz alleine. Es war winzig, irre salzig und einfach nur herrlich erholsam.

Auf 2700m lag der Pass, doch war die Steigung absolut unproblematisch. Die Belohung leider wenig beeindruckend, da der Nebel alles in ein farbloses grau verwandelte.

Nach einem langen Tag auf der Strasse kam ich irgendwann im Dunkeln bei meinem ersten Japanischen warmshower Gastgeber in einem kleinen Dorf an. Er hatte mir bereits zuvor eine Nachricht geschickt, selbst wenn er nicht da sein sollte, könnte ich einfach rein kommen und es mir bei ihm gemütlich machen, denn die Türe wäre sowieso nie abgeschlossen. Ich liebe so etwas. Er selber war bereits in Kanada geradelt und sprach daher Englisch.

Sein Nachbar hat lange in Deutschland gelebt und somit hatte ich mich auch mit ihm unterhalten.

Bevor ich nach Japan kam, habe ich mir von mehreren Leuten sagen lassen, dass Japaner sehr ähnlich zu uns Deutschen sind. Nunja, ich hatte das nie groβartig kommentiert, weil ich innerlich dachte, dass diese beiden Nationen so unterschiedlich sind wie Tag und Nacht. Doch nun bot sich die Gelegenheit, die Frage an den Mann zu bringen.

„Was ist Dir bei Deutschen besonders aufgefallen?“ Woraufhin er meinte „Ich war am Anfang total orientierungslos, weil mir die Regeln im Land gefehlt haben. Zudem haben Deutsche eine extrem starke eigene Identität.“

Genau das hat es auf den Punkt gebracht. Natürlich haben wir in Deutschland ebenso jede Menge Regeln, doch wissen wir in einem gesunden Masse damit umzugehen. Japaner dagegen scheinen jede noch so aberwitzige Vorschrift zu befolgen, weil sie im Grunde genommen durch ihre Lebensphilosophie kaum eine eigene Identität aufbauen können und vor lauter regeltreue nicht daran denken würden sich zu widersetzen.

Meiner Meinung nach, haben sie durch ihren Herdentrieb, sei es in der Familie oder in der Schule. Auf der Arbeit oder im Verein, nahezu nie die Chance einen eigenen Standpunkt zu vertreten. Ein Japaner ist immer Bestand einer Gruppe. In der Gruppe selber ist Harmonie, Disziplin, Zielorientierung und Unterordnung oberstes Gebot.

Regeln befolgen wird einem von Kindesbeinen an eingetrichtert. Selbst das schlechte Benehmen eines Erwachsenen wird auf seine Eltern zurückgeführt, so dass Eltern besonders viel Wert darauf legen ihre Kinder gut zu erziehen, damit kein schlechtes Licht auf sie fällt.

Ich glaube, dass genau davon die Schüchternheit der Leute rührt. Sie haben keine eigene Identität. Auch ist es eine Gesellschaft in der man, da man ja immer Harmonie versprühen muss, wohl nur selten die Wahrheit gesagt bekommt.

Ich habe in 3 Monaten niemanden streiten sehen. Niemanden laut werden hören. Niemand der ausfallend wurde oder sich schlecht benommen hat. Ich habe auch niemanden wahr genommen, der irgendwie herausgestochen ist, weil er anders war.

Auβer der Wanderer, der aus der Gesellschaft ausgestiegen ist, oder der Besoffene, der in mein Zelt steigen wollte. Alle anderen sind irgendwie alle gleich. Zumindest auf dem Lande. In Tokio war ich ja nicht.

Wir Deutschen sind ja weltweit dafür bekannt, wie direkt wir auf den Punkt kommen und unserem Gegenüber knallhart die Meinung sagen. Auch wie gerne wir diskutieren. Also wohl genau das Gegenteil der Japaner.

Eines haben wir allerdings gemeinsam und das ist die Ordnung und die Zielstrebigkeit. Ansonsten sind für mich die Japaner so fremd, oder noch fremder sogar, als jede andere Ost-Asiatische Nation auch.

Was auch auffallend ist, dass nicht nur die Leute alle irgendwie ähnlich sind, sondern wohl auch die Bedürfnisse. Kennt man einen Supermarkt, kennt man alle. Die Produkte sind wirklich immer die gleichen. Das Land war so lange isoliert, dass es hier kaum Einfluβ von auβen hat. Es wirkt dadurch auf Dauer etwas langweilig.

Die Häuser haben den gleichen Stil, die Tempel sehen mehr oder weniger alle gleich aus und irgendwie plätscherte es die letzten beiden Wochen für mich nur noch so vor sich hin.

Die Städte wurden immer gröβer und der Reiz immer kleiner. Doch hatte ich deutlich mehr die Chance von dem Leben innerhalb des Hause etwas mitzubekommen und das war natürlich richtig klasse. Auch die Japanische Küche durfte ich nun deutlich intensiver kennenlernen, denn wie man sich vorstellen kann, gibt es zu Hause eben ganz anderes Essen. Ich wurde immer wieder total verwöhnt und muss sagen, dass ich am Ende sogar richtig begeistert vom Essen war.

Ich saβ in einem kleinen Lokal, als mich ein Japaner in Englisch ansprach und mich sofort zu sich nach Hause einlud. Anfangs war die ganze Familie total überfordert und ich durfte nur im Gang Platz nehmen, doch nach und nach wurden sie lockerer und zum Frühstück durfte ich sogar am Esstisch sitzen und wurde zu einer weiteren Übernachtung eingeladen.

Die zwei Jungs des Hauses, gingen morgens um 7 Uhr zur Schule los, kamen gegen 19 Uhr nach Hause um sofort zum privaten Englisch Unterricht aufzubrechen und um anschlieβend in die Gesangsstunde zu gehen. Um 22 Uhr kamen sie heim, aβen zu Abend und gingen sofort aufs Zimmer um nun noch für die kommenden Arbeiten zu lernen. Vor 24 Uhr gehen sie nie ins Bett und um 6 Uhr klingelt wieder der Wecker. Sie sind 13 und 15 Jahre alt.

Der Groβe möchte zum Broadway. Und zu meiner riesigen Überraschung trällerte er mir das Lied: „Heidenröslein“ vor und tanzte im Wohnzimmer den Schwansee. Die ganze Familie war total enttäuscht, dass ich den Text des Liedes nicht kannte, da wohl anscheinend jeder Japaner dieses Deutsche Lied singen kann.

In dieser Gegend, gab es für jeden Haushalt eine Art Radio, was vom Staat zur Verfügung gestellt wird. Dreimal am Tag werden darüber Information mitgeteilt. Geburten, Todesfälle, Hochwasseralarm etc.

Die Japanische Sprache ist etwas einmaliges. Wie man anhand des Bildes sehen kann, benutzen sie insgesamt 4 Schriften, die alle wild durcheinander verwendet werden. Wie man da am Ende durchsteigen soll ist mir ein Rätsel.

Die nächste Nacht war ich bei Takeshi untergekommen. Ein warmshower Gastgeber, der gerade von einer zehnjährigen Radtour zurück kam, allerdings dabei auch oftmals irgendwo gearbeitet hat. Takeshi war noch in einer totalen Orientierungsphase. Man merkte ihm an, dass er mit der Heimat noch so gar nichts anfangen konnte. Wir unterhielten uns über den Sinn des Lebens und es war irre interessant seine Sichtweisen zu hören.

Er gab aber auch ehrlich zu, dass er im Grunde seines Herzens eben ein Japaner ist und so viel er auch im Ausland gelernt hat, so sehr weiβ er eben doch wo seine Wurzeln sind. Doch ob er es auf Dauer in Japan aushält, das bezweifelt er doch sehr. Ein Problem mit dem wohl alle Langzeitreisenden irgendwann konfrontiert werden. Takeshi überredete mich jeden Tag aufs neue noch einmal eine Nacht zu bleiben und am Ende blieb ich vier Nächte.

Bis Kyoto waren es nun noch 2 Tage, wobei ich an beiden Tagen wieder einmal im strömenden Regen unterwegs war. Doch fand ich als Belohnung in einem dunklen Tunnel in einer Matschpfütze einen 5000 Yen Schein (etwa 38 Euro) und so war der Tag doch noch gut gelungen.

  

Es war bereits dunkel als ich im Regen noch bis zum nächsten Mishi No Eki fahren wollte, doch leider waren meine Batterien der Lampen mittlerweile ziemlich schwach. Ein LKW kam immer näher und neben mir die Leitplanke ebenso. Es waren vielleicht noch 2 cm Platz zwischen uns – das war knapp gewesen. Eigentlich hätte er mich alleine durch meine extrem hell leuchtenden Reflektoren an den Taschen sehen müssen. Wahrscheinlich hatte er einfach gepennt. Nachts fahren ist einfach zu gefährlich, zumal der Verkehr nun wirklich sehr dicht war.

In Kyoto war ich entgültig in einer groβen Stadt angekommen und hatte ersteinmal einen Touri- und Tempel Flash. Kyoto ist das kulturelle Zentrum Japans. Es gibt hier so endlos viele Tempel, dass man wohl Monate beschäftigt ist um sie alle zu sehen.

Ich kam bei Ken, einem Amerikaner unter. Ken ist der einzigste warmshower Gastgeber in Kyoto und hat dadurch sehr häufig Anfragen. Seine Wohnung ist klein, aber gemütlich und absolut zentral gelegen. Ken erzählte mir einiges von den anderen Radlern, die bereits bei ihm zu Gast waren. Ein paar von ihnen kannte ich bereits durch facebook. Irgendwie ist es ja doch eine kleine community.

In Kyoto hat mir vor allem der Fushimi Inari-Taisha Tempel gefallen. Eine wirklich einzigartige Anlage. Ein riesiges Gelände mit gespendeten Shintu Schrein Toren.

Leider wird in Kyoto an jeder Ecke für fast jeden Tempel Eintritt verlangt und nach 1,5 Tagen hatte ich von dem Rummel die Nase voll, obwohl die Tempel doch auch sehr beeindruckend waren.

Japaner haben einen extrem ausgefallen Kunstgeschmack. Eigentlich besticht er aus Schlichtheit und Ordnung. Weder überladen, noch bunt. Meistens sind die Tempel einfach aus  schwarzem oder braunem Holz. Davor ein wunderschön angelegter Garten, der vor allem durch seine Bonsai Bäume an Besonderheit gewinnt. Alles ist sehr akurat – wie eben die ganze Gesellschaft.

Seit 3 Monaten amüsiere ich mich über die Strassenarbeiter, die mit ihren Fähnchen die Strassenabsperrungen regeln und sich vor dem Autofahrer verbeugen, wenn er weiter fahren darf. In Kyoto dagegen wird nun alles auf die Spitze getrieben und geht ins komplett lächerliche über.

An einem teuren Hotel stehen 5 Männer und helfen einem Gast aus der Hotelgarage rauszufahren, in dem sie den Verkehr für ihn beobachten und ihn Fahne schwenkend und verbeugend verabschieden.

Fahrräder kann man nun nur noch auf dem Radparkplatz abstellen, man muss ein Ticket ziehen und teils kostet der Parkplatz sogar Geld.

Ampeln gibt es in den Städten irre viele und eigentlich steht man mehr an der Ampel, als dass man vorwärts kommt. Sehr viele davon sind sowieso völlig fehl platziert.

In Osaka traf ich auf meinen letzten warmshower Gastgeber  Sekiji, der bereits insgesamt 10 Jahre und auf allen Kontinenten radelnd unterwegs war. Er kam gerade aus Indien zurück. Dazu sein Kumpel, der nach 4 langen Jahren vor 2 Wochen nach Hause kam und ebenso noch in der Orientierungsphase ist.

Wir hatten einen super Abend. Sie waren weltoffen, selbstbewusst und hatten zu vielem eine klare Meinung. Es war ein ganz anderer Umgang mit ihnen, als mit allen anderen Japanern zuvor.

Die beiden bestätigten eigentlich, was ich bereits vermutete. Japaner lieben ihr Land, sind aber wohl die unglücklichste Gesellschaft, der ich bisher begegnet bin. Die hohe Suizid Rate spricht für sich. Kein Wunder bei dem vielen Stress, dem sie pausenlos ausgesetzt sind. Leistungsdruck soweit das Auge reicht.

Die Schwester von Sekiji ging morgens um 7 Uhr zur Arbeit und kam nach Mitternacht nach Hause. Jeden Tag. Ihre beiden Kinder wurden von der Mutter versorgt.

Karoshi – zu Tode gearbeitet. Ein Begriff, den es wohl nur in Japan gibt. Das haarsträubende daran ist allerdings, dass viele Arbeitnehmer oftmals noch ewig lange im Büro sitzen, weil der Chef oder der Kollege noch im Büro sind, obwohl sie selber bereits lange mit der Arbeit fertig sind. Erst wenn alle die Arbeit erledigt haben, können auch alle gehen. Harmonie ist das Zauberwort.

Für mich einfach nur unnötig verschwendete Lebensqualität. Stunden die nie wieder zurück kommen und einfach sinnlos vergeudet werden. Zudem jede Menge Stress, nur um den guten Ton zu bewahren.

Auch ist mir aufgefallen, dass die Leute für vieles einfach ewig brauchen. Es muss alles so super perfekt sein, dass es eben seine Zeit dauert.

Wie es bei den beiden Globetretern weiter geht, wissen sie auch noch nicht so wirklich. Sie meinten vor allem, dass sie eben total aussen vor sind. Sie gehören keiner einzigen Gruppe mehr an und sind somit nicht mehr Teil der Gesellschaft.

Sekiji half mir eine Radbox zu organisieren und meine beiden Radnaben zu schmieren. Auch wechselte ich nach 7500 km endlich mal meine Kette. Zudem habe ich nun auch wieder eine funktionierende Rückbremse, die seit Russland kaputt ist.

Takeshi hat mir seine geschenkt. Auch ersetzten wir die original Schrauben an meinen Ortlieb Taschen. Die Baumarkt Schrauben werden nun sicherlich deutlich besser halten. Ich dachte eigentlich Ortlieb sei „Made in Germany“.

  

Osaka ist für mich nun das Ende von Japan. Ebenso von Asien. Nach 2 Jahren verlasse ich den Kontinent und nachdem ich noch lange nicht ankommen möchte, habe ich mein Ziel Australien wieder in weite Ferne gesteckt und fliege nun ersteinmal nach Amerika. Eine groβe Abenteuerspielwiese wartet dort auf mich und ich bin gespannt wie alles werden wird.

Mit Air China geht es für 530 Euro, incl. Fahrrad in die USA.

Nach 35800 Kilometern kommt nun eine andere Welt auf mich zu. Ich freu‘ mich irre drauf. Wir sehen uns also auf der anderen Seite des Planeten wieder – in Los Angeles um genau zu sein. Bis dahin überfliege ich nun das erste Mal in meinem Leben die Datumsgrenze und erlebe den 1.Oktober gleich zweimal.

Wie es sich für die lieben Japaner gehört, wurde das Flugzeug auf der Rollbahn vom Bodenpersonal mit einer ordentlichen Verbeugung verabschiedet und ich hatte dabei ein riesiges Grinsen auf den Lippen und dachte nur so: Japaner sind schon echt anders.

Alles in allem hatte ich eine wunderschöne Zeit. Herzlichen Dank an alle Japaner, die mir die Zeit so toll gestaltet haben.

Lebe wohl Japan !

Ciao Asien !

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