Was ein Spektakel !

Der Himmel atemberaubend ! Es blitzte und donnerte und die Welt schien unterzugehen. Ein heiden Spaβ in der Wüste und ich mittendrin! 

Farben so intensiv wie kaum je zuvor – ein Naturschauspiel aller erster Sahne !

Doch alles ersteinmal der Reihe nach !

LAX Flughafen. Welcome to the United States – warf mir der wohl attraktivste Amerikanische Präsident, den die Nation je hatte, mit einem süβen Grinsen entgegen. 

Das Bild stammte allerdings aus der Anfangsphase seiner Amtszeit, denn heute ist er ja in der kurzen Laufzeit ein alter Mann geworden. Ich war also wieder einmal im Amiland und ich war richtig froh drum.

 

Ich erreichte das Land mit dem Flieger einer Chinesischen Airline und zu meiner  riesigen Überraschung war die Lautsprecherdurchsage für die ankommenden Besucher tatsächlich auch auf Chinesisch. Die Schilder sogar zweisprachig – Englisch und Spanisch.

Was ist hier los? Werden die Amis plötzlich weltoffen und haben Verständnis für andere Nationen?Der farbige, groβ gewachsene, bildhübsche Beamte, bei dem ich meine Fingerabdrücke hinterlassen musste, drückte mir auf eine unheimlich sympathische Art und Weise einen small talk aufs Auge.

Er wollte von mir wissen, welches Rad er sich denn kaufen soll. Ich konnte es nicht fassen wie einfach alles ablief. Doch das viel wichtigere war, der Kerl sprach Englisch als Muttersprache.

Ich war endlich umgeben von Menschen mit denen ich mich unterhalten kann, die ich etwas fragen kann und Menschen, die meiner Kultur deutlich näher sind.

Mein Bauch tanzte Achterbahn bei jedem groβ gewachsenen Mann, den ich erblickte. Endlich keine kleinen, zierlichen Männer mehr. Nein, endlich mal wieder was für Auge.

Deb, eine super liebe Dame aus South Pasadena wartete mit einem Namensschild „Heike“ in der Menschenmenge auf mich und kam mir mit einem riesen Grinsen entgegen, drückte mich und meinte: „Ich freu‘ mich riesig Dich kennenzulernen“. „Wie spricht man denn Deinen Namen aus?“

Eine Frage, die mich wohl bis an mein Lebensende begleiten wird. Heike ist einfach auβerhalb Deutschlands ein super seltsamer Name, schon gleich in der Englischen Welt. In Australien war ich immer Heike – the biker oder the hiker.  Und alle fanden es lustig nur ich nicht. Nunja, egal.

Deb wurde mir durch einen meiner treuesten Fans, Ron aus Arizona, zur Seite gestellt und ich durfte bei ihr so lange bleiben bis ich meinen jet lag im Griff hatte. Das dauerte nämlich ganz schön lange. Wir schlenderten durch die Strassen, gingen einkaufen, quatschten und hatten eine richtig tolle Zeit zusammen.

Los Angeles hatte ich völlig anders in Erinnerung, als es diesmal auf mich wirkte.  Im Vergleich zu den Megastädten der Asiatischen Metropolen wirkt LA ja eher wie ein riesiges Dorf. Doch ist es so vielschichtig wie London und New York.Da rennen die Bob Marleys und Ray Charles dieser Welt an einem vorbei.

Da sind die Skateboarder unterwegs. Irre viele Mexikaner und Asiaten. Da liegen die Penner auf der Strasse und die Luxuskarren parken direkt daneben. Überall alles kunterbunt gemischt und am Ende ist garantiert jede Nation der Welt hier vertreten.

Vegan Läden vor denen man daran erinnert wird, dass man seine Einkaufstasche mitbringen soll. Internationale Produkte. Vegetarische Restaurants – Kalifornien hatte mein Herz sofort erobert.

Für 8$ gönnte ich mir den ersten Haarschnitt seit Laos. Die Chinesin, die mich bediente, konnte es nicht fassen wie verfilzt meine Haare waren. „Haben Sie keinen Kamm“, fragte sie mich. Ich hätte mich kaputt lachen können, denn ich habe tatsächlich keinen.

Am Ende schnitt sie einfach alles mit einem typischen Chinesischen „null Bock“ Verhalten weg und ich konnte endlich mal wieder aus den Augen schauen. 

2 Jahre hat es in LA nicht geregnet,  bis ich kam, denn dann schüttete es den einen Nachmittag wie aus Kübeln.

Martin, ein Radtouren Blogger aus Hamburg, war zufällig ebenso in LA und somit trafen wir uns in einem kleinen Cafe zum Mittagessen. Ach wie schön, wenn man sich austauschen kann und sich auch mal persönlich kennenlernt, denn wir haben seit langem Kontakt. Ein richtig netter Kerl.

„Angel’s Crest Trail“ war die erste Hürde meiner Radreise durch die USA. Es war heiβ. Richtig heiβ. Zudem irre trocken. Meinen jet lag hatte ich noch nicht wirklich verdaut und so tat ich mir erstmal richtig schwer am Berg.Aus den grünen, nassen Bergen Japans, wurden nun also karge, hell schimmernde Felswände. Ich war innerhalb kürzester Zeit in eine völlig neue Welt gebracht worden und musste mich jetzt erstmal wieder an alles gewöhnen.

Die erste Nacht zeltete ich an einem versteckten Platz im Wald. Es roch so wunderbar herrlich wie ich die USA immer in Erinnerung behalten habe. Der Wald riecht hier einfach so intensiv und auch ganz anders als anderswo. 

Ich war richtig gut drauf. Es war einfach wunderschön hier draussen. Ich kochte mir etwas leckeres zu Essen, beobachtete die Sterne, lauschte den Geräuschen im Wald und war total froh wieder in meiner geliebten Natur zu sein.

Schwarzbären gibt es hier in der Gegend und als irgendetwas gröβeres ziemlich nahe am Zelt vorbei lief, wurde es mir dann doch etwas mulmig, obwohl ich eigentlich gleich dachte, das kann vom Geräusch her nur ein Huftier sein. Trotzdem lag ich die ersten Stunden wach und lauschte. Es fielen unendlich viele Blätter und Äste von den Bäumen, doch das Tier hörte ich am Ende nicht mehr.

  

Es gibt auf dem ganzen Angels Crest Trail nur eine einzige Wasserstelle und die hatte ich bereits am Vorabend passiert. Ich hatte 7 l aufgeladen, doch mein Wasser war bereits wieder fast alle. Durch die extreme Trockenheit, die es dieses Jahr in der Gegend hat, haben die Ranger selbst an den offiziellen Campstellen die Hähne abgedreht und ich suchte somit vergeblich nach Wasser. 

An einem abgelegenen Campingplatz hoffte ich auf Wasser und traf auf Maria. Maria ist wie die Blues Brothers im „Auftrag des Herrn“ unterwegs und hat sich zur Aufgabe gestellt an diesem verlassenen Flecken Erde auf 1500m Höhe mit Jesus zu sprechen und verbringt hier einige Zeit mit ihrer Bibel.

Und wer tauchte noch auf? Richtig, Josef – wie bestellt, denn Josef war der Ranger der Region. Er gab mir zwei seiner Wasserflaschen und bedauerte, dass es bis zum Gipfel auf 2500m Höhe kein weiteres Wasser mehr gibt. 
 

Wir wussten beide, dass ich damit niemals auskommen werde, denn es war über 30 Grad und ich hatte noch 1000 Höhenmeter vor mir. Doch war er trotzallem ein Retter in der Not und Maria bedankte sich einige Male bei ihrem Lord, also bei Jesus dafür.

Keine 3 Kilometer später tauchte Josef nochmals auf und brachte mir zwei weitere Flaschen Wasser, die er schnell bei einem Kollegen abgegriffen hatte. Einfach total lieb.
 

Ich zeltete wieder im Wald und verschüttete beim Kochen wiedereinmal mein Essen. So schaufelte ich die Nudeln auf einen Haufen und legte einen Felsbrocken darauf. Am nächsten Morgen war der Fels verschoben, die Nudeln weg und Spuren waren auf dem Boden zu erkennen. Allerdings keine Bärenspuren.

Am Gipfel ging es dann in ewig langen Kurven an kargen Felsen entlang wieder in die Ebene.

Über Cajun Junction fuhr ich auf die „Rim of the World“ Strasse und hatte weitere Kurven und Höhenmeter zu bewältigen.

An einem 7 Eleven schob ich mein Rad zwischen zwei geparkten Autos durch. Auf der Höhe des einen Fensters sprang mir ein riesen Hund aus dem Auto heraus entgegen und bellte mich an und ich lies vor lauter Schreck das Rad fallen, dass leider gegen das andere Auto fiel und einen riesen Kratzer hinterliess. 
 

Der Fahrer des beschädigten Wagens sprang sofort aus dem Auto und meinte:

„Hey, Du hast mein Auto zerkratzt“. Beim anderen Wagen gingen die Fenster nach oben und die Dame am Steuer schien das Auto starten zu wollen. Ich riss sofort ihre Wagentüre auf und meinte zu ihr: „Sie fahren nirgendswo hin“. 
 

Anfangs tat die Frau total unschuldig, lenkte aber am Ende ein und übernahm die Kosten für den Kratzer. Keiner fragte ob ich mir weh getan habe oder ob das Rad kaputt ist. Mit den Worten „God bless you“ schickte sie mich fort.

Ein wenig mulmig war mir zumute, denn in der Gegend waren schon ein paar seltsame Leute und ich hatte kein gutes Gefühl irgendwo wild zu campen. So hielt ich Ausschau nach einem Campingplatz, bei dem ich für mein kleines Zelt wahnsinnige 30$ hätte bezahlen müssen. So zeltete ich einfach im Wald, in der Nähe des Zeltplatzes und fühlte mich dort sicher.

Halloween – die Dekorationen vor den Häusern oder in den Läden waren wirklich spaβig.
Innerlich hoffte ich, dass ich an Halloween irgendwo Anteil haben kann.

Schon bald ging der Weg steil in endlosen Serpentinen wieder bergab zurück in die Wüste. Es war irre heiβ. So heiβ, dass es fast nicht zum aushalten war.

Private property. No trespassing. Keep out. An jeder Ecke, vor jedem Haus, steht eines der Schilder und gibt mir nicht wirklich das Gefühl, dass in diesen Häusern freundliche Leute leben. Warum haben Amis so sehr Angst geistert mir die ganze Zeit durch den Kopf.

Überall  Zäune, dicke Tore, bellende Hunde – wo bin ich hier gelandet?

Es wurde langsam dunkel, doch die endlosen Zäune versperrten mir jeglichen Zugang zur Wildnis und somit zum zelten. In meiner Not schob ich mein Rad langsam an einem „Betreten verboten“ Schild vorbei und hoffte, dass ich nicht gleich erschossen werde.

Ich ging auf einen Wohnwagen zu, bei dem ich jemanden sah.Eine Frau. Ein Messi – die Dame lebte wirklich im Müll. Arme Leute, wie ich bereits einige getroffen habe. Die ganze Gegend ist irgendwie verwahrlost.
 

Ihre Wohnwagennachbarin war völlig genervt als wir bei ihr klopften und sie fragten ob ich auf dem Gelände zelten könnte. Nunja, am Ende hatte ich eine sichere Nacht und fuhr am nächsten Morgen weiter.

 

Auf dem Weg zu meinem ersten warmshower Gastgeber hatte ich plötzlich richtige Probleme mit der Hitze. Mir wurde schwindelig und ich suchte unter einem Joshua Tree nach Schatten. Ich hatte genug getrunken, aber es war einfach super trocken und mega heiβ und meine Haut war absolut trocken und nichts kühlte mich mehr. Ich hatte Bedenken, dass ich einfach irgendwann umkippen werde. 
 

In meiner Verzweiflung versuchte ich Autos anzuhalten, aber keiner hielt. Doch nach einer Weile drehte ein Wagen und kam zurück und die Leute gaben mir eiskaltes Wasser, dass ich mir sofort über den Kopf leerte und alle meinen Klamotten damit nass machte. 

Sie gaben mir zudem einen Kühlpack, den ich mir in den Nacken legte und nach einer Weile wurde es besser.

Doch schob ich die nächsten Kilometer in Richtung der warmshower Unterkunft, die mir Graig mit einer super Wegerklärung zur Verfügung gestellt hatte. Eine groβe Anlage, natürlich wie überall riesig umzäunt und nur per code, den ich hatte, betretbar.

Eine kleine Hütte in der ich 3 Tage bleiben durfte um die Hitzewelle abzuwarten. Craig wohnt einige Meilen entfernt und ich bekam ihn nie zu sehen. Wiedereinmal war ich begeistert von der Gastfreundschaft einiger warmshower Gastgeber.

Und dann endlich ! Ein Gewitter kam auf und es kühlte ab.

Im Joshua Tree National Park genoss ich die Farben und Formen des Himmels, der Felsen und der Joshua Bäume. Ein Augenschmaus und einfach wunderschön !

Ein Gewitter in der Wüste ist etwas ganz spezielles.

 

Ich traf einige Deutsche – Urlauber – zudem traf ich Daniel und Miriam, die mit ihrem Auto aus Mittelamerika kamen und bei denen ich auf dem Campingplatz mit zelten durfte und mit genialem Essen versorgt wurde. Unteranderem gab es Pfannenkuchen mit Nutella – wow – Radlerherz was willst Du mehr?

 

Über „29 Palms“ ging es nach Norden. Abgelegen und dramatisch schön zeigte sich hier die Wüste und ich spürte wiedereinmal diese immense Freiheit die ich immer erlebe, wenn ich draussen in der Weite unterwegs bin.

Hinter einem Busch kam ich die Nacht kaum zum schlafen, denn ein Sandsturm nervte mich die halbe Nacht. Am Morgen war in jeder Ritze Sand. Im Zelt, in den Taschen einfach überall.

Amboy war erreicht und zu meiner Überraschung war ich nun auf der legendären Route 66 – doch dazu mehr beim nächsten Mal.

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