Das Licht ist anders auf der Baja California. Weicher und nicht so farbintensiv und kontrastreich wie in anderen Gegenden der Welt. Ein zartes Licht, dass der Wüste etwas mystisches und Geheimnisvolles verleiht. Irgendwie warm und kuschelig.

Es ist still, friedlich und abgelegen hier draußen. Doch das ist lange nicht alles – denn es ist weit mehr als das.

Am liebsten würde ich einen Liebesbrief an die lange und schmale Halbinsel schicken, in die ich seit kurzem total vernarrt bin, denn sie bietet mir eine einmalige Landschaft.

Die Wüste ist die Gegend in der ich mich generell immer am liebsten aufhalte. Doch diese Wüste hier ist einfach anders und noch außergewöhnlicher als anderswo und somit bauchpinselt sie meine Seele jeden Tag von Neuem.

Garten Eden lag mir sofort auf der Zunge als ich die ersten Cirio Bäume sah. Es fühlte sich an als hätte ich mal eben die Erde verlassen. Es war zu schön um wahr zu sein.

 

Das Paradies war von nun an für eine Weile mein zu Hause. Besser als jedes 5 Sterne Hotel der Welt. Es war mein alleiniges 1 Millionen Sterne Hotel und das billigste noch dazu.

All die vielen langen Nächte, die ich nun bereits zwischen diesen einmaligen Cirio Bäumen verbringen durfte, gehören definitiv zu den schönsten der ganzen Reise. Ich würde sogar so weit gehen, dass ich sage, es sind die Besten.

Die Leute denken vielleicht, wow wie langweilig ist das denn? Oder wie einsam so ganz alleine. Nein, null einsam und null langweilig. Einsamkeit überfällt mich wenn ich in einem Ort bin, einer Stadt in der ich von Menschen umgeben bin, mit denen ich nichts gemeinsam habe. Wenn ich mich total deplatziert fühle.

Nicht mehr ins Schema passen ist manchmal nicht so einfach zu ertragen. Doch hier draußen wo niemand ist, vermisse ich nichts und es fühlt sich an als wäre ich die glücklichste Person auf Erden.

Fürs Lagerfeuer anzünden braucht man ein einziges Streichholz. Der Geruch des brennenden Kaktusholzes ist zwar nicht so intensiv wie meine geliebte Eukalyptusrinde im Outback in Australien, aber es hat seine ganz eigene Klasse. Zündeln macht auf jeden Fall immer wieder einen Heidenspaß.

Die Nächte sind immer noch kalt. Daunenjacken Temperatur. Doch die Tage wärmen sich schnell auf und sind wirklich sehr gemütlich.

Über was ich mich ziemlich wundere ist das Fehlen von Insekten, Vögeln und Tieren. Keine Echsen, Schlangen – nichts. Ich habe vielleicht gerade mal 20 verschiedene Vogelarten entdeckt und nur einen Kojoten gesehen. Ein paar Streifenhörnchen und sonst nicht mehr viel.

Die Geier sind die Chefs hier draußen und irgendwie hat es was, wenn man das Symbol der alten Wild West Cowboy Filme mal live sehen kann. Ein Geier auf einem Kaktus ist das Bild hier draußen. Jeden Tag.

outdoor cooking Baja California

Das Kochen mit meinem neuen Hobo Kocher läuft wie am Schnürchen. Dauert nicht lange und macht riesen Spaß und ist zu meinem Lieblingsmoment des Tages geworden.

Soja und Nudeln, dazu Tunfisch ist das Essen für mich hier auf dem Baja Divide Trail. Einfach zu transportieren, leicht und lecker und macht zudem sogar satt. Tagsüber esse ich vor allem Trockenfrüchte. Datteln sind mein Favorit. Dazu wenn möglich Bananen, Äpfel und Avocados.

Wasser ist ein Problem. Es gibt schlichtweg kein Wasser. Kaum Farmer entlang des Trails, nahezu kein Verkehr – vielleicht ein Mensch innerhalb von 3 Tagen. Somit niemanden den ich nach etwas Nachschub fragen könnte, sollte es brenzlig werden.

Mit mindestens 6 Litern starte ich normalerweise in den nächsten Streckenabschnitt und hoffe damit zwei Nächte über die Runden zu kommen. Es langt meistens dafür bereits früh am Abend zu zelten und spät am Morgen loszuradeln. Ich kann mir dadurch genug Zeit nehmen um es auch richtig genießen zu können.

Vor ein paar Jahren noch konnte ich nicht wirklich nachvollziehen, wenn mir andere Radlerinnen, wie etwa Cyclingcindy oder Cyclingdutchgirl erzählten, dass sie morgens so viel Zeit an ihrem Zeltplatz verbringen und sie eine ganze Stunde brauchen um ihren Kram einzupacken.

Ich war immer in 10 Minuten startklar und wusste nicht was die Mädels da den ganzen Morgen lang machen. Was eine vergeudete Zeit….

Doch genau das mache ich jetzt auch. Ich mache ein Lagerfeuer am Morgen, trinke eine heiße Tasse Tee, fotografiere die aufgehende Sonne, genieße wie die Luft sich langsam erwärmt und wie mir das warme Feuer einen gemütlichen Morgengruß verteilt. Ich studiere meine Karte, singe und rede mit mir selber und gehe auf Entdeckungstour im nahen Umkreis. Stundenlang.

Es ist einfach genial, wenn man hier draußen ist und die ganze Umgebung für sich alleine hat. Zudem bin ich einfach super happy, dass ich die Zeit habe, dass alles so intensiv genießen zu können.

Eines ist klar, Zeitvergeudung ist das garantiert nicht – das ist pure Lebensfreude! Auch ich habe das jetzt verstanden!

Ich hatte etwas Pech mit dem Wetter. Es regnete doch häufiger als ich je erwartet hätte. Die Erde hier verwandelt sich leider ziemlich zügig in eine Matsch-Lehm Katastrophe.

Einmal hat mich der Regen inmitten der Pampa erwischt und ich brauchte einen halben Tag um mich aus dieser Misere wieder zu befreien.

Die Baja California ist ein Paradies für Fotografen. Es ist allerdings auch ein wenig knifflig diese riesigen Cirio Bäume und Riesenkakteen, sowie die Elefantenbäume die zwischen dem ganzen heillosen Durcheinander stehen, interessant zu fotografieren. Aber dieses zarte Licht und die grandiose Kulisse gibt einem einfach tolle Möglichkeiten.

Manche Trail Strecken sind sandig. Sehr sandig sogar.

Doch manchmal kann man zur Not neben dem Weg fahren oder schieben. Allerdings mit dem Risiko von Dornen und Büschen attackiert zu werden. Der Cholla Kaktus ist der schlimmste von allen. Einmal gestreift beißt er sich fest. Sich davon wieder zu befreien ist gar nicht mal so einfach.

Es ist die Wüste – richtig? Aber es gibt hier Stellen, wo man denken könnte, ich habe mein Zelt irgendwo auf einem Rasen in Nordeuropa aufgestellt. Ich lag ein paar Mal morgens in einer Tropfsteinhöhle. Das Zelt war innen und außen patschenass vom Tau. Woher der kam weiß ich nicht. Der Boden muss somit viel Wasser gespeichert haben.

Klamotten brauchen hier oft ewig bis sie trocken sind. Irgendwie seltsam.

Die Strände sind neben den Kakteen die andere Hauptattraktion der Baja. Die Halbinsel ist wie der Name schon sagt, von Wasser umgeben. Der Pazifik nach Westen und die Straße von Cortez nach Osten. Ich bin kein wirklicher Strandfan, aber diese Strände hier sind Oberklasse.

Doch dazu mehr im „Beach“ blog post – bis bald.

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