Manchmal blieb ich einige Tage in irgendwelchen Orten um einfach Anschluss an die Außenwelt zu haben. Süße, kleine Orte mit extrem vielen kläffenden Hunden.


Doch ehrlich gesagt ist das Straßenleben entlang der Baja California nicht wirklich, dass was ich von Mexiko erwartet habe. Spätestens um 20 Uhr sind hier die Bürgersteige hochgeklappt, zudem ist es stockfinster. Doch was ich richtig klasse finde, das sind die Farben. In allen erdenklichen Farbkombinationen sind die Läden mit Reklame bemalt und die Häuser liebevoll dekoriert.


Taco Buden, kleine Tante-Emma-Läden und winzige Restaurants in der die Oma noch selbst am Herd steht sind meine Lieblingsorte um mich zu verköstigen.

69 - Bikepacking Baja Divide Mexico Street Life lemon
69 - Bikepacking Baja Divide Mexico Street Life Salsa
69 - Mexican cuisine Baja California
Mexico Baja California Mexican cuisine Tacos

Einige alte Missionskirchen sind hübsch anzusehen. Wenn die Glocken läuten erinnern sie mich an zu Hause, wobei bei uns natürlich niemand die Kordel mit der Hand zieht um zum Gottesdienst zu läuten. Es klingelt hier auch nicht alle 15 Minuten wie das teilweise bei uns der Fall ist.


Eines meiner gefürchtetsten Themen in solchen Orten sind die Hunde. Um es auf den Punkt zu bringen ich hasse Hunde mittlerweile. Obwohl das natürlich zu hart klingt, denn manche sind ja sogar richtig goldig. Aber die meisten Hundebesitzer verstehen einfach nicht, dass man deren Hunde nicht unbedingt mag. Und was ich nie verstehen und akzeptieren werde ist, wenn die Leute zusehen wie eines ihrer Bestien mich jagt und es sogar witzig finden.

Ich kann es auch nicht ausstehen, wenn sie meine Hose ablecken, zu mir hochspringen oder an mein Rad pinkeln und es dann niemanden interessiert. Einfach schade, dass es kaum Leute in dieser Gegend hier gibt die keinen Hund haben, so bleibt mir nur es zu akzeptieren.

Wenn es zu brenzlig wird brülle ich die Köter an, stoppe sofort und hebe Steine auf und entweder tue ich so als würde ich werfen oder ich schmeiße wirklich gezielt auf den Hund, je fester desto besser.

Natürlich ist die Baja California bei weitem nicht der gefürchtete Ort für Radfahrer im Vergleich zu anderen Gegenden in denen ich weit mehr verfolgt wurde, wie etwa in Nord-Griechenland, in der Türkei oder in China, aber ich bin es nach so einer langen Zeit auf der Straße einfach leid. Es nervt mich einfach nur noch.


Wenn fast an jedem Haus irgendein ätzender Hund am Zaun entlang rennt und mir Angst einjagen will dann macht es einfach keinen Spaß in solchen Straßen unterwegs zu sein, die ja meisten von der Hauptstraße entfernt sind und eigentlich die interessanten Ecken des Ortes sind.

Ich beobachte immer haarscharf ob es irgendwo ein Loch im Zaun gibt und ob es sein kann, dass der Hund es bis zu mir auf die Straße schafft.

Die ganze Nacht irgendwelchen kläffenden Straßenkötern zuzuhören ist auch nicht wirklich lustig und ich frage mich immer warum tun sich die Leute sowas eigentlich an? Die müssen sich das jeden Tag anhören!


Was ich auch nicht mag ist der viele Müll hier. Man kommt einem Ort näher und schon sieht man Berge von Müll in der Landschaft liegen. In manchen Ecken war es so schlimm, dass die Leute fast schon auf der Müllhalde lebten.

Übrigens jeder Supermarkt gibt Plastiktüten aus – genau wie in den USA, Kanada, Japan oder China und leider auch noch in vielen weiteren Ländern. Haben wir nicht schon genug Plastik in die Ozeane gekippt?

Ja ich weiß ich habe eine Plastikaversion, ich habe das Thema schon ein paar Mal angeschnitten, aber ich hoffe immer noch, dass der ein oder andere vielleicht darüber nachdenkt und von nun an keine Plastiktüten mehr nimmt, wenn er sie angeboten bekommt.

Das allerbescheuertste ist, wenn an manchen Mexikanischen Essensständen die Köche den Teller mit einer Plastiktüte überziehen und dann das Essen direkt auf der Plastiktüte servieren, weil sie zu faul sind das Geschirr zu waschen. Eigentlich dachte ich, es hätte sich bereits rumgesprochen, dass Plastik und heißes Essen darauf nicht gesund sind. Das letzte Mal habe ich das in China gesehen und dachte das sei einmalig auf der Welt.


Doch um auch das positive zu erwähnen, was ich richtig gut finde sind die Wasserläden in denen man gefiltertes Wasser kaufen und es direkt in die Flaschen abfüllen kann. Das spart jede Menge Plastikflaschen die nicht auch noch irgendwo in der Welt herumfliegen, die Einheimischen machen das genauso. Das Hahnenwasser ist angeblich nicht trinkbar.

Auch wenn ich ein paar negative Punkte angebracht habe, versteht mich nicht falsch, die Baja California ist genial und ich genoss fast jeden einzelnen Kilometer. Nicht unbedingt die endlosen sandigen Strecken, oder 20 Furten am Tag, aber der Trail war generell eines der Highlights meiner ganzen bisherigen Reise.

Vor allem wegen der extrem genialen Pflanzenwelt, den tollen Zelt Stellen und den süßen bunten Orten, ganz sicher nicht wegen den Anstrengungen die der Trail zu bieten hat. Ehrlich gesagt hatte ich bereits genug Schindereien und war am Ende etwas genervt den ganzen Tag durchgeschüttelt zu werden.


In San Ignacio tauchten mehr und mehr Radler auf, die mit dem offiziellen Gruppenstart unterwegs waren. Somit war ich nicht mehr alleine, wenn ich in irgendwelchen Orten war. Vor allem in Mulege, einem kleinen Fischerort an der Straße von Kalifornien traf ich einige und hatte eine tolle Zeit mit ihnen.

Ich muss zugeben, dass ich erst ein wenig skeptisch war ob ich mit den Bikepackern zu Recht komme. Ich erwartete eine Gruppe von Rasern, die nur über irgendwelchen Rad-Technikkram redeten und den Trail von ihrer To-do Liste abhaken wollten. Was ich aber vorfand waren super nette, an der Natur genauso interessierte Leute wie ich.

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Tom 3
Colleen 1
Harry Tom


Die Einheimischen sind nun etwas offener, seitdem ich weiter von den USA weg bin, doch ich hoffe immer noch, dass das auch auf dem Festland und in den größeren Orten der Fall sein wird und nicht nur in einsamen Gegenden in denen ich bereits ein paar Mal eingeladen wurde.


Ich aß Fisch mit ein paar Fischer Leuten bei denen ich nach Wasser fragte. „Hier alles umsonst, kommt direkt aus dem Meer, esse so viel Du möchtest.“ Und der Fisch war extrem lecker.

Sie waren neugierig wer ich bin und wunderten sich warum plötzlich Radfahrer bei ihnen in dieser abgelegenen Gegend vorbeikommen. Sie hätten bereits fünf andere Radler dieses Jahr gesehen. Warum machst Du das?

Ich mag es wenn Leute Interesse haben und fragen wer ich bin. Es ist viel angenehmer als wenn man ignoriert wird. Sie klangen so begeistert wie jemand der gerade eines der sieben Weltwunder gesehen hat.


Doch der Punkt kam an dem ich bereits über mich selber erstaunt war, dass ich so lange auf diesem Trail unterwegs war. Ich folgte seit 2000 Kilometern einer Idee von jemand anderem. Doch eines Morgens, ungefähr 250 Kilometer vor La Paz, der Ort an dem ich plane die Fähre aufs Festland zu nehmen hatte ich genug.

Ich wollte mein Rad nicht mehr durch den Sand schieben, ich wollte auch keine riesen Steine mehr im Weg haben, keine Furten und Schotter generell. Ich hatte die Nase voll. Es war einfach Zeit auszusteigen. Abwechslung ist, dass was ich am meisten liebe und ich habe 2 Monate in dieser gigantischen Gegend verbracht und es fühlte sich einfach an, dass es nun Zeit für was Neues war. Ich konnte mich für keinen weiteren Kilometer mehr motivieren.

Was ich auf dieser Reise gelernt habe ist, dass ich die Motivation immer irgendwie aufrechterhalten muss – egal um welchen Preis. Ich wollte das Risiko nicht eingehen in ein Loch zu fallen. Im Nachhinein weiß ich, dass ich in Kanada viel zu lange einer Gegend ausgesetzt war die ich nicht mochte und wollte sichergehen, dass das nie wieder passieren wird.

Klar, sich quälen ist wichtig aber die Mischung macht’s.


Das Problem entlang der Baja California neben den Pisten gibt es nur die MEX1 – die Hauptstraße – die meiner Meinung nach wenig reizvoll ist und viel zu viel Verkehr hat und fast keinen Seitenstreifen, vor allem der letzte Abschnitt in Richtung La Paz.

Wieder kämpfte ich mit mir ob ich den letzten Teil des Trails doch besser noch radeln soll, aber am Ende nahm ich für die letzten 200 Kilometer den Bus.

Nun ist es Zeit für das richtige Mexiko – auf das ich mich nun riesig freue. Vor allem, weil ich es nun wieder nach meinem Stil erleben werde. Kein GPS mehr, keine Infos mehr darüber was vor mir liegt. Das andere Abenteuer fängt wieder an, wo ich wahrscheinlich an Kirchentüren klopfen werde, bei der Feuerwehr und Farmen um einen Platz für die Nacht zu finden – ein ganz anderes Leben.

Auch glaube ich wird es der letzte Trail für eine Weile gewesen sein auch wenn das ein Widerspruch zudem ist was ich über dieses tolle Erlebnis Baja Divide erzählt habe. Aber es langt jetzt erstmal mit den Trails. Doch wie ich mich kenne werde ich meine Meinung dazu eh wieder ändern.

La Paz ist eine reiche Stadt, welche fast am Ende der langen Halbinsel gelegen ist. Sie gab mir eine tolle Verabschiedung, denn ich traf hier wieder auf einige Radler, darunter auch die Macher des Trails.


Riesen Dank an Nicholas Carman und Lael Wilcox für ihr Meisterwerk – es war einfach genial.

Ich kam bei Tuly unter. Eine warmshower Gastgeberin die bereits hunderte Radler in den letzten Jahren versorgt hat. Sie war super freundlich und ließ mich eine ganze Woche dort wohnen, nähte meine Hose und mein geliebtes Pushbikegirl ORWI Merinowolle-Shirt, dass aber leider nicht mehr lange durchhalten wird.


Während ich bei ihr war, schliefen ebenso ein Spanier und 2 Amis dort. Ein Inder holte sein Zelt bei ihr ab, dass er per Post gesendet bekommen hat. Auch ich hatte mir meine Schwalbe Reifen schicken lassen, die ich nun wieder brauche. Meine breiten MTB Reifen die ich für den Trail benutzt hatte ließ ich bei Tuly. Ich hoffe ein anderer Radler freut sich darüber.

Leute wie Tuly sind einfach nur klasse und so eine riesen Hilfe für uns Radler. DANKE Tuly.

Tschüss Baja California, ich werde Dich ganz sicher vermissen.

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