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Interview Thair Abud – Langzeitwanderung – Zu Fuß vom Kapp zum Cape

Thair Abud
55 Jahre
Österreicher
Hochbauingenieur & Weitwanderer
fromkapptocape.com

1. Thair, Du wanderst vom Nordkapp bis zum Kap der Guten Hoffnung in Südafrika. Man kann zurecht behaupten, dass das ein richtig langer Fußmarsch ist, und ich finde Deine Reise sehr beeindruckend!

Wie kamst Du auf die Idee, was steckt dahinter und warum bist Du zu Fuß unterwegs?

Mein Spaziergang vom Nordkapp nach Südafrika hat eine lange Vorgeschichte und viele Rädchen haben ineinandergegriffen, bis ich im April 2018 aufgebrochen bin. Ablenkung spielt dabei eine große Rolle.

Angefangen hat es damit, dass ich 2012 aufhörte zu rauchen und mich von meinem Rauchverlangen ablenkte, indem ich um den Häuserblock ging. Die Runde wurde immer größer und ich entdeckte den Gebrauch meiner Beine neu.

Die Reise hat mir das schönste Gefühl von Glück und Freiheit gegeben und die Überzeugung, dass ich nie wieder anders leben will.

Ich habe so viel schon erlebt, so viel erfahren, so viel gelernt. Unsere Welt ist wunderschön und die Menschen auf dieser Welt sind überall so großartig!

Einige Monate später erkrankte meine Schwester Zaussen an Brustkrebs und ich überlegte, wie ich sie unterstützen könnte. Da ich durch das Gehen gerade die Erfahrung gemacht hatte, dass es möglich ist, sich von eigenen Gedanken abzulenken, wenn ein anderer Reiz dagegengesetzt wird, wollte ich dies auch bei meiner Schwester versuchen und sie von ihrem Schmerz ablenken.

Ich beschloss, den Jakobsweg von Graz nach Santiago di Compostela zu gehen und Zaussen jeden Tag zu erzählen, was ich erlebt hatte. Die Ablenkung funktionierte, sie wartete jeden Abend auf meine Berichte, war aktiv an der Routenplanung beteiligt und gewann neuen Lebensmut.

Als ich nach 102 Tagen und 3250 Kilometern in Finisterra ankam, hatte meine Schwester ihre Chemotherapie beendet.

Auf dem Weg hatte ich viele verzweifelte Momente: ich hatte Schmerzen am ganzen Körper von der ungewohnten Belastung, da ich recht untrainiert war. Ich war meinen Gedanken gnadenlos ausgeliefert und fragte mich, was ich hier eigentlich tue.

Ich hatte Angst um meine Zaussen und in einem dieser dunklen Momente richtete ich meinen Blick gen Himmel und rief einen namenlosen Gott an und versprach, nach Mekka zu Fuß zu gehen, wenn Zaussen überlebt und ich heil in Finisterra ankomme.

Acht Monate später löste ich das Versprechen ein und ging zu Fuß von Graz nach Mekka. Das war eine Reise von zehn Monaten, 13 Ländern und 8670 Kilometern.

Als ich zurück in Österreich war, hatte ich einen Kulturschock.

Ich erlebte die Zivilisation als etwas, das nicht mehr zu mir passen wollte.

Ich fühlte mich im System gefangen, zwischen Wänden eingesperrt und dachte, wenn ich mein Leben verändere, wird es wieder besser werden.

Ich ging noch einmal auf die Universität, veränderte fast alles in meinem Leben und merkte, dass ich trotzdem nicht glücklich geworden war.

Als ich mutig genug für die Antwort war, stellte ich mir die Frage, was mich denn glücklich machen würde und die Antwort war: Gehen.

Und so hängte ich eine Landkarte auf und machte Pläne. Das Ziel: eigentlich egal, Hauptsache der Weg ist lang. Und so fand sich irgendwann die Strecke vom Nordkapp nach Kapstadt, geschätzte 26.000 Kilometer in 3 Jahren.

Und ich dachte: das ist gut, das ist lang genug.

Gehen ist für mich Freiheit und Glück.

Das war im Januar 2018 und Ende April 2018 war ich so weit, ans Nordkapp zu fliegen und die Reise von dort zu starten. Mittlerweile bin ich seit 19.000 Kilometern unterwegs.

Ich habe mir Gedanken gemacht, diese Reise auch mit einem guten Zweck zu verbinden und nicht nur mich glücklich zu machen, und dazu habe ich mich gedanklich wieder zum Anfang begeben – die Ablenkung.

Ablenkung und den Einfluss des mentalen Zustandes und des Lebenswillens auf die Bewältigung einer schweren Erkrankung. Die weltweite Bewegung der Roten Nasen verfolgt einen solchen Ansatz. Mit Humor und Lachen einen Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, vor allem bei Kindern.

Ich sammle auf meinem Weg Spenden für ein Rote Nasen Projekt in Daressalam, „Doctor Clown Tanzania“, welches Clowns finanziert um krebskranke Kinder im Krankenhaus zu besuchen.

2. Wie würdest Du Dich selbst beschreiben? Wer muss man sein, um so einen Gewaltmarsch zu schaffen?

Ich würde sagen, dass ich einen starken Willen habe, auf mich selbst vertraue, dass ich unabhängig bin, frei in meinen Entscheidungen. Ich bin bereit Verantwortung zu tragen, ich bin flexibel, optimistisch, menschenfreundlich, kann Dinge so nehmen, wie sie kommen und will sie nicht an mich anpassen.

Ich denke, dass jede/r so ein Vorhaben schaffen kann, die/der das will und sich dazu entschließt.

Wenn der Entschluss da ist, dann ist das Wichtigste geschafft, die Angst schon überwunden und das ist es, was zählt. Und dann braucht man nur noch man selbst sein und auf sich selbst vertrauen.

Mittlerweile traue ich mir alles zu

3. Viele Wanderer versuchen heute vor allem Ultralight unterwegs zu sein, also so leicht wie möglich. Dein Rucksack ist eher die “Old School Variante”.

Was hast Du alles dabei? Gibt es evtl.  Ausrüstungsteile, die du gerne aussortieren würdest, weil Dir der Rucksack dann doch ab und an zu schwer wird, du dich aber am Ende einfach nicht von den Sachen trennen kannst?

Ja, ich reise „Old School“. „Old School“ hat gegenüber Lightweight den Vorteil, dass die Produkte mit ihren stärkeren Materialien langlebiger sind und häufig auch günstiger.

Das Einsparen weniger Gramm ist teuer. Eines der wichtigsten Dinge auf meiner Reise ist, dass ich mich auf meine Ausrüstung verlassen kann, denn nicht immer bin ich in Gegenden, wo alles sofort ersetzt werden kann.

Allerdings habe auch ich einige Leichtgewichte dabei, zum Beispiel mein Zelt und die Isomatte. Der Rucksack selbst ist fest und haltbar (hält 8000 km) und wiegt ohne Inhalt circa 4 Kilogramm, beladen ca. 17 Kilogramm ohne Wasser und Nahrungsmittel.

Die Packliste habe ich in den knapp 3 Jahren, in denen ich jetzt unterwegs bin, immer wieder überprüft, manches ist hinzugekommen und anderes habe ich entfernt. Jetzt gerade ist sie passend für mich, wobei ich mir vorstellen kann, dass in Afrika vielleicht ein Moskitonetz hinzukommt und der Schlafsack durch einen dünneren ausgetauscht wird.

Da ich ja jedes Teil auf dem Rücken trage, bin ich tatsächlich sehr kritisch, was in den Rucksack hinein darf.

Trotzdem gibt es nichtlebensnotwendige Dinge, die ich mit mir trage. Mein Tagebuch zum Beispiel oder eine Landkarte aus Papier oder meinen Stempelpass. Diese Dinge sind jedoch Fixpunkte und geben mir Halt und Struktur. Es sind die persönlichsten Dinge in meinem Rucksack.

Am Mann

Bergschuhe
Nylonsocken
Wollsocken
Hose mit abtrennbaren Beinen
Gürtel
Kurzarm-Shirt
Langarm-Shirt
Buff
Trekkingstöcke
Rucksack
GPS
Handy mit guter Kamera

Schlafen

Zelt
Matte
Schlafsack

Hygiene

Kulturbeutel
Erste Hilfe-Set
Necessaire
Wäscheleine
Handtuch

Klamotten

Amphibienschuhe
Badehose
Pyjama- Hose
Kurzarm- Shirt
Langarm-Shirt
Pullover
Jacke
Regenponcho
Regenhose
Wollhaube
Handschuhe
Nylonsocken
Wollsocken

Büro

Impfpass
Reisepass
Kreditkarte
Tagebuch
Stempelpass
Stift
Schere
2 Powerbanks
Netzteil mit 5 USB Ausgängen

Verschiedenes

Tagesrucksack
Stirnlampe
Messer mit Wetzstein
Karabiner
Ersatz- Schuheinlagen
Schuhimprägnierung
Tapeband
Fischdose (Notration)
Wasserflasche
Regenschirm

4. Ich habe gelesen, dein Tagesrekord im Jahr 2020 waren 95 Kilometer – eine erstaunliche Leistung! 

Was ist dein Hauptschwerpunkt? Geht es Dir darum viele Kilometer zu machen? Oder geht es mehr um die Naturerlebnisse? Die Begegnungen mit den Menschen? Liebst Du die Städte, die Du besuchst? Auf welchen Wegen gefällt es Dir am besten?

Es ist ein Mix aus allem.

Es kommt selten vor, dass ich eine so lange Strecke, wie die 95 Kilometer am Stück gehe. Es müssen die Bedingungen dafür passen und es muss einen Anreiz geben, meist den, es mir selbst zu beweisen, dass ich es kann.

Ich fordere mich selbst heraus, möchte wissen, was mein Körper aushält. Es ist für mich wichtig, meine Grenzen zu kennen, auch, um mich aus einer potenziell gefährlichen Situation befreien zu können. Es gibt mir Sicherheit zu wissen, wenn es drauf ankommt, laufe ich einfach weiter.

Abgesehen von meinen Pausentagen laufe ich täglich ungefähr 30 Kilometer. Das sind ungefähr 6-7 Stunden Gehzeit und gibt mir die Gelegenheit, vieles am Weg wahrzunehmen. Denn dafür mache ich das ja, um den Weg zu erleben.

Es gibt keinen „liebsten Weg“.

Ich bin sehr gerne in der Natur, liebe diese grasbewachsenen Wege entlang von Bächen oder am Strand. Aber ich bin auch einer, der sehr gern von einer Stadt zur anderen wandert, sich Kunst und Kultur ansehen, Museen besucht, Konzerte, Architektur.

Ich unterhalte mich sehr gerne mit Menschen, ziehe mich aber auch gerne wieder zurück.

Der Weg, den ich gerade gehe, ist der richtige. Es gibt keinen Weg, wo ich gesagt habe, das ist eine Katastrophe, den mag ich nicht gehen, jetzt fahr ich mit dem Bus.

Ich mag definitiv jeden Schritt, den ich gerade mache. 

5. Wenn man wandert, hat man viel Zeit zum Denken! Verdammt viel Zeit, die irgendwie gefüllt werden muss. Wie beschäftigst Du Dich?

Ich kann mich sehr gut mit mir selbst beschäftigen. Ich habe immer irgendwelche Gedanken, denen ich nachhänge und die mich weit in der Stille tragen.

Manchmal denke ich mir Geschichten aus, spannende Kriminalfälle, die ich selbst zu lösen versuche. Oft finde ich Spannendes in der Umgebung, das ich betrachte und mich dazu informiere.

Sehr oft telefoniere ich mit meiner Freundin. Wenn ich mal nicht so gut drauf bin, lenke ich mich mit Musik ab, aber das ist selten.

Die schwierigsten Momente für mich sind, wenn es kalt und alles grau in grau ist und ich 30 km vor mir habe.

Das Wetter drückt auf meine Stimmung und macht den Weg lang.

Das sind die Momente, in denen ich mich mit Musik ablenke oder einem Podcast.

Richtig schöne Momente sind, wenn ich unterwegs Menschen treffe, mit ihnen in einen guten Kontakt komme, wir zusammen essen oder wenn mich jemand besuchen kommt.

6. Je länger Langzeitreisende unterwegs sind, desto mehr Routine bekommen sie und desto schwerer fällt es ihnen irgendwann sich zu motivieren, weil der WOW Faktor nach einiger Zeit nicht mehr so intensiv vorhanden ist.

Geht Dir das auch so? Was machst Du, um am Ball zu bleiben?

Diese Phasen kenne ich selbstverständlich auch.

Aber nach drei Tagen Ruhepause in der Umgebung von Menschen werde ich unruhig und muss weiterreisen.

Die Bewegung ist es, die meine Stimmung wieder hebt.

Ich entdecke dann wieder das Glück des Unterwegsseins und die Freude des Reisens einfach dadurch, dass ich es tue.

7. Erzähle bitte drei deiner liebsten Kurzgeschichten der Reise.

Jeden Tag schreibt mein Weg neue Geschichten und davon drei auszusuchen ist nicht leicht.

Da gab es gleich am Anfang der Reise einen Norweger, der mich mit seinem Auto überholte. Er erkannte, dass ich kurz davor war, zu erfrieren und rettete mich, indem er mich in ein Hotel fuhr.

Oder die beiden italienischen Radfahrer Otto und Giorgio, die mir ebenfalls in Norwegen begegnet sind und mir Essen und Getränke gaben, als ich nichts hatte.

In Marokko begegneten mir Ayoub, ein Junge, der Schafe hütete und dessen Onkel Choaib Khatiri, der mir 50 Dirham spendete für die Kinder in Afrika. Eine Summe, die sicher 10% des Monatseinkommens ausmachte.

Als ich an schweren Durchfällen erkrankte, halfen mir Freunde in der Heimat zu diagnostizieren, dass ich an einer Amöbenruhr litt und damals nahmen mich Fremde in Marokko auf, während ich behandelt wurde.

Menschen, denen ich noch heute verbunden bin.

Vieles, was ich erlebe, zeigt die Großartigkeit der Menschen.

8. Wir wissen ja leider, dass zu viele Menschen Vorurteile haben. Du bist im Irak aufgewachsen, ich gehe daher davon aus, dass man dich in Europa oft für einen Ausländer hält, obwohl du österreichischer Staatsbürger bist. Seit dem 9/11 und spätestens seit der Flüchtlingswelle werden Muslime ja leider zu oft mit negativen Vorbehalten konfrontiert.

Passiert dir das auch? Wie behandeln die Menschen dich unterwegs? Wirst Du in Europa oft von der Straβe ins Haus eingeladen? Helfen dir die Menschen oder haben sie Angst vor dir? Gibt es da Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen?

Eine sehr politische Frage und ich denke, meine Erfahrungen sind nicht repräsentativ, wenn ich sage, dass ich kaum mit rassistischen Vorurteilen zu tun habe. Ich glaube, das hat etwas mit meiner Lebenseinstellung zu tun. Ich fokussiere keine Andersartigkeit, beharre nicht auf Zugehörigkeit zu bestimmten Gruppen (Religion, Herkunft, …), da ich mich selbst dadurch nicht definiere und biete damit keine Angriffsfläche.

Ich bin damit aufgewachsen, überall der Andersartige/Außenseiter zu sein, was vermutlich (aus Selbstschutz) dazu beigetragen hat, meine Wahrnehmung dieser Ausgrenzung zu schwächen.

Ich ignoriere, dass es überhaupt Vorurteile geben könnte und so verhalte ich mich. Falls mir so etwas wie Rassismus begegnen sollte, läuft es ins Leere, so, wie wenn man mich in einer Sprache beschimpfen würde, die ich nicht spreche.

Aber zum zweiten Teil Deiner Frage:

Ich erlebe sehr viel Hilfsbereitschaft und sehr viel Interesse auf meinem Weg, überall.

Aber ja, es gibt regionale Unterschiede. In Europa ist es nicht üblich, einem Fremden die Türe aufzumachen. Man ist vorsichtiger, mehr für sich. Und das ist im Norden noch stärker als im Süden.

Aber auch in Norwegen wurde mir nie Hilfe verweigert, aber man hätte mich nicht eingelassen, nur um mit mir zu plaudern.

Im arabischen Raum ist es anders: ein Fremder ist sehr willkommen, weil die Kultur im Osten besagt, dass ein Gast ein Geschenk Gottes ist.

Hier geht es nicht nur um reine Hilfsangebote, sondern um umfassende Gastfreundschaft.

Außer dem Nord-Süd-Gefälle gibt es noch das Arm- Reich-Gefälle:

Ärmere Menschen sind grundsätzlich spontan freigiebiger als Reiche, vermutlich, weil sie wissen, wie es ist, bedürftig zu sein. Sie erkennen es schneller.

Wenn aber wohlhabende Menschen erkannt haben, dass ich ihnen nichts wegnehmen will, dann sind sie sehr großzügig.

Hierzu gehört aber mehr Beziehung, als bei der ganz spontanen Hilfsbereitschaft der Ärmeren.

Freust Du Dich auf Südafrika, oder ist die Reise Dein Leben geworden?

Südafrika ist eigentlich nur ein entfernter Punkt auf der Karte, aber ein wichtiger.

Es ist das Ziel einer Reise, das ich lieber später als eher erreichen möchte, denn die Reise ist mein Leben geworden.

Aber trotzdem ist es wichtig, ein Ziel zu haben, sonst würde mir das Gerüst fehlen.

9. Du warst lange in Marokko. Wie haben dich die Menschen in Marokko aufgenommen? Ist die Muslimische Welt auch weiterhin eine Art Heimat für dich, obwohl Irak und Marokko weit auseinander liegen und obwohl du bereits viele Jahrzehnte in Österreich lebst?

Viel seltener als die Frage nach der Religion wurde in Marokko nach der Herkunft gefragt und als man hörte, dass ich Iraker sei, wurde ich unglaublich willkommen geheißen, denn Iraker werden in Marokko sehr geschätzt.

Dafür gibt es mindestens zwei Gründe: Einerseits stammt die königliche Familie, der Begründer des Königreichs Marokko, Moulai Idriss, aus dem Gebiet des heutigen Irak.

Des Weiteren waren die politischen Beziehungen zwischen dem damaligen Irak unter Saddam Hussein und dem damaligen Marokko unter König Hassan V, sehr kooperativ.

Der Irak war damals im Vergleich zu Marokko ein reiches Land und es gab viele Wirtschaftshilfen und Unterstützung für die marokkanische Bevölkerung. Man mochte die Iraker und mag sie noch heute.

Der irakische Dialekt und der marokkanische Dialekt unterscheiden sich sehr. Sogar so sehr, dass wir uns nicht verstehen würden. Aber ähnlich wie bei anderen regionalen Dialekten behelfen auch wir uns mit einer gemeinsamen Sprache, dem Hocharabisch, welches in den Schulen gelehrt wird.

Dass ich Moslem bin, hat natürlich trotzdem einiges erleichtert und ich fühle mich der muslimischen Welt weiterhin heimatlich verbunden, da ich in dieser Kultur aufgewachsen bin und sie kenne.

10. Hast Du manchmal Angst? Wenn ja, vor was?

Klar, habe ich Angst. Vor allem vor mir selbst, vor meinem Übermut. Ich tendiere stark dazu, nah an Grenzen zu gehen und diese Lust des Austestens, des Nervenkitzels, die finde ich manchmal beängstigend, denn dadurch bringe ich mich manchmal in gefährliche Situationen.

Als ich losging, hatte ich mächtige Höhenangst, aber das wollte ich an mir selbst nicht akzeptieren und habe mich auf jede Klippe gestellt, die es gab.

Ich habe die Höhe gesucht, um mir zu beweisen, dass ich das kann, da ich mich von diesen Ängsten nicht einschränken lassen wollte. Mittlerweile habe ich die Höhenangst ganz gut im Griff.

Durch das Gehen habe ich erfahren, wie ich mir selbst in verschiedenen schwierigen Situationen helfen kann und ich kenne meine Grenzen.

Das hat mir viel Sicherheit gegeben, Ängste abgebaut und mein Vertrauen auf mich selbst sehr gestärkt.

Aber durch das Gehen habe ich auch gemerkt, wie wichtig mir Freiheit und Bewegung sind und natürlich rücken dann auch Gedanken ans Älter werden oder an Unfälle, die die Beweglichkeit einschränken, ins Bewusstsein.

Gerade jetzt in der Coronazeit habe ich gemerkt, dass dieses Eingesperrtsein unerträglich für mich ist.

Und da spüre ich Ängste vor Abhängigkeit, vor Unfreiheit.

11. Was kochst Du unterwegs am liebsten? Und sicherlich musst Du viel essen – richtig?

Ja, das stimmt. Ich habe immer Hunger. Aber ich bin kein Koch und ich habe auch keinen Kocher dabei. Meine Erfahrung ist, dass ich immer irgendwo etwas zu Essen finde, und ich bin bei der Auswahl nicht ansprüchlich.

Außer beim Brot, Brot ist mein Hauptnahrungsmittel, dazu eine Fischkonserve, das reicht mir, wenn ich in der Natur unterwegs bin. Ich kann ja nicht so viel mit mir tragen.

Aber wenn ich in der Zivilisation bin, dann esse ich sehr viel und gleiche das wieder aus.

Ich habe immer eine Notkonservendose bei mir, die ist wirklich nur für die Not und wird nicht angerührt.

Wenn es heiß ist, brauche ich viel Wasser, nicht nur zum Trinken, auch zum Abkühlen.

Das kann ich nicht bei mir tragen und somit bin ich immer auf Versorgung von außen angewiesen. Bisher hat das immer funktioniert – die Menschen sind sehr hilfsbereit und in warmen Gebieten reichen sie oft ungefragt Wasser aus dem Auto heraus.

Sie wissen einfach, dass ich es brauche.

12. Mit wem würdest Du gerne mal an einem Tisch sitzen und eine Weile plaudern?

Mit meiner Freundin. Diese vermisse ich hier auf der Reise schon sehr. Aber auch andere Freunde von nah und fern, am liebsten viele an einem Tisch vereint, das wäre großartig.

13. Wenn du eingeladen wirst, wie verhälst du dich dann? Was gibst du zurück? Bist du manchmal unsicher, ob du alles richtig gemacht hast?

Ich bin ein sehr höflicher, wertschätzender Mensch. Wenn ich eingeladen werde, bringe ich meistens ein Gastgeschenk mit (Blumen, Süßes, Datteln oder manchmal etwas von meinen persönlichen Gegenständen).

Ich kenne mich in vielen Kulturen gut aus, da ich früher beruflich viel unterwegs war. Aber wenn ich irgendwo fremd bin, bin ich zurückhaltend. Ich schaue, wie machen es die anderen und passe mich an.

Das hält man im Orient so, so bin ich aufgewachsen.
Alles ist ein Geben und Nehmen, auch der Gast hat Pflichten.

Ich habe nicht diese Hybris, mit meinen Vorstellungen irgendetwas dominieren zu wollen. Das ist mir total fremd. Wenn ich irgendwo zum Essen eingeladen bin, esse ich alles, was man mir anbietet, auch wenn ich es nicht mag.

Ich würde es nie zurückweisen. Das ist meine grundsätzliche Haltung.

14. Was fehlt Dir am meisten?

Wärme und körperliche Nähe. Ich lerne sehr viele Menschen kennen, aber ich habe am Weg nichts Vertrautes, ich habe keinen Körper neben mir, keine Person, die ich umarmen kann. Das fehlt mir.  

Die Haut und die körperliche Nähe zu meiner Freundin. Manchmal gehe ich zum Friseur, dann bekomme ich menschliche Wärme durch die Berührung am Kopf.

Meistens telefoniere ich dann mit meiner Freundin und das gibt mir sehr viel Wärme, das ist mein zu Hause. Zum Glück gibt es Videotelefonate.

Warum meine Freundin nicht mit mir geht?

Jahrelanges Wandern ohne festen Wohnsitz ist nicht für jede/n und das akzeptiere ich.

15. Wie finanzierst du deine Reise?

Bevor ich gestartet bin, hatte ich Geld gespart, um das erste Jahr unabhängig zu sein. Mittlerweile bin ich auf Spenden angewiesen, um meinen Weg fortführen zu können.

Ich produziere jedes Jahr einen Kalender, den ich verkaufe und schreibe vom Weg schöne Postkarten als „Gegenleistung“ für eine Spende.

Neuerdings bin ich auch bei Patreon, wo Interessierte einmalig oder monatlich meinen Weg unterstützen können.

20% meiner Einnahmen gebe ich direkt weiter an „Doctor Clown Tanzania“. Je länger ich unterwegs bin und je mehr Spenden ich sammeln kann, desto mehr Geld kann ich nach Tansania spenden, dort wartet man mittlerweile bereits auf die Zuwendungen, die von meiner Reise kommen.

Hier kannst du Thair Abud auf seinem langen Weg begleiten und unterstützen:

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Wenn ihr noch Fragen an Thair habt, dann hinterlasst doch einfach einen Kommentar.
Ganz sicher freut er sich darüber. Danke.

Tolle Reise, oder? Vielleicht interessiert dieses Interview auch deine Freunde? Teilen tut nicht weh und kostet auch nix und es hilft mir meine Reichweite zu erhöhen und dem lieben Thair ein paar neue Follower zu bekommen! Lieben DANK 🙂





Und nun in eigener Sache:

Spendenlauf – 50.000 Bäume – 5000 Kilometer

Butch, mein Welpe und ich starteten Ende April unseren Spendenlauf für One Tree Planted:

„Walk Across America – Sea to Sea for Trees“

Wir laufen 5000 Kilometer für den Klima- und Artenschutz und möchten mit deiner Hilfe 50.000 Bäume pflanzen.

Aufforstung dort wo es Sinn macht.

Ein Baum kostet einen Dollar.

Bitte mach‘ mit und pflanze ein paar Bäume!

Hier geht’s lang ….. Herzlichen DANK!

3 Kommentare

  1. Wow, was für eine großartige Story

    Antworten
  2. Liebe Heike,
    Was für ein beeindruckender Mann! Er verbindet zwei Regionen, die ich unheimlich gerne mag: Skandinavien und Subsahara-Afrika. Was muss das für eine Tour sein, wie oft muss man sich selbst überwinden – und mit welchem Gefühl erreicht man wohl Kapstadt? Super spannend! Schlucken musste ich ja bei der Geschichte, als ein Norweger ihn vor dem Erfrieren gerettet und – und bei den 95 Kilometer am Stück, das ist schon krass. Meine längste Tageswanderung waren bisher 28 Kilometer in Norwegen und das hat mir gereicht…
    Liebe Grüße von Miriam von Nordkap nach Südkap (der Name des Blogs lehnt sich übrigens an Nordkap in Norwegen und Kap Agulhas als Südkap in Südafrika an).

    Antworten
    • Liebe Miriam,
      Ja Thair – er wird auch Ali genannt – ist echt ein spannender Typ.

      LG und sicherlich antwortet er Dir noch….

      Antworten

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