Musik machen konnten die Jungs, denen ich am Silvesterabend vergnüglich zuhören durfte. Wirklich bemerkenswert, was sie für eine positive Stimmung verbreiteten und wie sie sich selbst dabei nahezu in Ekstase spielten.

Jbel Sarhro, ein Bergmassiv, welches man per Fahrrad von Nkob prima in einem Tag erreichen kann nahm ich mir als nächstes Ziel vor. Anstelle des bekannten Passes über Tizi n’Tazazert zu radeln, nahm ich die neue Route Richtung Bou Skour und Skoura. Der Weg war in keiner der Karten die ich hatte verzeichnet, aber maps.me kannte die Piste.

Kurz zuvor wurde ich wieder einmal zum Tee eingeladen und stärkte mich sozusagen für den Aufstieg.

Nachdem Mitte Dezember zwei Skandinavische Touristinnen im Atlas Gebirge brutal ermordet wurden, lag das Stimmungsbarometer im Land und auch bei mir etwas tiefer als sonst. Vor allem auch, weil sich Freunde und Fans sehr besorgt bei mir meldeten und oftmals dabei wohl nicht wussten, dass sie mich damit eher verunsicherten, als mir damit zu helfen.

Ich hatte auch weiterhin ein sehr gutes Gefühl im Land und wollte mich einfach nicht verängstigen lassen, musste mich aber selber etwas anpeitschen um weiterhin Freude in den entlegenen Gebieten zu haben.

Jbel Sarhro ist ziemlich abgelegen. Außer ein paar Nomaden habe ich bis zum Pass auf etwa 2000m niemanden getroffen. Aus Konglomerat Gestein bestehende Felsformationen schmücken die Gegend. Wirklich super schön.

Um etwas beruhigter schlafen zu können, suchte ich die Nähe von Menschen, und fand ein kleines Tal mit 3 Häusern und durfte dort umgeben von tollen Felsen mein Zelt aufstellen.

Die Nomaden waren auch in dieser Gegend sehr scheu. Die Kinder kamen allerdings trotzdem neugierig zu mir rüber und schauten mir über die Schulter, als ich mir mein Abendessen kochte. Ich mag so was.

Schon bald war ich auf der anderen Seite des Berges und kam am Ende des Tages in ein wunderschönes Tal, wurde da aber mit „Bonbon“ Rufen nur so überschüttet und war somit wieder auf dem Touristen Trail gelandet.

In einer süßen kleinen Auberge bekam ich Übernachtung mit Halbpension für 10 Euro und fuhr am nächsten Morgen durch eine tolle Landschaft um ins Dades-Tal zu kommen.

In El-Kelaa M’Gouna gefiel es mir dann erst einmal sehr gut und ich blieb hier ein paar Nächte und genoss einfach die bunte und angenehme Atmosphäre.

Marokko ist richtig wohltuend. Die Leute extrem freundlich und auch sehr erheiternd. Im Normalfall überhaupt nicht aufdringlich, sondern höflich und respektvoll.

Zähne putzen scheint unter den Marokkaner nicht sehr beliebt zu sein. Ich habe in der ganzen Zeit niemanden Zähne putzen sehen und nicht nur dass, es gibt schon einige Leute die schwarze Zähne haben oder auch gar keine mehr.

Was ich total lustig finde sind die Begrüßungsformeln. Untereinander begrüßt man sich sehr ausführlich mit langen und immer wieder gleichen Sätzen. Interessant ist, dass die Leute dabei gleichzeitig reden.

Der eine sagt, „Hallo wie geht es Dir“ und anstelle, dass der andere auf die Frage eingeht, sagt der ebenso „Hallo wie geht es Dir“. Es wirkt fast wie ein auswendig gelerntes Gebet und ein runter rattern von Höflichkeitsfloskeln.

Die kleinen Jungs küssen den Frauen die Hand. Die Frauen geben sich die Hand und küssen anschließend in die zusammengefalteten Finger. Mann und Frau berühren sich nicht. Die Männer geben sich ganz normal die Hand.

Richtung Atlas Gebirge ging es weiter. Es gab noch kein Schnee, aber es war nachts richtig kalt, somit wollte ich sehen wie weit ich komme.

Landschaftlich war es hier wieder ganz anders. Karger und schroffer kam es mir vor. Aber genau nach meinem Geschmack. Die Häuser lagen wunderschön in kleinen Tälern oder klebten an Felshängen. Einfach toll.

In Bou-Thrarat wurde ich von einem netten Schwarzen eingeladen. Seine Mutter war alt und krank, auch seine Schwester lebte mit im Haus. Die beiden Frauen freuten sich über meinen Besuch als ich das verwinkelte Haus betrat. Es ist immer wieder schön, bei wildfremden Menschen so sehr willkommen zu sein.

Im Ort wurde ich von einem Teppichhändler beraten wie ich weiter radle. Er war besorgt um mich und entschuldigte sich mehrfach bei mir für den Vorfall im Gebirge.

Er versicherte mir, dass die Gegend voller freundlicher Leute ist und ich somit nichts zu befürchten hätte. Wir sind Berber, keine Araber fügte er hinzu.

Die kleinen Dörfer entlang des Weges waren voller Kasbahs, einfach idyllisch und wunderschön. Doch je höher ich kam desto kälter und karger wurde es natürlich und so verbrachte ich die Nacht eingekuschelt in meinem warmen Schlafsack in einer Auberge mit einem super freundlichen Besitzer der mich mit Tajiin und Berber Omelette versorgte.

Ich habe immer verschiedenen Phasen. Mal möchte ich wochenlang ganz alleine in den Weiten der Welt verloren gehen und nur die Sterne beobachten und dann aber merke ich wieder wie wohl ich mich unter Menschen fühle.

Ich hatte zu dem Zeitpunkt auf die einsamen Strecken durchs Gebirge keine sonderliche Lust. Ich mochte einfach die Atmosphäre in den Gassen so gerne. Das Leben beobachten und wollte nicht unbedingt wieder alleine mein Zelt irgendwo aufschlagen.

Und somit fuhr ich noch ein paar Schlenker durchs Gebirge, machte mich aber schon bald wieder auf den Weg ins Tal.

Die berühmte Dades Schlucht ließ ich aus um dem Touristenrummel zu entkommen, nistete mich aber in Boumalne-du-Dades für zwei Nächte ein und genoss mein erstes Hamam. Also ein warmes Bad.

Es gibt dort drei Räume. Der letzte Raum ist der heißeste. Warmes Wasser wird in Eimern bereitgestellt und jede Frau wäscht sich mit einem speziellen rauen Handschuh, den ich für mich allerdings nicht besorgt hatte. Sie schrubben sich förmlich die Haut vom Leib, so jedenfalls machte es den Anschein für mich.

Die Unterhose lässt man an, ansonsten ist man völlig unbekleidet. Natürlich ist das Bad nach Geschlechtern getrennt. Der 2. Raum ist etwas kühler gehalten, während mir der erste viel zu kalt war.

Über den Jbel Sarhro ging es den bekannten Weg über den Tizi-n’Tazazert wieder Richtung Nkob.

Der Weg muss viel genutzt werden, denn die Kinder fragten überall nach Bonbons. Fast am Gipfel gibt es eine kleine süße Auberge. Eine Familie lebt dort und stellt ein Zimmer zur Verfügung. Mit Tajiin und Lagerfeuer wärmten wir uns auf um die kalte Nacht gut zu überstehen.

Ein wirklich toller Abend inmitten von Sternen und freundlichen Menschen.

Die aus Schotter bestehende Parallelstraße entlang des Draa Tals Richtung Zagora war super schön. Palmen in Kombination mit kargen Bergen und zerfallenen Kasbahs. Traumhaft.

Ich wurde von einer Frau ins Haus gewunken und durfte dort auch am Abendessen teilnehmen. Hier wurde strikt nach Geschlechtern aus der gemeinsamen Schüssel gegessen. Ein Cousin kam aus Marrakesch zu Besuch und die eine Frau zog sich deswegen um und kam vollverschleiert wieder zum Abendessen zurück. Es gab Bohnen mit Hammel. Dazu Brot.

Der Mann aus Marrakesch meinte zu mir, dass die Männer zwar nicht rauchen und trinken dürfen, sie machen es aber trotzdem heimlich. Auch wird fremd gegangen.

Das Leben in der Stadt sei mit dem Leben hier auf dem Land überhaupt nicht zu vergleichen. Auch die Anzahl der Kinder ist in der Stadt deutlich geringer als auf dem Land.

Die Frauen lachten mich pausenlos aus. Vor allem machten sie sich über meinen Namen lustig. Anscheinend klingt Heike in vielen Ländern einfach sehr seltsam, er trägt weltweit immer wieder zur Belustigung anderer bei.

Natürlich wurde auch der Dorf Chef darüber informiert, dass ich im Ort war und nach langer Diskussion untereinander musste ich umgesiedelt werden. Ich kam in einem anderen Haus unter, ein Haus was leer stand. Warum hatte ich nicht verstanden.

In Zagora ging ich auf den Campingplatz, denn ich hatte mich dort mit zwei Schweizern verabredet, die ich bereits aus Uzbekistan kannte. Viele weitere Tourenfahrer standen auf dem kleinen Platz und so genoss ich die tolle Atmosphäre unter den Reisenden wirklich sehr.

Unter anderem hatte es auch ein paar Afrika Spezialisten, die seit vielen Jahrzehnten den Kontinent bereisen. Eine super Adresse um Infos zu bekommen und am Lagerfeuer sich Geschichten zu erzählen, auch wenn ich mit meinem kleinen Zelt inmitten dieser riesigen Autos fast schon bemitleidenswert aussah.

Mein Visum fing an mich in Stress zu versetzen. Denn seit der Ermordung der Frauen im Atlas Gebirge, war es nicht mehr ganz so einfach eine Verlängerung zu bekommen und die Polizei war nicht bereit mir 90 weitere Tage zu geben. Ich musste dafür eine Lösung finden, denn die Zeit wurde knapp.

Wobei ich immer noch die Möglichkeit hatte mein Rad stehen zu lassen und einen sogenannten Visa-run nach Spanien zu machen und einfach auszureisen und mit 90 neuen Tagen wieder einzureisen, aber das wollte ich erst einmal vermeiden.

Über eine Piste landete ich abends bei einer großen Familie. 12 Kinder lebten dort unter sehr einfachen Verhältnissen. Die große Schwester, die mit ihren 17 Jahren bereits Mutter war, schien den Laden zu schmeißen. Kochte, stillte, half den kleinen Geschwistern und tischte dem Vater das Abendessen auf, als er spät nachts nach Hause kam.

Auf dem Weg Richtung Foum-Zguid stand eine Vollmondnacht bevor. Ich liebe diese Nächte ganz besonders. An diesem Abend zog die Natur wieder alle Register. Sonnenuntergang vor mir, Mondaufgang hinter mir und zur gleichen Zeit kam ich an einer riesigen Dromedar Herde vorbei, die an der Straße entlang im wunderschönen Licht stolzierte. Klasse. Besser geht’s kaum.

Die Hirten waren mit Mopeds unterwegs und ich radelte im Tempo der dahin schlenderten Dromedare. Sensationell war das und beflügelte mich den ganzen Abend. Ich fuhr noch eine ganze Weile im hellen Mondlicht durch die einsame Nacht bis ich mein Zelt aufstellte und anfing zu kochen.

Vor lauter Begeisterung hatte ich allerdings etwas Wichtiges an diesem Abend vergessen, denn als ich morgens die Augen öffnete war der Mond schon zu 90% wieder voll zu sehen. Und plötzlich fiel mir wieder siedend heiß ein, was die vergangene Nacht am Himmel passiert war. Ich hatte die Blutmondfinsternis verpasst.

„Scheiße“ brüllte ich durch die Wüste, auch wenn ich wusste, dass mich niemand hören konnte, aber ich hätte heulen können. Einen besseren Ort hätte ich für das seltene Himmelsspektakel nicht finden können.

Keine Lichtverschmutzung, keine einzige Wolke am Himmel. Und ein Zelt nur aus Moskitonetz bestehend und somit den besten Blick nach draußen. Perfekt. Aber leider verpasst.

Foum-Zguid fühlte sich schon fast an wie ein neues Land. Ein starker Anteil an Schwarzafrikanern, die vor vielen Jahren ins Land kamen und deren Frauen in Geschäften Ware verkauften, am Bankschalter arbeiteten oder auf der Straße Rad fuhren. Selbstbewusst und aufrecht gehend bevölkerten sie die Straßen. Ein Augenschmaus.

Seit vielen Jahren frage ich mich immer wieder, warum in vielen Gegenden der Muslimischen Welt die Männer ihre eigenen Frauen so sehr ins Abseits stellen. Macht es ihnen wirklich Spaß ohne weibliche Begleitung unterwegs zu sein? Ist es wünschenswert sich nur unter Männern auszutauschen und nie auch Einfluss und Ideen oder Reize durch andere Frauen zu bekommen, als nur der eigenen?

Kann eine Gesellschaft sich in so einer Form sinnvoll weiterentwickeln?

Ich sehe ja wie die Männer sich mir gegenüber verhalten. Und da geht es nicht um das sexuelle, sondern sie wissen, sie können sich mit mir wie mit einem Kumpel austauschen und sind da auch ganz scharf darauf dies zu tun. Sie geben auch zu, dass sie gerne mehr Kontakt zum anderen Geschlecht hätten.

Als Besucherin ernte ich Respekt. Sind die Frauen nicht interessiert daran, eine Veränderung einzuleiten und möchten sie nicht auch so behandelt werden wie ich?

Mit den neuen globalen Vernetzungen ist ein Wandel ganz sicher nicht mehr aufzuhalten, aber es ist trotz allem noch ein langer steiniger Weg, bis Frauen sich ihren Stand in der Gesellschaft erarbeitet haben. Selbst bei uns gibt es ja noch Defizite, obwohl wir viele Jahrzehnte voraus sind.

Doch nebenbei bemerkt, in einigen Punkten sind wir ja bereits über das Ziel hinausgeschossen. Mann sein ist ja heutzutage in unserer Gesellschaft auch kein Pappenstiel mehr.

Natürlich kann ich gut reden, weil ich anders aufgewachsen bin und Bildung und Gleichberechtigung von klein auf erleben durfte. Trotz allem muss ich leider auch immer wieder verwundert feststellen, dass ja die Frauen diejenigen sind die ihre Kinder erziehen. Sie sind diejenigen die die Mädchen zweitrangig setzen und die Jungs zu Machos erziehen.

Wenn ich selber als Frau darunter gelitten habe, wie kann ich dann als Mutter genau das meinem Kind weitergeben? Weil ich glaube, dass es das richtige ist? Weil es alle so machen? Herdentrieb? Es heißt ja nicht von ungefähr, dass Kinder die geschlagen wurden auch ihre Kinder wieder schlagen werden, aber auch da gibt es viele Beispiele die das Gegenteil beweisen.

Kann ich die eine Welt überhaupt mit der anderen vergleichen und ist es wirklich nur die Religion die da den Haupteinfluss gibt?

Als sich dann ein Deutscher an dem Campingplatz in dem ich war bis auf die Unterhose auszog und sich absolut nichts dabei dachte, fiel mir gleich wieder auf, aus was für einer Welt ich eigentlich komme.

Bei uns geht es einfach lockerer zu in dieser Hinsicht, US-Amerikaner oder Australier sind da auch schon wieder ganz anders, die würden das nie machen.

Die Lockerheit zwischen Geschlechtern wie ich sie aus Deutschland kenne, finde ich einfach klasse und sehe das als riesen Pluspunkt meiner eigenen Gesellschaft an.

Ich hatte dazu eine Unterhaltung mit einem Deutschen Paar, die mit ihrem Camper unterwegs waren. Er meinte er toleriere die Verschleierung der Muslimischen Frauen in Deutschland nicht, woraufhin ich nur sagte warum kann nicht einfach jeder Mensch so leben wie er möchte?

Warum sind wir Menschen so intolerant, dass wir immer meinen wir müssen andere zurechtweisen? Genau so wie ich das gerade selber gemacht habe. Alles was wir nicht kennen sehen wir als seltsam oder komisch an und das verfolgt mich auch immer wieder als Reisende.

Denn ich bin ja für nahezu jeden den ich treffe seltsam. Selbst für die anderen Reisenden bin ich die Hardcore-Frau, die ich ja gar nicht sein will, aber in diese Schublade werde ich gesteckt.

Genau das war auch der Fall an diesem besagten Campingplatz in Foum-Zguid an dem es Reisende gab, die mit mir nichts zu tun haben wollten, weil ich ein Leben lebe, dass wohl vielen zu extrem ist.

In Foum-Zguid blieb ich viel länger als geplant, denn ich hatte mir eine ordentliche Erkältung eingefangen, die einfach nicht besser werden wollte. Mein Visum wurde also zu einem immer grösser werdenden Problem.

Über Schotterpiste ging es weiter. Schöne Landschaft aber nichts Spektakuläres. In einem Ort wurde ich ganz seltsam begrüßt. Die Stimmung war hier anders. Doch ich fand einen Platz wo ich schlafen konnte.

In einer alten Kasbah, in verwinkelten Gassen gab es einen in Italien arbeitenden Familienvater der mich aufnahm. Er lebte wie in einer Höhle. Kein Tageslicht fiel in die untere Wohnung. Nachts gingen wir bei seinen Eltern essen und ich bekam dort die wohl beste Tajiin, die ich je gegessen habe.

In Zagora hatte man mich nach Foum-Zguid geschickt um mein Visum zu verlängern und in Foum-Zguid nach Tata.

Tata selber war ein toller Ort. Auch hier ein starker Einfluss der schwarzen Bevölkerung. Tolle Kneipen, nette Leute und alles kunterbunt.

Mit dem Polizeichef redete ich etwa zwei Stunden, bis er mich schon fast aus der Türe schmeißen wollte, weil ihm der Geduldsfaden fast geplatzt war. Aber mir eben auch.

Er verabschiedete sich von mir mit den Worten, dass ich doch einfach einen Tag vor Visumablauf zu einer Polizeidienststelle gehen soll und sagen soll, dass ich eben später an der Grenze in Mauretanien ankomme. Die werden dann einfach Bescheid geben.

„Das geht schon in Ordnung, kein Problem,“ meinte er.

Nun ja, überzeugend klang das für mich nicht.

Kurz hinter Tata traf ich Laurent. Ein Franzose der für eine Hilfsorganisation radelt. Ein netter Kerl mit dem ich vorher schon getextet hatte. Er hatte bereits viel von mir gehört. Von Tuly, der Mexikanerin auf der Baja California, bei der ich damals einige Zeit unterkam und von Biciclown, der Langzeitradler, bei dem ich in Spanien zu Besuch war.

Wir redeten und redeten und machten es uns am Lagerfeuer gemütlich. Laurent hat etwa das dreifache an Gepäck und braucht morgens ewig bis er alles zusammengepackt hat.

Er ist ein guter Koch und als es bei ihm abends Omelette in der Pfanne gab war ich doch sehr beeindruckt. Aber schleppen wollte ich den ganzen Kram, den er als Kochutensilien dabei hat nicht. Da ist mir meine Ein-Topf Kocherei doch weitaus lieber.

Keine 20 KM radelten wir zusammen und trennten uns bereits wieder, weil wir unterschiedliche Interessen hatten.

Auf dem Weg nach Tafraoute kam ich in eine völlig neue Landschaft. Auch der Menschenschlag war anders. Araber keine Berber mehr. Die Frauen ganz anders gekleidet.

Die Mandelbäume blüten und der Frühling machte sich breit. Die Täler waren wunderschön und die murmelartigen Felsformationen erinnerten mich an die Devils Marbels in Australien.

Ich bekam von einer alten Frau einen Mandeldip geschenkt. Eine Art Peanut Butter, aber eben aus Mandeln zubereitet. Super lecker. Milch gab es nun vermehrt zu trinken. Heiße Milch mit Zucker.

Am Campingplatz in Tafraoute zeltete ich mit Deutschen. Einer davon war Aufnahmeleiter beim ZDF, doch wir kannten uns nicht. Für alle die es nicht wissen, ich habe viele Jahre beim ZDF als Kamerafrau gearbeitet.

Bis spät in die Nacht genossen wir das gemeinsame Lagerfeuer. Leider musste ich am nächsten Morgen weiter um nach Guelmim zu kommen. Der Ort an dem ich angeblich mein Visum verlängert bekomme. Der Weg dorthin ging durch hügelige Landschaft, aber vor allem ging es bergab. Immer in Richtung Meer.

Guelmim war wohl die größte Stadt, die ich in der ganzen Zeit in Marokko besucht hatte. Alle anderen bedeutenden Städte hatte ich erfolgreich umgangen.

Die Temperaturen stiegen und die Stadt machte keinen wirklich spannenden Eindruck, als ich dort im Dunkeln ankam.

Vor einem Hotel saßen drei Männer. Der eine sprach mich in fließendem Englisch an, die anderen sprachen untereinander Spanisch. Innerlich witterte ich meine Chance, dass diese drei Männer so viel Einfluss in der Stadt haben, dass sie mir bei meiner Visum Verlängerung helfen könnten.

Mohammed kannte die halbe Stadt. Hatte einen Polizisten und einen Arzt als Freund. Telefonierte mit zig Leuten und sagte dann: „wir brauchen ein Attest von meinem Kumpel.“

Sein Polizeifreund tauchte auf und die Männer hatten bereits alles für mich in die Wege geleitet. Ich solle morgen früh um 9 Uhr mit zwei Passbildern hier auf sie warten.

Das geht schon klar. Kein Problem.  

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