Baja Divide ist ein nagelneuer Trail, der die ganze Baja California im Zickzack durchquert. Auf sandigen und steinigen Pfaden abseits jeglichem Verkehr und asphaltierten Strassen. Ganze 2700 KM lang bis zum unteren Ende der Baja oder genau genommen bis La Paz.

Ich war nicht wirklich super scharf darauf wieder einer roten Linie zu folgen, die sich ein anderer zuvor ausgedacht hatte. Auch wollte ich nicht schon wieder bereits vorher die Info haben, wo genau ich Wasser und Essen bekomme. Doch wie immer wollte ich es wissen und es trotzdem probieren was Nicholas & Lael für eine Strecke zusammengebastelt hatten, denn es klang wirklich verlockend.

Etwa 4 Tage bevor ich die USA verlies entschied ich mich für den Trail und las mich ein wenig ein was ich genau zu erwarten hatte. Schlauchlose und mega breite Reifen sollten es sein. Zudem musste ich bis zu 12 Liter Wasser aufladen können und ein GPS war ein Muss.

Wie jeder der meine Reise bereits eine Weile verfolgt weiss, bin ich kein Technikfreak oder ein Fan von irgendeinem Rad-Kram, den man angeblich haben muss um dort draussen zu überleben. Es muss stabil sein und lange halten, der Rest ist verzichtbar.

Doch wechselte ich sicherheitshalber von meinen Schwalbe Mondial 2.1 Reifen auf Maxxis Minion 2.5 mit einem richtigen Stollenprofil. Und kaufte zudem Pannenmilch und ein Pannenschutzband anstelle der empfohlenen schlauchlosen Mäntel um einigermassen für die Kakteenlandschaft gerüstet zu sein.

Ich bekam ein GPS geliehen und war gespannt ob ich es gut finden werde damit zu hantieren. Bereits nach kurzer Zeit war klar, es ist Baby einfach damit zu navigieren.

Der Offizielle in der Einwanderungsbehörde verlangte 25$ für einen Einreisestempel von mir. „Ist es nicht 20 $ für 6 Monate?” fragte ich ihn. “Nein, es kostet 25$“, meinte er. „Also, lieber Herr Offizieller, ich bin mir ziemlich sicher es kostet 20$ keine 25$“ legte ich nach. Nachdem es ein paar Mal hin und her ging, gab er am Ende zu, dass es 20$ sind und ich sollte draussen am Bankschalter das Geld einbezahlen.

Nachdem ich eine Weile in der Schlange stand, schloss der Schalter genau dann als ich dran war. Doch etwa eine Stunde später hatte ich meinen Stempel und 20$ weniger in der Tasche.

Willkommen in Latinamerika. Eine andere Welt liegt nun vor mir.

Ich war noch nie wirklich interessiert an Mexiko. Ich mochte auch noch nie Mexikanisches Essen. Auch mag ich das Machogetue, was allgemein in Lateinamerika verbreitet ist, überhaupt gar nicht leiden. Aber wie immer, wollte ich herausfinden, ob die wenigen Dinge, die ich über Mexiko angeblich wusste wahr sind und zudem war ich wie immer verrückt darauf eine neue Kultur kennenzulernen.

Mein Spanisch ist eine Katastrophe und nachdem ich nun ein ganzes Jahr die Möglichkeit hatte mich prima zu unterhalten, war ich nun wieder in einer etwas isolierten Welt unterwegs, bis mein Wortschatz hoffentlich bald besser geworden ist. Zugegebenerweise fühlte ich mich die ersten Tage ein wenig verloren.

Tecate, die Grenzstadt ist eine “Nichts” Stadt, genau wie alle anderen Orte auch, die ich bisher auf der Baja durchquert habe.

Wenn man also mit nahezu keinen Erwartungen in eine neue Sache einsteigt, kann es eigentlich nur gut werden und genau so war es. Ich fand die Strecke vom ersten Moment an richtig klasse. Vor allem weil ich endlich wieder in der Natur war, weg von einer dreckigen Stadt, hinein in einen Kampf mit dem Sand, den Steinen und der kargen Landschaft.

Neben ein paar Amis auf Motorrädern war ich absolut alleine unterwegs. Trotz allem war ich die ersten Tage vorsichtig. Wo zelte ich? Mache ich ein Lagerfeuer oder sieht mich dadurch vielleicht jemand? Ist die Baja California wirklich so sicher wie allgemein gesagt wird? Ich bin immer ersteinmal vorsichtig wenn ich in einem neuen Land unterwegs bin und bin damit bisher immer gut gefahren.

Die Kakteenlandschaft war toll, die Ruhe und Einsamkeit sensationell. Ich stresste mich nicht, 50-60 KM am Tag langten mir, denn es war viel zu schön um einfach durchzurauschen. Zudem der Trail auch nicht einfach ist. Ausserdem ist es um 17 Uhr dunkle Nacht und somit die Tage kurz und die Nächte lang und kalt.

Viel Sand und Steine entlang kleiner Wege. Steile kurze Abschnitte, teils heftig und rauh, aber genau wie ich es gerne habe.

Ich hätte die Wege so nie alleine gefunden und deshalb bin ich froh, dass ich dem GPS track einfach folgen kann. Doch zur gleichen Zeit, bin ich ziemlich sicher, dass das vorerst der letzte Trail ist den ich fahren werde, denn am Ende bin ich doch eine Entdeckerin und nicht eine, die anderen einfach hinterher rennt.

Teilweise folgt der Trail der Baja1000 Offroad Rennstrecke und es erscheint mir, dass die Leute sehr an Ausländer gewöhnt sind, denn sie zeigen wenig Interesse an mir wenn ich an ihren Grundstücken vorbei komme. Auf der Great Divide MTB Route ist mir das Gleiche aufgefallen.

Das schmeckt mir nicht so wirklich, weil Kontakt zu Leuten zu haben ist einfach super wichtig für mich, so ganz alleine. Auf der Reise geht es mir nicht nur ums Radfahren, nein es geht mir ums erleben, ums dazu lernen und ums verstehen und genau das vermisse ich auf solchen bekannten Wegen. Doch hoffe ich, dass das weiter südlich besser wird, weiter weg von Gringolandia wie die Mexikaner zu den USA sagen.

Verglichen mit der Great Divide ist die Strecke deutlich anspruchsvoller, doch bisher machbar wenn auch teils heftig. Trotzdem nicht so schwierig wie manche Teile des Arizona Trails, die ich letzten Winter verzweifelt probierte. Aber wer weiss was noch alles kommt, denn ich habe gehört, je südlicher desto schwieriger soll es werden.

Zweimal erwischte mich die Dunkelheit und ich genoss die geniale Umgebung bei hellem Mondschein und radelte Stunden durch die Nacht. Herrlich.

Dornen waren bisher kein Problem, auch der Sand nicht wirklich. Wenn es zu sandig ist schiebe ich einfach – fertig. Trotzdem bin ich froh um die 2.5“ breiten Reifen.

Einen wirklichen Einblick in die Kultur konnte ich bisher nicht bekommen, einfach weil der Trail so abgelegen ist. In den Orten selber nervt mich das wuselige Treiben mindestens genauso wie ich es klasse finde. Ich denke ich muss mich an die neue Welt einfach ersteinmal gewöhnen. Aber das positive ist definitiv, dass es nun endlich wieder eine Kultur gibt.

Laut schällernde Musik, Kinder die auf der Strasse spielen, Leute die an kleinen Taco Ständen anstehen oder ewig am Bankautomaten Schlange stehen. Fussgänger, Hunde die umher streunern, Radfahrer – hier ist Leben auf der Gasse und das ist einfach klasse.

Nachdem ich die ersten Tage nur trockene, nach nichts schmeckende Tacos gegessen hatte, fand ich endlich die ersten richtig genialen Tacostände und werde von nun an nie wieder sagen, dass Mexikanisches Essen nach nichts schmeckt. Es ist sogar super lecker und weit mehr als nur Bohnen und Reis, zudem die Atmosphäre an den kleinen Tacobuden auch richtig interessant ist.

Ich sah Delfine, Kolibris und eine Monster Tarantula. Ich hörte Kojoten, rollte fast in ein Reh hinein und wurde mehrfach von aggressiven Hunden verfolgt. Ich durfte in einer Kirche übernachten, verwöhnte mich mit einem billigen Hotelzimmer und gewöhne mich so langsam an eine neue Welt.

Ich bin nun total verrückt darauf den ganzen Trail zu machen und hoffe ich werde auch weiterhin so viel Spass haben wie bisher.

2 Kommentare

  1. Marita Höning

    wow, unglaublich tolle Fotos. Ich bin beeindruckt.
    Sehr mutig so unterwegs zu sein.
    Absolut außergewöhnlich.
    Danke für die Eindrücke!
    Wünsche Dir noch ganz viele beeindruckende Reisen und bleib gesund!

    LG Marita

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    • Heike Pirngruber

      Danke Dir liebe Marita…..freu‘ mich ueber Deinen Kommentar 😉
      LG Heike

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