Mein Tretlager ist kaputt. Doch leider stellten die beiden Mechaniker nach einstuendiger Aktion fest, dass sie das passende Tretlager gar nicht vorraetig haben.

Mit dem Besuch des beeindruckenden Rila Klosters beendete ich meine Zeit in Bulgarien.

Die letzten Tage hatte ich deutlich mehr Anschluss zu den Einheimischen gewonnen. Ich wurde vorallem ins Nachtleben integriert. Nachbarn und Familie treffen sich ab 21 Uhr im Garten um ab 22 Uhr gemeinsam zu essen. Fuer mich ja viel zu spaet, aber ok andere Laender andere Sitten.

Es wird gequalmt und aus Gemeinschaftsschuesseln nach Lust und Laune das raus gepickt was einem am Besten schmeckt.

Meistens gibt es Tomaten, Gurken und Feta Kaese Salat, dazu Hamburger oder Cevapcici und Salami. Man kann wirklich sagen es gibt immer das Gleiche. Die ganze Familie, auch die Kinder, sind bis spaet in die Nacht am feiern. Am naechsten Morgen allerdings liegen alle ewig in den Federn, keiner scheint zur Arbeit zu muessen.

Banditen habe ich natuerlich keine getroffen. Was ich auch so erwartet hatte. Stattdessen wurde ich hier vor den boesen Leuten im Kosovo und Albanien gewarnt. Es scheint ein weltweites Phaenomen zu sein, dass immer die anderen die Boesen sind.

Um nach Mazedonien zu kommen musste ich wieder einmal einen Pass ueberwinden. Offiziell muss man sich innerhalb 24 Stunden bei der naechsten Polizeistelle registrieren, das jedenfalls wurde mir an der Grenze mitgeteilt.

Brav wie ich bin tat ich das dann auch. Witzigerweise war der Beamte mit einem offenenen Ausreisedatum voellig ueberfordert, denn die Registrierungskarte hatte fuer so einen Fall keine Eintragungsmoeglichkeiten vorgesehen.

Die 1. Nacht verbrachte ich wieder einmal bei Leuten im Garten. Am Fruehstueckstisch wurde ich von einem Polizisten begruesst, der bereits eine Weile auf mich zu warten schien. Es hatte sich wohl rumgesprochen dass ich im Dorf bin und er muesste mich registrieren. Personalien wurden aufgenommen und etliche Fragen gestellt, die Registrerungskarte sorgte fuer weitere Verwirrung.
Immerhin kam der Polizist zu einem Fruehstueck, ich natuerlich auch und er hatte an diesem Tag wenigstens mal etwas zu tun.

Mazedonien ist anders. Leute sind geschaeftstuechtiger. Es gibt viel Farmland.

Im Westen des Landes leben hauptsaechlich Albaner, Strassenschilder sind zweisprachig und an vielen Stellen sieht man die albanische Flagge. Alles wirkt sehr moslemisch gepreagt.

Es ist Ramadan. Die Fastenden duerfen bei der Hitze von 2 bis 20 Uhr nichts essen oder trinken, kaum vorstellbar wie das bei ueber 40 Grad auszuhalten ist.

Der naechste Pass und ich war im Kosovo. Fuer meine Registrierungskarte interessierte sich an der Grenze natuerlich niemand.

Bereits in Mazedonien viel mir auf wieviele Autos mit D, CH oder A Kennzeichen umherfahren und wieviele Menschen somit im Ausland arbeiten. Aber was man hier im Kosovo zu sehen bekommt ist wirklich unglaublich.

Es herrscht ein wahnsinns Verkehr, jedes 2.Auto ist in einem deutschsprachigen Land registriert und entweder ein nagelneuer Mercedes oder ein BMW, alles Luxusklassewagen.

Nagelneue Haeuser mit super tollen Einrichtungen. Angeblich verdient man sein Geld als KFZ‘ ler oder als Putzmann, irgendwo zwischen Genf und Hamburg. Ich habe nirgendswo sonst jemals so viele nagelneue Schlitten sekuendlich an mir vorbeidonnern sehen wie hier. Irgendwas ist hier faul.

Ich besuchte ein Kloster das von der NATO unter Schutz steht. Ich musste meinen Pass hinterlegen um das Kloster besuchen zu duerfen, Meine Fragen bezueglich der Anwesenheit der NATO durften leider nicht beantwortet werden.


Kleine neugierige Zaungaeste eines Abends

Die Rugovaschlucht versuesste meine Zeit im Kosovo noch ein wenig, aber ich konnte diesen angeberischen Kapitalisten nichts abgewinnen, ich mag die Natur und die Stille, da ist man hier voellig fehl am Platz.

Auch zwischen dem Kosovo und Montenegro liegt die Grenze wiedereinmal auf einem Bergkamm und 1300hm spaeter bekam ich von einem muerrischen Grenzbeamten voellig lieblos einen Stempel in den Pass gedrueckt.

Leider verlor ich die Hoehe nun gleich wieder und war innerhalb kuerzester Zeit zurueck in der Backofenhitze.

In Berane liess ich meine Felge in einer Radwerksatt richten. Die Werkstatt war das reinste Chaos. Der Mechaniker verbrauchte mehr Zeit dafuer seine Werkzeuge zu finden als fuers reparieren selber. 3 Euro kostete der Spass, leider dauerte es keine 2 Tage da eierte das Rad schon wieder. Ein Tretlager hatte er leider nicht gehabt.

Es war bereits dunkel und ich hatte noch keine Unterkunft. Netterweise lud mich ein Rentnerpaar ins Haus ein, doch am naechsten Morgen wollten sie ploetzlich 5 Euro. Das fand ich doch sehr enttaeuschend.

Ich verliess die Hauptstrasse und fuhr, oder besser gesagt schob mein Rad bis auf 1900m in den Biogradzko NP hinein. Die Strasse war wieder einmal eine Katastrophe, aber die Landschaft war sensationell und vorallem war kein Mensch weit und breit. Ich genoss die Stille, die Blicke auf die gezackten Berge und nachts den tollen Sternenhimmel.




Am Tara Canyon traf ich zwei Tandemfahrer die ebenso auf Weltreise sind, zudem einen Deutschen der 3 Monate den Balkan beradelt, leider kamen sie mir alle nur entgegen und fuhren nicht in die gleiche Richtung.

Ich bin auf der Touriroute angekommen. Was ich zuvor schon fast vermisste, da ich wochenlang niemanden zum Reden hatte, ist hier schon wieder viel zu viel.

Im Durmitor NP wirken sich die negativen Aspekte des Tourismus schon wieder voll auf die Mentalitaet der Leute aus. In einem Restaurant darf ich meine Wasserflaschen nicht im Klo auffuellen, im Laden wird der doppelte Preis verlangt, Internet kostet 2 Euro die Stunde und irgendwie hat es niemand mehr wirklich noetig freundlich zu sein.

In Zabljak, dem Hauptort des Durmitor N.P. wachte ich von einem seltsamen Geraeusch rund ums Zelt auf. Irgendwas stimmte nicht und ich war ploetzlich hell wach. Der Blick nach draussen war schon fast filmreif. Da sass ein Hund neben meinem liegenden Rad und war genuesslich damit beschaeftigt meinen Sattel zu zerkauen. Ich konnte es nicht fassen. Mein genialer eingefahrener Sattel. Kein Teil am Rad ist wichtiger als der Sattel.

Ich sehe schwarz fuer einen Ersatz. Ich werde mir wohl einen Neuen schicken lassen muessen. Mal sehen wieviele Stunden ich auf meinem geflickten sitzen kann.

Ich legte einen Wandertag ein und bereute es keinen Augenblick. Die Landschaft ist wirklich toll. Kalksteingebirge wie in den Alpen.

Der Tag darauf war der bisher schoenste Tag der ganzen Tour. Es ging entlang der ruhigen Nationalpark Strasse in Richtung Pluzine. Vorbei an tollen Kalksteinwaenden schlaengelt sich die Strasse durch die Berge um dann auf grandioser Piste den gruenschimmernden Stausee der Pivsko Schlucht zu erreichen. Wow, das war ganz grosses Landschaftskino.

Nach fast 100km fingen mein Ruecken und Hintern ordentlich an zu schmerzen. Ehrlich gesagt wunderte ich mich dass ich mit dem Sattel ueberhaupt so weit gekommen bin.


Mit einem polnischen Radfahrer teilte ich an dem Tag das Nachtlager.

Ich hatte nur noch einen Gedanken, ein neuer Sattel muss her. Ueber Niksic und dem Ostrog Kloster das dramatisch in einer riesigen Felswand klebt, ging es auf direktem Wege nach Podgorica.

Dort hatte ich wahnsinns Glueck und bekam genau den gleichen Sattel, zudem liess ich mein Tretlager austauschen was allerdings nicht wirklich das Richtige ist, ob es haelt wird sich zeigen. Ausserdem fand ich eine Ruecklicht, meines wurde mir in der Ukraine geklaut.

Ein paar Tage goenne ich mir noch in Montenegro dann gehts weiter nach Albanien.

2 Kommentare

  1. Tommy

    Hallo loebe Heike,

    vielen Dank, dass Du deine Touren für andere zugänglich machst. Du gibst so uns anderen ein Stück deiner Welt wieder, inspirierst uns uns machst uns neugierig wo es uns noch hintreiben sollte. Mach weiter so! 🙂

    Antworten

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