Von Sapa ging es nach Bac Ha, einem Ort, an dem es jeden Sonntag einen bekannten Markt gibt. Obwohl doch bereits sehr touristisch, hatte ich einen schönen Tag und erfreute mich an den bunten Kleidern der Minderheiten. 

Wie so oft in Südostasien, wo es zu viele Touristen gibt, redet man nicht miteinander,
schaut sogar dem anderen Westler nicht mal in die Augen, wenn man sich auf der Straße
begegnet. Ich persönlich fand das schon immer seltsam und hatte mit mehreren Leuten
versucht Kontakt aufzunehmen, small talk zu halten, aber sie waren alle in Gruppen
unterwegs und hatten leider kein großes Interesse zum Reden.

Jeden Tag hatte ich nun das Vergnügen die Bergvölker zu treffen. Viele der Leute hießen
mich herzlich willkommen. Kinder riefen mir zu und Erwachsene lächelten. Überall wurde
genäht und gestickt, ich fragte mich oftmals wer das genähte eigentlich alles kaufen wird.
 

In einem kleinen Ort, irgendwo auf dem Weg nach Ha Giang, traf ich zwei Russische Radler, die seit 4 Tagen unterwegs waren. Bei ihr war bereits der Freilauf kaputt und bei ihm die

Hydraulik Bremse. Leider ist spezielle Technik in solchen Ländern einfach Quatsch, einmal kaputt kann man selber nichts mehr reparieren. Sie waren echte Greenhorns, hätte ich sie nicht dazu überredet mit an einem kleinen Essensstand zu essen, hätten sie aus Angst vor Krankheiten, mit ihrem Kocher lieber selber gekocht.ssen, hätten sie aus Angst vor Krankheiten, mit ihrem Kocher lieber selber gekocht.

Es wurde bereits dunkel und ich hatte immernoch keinen Platz zum schlafen.
Das Gelände in den Bergen ist wirklich schwierig zum zelten. Es gibt die Straße,
links gehts steil Berg auf, rechts gehts steil Berg runter. Ab und an stehen an den
einzigsten geraden Flächen dann Häuser. An diesem Abend sah ich aber eine
etwas größere Fläche um ein Haus herum und witterte meine Chance auf eine
Zeltnacht.

Ich holte mein „Ohne Worte“ Büchlein heraus und deutete auf das Symbol Zelt.
Eigentlich wollten sie mich im Haus schlafen lassen, aber ich bevorzugte meine
kleine Hundehütte und stellte somit mein kleines Heim hinter dem Haus auf.
Doch ganz sicher nicht alleine, denn die ganze Familie staunte was ich alles dabei
hatte und vorallem wie schnell so ein Zelt aufgebaut ist. Der Schlafsack wurde
angeschaut, die Matte, das Rad und die Taschen.

   

Es wurde ein wunderschöner Abend. Die Mutter brannte Reisschnaps. Die beiden Töchter
kochten über dem Feuer, eine kleine Vertiefung inmitten der Küche. Bambus wurde in
die Kohle geschmissen, ebenso Maniok. Ich wusste nicht wie lecker Maniok sein kann,
wenn er in der Kohle gegart wird. Man kann ihn einfach schälen und ißt ihn ohne
etwas dazu.

Der Bambus dagegen war sehr bitter und leider nicht sonderlich ergiebig,
denn er muss erst entblättert werden um an den weichen Kern zu kommen, doch meist
war dann kaum noch etwas übrig.

Die eine Tochter bereitete das Fleisch vor. Innerlich drehte es mir den Magen um,
denn es waren nur Fettstücke die da im Wok brutzelten, ein Glück wird alles separat
gekocht und am Ende fischt sich jeder vom Tisch was er möchte. Dazu gab es, wie so häufig, Spinat, leider auch hier leicht versalzen. 

Wie immer serviert man dazu Fischsauce, die ich mir meistens über den Reis träufle.Stundenlang wurde gegessen, immer sehr zaghaft, mal ein Stückchen Fleisch und dann wieder redeten alle für 10 Minuten. Der Schnaps zeigte schon bald seine Wirkung, doch die Männer wurden nur immer lustiger, keineswegs agressiv.

Ich wärmte mich am Feuer, bis die Stimmung etwas zerstört wurde, als die Mädels nebenan zum Fernseh schauen gehen wollten und mich mit dorthin zerrten. Auch hier sah das Haus aus wie eine Garage. Blanker Beton Boden, ein kleines Bett, die Kinder dagegen lagen auf dem kalten Boden und sahen Fernseh, der in einer Schrankwand integriert war.
Mehr Räume gab es nicht, auch keine weiteren Einrichtungen.

Am nächsten Morgen wurde ich mit „com“ geweckt. Com heißt Reis und somit wusste ich
es gibt Frühstück. Der Nebel hing dicht über der Umgebung. Alles war nass und kalt. 
 

Es gab zum Frühstück die Reste vom Abendessen. Die Mutter kochte bereits wieder
Reisschnaps und die Kinder waren noch am Schlafen, während die Männer auf dem
Weg zu den Feldern waren.

Dankbar verabschiedete ich mich und radelte an dem Tag durch nicht enden wollenden
Regen und Nebel. 
 

Kurz vor Ha Giang, krachte es plötzlich an meinem Rad. Es dauerte etwas bis ich lokalisieren konnte, woher das Geräusch kam, bis ich die Radnabe vorne in Verdacht hatte.

Einige Km weiter entdeckte ich eine Werkstatt, bei denen ich in deren absolutem
Chaos einen 18‘er Schraubenschlüssel fand. Unter jeder Menge staunender
Männeraugen, fing ich somit an das Rad auseinander zunehmen.

Mehr als neu fetten, die Kugeln putzen und wieder einsetzen konnte ich nun leider
nicht machen. Das Geräusch war behoben, allerdings hatte die Nabe eine Macke
abbekommen, das Rad dreht sich nun leider bei weitem nicht mehr so gut.

Das letzte Mal hatte ich die Nabe in Kirgistan gefettet, das hätte ich mal deutlich
früher schon wieder machen sollen. Nun wird es dann bald Zeit für eine neue,
wobei die komplette Felge bereits mehr als 30.000km auf dem Buckel hat
und somit kann ich mich wohl eigentlich nicht beschweren.

Die Schaltung funktioniert nicht mehr richtig, die Ritzel sind abgefahren, der Mantel
vorne wird nicht mehr lange durchhalten, die Taschen sind nicht mehr wasserdicht,
ins Zelt regnet es rein, die Matte ist schon einige Male geflickt…die Sachen haben
gelitten auf den vielen Kilometern. 
 

In Ha Giang besorgte ich mir die nötige Erlaubis für meine geplante Strecke durch  die Provinz Ha Giang. Kleiner Aufwand und 10 $ später hatte ich den Schein. 

Doch dann regnete und regnete und regnete es und es wollte einfach nicht mehr aufhören.
72 Stunden am Stück schüttete es wie aus Eimern. Ich hatte somit einiges an Zeit verloren und strich meinen ursprünglichen Plan und nahm von Ha Giang den direkten Weg nach Osten, nicht weiter in Richtung Norden, ein kürzerer Weg sozusagen.
 

Anfangs ging es endlich mal ein paar km gerade aus, aber schon bald war ich wieder
inmitten der Hügel und Berge und es ging entweder rauf oder runter.

Wahnsinn, wie diese Gegend hügelig ist. Am Ende jeden Tages standen wie immer
mehr als 1000 Höhenmeter auf dem Tacho.

   

Vietnamesen sind Chaoten. Der Müll wird einfach am Ende des Dorfes die Böschung
runter geschmissen. Es wird gespuckt und gerotzt wie die Chinesen und natürlich
pausenlos gehupt.

 

  

In Restaurants sieht es nach dem die Gäste gegangen sind aus wie auf einem
Schlachtfeld. Essensreste, Servietten, Kippen, Plastikzeug etc. legt man nicht irgendwo
auf dem Tisch in eine Schale oder auf den Teller, nein man spuckt es, oder schmeisst
es einfach zwischen die Beine auf den Boden.

Zähne stochern ist der beliebteste Zeitvertreib nach dem Essen. Da wird am Tisch geredet
und aus Wasserpfeifen geraucht und dabei dem Gegenüber das ganze Gebiss gezeigt.
Die Fische, die man aus den Zahnlücken sammelt, spuckt man einfach vor sich hin.
Es sieht echt lustig aus, wenn da 10 Mann am Tisch sitzen und jeder stochert fröhlich
im Mund herum. Dazu immer Schnaps, viel Schnaps.

Eines Abends suchte ich eine Zeltstelle, denn bis zum nächsten Ort wäre es zu weit gewesen.

Neben einem offiziellen Gebäude sah ich ein wenig Rasenfläche und versuchte den Leuten
zu erklären, das ich dort gerne zelten würde. Doch das ging nicht. Ich sollte doch nur noch
15 Kilometer fahren, dann käme ein Hotel.

Es wäre vielleicht noch 1 Stunde hell gewesen und ich wusste erstens, dass es ganz sicher
mehr als 15 Kilometer bis zum nächsten Ort sind und außerdem, brauche ich in diesem
Gelände länger als 1 Stunde für 15 Kilometer. Ich ließ mich also nur bedingt auf die
Diskussion ein und versuchte ihnen klar zu machen, dass ich hier zelten werde,
denn eine andere Möglichkeit sah ich nicht.

Die Englisch Lehrerin des Ortes wurde angerufen und mit ihr versuchte ich zu einer Lösung zu kommen. Es gab in dem kleinen Nest ein Internat und dort war ein leerstehendes Zimmer was man mir anbot. Prima. Zudem wurde ich noch zum Abendessen eingeladen.

Es war eiskalt, viele der Kinder standen in der Küche neben dem Feuer und versuchten
sich zu wärmen. Heizungen scheint es in ganz Vietnam nicht zu geben, jedenfalls habe ich keine gesehen.

Es wurden drei Eier nacheinander im großen Wok gebacken und ich fragte mich wie alle
diese Kinder sich drei Eier teilen sollen? Am Ende waren die Eier extra für mich gebacken
worden, was mir ultra peinlich gewesen ist. Es gab dazu geröstete Erdnüsse, natürlich Reis
und wer hätte das gedacht, es gab Kartoffeln. Genial, endlich mal wieder Kartoffeln.
Zudem gebackener Kohl. Alles sehr schmackhaft.

Alle amüsierten sich über meine Größe. Die meisten Frauen gehen mir gerade mal bis
zu den Schultern. Eines der Kinder sah auffällig Europäisch aus. Sie hatte keine
Schlitzaugen, war größer als die anderen und hatte zudem braune, statt schwarze Haare. Ihre Haut war auch hellhäutiger und das Gesicht einfach nicht Asiatisch. Ob da der Großvater ein Amerikaner ist? 
 

Ich stellte mein Zelt in dem dreckigen Mehrbettzimmer auf. Räumte aber ersteinmal
den Müll aus dem Zimmer und kehrte den Boden sauber. Die Klos waren total versifft
und das ganze Internat war in einem desolaten Zustand.

Egal, ich hatte einen Platz zum Schlafen und darüber war ich sehr froh.

 

Die Landschaft war wunderschön. Reisterassen, Kalkwände und Karstberge so weit das
Auge reichte. Die Orte oftmals klitze klein. Kaum Verkehr, ab und an einmal ein hupender
LKW oder ein paar Mopeds, aber überhaupt nicht störend.

Ich kam durch ein paar Orte, in denen die Frauen einen auffällig hohen Haaransatz hatten. 
Zudem wickelten sie sich alle ein uraltes Handtuch um den Kopf. Doch so schnell diese
Gattung auftauchte, so schnell waren sie auch wieder verschwunden. Ein paar Kilometer
weiter sahen die Frauen wieder aus wie überall sonst auch.

Ganze 40 Kilometer und 1200 Höhenmeter später, kam ich dann an dem Hotel vorbei
über das die Englisch Lehrerin am Vorabend gesprochen hatte und sich ganz sicher war,
dass ich es noch vor dem Sonnenuntergang schaffen würde dort hinzukommen.  

Vietnamesen sind mindestens genauso neugierig wie Chinesen. Ich saß in einem kleinen
Lokal und packte mein Schreibzeug aus. Machte mir Notizen und legte alles zurück in
meine Plastiktüte und verstaute es wieder, als das Essen serviert wurde. Die Köchin
war so neugierig, dass sie die Tüte aus meiner Radtasche wieder heraus nahm und
mein Notizbuch einfach aufklappte. Natürlich ohne zu fragen.

  

Einige Male wurde bereits herzlich über die Situation gelacht, wenn mir wieder einmal
ein Hund hinterher lief und wie irre bellte. Was daran so lustig sein soll, konnte ich sie
leider nicht fragen.

  

 

Ein paar Westler mit geliehenen Mopeds kamen mir auf der Straße entgegen. Leider
reagierten sie nicht auf meine winkenden Handzeichen. Während sie sicherlich
zuvor in den Touristengebieten unterwegs waren und sich nun erhofft hatten in den
abgelegenen Bergen keine Touris zu treffen und somit  etwas genervt waren als sie
mich sahen, dachte ich mir, ach schade, warum haben sie denn nicht angehalten,
ich hätte doch so gerne mal wieder geredet. Za, so unterschiedlich können Perspektiven sein.

Doch abends hatte ich Glück und traf auf einen Mexikaner und einen Franzosen
mit denen ich über die Weltpolitik philosophierte.

 

Der letzte Abend stand an. Dong Dang, die Grenzstadt zu China. Ein seltsamer Ort,
voller seltsamer Vietnamesen, zudem lauter Busladungen von Chinesen, die zu einem
Tempel in der Stadtmitte pilgerten.

Furchtbares Karaoke Gegröhle, pausenloses Gehupe und Chaos. 

 
Ich sah das erste Mal gegrillte Hunde auf dem Markt und nachdem ich um Erlaubnis gefragt  hatte die Hunde zu fotografieren, fing der Marktstandbesitzer an massiv Geld dafür zu verlangen. Wie immer lachten alle aussenrum herzlich darüber, dass wieder einmal jemand versuchte dem Touri Geld aus der Tasche zu ziehen.

Ein Sport in Vietnam, den sie perfekt beherrschen.


An der Grenze fingerte der Vietnamesische Grenzer etwa 15 Minuten lang an meinem Pass herum. Allein wie die Grenzpolizisten meinen Pass oftmals behandeln, finde ich nicht gut.
Kann man nicht mit fremden Sachen etwas sorgsamer umgehen?

Wieso mein Pass nur 1 Jahr gültig ist, fragte er mich. Das wäre ja gar kein richtiger Pass maulte er vor sich hin. Worauhin ich erwiderte, dass das ganz sicher ein richtiger Pass sei und er mir doch einfach nur einen Stempel geben soll. Zudem sagte ich ihm, ich verlasse Vietnam, es kann ihm somit ja auch egal sein, was das für ein Pass sei.Nachdem er noch ewig an jeder Seite rumfingerte, sie ins Licht hielt, jeden Stempel begutachtete und den Pass immer wieder scannte und knickte gab er mir schlußendlich den Ausreisestempel.

Ich dachte mir nur so, naja nun wird es ja wieder noch eine Spur härter, China steht an und ich fragte mich kurzfristig warum ich mir das eigentlich noch ein weiteres Mal antue. 

Vietnam hat mir wie immer sehr gut gefallen. Die Landschaften, die Bergvölker und die
ruhigen Straßen waren klasse gewesen und ich könnte mir gut vorstellen, noch ein
weiteres Mal das Land zu besuchen.

Doch nun auf nach China.

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