Die Überfahrt war ruhig – ein Glück. Ich schlief auf dem Deck und liess mir den Wind um die Ohren blasen, was mir viel lieber war, als mir mit 10 Koreanern das Zimmer zu teilen. Ich hatte keine Lust mehr auf Koreaner, zudem bin ich eine Frischluft Fanatikerin und schlafe eh am liebsten draußen.

Die Besatzung waren Filipinos. Unheimlich liebe Leute, was mir schon so oft aufgefallen ist. Egal wo sie als Hilfsarbeiter arbeiten, sie sind immer freundlich und lebensfroh. Sicherlich auch eine Nation, die ich gerne einmal besuchen werde.

Vladivostok sah vom Boot nicht gerade einladend aus. Sowjetbauten, jede Menge Frachter und Militär und alles eben ziemlich Russisch.

Lustigerweise macht einem die Russische Behörde vom ersten Moment an klar, dass Russland kein Zuckerschlecken ist. Man schickt den Reisenden mit seinem ganzen Gepäck etlich viele Treppen rauf und wieder runter und dann wieder hinauf, um zur Einwanderungsbehörde zu kommen. Jeder war am keuchen.

Nachdem ich mit einem Business Visum eingereist bin, war ich kurz etwas unsicher, da ich keine Ahnung hatte, was ich hätte sagen sollen, wenn sie mir eine Frage zu meinem Business gestellt hätten. Ich wusste ja noch nicht einmal wer mich offiziell eingeladen hatte, da das alles von einer in Deutschland ansässigen Visa Agentur für mich organisiert wurde. Doch keiner fragte etwas, umso besser.

Anschliessend Röntgenkontrolle meiner Taschen, zudem Hundeinspektion meines kompletten Hab und Guts.

Nachdem mich sonst niemand willkommen hieß, sagte ich zu mir selber, „Willkommen im größten Land der Erde“. Russland, das 28. Land auf meiner derzeitigen Radweltreise.

Gespannt war ich, irre gespannt sogar. Das sind die besonderen Momente während einer langen Radreise. Ein neues Land, da kribbelt es immer am meisten. Wie werden die Leute sein?

Max, ein Österreicher, ist 2 Wochen vor mir eingereist und hatte mich schon mit einer Hiobtsbotschaft überrascht, denn ihm war bereits kurz vor Khabarovsk das ganze Rad geklaut worden. Er hat es zwar wieder bekommen, nur hatte vieles gefehlt oder war kaputt. Ich war also vorgewarnt.

Egor, mein warmshowers Gastgeber, holte mich am Hafen ab. Ein unheimlich netter Kerl. Er half mir die ersten Sachen zu organisieren und ich durfte bei ihm, seiner Freundin und deren Mutter die ersten 2 Tage übernachten.

Die Leute mit ihren kantigen, russischen Gesichtern und ihren 80’er Jahre Klamotten, waren teils wirklich freundlich. Ich wurde ein paar Mal angesprochen, wer ich denn bin und woher ich komme und das in gutem Englisch. Doch viele hatten leider auch diesen, aus meiner Sicher heraus typischen, russischen, strengen Gesichtsausdruck.

Die Mutter des Hauses verwöhnte mich mit einer ultra leckeren Borschtsuppe. Viel Kohl, Karotten, rote Beete, Kartoffeln und Fleisch werden zusammen gekocht und mit Dill verfeinert.

 

Ebenso gab es mein geliebtes Gretschka. Buchweizen, was ich seit Polen bereits lieben gelernt hatte. Endlich gab es auch wieder Kartoffeln und vor allem lagen Messer und Gabel auf dem Tisch.

Ich war wieder in Europa, alles war schon fast wie daheim. Irgendwie ein vertrautes und schönes Gefühl. Ich freute mich auch darauf, endlich mal eine Pause von fremden Kulturen zu haben, von so extrem anders denkenden Menschen, was mir zuletzt in Korea wirklich sehr schwer gefallen ist.

Meine Beschwerden waren, wie der Arzt gesagt hatte, bereits nach der Bootsfahrt ausgestanden. Erschreckend wieviel Smog es somit in Korea haben muss.

Die Koreaner meinten es komme alles aus China.

Leider musste ich bereits los, denn ich hatte nur 90 Tage und mein geplanter Weg nach Magadan ist weit. Eines war jedenfalls sicher, die Leute dachten alle ich habe eine Macke, dass ich die 5000km bis Magadan radeln will. Vor allem erwähnten sie gerne immer wieder die vielen Bären, den Sibirischen Tiger und die vielen Kriminellen, die in der Gegend leben.

Nun ja, das kenne ich ja. Ich werde ja immer wieder vor irgendwelchen Gegenden und Nachbarn gewarnt. Mir machte nur der Zeitdruck Bauchschmerzen, denn ich will nicht nur durchrasen irgendwo, sondern auch etwas davon haben.

Auch bin ich ein wenig müde geworden. Der Biss vom Anfang ist nicht mehr ganz so da. Die Kraft ist ein wenig auf der langen Reise verloren gegangen und nicht nur die Beine, sondern auch der Kopf sind nicht mehr so frisch und willig wie noch vor 6 Monaten.

 

Am 3. Tag ging es im leichten Regen los, der sich schnell in strömenden Regen verwandelte und nicht mehr aufhören wollte, bis ich 90 km später, nach vielen Auf- und Abstiegen, meinen nächsten warmshowers Übernachtungsplatz erreichte.

Ich war trotz Regenklamotten patschenass bis auf die Unterhose.

Anton und Alena leben in einer Plattenbausiedlung. Kaum Farbe, kaum Freundlichkeit, viel grau.

Um sie zu finden, hatte ich ein paar Leute angesprochen. Das reservierte Verhalten mancher war schon sehr amüsant. Da wird mit den Schultern gezuckt und mir verdeutlicht, was geht mich das an, oder aber man hatte mich einfach ignoriert.

Es schien viele Leute nicht im geringsten zu interessieren wer ich bin.

Vielleicht sind sie einfach auch überfordert und schieben den Gedanken beiseite. Doch gab es ebenso das Gegenteil, denn ich traf eine Frau, die mir genau erklärte wo ich lang musste. Eine so detaillierte Erklärung, wie ich sie auf der langen Reise nur super selten bekommen habe.

Man kann sich das sicherlich nicht vorstellen, aber ich freue mich immer total, wenn ich auf Menschen stosse, die was drauf haben. Von denen ich eine Auskunft bekomme, die gebildet sind und denen ich nicht das „1x1“ immer wieder von vorne erklären muss.

Ich hoffe es klingt nicht arrogant, aber es ist einfach auf Dauer sehr anstrengend, wenn Leute so gar nicht mal mit denken und kapieren wollen was ich frage.

Oder eben auch oftmals überhaupt keine Ahnung haben und mir die Antwort gar nicht geben können. Da sind solche Begegnungen einfach Gold wert und Honig für die Seele.

 

Alena stellte mich noch ihrem lustigen Freund vor, der mich mit Leuchtraketen gegen die Bären ausstattete und mir erklärte wie ich sie zu benutzen habe.

„Pass auf Dein Zeug auf. Lass Deinen Geldbeutel nicht auf dem Tisch liegen und schau Dich um. Das ist Russland hier,“ gab er mir noch als Tipp mit auf den Weg.

Er meinte zudem ich solle lieber nach Sakhalin radeln, die größte russische Insel nördlich von Hokkaido/Japan. Das wäre eine viel kürzere Strecke, weniger Stress und eine sehr schöne Gegend. Von da wäre es super einfach per Fähre nach Japan zu kommen und nicht so aufwendig und

teuer wie von Magadan.

Abenteuer hätte ich da auch genügend.

Bei strahlendem Sonnenschein war ich wieder auf der Strasse. Es war mehr Verkehr als ich dachte. Ein Glück hatte ich wieder einen Spiegel am Lenker, den ich mir kurz zuvor noch besorgt hatte und so fuhr ich bei jedem LKW sicherhaltshalber in den Schotter, denn der Standstreifen war nicht mehr

geteert und die Strasse nicht sonderlich breit.

Die vielen Kreuze an der Strasse beunruhigend mich und als ich einen sturzbesoffenen Beifahrer aus einem LKW ausstiegen sah, war ich doppelt gewarnt. Auch gab es einige Raser, die mich ziemlich nervten.

 

Die Landschaft war bezaubernd. Viel Weite und alles wunderschön grün. Wiesen, Wälder, Hügel und in der Ferne kleine Berge. Ab und an Flüsse oder auch richtige Sumpfgebiete. Kein Beton, keine Zersiedlung, keine menschlichen Hinterlassenschaften, nur Weite. 

Zelten war nicht einfach. Führte ein Feldweg von der Strasse ab, endete er im hohen Gras oder in einem Dorf. 

 

Ich fuhr in einem Dorf die Strasse hoch und runter und überlegte wo ich fragen sollte. Es wurde bald dunkel und ich musste mich entscheiden. 

Wenn ich in Richtung Haus kam und dabei versuchte über den hohen Zaun zu schauen, ob es vielleicht Grasflächen ums Haus herum gab, auf denen ich mein Zelt aufstellen könnte, sprangen mir die vielen, riesigen Wachhunde entgegen und kläfften irre laut. Nirgends war es sonderlich einladend.

Allermeistens gab es sowieso keinen Rasen. Die Leute nutzen die kleinen Flächen um Gemüse anzubauen und hinterm Haus war Acker, oder wieder meterhohes Gras.  

 

Ich fing an zu fragen und man schickte mich zum Bahnhof. Einer der vielen Bahnhöfe entlang der Transsibirischen Eisenbahn. Dort hatte es kleine Zimmer für die Nacht. Toiletten gab es keine, aber das war mir völlig egal. Ich gebe zu ich war heilfroh um die Möglichkeit in einer sicheren Umgebung die Nacht zu verbringen.

500 Rubel kostete das Bett, für 12 Stunden.  

Und tatsächlich, genau 12 Stunden später klopfte es an der Türe. Aha, die nehmen das hier also ganz genau.

 

Viele der Leute sind leider sehr dick, vor allem die Frauen. Magazin, so heissen die kleinen Läden, in denen man alles bekommt, was es früher bei uns bei Tante Emma gab. Richtig gemütliche Dorftreffs, in denen ich irgnoriert werde wenn ich eintrete. Ich glaube nicht aus Ablehnung heraus, sondern aus dem Schock heraus, wer ich denn wohl bin.

Frisches gibt es im Magazin kaum zu kaufen. Wenn dann viel Wurst und Käse und viele viele Bonbons. Ab und an ein Apfel oder mal eine Banane. Ab und zu sitzen Bauern am Strassenrand und verkaufen frisches vom Acker.

Honig und Eier kann man teils bei den Leuten direkt am Haus kaufen.

 Bremsen und kleine Mücken begleiteten mich über weite Strecken.Ziemlich nervig diese Biester.  Ich war bereits 120 km an dem Tag geradelt, als mich zwei junge Russen mit demRad überholten, die am Vortag 240 lange km geradelt waren. Allerdings hatten sie kaum Gepäck und waren halb so alt wie ich.

Früher hätte mich das gefuchst, heute stehe ich dazu und muss kein Rennenmehr gewinnen. Nein, mein Rennen heißt die Welt erleben und das ist vielspannender und intensiver und je langsamer desto mehr erlebt man. Das wusste ich in dem Alter der beiden Jungs allerdings auch noch nicht.

Manchmal ist einfach auch angenehm, wenn man schon ein bisschen älter ist.Sie wussten bereits wer ich bin, denn sie kannten Egor aus Vladivostok.

 Der Verkehr wurde weniger und langsam aber sicher freundete ich mich ein wenig mit dem Land an. Ich aß mein Müsli am Strassenrand oder gönnte mir für wenig Geld Kartoffelbrei mit Frikadellen in einem der Trucker Cafes, die es etwa alle 30 km an der Strasse gibt. Besonders schmackhaft ist das Essen allerdings nicht.

Eigentlich scheint jeder Russe das Motto zu verfolgen: Je mehr Mayonnaise,desto besser! Und somit besteht das Essen, egal was es ist,  aus viel weisser Creme.

 

Was mir gleich auffiel waren die verschlossenen Getränke Kühlschränke, die es anden Rastplätzen und teils auch in den kleinen Dorfläden gibt.

Man kann sich hier nicht einfach ein Getränk aus dem Kühlschrank nehmen, nein, nur das Personal hat Zugriff. Die Waren sind alle hinter der Theke, nie davor. In einem kleinen Dorf irgendwo im Nirgendwo, finde ich das schon sehr bedenklich. Es scheint hier wirklich niemand dem anderen zu trauen.

Kein Wunder also,dass die Leute auch mir nicht trauen und mich wie einen Eindringling behandeln.

Es wurde bereits dunkel, als ich immer noch nichts geeignetes für die Nacht hatte. An einer super schäbigen Trucker Unterkunft wollte der Besitzer 900 Rubel. Der spinnt ja dachte ich und ich drehte mich grußlos um und fuhr weiter.

  

An diesem Abend, in dieser speziellen Gegend, waren die Leute und deren kläffenden Hunde besonders gruselig gewesen. Arme Leute, aber auch irgendwie heruntergekommen. Sicherlich habe ich auch Vorurteile in mir stecken, aber wenn mir an jeder Eingangstüre ein Hund entgegen gesprungen kommt und mich wild ankläfft und ich zudem in viele Miesepeterlaune Gesichter schaue, ohne Herzlichkeit,kalt und abweisend, dann dauert es eben etwas länger bis man Vertrauen bekommt.

Ich fuhr in meiner Verzweiflung wieder zum Bahnhof, in der Hoffnung, dort noch einmal etwas zu finden. Doch alles war dicht und sah nicht nach einer Unterkunft aus. In einem Laden gegenüber zeigte man mir an welcher Türe ich klopfen muss und ich hatte Glück.

Alleine hätte ich die Unterkunft nie gefunden.Für 350 Rubel (etwa 6 Euro) bekam ich ein Bett und eine heiße Dusche. Prima.Überall roch es nach Zigarettenrauch und Alkohol. Grußlos begegnete man mir in der Küche. Die Männer ignorierten mich komplett und waren unheimlich laut.Einfache Leute.

Doch die Frau des Hauses war eine liebe Dame, die mich herzlich aufnahm.

 

Gegen 22 Uhr klopfte es an der Türe. Polizei.Ich war bereits im Bett gelegen und versuchte sie abzuschütteln. Eine Frau sprach gutes Englisch und so konnte ich argumentieren ich schlafe schon.

Doch um 9 Uhr morgens standen sie schon wieder auf der Matte. Es regnete, so war ich noch nicht im Aufbruch.

Ich sollte ein paar Fragen beantworten,die mir etwas seltsam vor kamen.

„Wie haben Sie diese Unterkunft gefunden? Warum sind Sie hier? Was für eine Karte benutzen Sie und können Sie uns die Karte zeigen? Wie sind sie nachRussland gekommen? Warum sind Sie in Russland?

„Warum fragen Sie mich das alles?“

„Dort drüben ist die Chinesische Grenze, da ist jeder verdächtigt, der hier her kommt“,bekam ich als Antwort. Sie war wirklich sehr freundlich. Hatte viel Gold umhängen. Gepflegtes, sicheres, intelligentes Auftreten. Sehr gutes Englisch.

Die Männer dagegen ohne Scharm und trocken wie uralte Brötchen. Ich wurde noch fotografiert und dann waren sie auch schon wieder weg, die fünf Leute, die da wegen mir gekommen waren.

  

 

 Ich fragte mich jeden Tag, was ich hier eigentlich mache. Einerseits war es spannend,die Landschaft war schön und alles was nicht leicht zu bewältigen ist, hat ersteinmal einen gewissen Abenteuer Reiz.

Doch auf der anderen Seite, konnte ich einfach keinen Zugang zu den Menschen bekommen. Etwas was so wichtig ist,wenn man alleine unterwegs ist. Ein Trucker hielt an und fragte nach Sex. Ich machte das ich weiter kam. Er überholte mich, hielt aber keine 500m entfernt wieder an. Ich wartete ab was passieren wird,änderte die Fahrtrichtung und war froh, als weitere LKWs die Strasse entlang kamen. Irgendwann fuhr er weiter.

Ein weiterer LKW Fahrer stoppte und wollte mir eine Mitfahrgelegenheit geben. Sicherlich war es lieb gemeint, aber es verunsicherte mich alles nur noch mehr.

  

Egal wo ich hin kam, schaute ich in strenge, unfreundliche, abweisende Gesichter. Es gab Ausnahmen, aber leider wenige.

Ein weiterer Abend, nach einem langen Tag auf der Strasse stand an und wieder fragte ich mich wo ich heute übernachten sollte. Zwischendurch hatte ich bei einem sehr netten Russen auf einer Art Sportplatz gezeltet und hoffte an diesem Abend noch einmal auf so eine glückliche Begegnung.

  

  

 Ich fuhr von der Hauptstrasse und der sumpfigen Gegend ab in Richtung eines Dorfes. Das Dorf war vollkommen runter gekommen. Eine sehr arme Gegend. Bretterbuden,wieder nur kläffende Hunde und leider kaum jemand auf der Strasse.

Die Sonne war bereits untergegangen, die vielen Moskitos schwirrten um mich herum, doch war das das kleinste Problem. Ich war nervös. Das Dorf behagte mir gar nicht,aber ich hatte kein anderes zur Auswahl, denn die Dörfer liegen weit auseinander.

Die Umgebung war nur Sumpf, somit unmöglich irgendwo anders versteckt zu zelten. Ich fragte an einem Haus und wurde von einer alten Frau brüllend abgewiesen,ohne meine Frage überhaupt stellen zu dürfen. An einem anderen Haus waren die Leute etwas freundlicher, aber zelten durfte ich trotzdem nicht.

Ein junger Mann kam des Weges, dem ich meinen übersetzten Zettel zeigte und er mir das erste freundliche Lächeln schenkte, was mich etwas beruhigte. Er führte mich zu seinem Kumpel, der mir keinen einzigen Blick zu warf und mein grüssen einfach ignorierte. Sie diskutierten und telefonierten und ich stand nervös auf der schlammigen Dorfpiste.

Ein Glück kam eine Frau aus dem Haus gelaufen, so war ich nicht die einzigste weibliche Person in dieser Ecke des Dorfes. Doch auch sie ignorierte mich komplett, als ich sie grüßte. Als ich nach etwa 30 Min eine Stelle zugewiesen bekam,auf der ich zelten durfte, erfand ich noch kurz die Ausrede, dass ich noch schnell im Magazin einkaufen gehen wollte.

Ich nutzte die Zeit noch nach einer Alternative zu schauen. Doch das Dorf an der anderen Ecke war noch viel verwahrloster und noch gruseliger und mit noch mehr kläffenden Hunden bestückt. Der Typ war also die beste Wahl,wenn ich ich mich auch null willkommen fühlte.

 
Seine Hunde kläfften non stop, doch waren es keine agressiven Hunde. Ich war am Ende einfach nur froh, als ich im Zelt saß und den Reissverschluß hinter mir zumachen konnte. Der Besitzer ging immer wieder rein und raus und verrammelte dabei jedes Mal sein Haus, als hätte er Goldmünzen gelagert. In so einem kleinen Dorf, ist das doch wieder einmal sehr beunruhigend.

Jedes Mal kläfften die Hunde wie irre und ich dachte, na das wird eine tolle Nacht werden. Schon bald kam jemand zum Zelt und fragte mich nach Vodka. „Nein danke“erwiderte ich und der Kerl verschwand wieder.

Ich weiß nicht, wie oft die Türe noch auf- und zugeschlossen wurde, wie lange die Hunde noch bellten, ich schlief irgendwann vor Müdigkeit und auch Erleichterung einfach ein. Auch diese gruselige Nacht ging vorrüber. Ich packte morgens meinen Kram und wieder ignorierten mich alle.

Keiner schenkte mir einen Blick und wortlos verschlossen sie die Türe hinter sich, als ich gerade abfahrbereit war und mich noch verabschieden wollte.

   

 Der Verkehr wurde wieder viel dichter und die Wildnis hatte ich mir irgendwie ein bisschen anders vorgestellt. Ich zweifelte noch mehr an meinem ganzen Vorhaben und war mir gar nicht mehr so sicher ob ich wirklich nach Magadan radeln möchte.

 

Khabarovsk, die erste große Stadt nach 800km war erreicht und ich nistete mich in einem Hostel ein und nutzte den sicheren Hafen um mich wieder auf normal Null zubekommen. Ich überlegte wie es weiter gehen soll und nutzte die Zeit meine Route zu überdenken.

Ich nahm Kontakt mit Max auf, der Radler, der bereits etwa 1500km weiter als ich in Richtung Baikal unterwegs war. Er bestätigte mein Gefühl, denn auch er hatte seine Schwierigkeiten, sich mit den Russen anzufreunden und nicht nur, weil ihm das ganze Rad bereits geklaut wurde. Die Landschaft würde sich nicht stark ändern und er kann mir den Weg nicht wirklich empfehlen. Der Verkehr würde etwas weniger werden, aber von Idylle wäre keine Spur.

Nach einer Woche in einem seltsamen Hostel, musste ich weiter, wenn mich auch nichts wirklich auf die Strasse zog. Doch auch das Hostel war nicht wirklich kuschelig. Kurz saß ich am Bahnhof und erkundigte mich nach den Preisen für einen Abstecher mit der Transsib nach Hause.

Ich hatte überlegt, ob ich das 90 Tage Visum einfach für einen Heimatbesuch nutzen sollte. Doch am Ende wollte ich nicht mit so einem schlechten Gefühl im Bauch das Land verlassen. Die Unterbrechung der Reise hätte zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt erfolgt und ich wollte das Risiko nicht eingehen einzubrechen.

Ich wollte weiter. Ich wollte Russland sehen. Ich wollte die Welt sehen. Eine Entscheidung war gefallen und ich entschied mich für die Insel Sakhalin. Wenn ich auch meinem Ursprungsplan Magadan noch etwas nach trauerte, glaubte ich, sei das der beste Kompromiss. Weniger Verkehr und dafür mehr Wildnis und weniger Radlstress. Und hoffentlich nettere Menschen.

 

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