Wieso farbenfroh? Weil es hier alle Hautfarben dieser Welt zu finden gibt – ein Land mit extrem vielen ethnischen Gruppen, die, so kam es mir vor, kunterbunt und fröhlich zusammenleben und trotz allem ihre eigene Kultur bewahrt haben.

Ein so extrem freundliches Volk, dass ich meine Motivation, die mir in Mexiko vollkommen verloren gegangen war wiedergefunden hatte. Mein Lachen und meine Freude am Reisen ist dank diesen wunderbaren Einwohnern fast schon wieder da, wo es lange Zeit zuvor immer war!

Die Fröhlichkeit hat mich angesteckt und ich lachte wie früher jedem den ich sah herzlich an und sagte zu jedem Hallo und bekam von allen Seiten ein herzliches Lächeln zurück geschenkt.

Das Leben kann so einfach sein, so voller Energie und Verbundenheit, man muss nur einfach freundlich zueinander sein!

Danke Belize!!!

Der Iran und Taiwan waren für mich bisher die freundlichsten Länder auf dieser Reise, Belize gehört nun mit dazu. Kein betörend schönes Land, zumindest das Festland nicht. Auch kein spannendes Radfahrerland, weil man, wenn man denn möchte, in ein paar Tagen die paar hundert Kilometer geradelt sein kann, die es braucht um es zu durchqueren.

Doch ein Land was mich extrem begeistert hat, weil es voller Leben steckt, voller Freude und voller liebenswertem Kulturmix. Und zudem so total anders ist als all die Nachbarländer die das winzige Land umgibt.

Ich blieb die vollen 30 Tage die mir mein Visum erlaubte und ich war am Ende traurig, dass die Zeit so schnell vorbei war.

Ich weiß nicht ob meine Freude über das Land auch so groß gewesen wäre, wenn ich zuvor in einem anderen Land unterwegs gewesen wäre. Auch bei dem Iran war es so, dass ich zuvor in der Türkei so viel Stress hatte und durch den Iran so viel Herzlichkeit wiedererlangen konnte. Aus China kommend war Taiwan ein Paradies. Und so schien es auch diesmal wieder zu sein. Belize war mein Auffangbecken und so extrem wichtig für mich.

Doch nun mal zu dem Kultur Mix hier in Belize. Es gibt die Kreolen, die ein Englisches Kauderwelsch sprechen und ursprünglich Afrikaner sind. Dann die Garifuna, ebenso Schwarze aus Afrika, die als Schiffbrüchige Sklaven hier strandeten und ihre Sprache erhalten haben und den Karibischen Flair ins Land gebracht haben.

Die Mennoniten, die aus dem Friesischen in die Welt hinausgezogen sind und hier gelandet sind um ihre extreme Religiosität auch weiterhin leben zu können. Dazu die weißen Expats, die oftmals als Missionare aus den USA hierher gekommen sind und ihre Spuren in fast jedem Dorf hinterlassen haben oder sich unabhängig von ihrem Glauben einfach nur eine zweite Heimat gesucht und hier ein neues Leben angefangen haben.

Die Coolies, aus Ost-Indien die vor allem im Süden leben. Chinesen, die die Supermärkte unter Kontrolle haben und nicht sonderlich beliebt sind. Die Mayas, die sogar innerhalb des kleinen Landes noch in zwei Sprachgruppen unterteilt sind und natürlich die Mestizen die auch weiterhin Spanisch sprechen.

Amtssprache ist Englisch und die Queen ziert auch heute noch die Geldscheine. Und was ich richtig klasse fand, dass wirklich nahezu jeder auch Englisch spricht und es mir dadurch eine ganz neue Welt eröffnete. Eine Möglichkeit außerhalb der westlichen Welt sich mit Einheimischen jederzeit und an jeder Ecke richtig unterhalten zu können. Genial, nach der ewig langen Durststrecke in Mexiko.

Doch nun erst einmal der Reihe nach.

Nachdem ich aus Guatemala kommend an der Grenze stand, wusste ich bereits dort, das wird mein Land! Die ersten Tage ging ich es ganz langsam an, fuhr ein paar Kilometer und stoppte in jedem noch so kleinen Dorf und beobachtete das bunte Treiben, redete mit nahezu jedem den ich traf und tastete mich langsam an das neue Land heran.

In San Ignacio waren es dann die Garifuna, die mich faszinierten und die ich länger und intensiver kennenlernen wollte, auch die Inder bei denen ich sofort ein Indisches Essen bestellte und wieder einmal feststellte wie gut doch Asiaten kochen können, und wie sehr einfallslos doch die Lateinamerikanische Küche bisher war.

Es war schon fast wie im Traum. So ein extrem kunterbuntes Treiben was hier herrschte hätte ich so nie erwartet. Obwohl dieses kleine Kaff kurz hinter der Grenze bereits das „Ende der Welt“ Gefühl vermittelte, war es auf der anderen Seite fast schon so international wie die Fifth Avenue in Manhattan.

Einfach dasitzen, quatschen, beobachten und genießen – besser als jeder Film der langweilig auf der Leinwand abläuft. Auch wenn ich eine begeisterte Kinogängerin bin 😉 oder besser gesagt war, schließlich war ich seit mehr als vier Jahren in keinem Kino mehr.

“Eh Babe – what’s up babe!” In etwa so wird man hier von den Garifuna begrüßt, oder noch direkter, „Oh diese schönen blauen Augen, diese zarten Lippen, küss mich, ich will Dich spüren“.

Nun ja, das muss man mögen oder einfach, so wie ich, es mit einem Schmunzeln ignorieren. Doch eines faszinierte mich, denn sowohl die Frauen, als auch die Männer sind wunderschöne Menschen. Jeder schaut gerne, so auch ich und die Männer waren richtig attraktiv. Tolle Figur, athletisch, interessante Haare und tolle Ausstrahlung. Ganz großes Kino.

Aber auch die Frauen waren extrem schön. Normalerweise achte ich nicht sonderlich auf das Aussehen oder die Ausstrahlung von Frauen. Ich sehe sie weder als Konkurrenz noch als Vorbild an und ich vergleiche mich nicht mit ihnen oder wenn dann nur sehr selten. Wenn sie mich beeindrucken kann ich ihnen das allerdings mit voller Überzeugung sagen.

Diese Frauen hier waren eine andere Liga. Wie sie sich bewegten, ihr Haar zurecht machten, wie sie mit aufrechtem Gang fröhlich und wunderschön durch die Straßen schlenderten, oder ihren fülligen Hintern wie im Entengang hin und her watscheln ließen. Ich war völlig hingerissen. Einfach klasse.

Ein deutsches Ehepaar stolperte mir über den Weg und fing an mir Fragen über meine Reise zu stellen. Ich hatte das erste Mal seit Beginn meiner Reise eine kurze Hose an, da ich in Belize rundherum nur Frauen in kurzen Hosen sah, hatte ich keine Bedenken sie zu tragen. Die Hitze war mittlerweile mit langen Hosen eigentlich nicht mehr zu ertragen.

Meine weißen Beine die da zum Vorschein kamen sahen aus wie die einer rothaarigen Irin, doch musste ich mir sagen lassen, dass man natürlich nicht mit kurzen Hosen in Islamischen Ländern unterwegs sein sollte, da ich die Frage die sie mir stellten in welchem Land ich Schwierigkeiten hatte mit „Türkei“ beantwortete.

Jaja, wir Deutschen haben schon oft die Art an uns die Besserwisser zu spielen.

Spanish Lookout war mein nächster Stopp – vielleicht gerade einmal 15 Kilometer weiter kam ich in eine völlig neue Welt. Aus schwarz wurde hell blond und blauäugig. Hier leben die Mennoniten, die mit ihrem seltsamen „Low German“ wie sie es bezeichnen, ihr uraltes Friesisch bewahrt haben. Für mich schon fast wie Chinesisch.

Aus den Bretterbuden der anderen Orte, wurde saubere deutsche Wertarbeit. Alles pikobello. Hier sah man die fleißigen Leute in den wohl am besten sortierten Baumärkten, die es seit den USA zu finden gab.

Hier wird Landwirtschaft im großen Stil betrieben und die modernen Mennoniten die hier leben unterscheiden sich extrem von den konservativen Mennoniten in anderen Gegenden des Landes, doch dazu später mehr.

Eine Familie lud mich ins Haus ein und ich durfte im Keller schlafen. Die Kinder werden zu Hause unterrichtet und machten einen cleveren Eindruck. Am Abend ging ich mit zum Gottesdienst, der in einem extrem modernen Kirchengebäude stattfand, bei dem ich eher an die USA erinnert wurde, als an Deutschland.

Zu später Stunde durfte ich noch mit ins Esszimmer und wir unterhielten uns und tauschten Gedankengänge aus. Auf der einen Seite war mir diese Welt vertraut und auf der anderen doch so sehr fremd und es dauerte nicht lange bis mir klar wurde, dass unsere Welt nicht unterschiedlicher sein könnte.

Nicht Mennoniten dürfen in Spanish Lookout nicht leben, sondern nur arbeiten. Es gibt einen eigenen christlichen Radiosender, eine eigene Bank, eigene Schule und sogar ein traditionelles Mennoniten Essen.

Die nette Familie zeigte mir das ganze Dorf und es war ein wirklich interessanter Ausflug.

Von dort ging es zurück auf die Hauptstraße, doch kam ich nicht weit. Es fing an zu schütten und ich verschanzte mich in der Nähe einer Militäranlage. Nachdem es bereits dunkel wurde fragte ich beim Militärposten ob ich evtl. nebenan mein Zelt aufstellen könnte. „Klar kein Problem“, wurde ich herzlich empfangen.

Ein Kreole trank an einer kleinen Bude ein Bier an dem ich mich gerade unterhielt um ein bisschen mehr über das Leben in Belize zu erfahren. Er war bereits betrunken und hatte wohl irgendetwas in den falschen Hals bekommen, als er total ausrastet und mich anschrie was mir Amerikanerin einfallen würde so etwas Rassistisches zu ihm zu sagen. Er beschimpfte die Amerikaner, die USA und machte jeden um sich herum einfach nur dumm an.

Der Besitzer der Bude gab mir ein lieb gemeintes Zeichen, ich solle besser gehen und somit machte ich, dass ich weg kam. Der Betrunkene lief zum Militärposten und wollte sich über mich beschweren und eine endlos Diskussion fand statt. Erst war ich überrascht wie sehr höflich das Militär auf ihn reagierte doch irgendwann eskalierte es total und am Ende fingen die Soldaten an ihn zu treten bis er das Weite suchte.

Puh, ein wenig nervös war ich da zugegebenerweise schon und ich war froh um meinen sicheren Zeltplatz.

Zurück auf der Straße durchstreifte ich mehrere Dörfer in denen weiterhin fröhliche Menschen wohnten mit denen ich immer wieder ganz einfach in Kontakt kam. Die Häuser waren oftmals sehr schäbig. Der Karibik Flair extrem präsent und der kunterbunte Mix aus den unterschiedlichen Hautfarben der Leute war einfach klasse.

Kriminalität soll hier nicht niedrig sein, doch ich habe wieder einmal nichts Negatives gesehen. Ich stellte mein Fahrrad wie immer einfach vor dem Supermarkt ab, kaufte ein und es kam nie etwas weg. Nirgendswo.

Doch vermeide ich in der Dunkelheit zu fahren und habe glaube ich schon ein Gespür für brenzlige Situationen.

Über eine der wohl kleinsten Hauptstädte der Welt, Belmopan, in der ich vergeblich nach etwas interessantem Ausschau hielt, ging es auf dem Hummingbird Highway weiter.

Die nächste Station waren die Mennoniten in Springfield.

Eines vorweg, die Begegnung und die Zeit bei den Mennoniten in Springfield war mit das spannendste was ich auf meiner Reise erlebt habe. Die konservativen Mennoniten, im Gegensatz zu den Spanish Lookout Mennoniten, leben abgeschirmt von der Außenwelt. Ohne Strom und ohne Maschinen ernähren sie sich von den Feldern die sie selber bewirtschaften.

Die Zeit ist hier vor langer Zeit stehen geblieben. Bei Petroleumlampenlicht und Quellwasser, dass man mit der Kutsche herbeischafft leben sie ein Leben mit Gott. Kleiden sich wie vor 200 Jahren und tragen alle dasselbe. Die Männer Strohhüte und selbstgenähte Hosen mit Hosenträger, dazu ein blaues Hemd. Die Frauen ein langes ebenso selbstgenähtes Kleid, in verschiedenen dezenten Farben das extrem konservativ geschnitten ist. Dazu ein Kopftuch welches am Hals zusammengebunden wird.

Plumpsklo, Holzofen, Eingemachtes, selbstgemachte Erdnussbutter, selbst gebackenes Brot und nahezu nichts auf dem Tisch was sie nicht selbst gemacht haben.

Ich war sofort extrem willkommen. Obwohl viele der Mennoniten doch sehr scheu sind, hatte ich nicht den Eindruck meine Anwesenheit war irgendjemandem unangenehm. Ich ging wie immer offen auf die Leute zu und war bereit zu lernen, für mich immer noch der Grund Nr.1 warum ich unterwegs bin.

Eine ältere Dame, Anfang 60, lud mich zu sich ein. Sie hat 13 Kinder und kommt aus einer Familie mit 17 Geschwistern.

Vor dem Mahl wird gebetet, aber jeder für sich, kein Tischgebet. Küchenarbeit ist Frauenarbeit. Die Männer dürfen als erstes anfangen zu essen und stehen vom Tisch auf sobald sie fertig sind, auch wenn andere noch essen.

Mennoniten möchten nicht fotografiert werden, was ich persönlich sehr schade fand, aber natürlich respektierte und so kann ich Euch diese doch so fremde Welt in der ich da eintauchen durfte nicht zeigen.

Um 6 Uhr wurde ich zum Frühstück geweckt und um 7 Uhr ging es mit der Kutsche zur Kirche. Eine extrem genial gefederte Kutsche, die wirklich über jeden Stock und Stein einfach so hinwegfegte.

Ein Bild, dass ich wohl nie vergessen werde. Das ganze Dorf fuhr mit ihren Kutschen oder lief zur Kirche. Alle die gleichen Klamotten, die Männer alle den gleichen Topfdeckel Haarschnitt – der wirklich ungelogen ein Topfdeckel Haarschnitt war. Dazu Nikolausbärte die bald schon bis zum Bauchnabel reichten. Manchmal musste ich innerlich wirklich grinsen, es war alles wirklich nicht von dieser Welt, doch extrem spannend.

Getrennt standen Männer und Frauen auf beiden Seiten der Kirche und stellten sich im Halbkreis auf. Nun gaben sich die Frauen für sich und ebenso die Männer für sich jedem die Hand oder einen Kuss und sagten sich Guten Morgen.

Schon witzig, da ist man in Belize und ist plötzlich der Heimat näher als je zuvor in den letzten 4 Jahren und doch ist alles so extrem fremd, dass es fast schon wie ein Film auf mich wirkte der vor 2 Jahrhunderten spielte.

Das Gesangsbuch war in Altdeutsch geschrieben, die Lieder dieselben altbackenen Lieder wie ich sie zum Konfirmationsunterricht lernen musste.

Die ewig lange 3 stündige Predigt endete mit dem Thema, dass einer der Teenager im Geheimen die Frage gestellt hatte, was es denn dort draußen in der anderen Welt zu sehen gibt?

„Die Welt hat nichts zu bieten“ wurde dazu vorgelesen.

Ein Satz der mich doch sehr traurig stimmte.

Die Kinder gehen nur 8 Jahre lang zur Schule, wobei nur 6 Monate im Jahr unterrichtet wird. Zu den anderen Zeiten müssen sie mit auf den Feldern helfen. Der Staat scheint sich nicht einzumischen und wohl genau deswegen haben sie Belize als ihre Heimat gewählt.

Die meisten Mennoniten bleiben der Gemeinde treu. Klar, nur mit Bibelwissen kann man heutzutage in der Welt nicht mehr überleben, daher bleibt ihnen ja wahrscheinlich nur diese kleine Welt. In der es kein Radio, kein TV, kein Internet und keine Zeitung gibt.

In der einige den Namen des neuen amerikanischen Präsidenten nicht kannten und nicht wussten, dass seit Jahren Krieg in Syrien herrscht.

Ich wurde sogar ernsthaft gefragt wie wir Deutschen es schaffen, dass wir nur so wenig Kinder in die Welt setzen.

Natürlich kann ich nur beobachten, aber die Leute machten einen ausgeglichenen Eindruck und Gott und die Bibel ist ihr Leitfaden, alles andere scheint falsch und Zeitverschwendung zu sein.

Zum Mittagessen war ich bei anderen Leuten eingeladen und der Familienvater startete die Ansprache an mich mit den Worten „So, Du bist Reisende“. Und er erzählte uns dann von seiner einzigen Reise und dem größten Abenteuer seines Lebens, als er 1972 mit dem Auto von den USA nach Paraguay gefahren ist und erklärte mir wie genau man den Darien Gap überquert. (Zwischen Panama und Kolumbien gibt es keine Straßenverbindung und der Darien Gap ist berüchtigt für Drogenschmuggel).

Er war überzeugt, dass seine gemachten Erfahrungen und der Name des Schiffs heute noch aktuell sind.

Es war also sein größtes und einziges Abenteuer und er setzte noch hinzu, dass er so etwas Spannendes sicherlich nie wieder erleben wird. Schade nur, dass er es seinen eigenen 10 Kindern nicht zu gönnen scheint die Welt ebenso zu erleben und selbst zu entscheiden ob sie ihr Leben lang Gott dienen möchten oder eben nicht.

Eine Frau sprach extrem gutes Englisch und ich hatte mir eingebildet ihre Frage die sie mir stellte, ob ich bereits mit Gott in Kontakt gekommen bin, mit einer ehrlichen Antwort beantworten zu können.

Ich stellte ihr eine Konterfrage, da ich es oft extrem leid bin von Christen bekehrt werden zu wollen, was sie denn glaubt was passieren würde, wenn wir von jeder Weltreligion einen Anhänger hier sitzen hätten und ich würde jedem von ihnen die Frage stellen welches der richtige Gott auf dieser Welt sei?

„Da gibt es überhaupt keinen Zweifel, es gibt nur einen Gott“ sagte sie. Woraufhin ich meinte: „das sagen die anderen aber auch“. „Das ist aber falsch, die Bibel sagt es uns ganz eindeutig“ erwiderte sie.

Ruhig war es, kein Krach von Autos, kein Stress, die Leute hatten alle Zeit der Welt zusammenzusitzen und zu lachen und zu reden. Kein iphone, kein TV, dass anderswo jegliche Unterhaltung erstickt.

Menschen, die ihre Welt gefunden haben in der sie scheinbar glücklich sind, oder vielleicht doch nicht? So ganz sicher bin ich mir da nicht und ich frage mich wie viele doch am Ende ausbrechen und doch irgendwie woanders eine Zukunft suchen.

Dankbar, dass ich diese Welt erleben durfte und dankbar dort nicht bis an mein Lebensende festsitzen zu müssen, fuhr ich zurück in die für sie andere Welt.

An einem National Park machte ich halt und der Ranger lies mich vor der Rangerhütte mein Moskitonetz aufstellen. Nur er und ich waren auf dem Gelände. Es war bereits dunkel als er nur in der Unterhose bekleidet zu mir ans Moskitonetz kam. Ein wenig stutzig wurde ich da schon, doch so wie es schien, wollte er nur nach dem Rechten schauen.

Die beiden Garifuna Orte Hopkins und Dangriga direkt am Meer waren wieder eine andere Welt. Einige betrunkene Leute, Garifuna Musik und Chinesische Supermärkte in denen ich mit Freuden Kokosnussmilch und Curry einkaufte um mir leckere Gerichte kochen zu können. Belize ist kein Schnäppchen, aber auch nicht teurer als die Nachbarländer, wie von vielen behauptet wird.

Im Funky Dodo Hostel lernte ich einige Reisende kennen und hatte riesen Spaß meine Gedanken auszutauschen.

Vor allem Kim aus Frankreich, die Vietnamesische Eltern hat, war eine sehr interessante Begegnung.

Auch sie erwähnte, dass es doch schwierig in unserem Alter sei, auf gleichaltrige Reisende zu treffen. Sie war mein Jahrgang. Sie berichtete freudestrahlend und dankbar, dass ihr in ganz Zentralamerika noch nicht einmal Gringa hinterhergerufen wurde, worüber wir Europäischen Frauen nur genervt die Augen rollten, weil wir es alle bereits leid waren. Gringa Rufe gab es in Belize dagegen nicht einmal.

Michael aus den USA gab mir die Adresse einer Maya Familie, die eine von Missionaren gegründete Radio Station betreiben. Ich solle die Leute doch besuchen, was ich natürlich machte.

Ich war sofort willkommen und durfte mich von der Hitze im Studio erholen, dass durch AC gekühlt wird. Zwei Nächte legte ich mich dort schlafen und genoss es am nächsten Morgen trockene Klamotten anziehen zu können, da sie sonst nie trocknen.

Die vielen Kinder der Familie waren geniale Spielkameraden und so spielten wir jede Menge Spiele die entweder ich nicht kannte, oder sie nicht. Bei den Mathehausaufgaben war ich allerdings ziemlich geschockt wie schlecht da der Bildungsstand war.

Die Mutter des Hauses war mit 38 bereits seit 2 Jahren Oma und die 17-jährige Schwiegertochter half ihr im Haushalt. Die Tortillas backte sie auf dem Holzofen. Auch ich wurde im Tortilla backen geschult, was natürlich ein riesen Lacher unter den Profis hervorbrachte.

Geduscht wurde in der Küche. Nachdem Mayas alle einen Kopf kleiner sind als ich, war die kleine Mauer die als Sichtschutz diente für die anderen hoch genug, für mich allerdings nicht, was mir doch etwas peinlich war, doch das schien überhaupt niemanden zu interessieren.

Die Kinder begleiteten mich noch bis zur Straße. Eine tolle Begegnung.

Auf dem Weg gen Süden traf ich weitere Expats. Zeugen Jehovas wie es sie wie Sand am Meer zu geben scheint. Zudem hinterlassen sie an jeder Milchkanne ihre Bibel-Sprüche.

Eine Baptistin wollte sich ebenso mit mir über Gott unterhalten, aber ich würgte sie sofort ab und sagte: „Nein danke, ich habe die Woche bereits genug von Gott gehört“.

Coolies, sind die Inder des Landes. Und die, die ich getroffen habe, vertreten ihren Namen im vollem Umfang, denn ich fand sie extrem lässig und interessant.

Ich traf einen weiteren Mennoniten an einer Busstation. Nachdem sie nur mit Kutschen unterwegs sind und die moderne Welt ablehnen, sind sie bei längeren Distanzen auf die Busse angewiesen – was natürlich nicht gerade konsequent ist.

Ich unterhielt mich eine Weile mit ihm. In seiner Siedlung gehen die Kinder sogar nur 4 Jahre zur Schule. Die einzigen Bücher die sie haben sind die Bibel und das Gesangbuch. Mehr müssen die Kinder nicht wissen. Das Rechnen bringen sie ihnen lediglich fürs verkaufen ihre Landwirtschaftlichen Produkte bei.

Ein weiteres Maya Ehepaar lies mich in ihrem Haus übernachten. Die Frau zeigte mir wie ich Platanos kochen kann und teilte ihr Lebensphilosophien mit mir. Die liebenswerten Mayas beeindruckten mich überall im Süden Belizes. Ganz liebe Menschen.

Ich hatte mich über workaway, einer Volontär Vermittlungsseite bei einer Familie angemeldet um dort bei einem Earth Ship Projekt zu helfen. Sie bauen ihr Anlage aus Müll, was für mich sehr interessant klang.

Nachdem ich dort 8 Stunden in der Hitze die Treppe angemalt hatte, obwohl eigentlich 4-5 Stunden im Austausch gegen Kost & Logi laut den Richtlinien von workaway gereicht hätten, wurde ich angebrüllt was mir einfällt, dass ich nach 8 Stunden Feierabend machen wollte und nicht auch noch das Vieh füttern wollte.

Als Dank wurde ich vom Hof geschmissen und suchte kurz vor der Dunkelheit noch einen Platz für die Nacht. Draußen wurde mir dann von einigen Leuten gesagt, dass bereits einige Volontäre dort in Schwierigkeiten geraten sind und dass die Familie sehr unbeliebt in der Umgebung ist.

Es gab ebenso Arbeiter auf dem Gelände und am Ende hatte ich sowieso ein schlechtes Gewissen, weil ich den Leuten die Arbeit wegnehme und entschied für mich in Zukunft besser aufzupassen an welchem Projekt ich mich beteiligen wollte und an welchem nicht.

Im Garifuna Ort Punta Gorda nahm ich die kleine Fähre um nach Guatemala zu kommen. Traurig, dass die Zeit bereits vorbei war und glücklich darüber sie erlebt zu haben, nahm ich Abschied von Belize und hatte so gar keine Lust wieder zurück zu den Latinos zu fahren. Aber was sein muss, muss sein und davon erzähle ich Euch dann beim nächsten Mal.

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