Sieben Wochen bin ich nun bereits in Marokko. Oder sagen wir besser, es sind erstaunlicherweise erst sieben Wochen, denn es fühlt sich an als wäre ich schon zig Monate auf Afrikanischem Boden unterwegs.

Es ist in den letzten Wochen viel Spannendes passiert. Oder noch genauer – insgesamt wohl mehr als in den ganzen 11 Monaten in denen ich in Europa war.

Aber nun der Reihe nach.

Mitte November kam ich in Melilla, der Spanischen Enklave im Norden Marokkos morgens mit der Fähre an und zögerte den Grenzübertritt noch ein wenig hinaus, indem ich versuchte mich selig und moralisch bei einer Tasse Tee auf den neuen Kontinent einzustimmen. Doch so richtig wollte mir das nicht gelingen. Ich war einfach zu nervös und hatte auch einiges an Respekt vor dem was da vor mir lag.

Gegen Nachmittag schob ich dann aber schlussendlich doch mein Rad zwischen hunderten von Händlern und Grenzpendlern hindurch und bekam völlig unkompliziert einen neuen Stempel in meinen Pass gedrückt. 90 Tage darf ich bleiben, der Grenzbeamte wünschte mir ein freudiges „Bon Voyage“.

Wie immer bei Grenzübertritten musterte ich die Leute ganz genau. Was tragen sie für Klamotten. Wie verhalten sie sich. Lächeln sie oder sind sie ernster Natur. Sind Frauen auf der Straße zu sehen? Wie ist der erste Eindruck?

Am ersten Tag versuche ich auch immer einen sicheren Ort für die Nacht zu finden. In muslimischen Ländern mache ich das meistens sogar ein paar Tage hintereinander. Ich will in etwa einschätzen können was mich erwartet, bevor ich irgendein Risiko eingehe und irgendwo zelte wo es vielleicht am Ende ins Auge gehen könnte. Ich blieb zudem erst einmal auf der Hauptstraße, auch wenn ich Verkehr so gar nicht leiden kann.

Kurz vor Dunkelheit und im strömenden Regen erreichte ich den nächsten größeren Ort. Normalerweise versuche ich in Gegenden, in denen ich mich noch unsicher fühle bei Tageslicht anzukommen, um noch genug Zeit zu haben etwas Geeignetes für die Nacht zu finden. Leider klappt das aber nicht immer.

In einer Bäckerei fragte ich somit nach einer Unterkunft. Ein Herr begleitete mich zu Fuß ein ganzes Stück zu dem wohl einzigen Hotel am Platz. Doch das war angeblich ausgebucht.

Auf dem Weg zur Polizei, denn das war mein erster Gedanke, traf ich einen gut gekleideten Mann, der, so wie sich herausstellte für die Polizei arbeitete. Er führte zig Telefonate und kurz darauf tauchten drei weitere Männer auf, um für mich eine Lösung für die Nacht zu finden.

Mein Ausweis wurde in einem Copyshop kopiert und eine Dame ausfindig gemacht bei der ich die Nacht über bleiben konnte. Doch dann stand da plötzlich Abdi neben mir, der mich im fließenden Deutsch sofort zu sich nach Hause einlud. Abdi hat Jahrzehnte in Deutschland gelebt. Auch von ihm musste der Ausweis kopiert und zudem seine Telefonnummer hinterlegt werden.

Ich fand das alles etwas seltsam und war erst stutzig über diese heftige Kontrolle – zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, was da sonst noch so alles auf mich zukommen wird.

Abdi und seine Familie versorgten mich rührend – sogar das Bett wurde für mich geräumt. Erstaunlicherweise rief am nächsten Morgen die Polizei bei ihm an und fragte, ob denn alles soweit okay sei mit mir.

Über kleinere Straßen ging es Richtung Süden. Die Landschaft wurde nun richtig beeindruckend. Karg und hügelig. Die Leute waren alle super freundlich und grüßten mich herzlich. Als ich kurz Pause machte, fuhr ein Auto vor. Ein Typ in Jogginghose sprang heraus und fragte woher ich sei und wohin ich gehen würde. Er sei Polizist.

Zudem wurde ich immer wieder auf Spanisch angesprochen und zum Tee eingeladen. Und war froh über die zahlreichen, freundlichen Momente.

Hier oben im Rif-Gebirge wird als Zweitsprache anstelle Französisch meistens Spanisch gesprochen. Viele Marokkaner arbeiten oder haben Familie in Spanien.

Natürlich gibt es aber auch jede Menge Marokkaner die gar keine Fremdsprache beherrschen und dann geht eben alles über Zeichensprache, denn ich kann weder Berber noch Arabisch. Doch Körper- und Zeichensprache funktioniert oft erstaunlich gut. Zumal die Leute jede Menge Zeit haben und sich auch Mühe geben, weil sie einen gerne verstehen wollen.

Hotels gab es hier keine und somit klopfte ich am Abend an einem Tor um Unterschlupf für die Nacht zu finden, denn alleine zelten wollte ich erst einmal noch nicht. Eine Berber-Frau mit Tätowierungen im Gesicht öffnete mir die Türe und hieß mich herzlich willkommen.

Ich durfte im Haus übernachten. Wurde lecker verpflegt und erfuhr im Laufe des Abends, dass vor etwa einem Monat schon einmal Radler hier übernachtet haben.

Was ein Zufall. Schon witzig, dass wir ausgerechnet an dem selben Haus um Unterschlupf gebeten haben. Die Dame sagte sogar noch: „Wenn Du noch mehr Radler kennst, schicke sie bei uns vorbei. Jeder ist willkommen.“ Mit einer herzlichen Umarmung verabschiedeten wir uns.

Im Laufe des Tages bemerkte ich einen alten Mercedes der mich verfolgte. Er hielt immer wieder einen gewissen Abstand von mir, aber es war offensichtlich, dass sein Tempo unnatürlich langsam war. Ich provozierte das Ganze und setzte mich oft an den Straßenrand.

Natürlich machte ich das immer in nicht einsehbaren Straßenecken. Jedes Mal, wenn die Typen mich einholten und mich dann sahen waren sie erschrocken, bremsten ab und hatten plötzlich irgendein Problem am Wagen. Manchmal fuhren sie sogar rückwärts, um sich hinter einer Mauer zu verstecken, weil sie sich wohl einbildeten ich würde sie nicht sehen.

Innerlich dachte ich nur, sagt mal Leute für wie bescheuert haltet ihr mich eigentlich? Glaubt ihr ernsthaft ich sehe nicht, dass ihr mich verfolgt?

Irgendwann hielt ein anderes Auto direkt neben mir. Viel Verkehr war hier ein Glück nicht. Uniformierte Polizisten stiegen aus. „Ihren Ausweis bitte“. Woraufhin ich sagte: „Was soll denn diese ganze Kontrolle? Dort hinten fahren doch auch schon Polizisten hinter mir her, oder etwa nicht? Vielleicht könnten Sie mich mal aufklären, das nervt nämlich langsam. Ich brauche keinen Babysitter.“

„Zu ihrer Sicherheit“ kam als Antwort. „Was für eine Sicherheit denn? Ich begegne hier nur extrem freundlichen Leuten, oder wollen Sie mir sagen Marokko ist gefährlich?“

„Nein Marokko ist sehr sicher“ hieß es dann. „Ach, wenn es sicher ist, warum fahren sie mir dann hinterher und fragen mich auf offener Straße nach meinem Pass?“

„Zu Ihrer Sicherheit“.

„Gut, also wenn dass der einzige Grund ist, dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag. Und bitte verfolgen Sie mich nicht weiter. Das ist ein freies Land.“

„Halt, Ihren Ausweis“. „Nein, ich habe meinen Ausweis bereits in Driouch bei der Polizei kopieren lassen. Sie kennen mich ja nun bereits alle und wissen wer ich bin, also bitte lassen Sie mich in Ruhe.“ Und fuhr weiter.

Den Mercedes bekam ich allerdings leider nicht los. Und als es Abend wurde fuhr ich zick-zack in einem kleinen Dorf umher um sie abzuschütteln und klopfte an einer blau bemalten Türe.

Eine freudestrahlende Frau Mitte 20 öffnete mir die Türe und schon bald darauf war ich Teil der Familie. Es ist Wahnsinn wie schnell man hier Kontakt zu den Menschen bekommt. Wie sehr sie einem das Gefühl geben, dass man wichtig für sie ist. Dass sie einen gern haben, bewundern, toll finden. Es hat so viel Wärme und Freude in diesen Häusern. Einfach richtig überwältigend.

Etwa 30 Minuten war ich im Haus, als die Polizei auftauchte. Die beiden Typen, die mich den ganzen Tag verfolgt haben standen vor der Türe. Sie wollten nach mir schauen und sich erkundigen wie es mir geht und meinen Pass sehen.

Ich kam mir ein wenig wie eine Verbrecherin vor. Da wird man in einem wildfremden Haus aufgenommen und keine 30 Minuten später steht die Polizei vor der Türe und verlangt nach mir. In Deutschland wäre das jedenfalls nicht sonderlich vertrauenserweckend, aber hier war das überhaupt kein Problem.

Die Familie lachte, überredete mich den Pass zu zeigen und die Männer fuhren wieder.

Auch hier riefen sie am nächsten Tag bei der Familie an und erkundigten sich nach mir. Betonten aber die Familie solle es mir auf keinen Fall sagen.

Die herzensgute Familie bat mich noch eine weitere Nacht zu bleiben. Es regnete und somit war ich froh und ich fühlte mich zudem pudelwohl. Die Schwester lud zum Couscous Essen ein, nicht weit von hier. Wir Frauen tratschten in der Küche und die Männer saßen im Nebenraum.

Stundenlang wird gekocht. Vor allem viel mit dem Schnellkochtopf. Am Ende ist das Gemüse so weich, dass man es lutschen kann. Trotz allem ist es wirklich sehr lecker.

Alle essen gemeinsam vom gleichen Teller. Das Brot tunkt man in die Soße und nutzt es auch als eine Art Gabel um damit Gemüsestücke zu greifen. Das Fleisch wird immer als letztes verteilt. Messer und Gabel benutzt man nicht.

Interessanterweise geht es nie hektisch oder gierig am Essenstisch zu. Keiner hat das Gefühl er kommt zu kurz, auch unter den Geschwistern gibt es keinen Streit. Ich als Gast bekomme das größte Fleischstück. Obwohl es oft nur ein Viertel Hähnchen für alle gibt.

Irgendwie versuche ich dann mich rauszureden oder schiebe das gute Stück wieder zurück in die Mitte.

Brot sättigt natürlich und ist billig, daher gibt es das zu jeder Mahlzeit.

Wenn ich sonst tagsüber eingeladen werde gibt es neben dem Tee ebenso Brot. Das tunkt man dann in selbstgepresstes Olivenöl, was wirklich absolut köstlich ist. Das Brot backen sie alle selber. Oliven haben sie im Garten.

Bei den Nachbarn wurde ich mit selbstgebackenem Gebäck empfangen und schlüpfte wie selbstverständlich unter die warme Decke, in der die alte Mutter des Hauses eingekuschelt vor dem Fernseher saß. Natürlich gab es pappsüßen Tee, wie überall. Zum Abschied drückte mich die alte Frau ganz fest. Wir hatten kein Wort miteinander geredet und doch hatten wir uns gegenseitig ins Herz geschlossen gehabt.

Der Tee ist nicht nur wahnsinnig süß, sondern auch extrem stark. Grüner Tee aus China. Er wird zig Mal aufgekocht und verursacht Herzrasen und schlaflose Nächte bei mir. Erstaunlicherweise trinken selbst die Kinder ihn noch nachts um 23 Uhr.

Abendessen findet etwa gegen 22 Uhr statt. Ins Bett geht es oft erst um Mitternacht.

Irgendwann war ich in Taza. Eine unbedeutende Stadt. Das Wetter war weiterhin nass und kalt und wirklich unattraktiv um vor die Türe zu gehen.

Ich pickte mir auf der Karte die als landschaftlich schön eingezeichnete Straße entlang des Vorderen Atlas aus und machte mich auf den Weg. Weit kam ich nicht, bis mich wieder ein Mercedes verfolgte.

Ich stellte den Polizisten diesmal sofort zur Rede. „Ich weiß ja, dass Sie die Aufgabe haben mich zu bewachen, aber bitte stellen Sie sich bei mir vor, damit ich weiß wer da bei mir ist. Das ist einfach viel freundlicher, als wenn Sie versuchen sich vor mir zu verstecken. Sagen Sie den weiteren Polizisten bitte auch Bescheid“.

Das klappte dann auch erst einmal ein paar Tage lang sehr gut. Denn die Polizei Eskorte hielt weiterhin an. Die meisten der Polizisten waren auch sehr freundlich. Einige wussten selbst nicht warum sie mich begleiten sollen.

Eine Theorie, die ich verfolgte war, dass im Rif Gebirge an vielen Stellen Haschisch angebaut wird und in früheren Jahren einige Touristen Probleme mit den Händlern hatten. Allerdings war ich bereits aus dem Rif-Gebirge draußen. Das machte somit keinen weiteren Sinn mehr. Eine andere Erklärung war, dass sich Marokko auf keinen Fall ein Verbrechen an einer Touristin leisten kann, da Marokko stark vom Tourismus profitiert.

Warum auch immer ich eine rund um die Uhr Einzelbetreuung hatte weiß ich bis heute nicht, Tatsache war jedenfalls, dass ich die Polizei nicht los wurde.

Von nun an klopfte ich nicht mehr an die Türen, von nun an wurde ich ins Haus gewunken. Ich hatte jede Nacht eine Übernachtung bei einer Familie.

Die Landschaft war super. Die Menschen auf den Straßen lachten mir freundlich zu. Es war herrlich.

Dann kam ich in ein Tal von wo aus es den nächsten Tag auf den Tizi-bou-Zabel Pass gehen sollte. Am Vorabend wollte der eine Polizist unbedingt, dass ich auf der Wache übernachte, doch mochte ich ihn nicht.

Er war zu bestimmend und somit fuhr ich weiter, wurde aber verfolgt. Ich entschied mich dazu zu zelten, doch leider mussten zwei der Polizisten deswegen die ganze Nacht im Auto unweit meines Zeltes schlafen und ich hatte am Ende ein schlechtes Gewissen.

Der nächste Tag war hart. Der Berganstieg ewig lange und auch kalt und windig und landschaftlich nicht einmal so sehr beeindruckend. Am Ende des Tages landete ich auf einer Polizeistation auf etwa 2000 m und wurde von den Polizisten als Heldin gefeiert.

„Deutsche Frauen sind stark. Marokkanerinnen dick”, sagten sie freudestrahlend zu mir.

Am Heizofen trocknete ich meine verschwitzten Klamotten und bekam irgendwann spät nachts Tajine zu essen. Das traditionelle Marokkanische Gericht im Tontopf. Auf der Matratze im Nebenraum legte ich mich schlafen und nach dem Frühstück fuhr ich zusammen mit meinem Polizeischutz weiter. Es war irre kalt. Der Wind war brutal und die ersten Schneereste tauchten am Straßenrand auf.

Teilweise musste ich schieben, damit mich der Wind nicht von der Straße fegte. Die Polizisten kamen immer mal wieder näher und fragten ob ich nicht mein Rad ins Auto verladen wollte. Natürlich wollte ich das nicht. Zwischendurch wärmte ich mich mit Tee und Heizofen in einer weiteren Polizeistation auf.

Der Nebel wurde irgendwann so dicht, dass es nicht mehr weit sein konnte und endlich war ich oben auf dem Pass auf 2400m und die dicke Nebelsuppe schien in Sonnenschein überzugehen. Am Gipfel war dann wieder einmal Begleitschutzwechsel.

Bedenkt man, dass ich umweltfreundlich unterwegs sein will, ist das natürlich wirklich ein totaler Hammer. Auch sonst fing mir dieser Polizeischutz extrem an auf die Nerven zu gehen. Ich konnte ja nicht einmal am Straßenrand pinkeln gehen ohne dass es jemand sah.

Ein Schäfer lud mich ein und obwohl ich wirklich sicher war, dass die Polizei für eine Weile nicht bei mir war, klingelte auch hier das Telefon des Gastgebers. Sie wussten wieder einmal wo ich war. Doch wie immer machte sich die Familie lustig über die Polizisten.

Auch hier wurde das Bett für mich geräumt und auch hier bekam ich mehr zu Essen als ich essen wollte. Ich sollte unbedingt noch eine weitere Nacht bleiben, was ich dann auch gerne tat.

In einem großen Kessel erhitzen sie mit Feuerholz Wasser zum Waschen. Saunagefühl und wie das Paradies auf Erden für mich. Einfach toll, wenn man sich aufwärmen kann.

Die Häuser sind alle kalt. Man sieht den Atem vor sich. Am Abend sitzen die Leute alle zusammen und wärmen sich am Feuer.

Manchmal schlafe ich mit den Frauen und Kindern in einem Raum. Manchmal darf ich alleine schlafen. Oft können sie nicht glauben, dass mein Schlafsack warm genug ist, weil er im Vergleich zu deren Decken natürlich super leicht und wenig voluminös aussieht.

Dann werde ich ungefragt mit mehreren schweren Decken kurz vorm Licht ausmachen eingehüllt, die ich kurze Zeit später wieder weg lege. Eine alte Dame ging leider mindestens dreimal nachts aufs Klo und machte jedes Mal das Licht an und entdeckte, dass ich meine Decken schon wieder „verloren“ hatte. Und prompt lagen die zehnterschweren Decken wieder auf mir.

Was mir bei manchen Einladungen leider negativ aufgestoßen ist, ist die Frage nach Hilfe.

„Kannst Du uns ein Visum für Europa besorgen? Kannst Du meinen Mann heiraten, damit er einen Deutschen Pass bekommt und wir können dann gemeinsam nach Europa. Wenn Du wieder in Deutschland bist und Deine finanzielle Lage besser ist, kannst Du uns dann Geld schicken? Nimmst Du mich mit nach Deutschland?

Ich hatte aber nie den Eindruck sie luden mich nur ein um etwas rauszuschlagen. Nein, die Einladungen waren immer herzlich.

Doch wollen wirklich extrem viele Marokkaner nach Europa. In das angebliche Paradies für sie. Ich erkläre ihnen immer wieder, soweit ich das sprachlich schaffe, dass Europa zwar reicher ist, aber eben auch ein Kontinent ist, in dem man hart arbeiten muss.

Zudem eine gute Ausbildung braucht und es dort nicht langt den ganzen Tag nur Tee zu trinken. Leute in Europa haben keine Zeit. Da kann man nicht mal eben zum Nachbarn und Hallo sagen und dann den halben Tag bleiben und quatschen. Oftmals kennt man den Nachbarn gar nicht.

Geld alleine macht auch nicht glücklich. Ihr seid dort fremd und werdet immer wie Ausländer behandelt werden.

Aber wie immer ist so etwas natürlich schwierig zu erklären. Wir Menschen möchten ja im Prinzip immer das haben was wir nicht haben. Denn das was wir haben schätzen wir nicht.

Während ich in Europa die Freundlichkeit und das Miteinander oft vermisse und dies hier so zahlreich finde und so sehr genieße, ist dies für die Marokkaner völlig selbstverständlich und nicht weiter erwähnenswert.

Und für mich ist eben der Reichtum und der Luxus, den wir haben zwar sehr angenehm und ich bin mir dessen voll bewusst wie sehr ich davon profitiere, aber diesen Luxus bekommt man eben auch nur mit zahlreichen Nebenwirkungen.

Doch was uns natürlich erheblich unterscheidet ist, dass ich die Wahl habe wo ich hingehen möchte, sie aber haben das leider nicht. Und das wissen sie natürlich ganz genau. Somit sind meine Erklärungen hier völlig fehl am Platz.

Wenn man viel reist, fängt man an vieles zu hinterfragen. Doch das kann ich von jemandem, der nur Bilder im Fernsehen sieht nicht erwarten. Und natürlich würde ich nicht mit ihnen tauschen wollen, denn die Freiheit die mir mein Deutscher Pass gewährt ist absolut unbezahlbar.

Bei einer weiteren Familie traf ich auf einen Mann der erstaunlich gut Englisch sprach. Etwas was ich hier in den abgelegenen Bergen nicht erwartet hätte.

Er stellte mir die Frage was denn aus Deutschland geworden wäre, wenn es Hitler nicht gegeben hätte. Ich fand die Frage sehr interessant und wir philosophierten ein wenig darüber. Auch sprachen wir über Trump, der hier in Marokko natürlich extrem unbeliebt ist. Zur Klimaerwärmung wurde mir dann empfohlen den Koran zu lesen. Darin findet man auf alles eine Antwort.

„Wenn du die Polizei loswerden willst, dann fahr dort drüben auf die Piste, von dort kommst du nach Missour. Die Straße ist viel zu schlecht, da kommen sie mit ihrem Mercedes nicht durch.“

Ich hatte also für ein paar Stunden meine Ruhe. Wurde auch hier in der kurzen Zeit mehrfach zum Tee eingeladen. Durfte Mittagessen und wurde zudem immer wieder zum nächsten Wegabschnitt vom Dorf aus mit begleitet, damit ich auch ja keinen Abzweig entlang der Piste verpasse.

Es sind wirklich wahnsinnig nette und hilfsbereite Menschen. Sicherlich sind sie auch froh, dass in ihren Häusern mal jemand fremdes zu Gast ist. Denn eine Frau alleine mit dem Fahrrad, zudem noch aus Deutschland kommend, sehen sie hier ganz sicher nicht jeden Tag.

Ich war kaum auf der Teerstraße hatte ich die Polizisten wieder am Hals. Doch nun war ich in Missour und in Absprache mit anderen männlichen Radlern, die bereits das gleiche Problem hatten, ging ich hier zur Polizeistation.

Ich sprach mit dem Gouverneur, der mir sagte, dass sie mich von nun an nicht mehr begleiten werden. Er gab mir sein Wort und seine Telefonnummer. Falls ich Schwierigkeiten hätte könnte ich ihn jederzeit anrufen.

Ich war nun in der Wüste. Den vorderen Atlas hatte ich hinter mir. Es war deutlich wärmer, weil ich natürlich die ganze Höhe wieder verloren hatte. Auch die Sonne kam nun endlich zum Vorschein. Es war tagsüber nun wirklich kuschelig warm.

Über meine geliebte Wüste erzähle ich dann im nächsten Blog Artikel.

 

 

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