„Bist Du verheiratet?” war die erste Frage die mir im Land gestellt wurde. „Nein“, gab ich knapp zur Antwort. „Aber Du wirst doch schon alt. Du musst jetzt endlich heiraten, sonst ist es zu spät“.

Der junge Mann drehte sich daraufhin zu seinem Kumpel um und redete irgendetwas in Wolof, bis mir gesagt wurde: „Komm‘ doch mit zu mir!“

Kaum später traf ich einen großgewachsenen Senegalesen aus Dakar. Er war zu Besuch in der Radiostation in der ich für einige Zeit zelten durfte.

„Bist Du verheiratet? Hast Du Kinder?“ waren wie immer die ersten Fragen. Auf meine ehrliche Antwort folgte eine ordentliche Moralpredigt und um diesem nervigen, für mich immer wieder gleich ablaufenden langweiligen Unterhaltungsbrei abzukürzen, sagte ich zu ihm: „Ich bin jetzt bereits zu alt um Kinder zu bekommen“.

„Zu alt? Wie alt bist Du denn?“ hakte er sofort nach. „Ich bin 47“ gab ich ehrlich zur Antwort. „Ach, das ist doch noch nicht zu alt! Weißt Du was, ich helfe dir dabei. Wir können es ja probieren und dann sehen wir ob es klappt oder nicht“ und lächelte mir dabei in die Augen.

Podor gefiel mir gut. Ein kleines, verschlafenes Nest direkt am Senegal Fluss gelegen. Es hatte ein wenig vom alten französischen Flair. Einfach beschaulich und so sehr sauber im Vergleich zu den Orten in Mauretanien.

Natürlich gab es überall Baguette, aber auch bunt bemalte Häuser und viel Trubel.

Mit den beiden Männern in der Radiostation, die mich dort ab der vierten Nacht umsonst wohnen ließen, durfte ich jeden Tag essen. Und so saßen wir gemütlich zusammen auf dem Boden, löffelten aus einer gemeinsamen Schüssel und aßen um 14.30Uhr zu Mittag und gegen 21.30Uhr zu Abend.

Das Essen war lecker, doch nach kurzer Zeit wiederholte es sich doch sehr. Es gab nahezu immer Thieboudienne – Reis und Fisch, dazu verschiedenes Gemüse, doch das variierte nie. Der Fisch war oft mit Gewürzen gefüllt und gegrillt – ein kleiner Fisch für alle.

Eine Aubergine, ein wenig Weißkohl, eine Karotte, 2 Kartoffeln, ein wenig Kürbis, ein sehr bitteres – ähnlich einer Zucchini aber knollig gewachsenes Gemüse, genannt Bittertomate und dazu eine leckere grüne Paste, zudem scharfe Chillies.

Einen Abend gab es Erdnusssoße mit Fisch durch den Fleischwolf gedreht. Dazu Couscous. Das Gericht war einfach nur sensationell lecker.

Ich blieb zwei Wochen. Arbeitete an meiner Website, die wieder einmal nicht so funktionierte wie sie sollte und genoss es einfach irgendwo auch mal länger zu bleiben und das afrikanische Leben mitzuerleben.

Wenn die Nacht zum Tag gemacht wurde und draußen getrommelt oder der LKW-Fahrer um 4 Uhr morgens direkt vor meinem Fenster die Ladung in brüllender Lautstärke verlud war an Schlaf allerdings nicht sonderlich zu denken.

Kinder besuchten mich fast jeden Abend und schauten was der Toubab so machte. Oder Ziegen, die sich bis zu mir in den zweiten Stock verirrten.

Irritierend fand ich, dass ich in Podor von Kindern mit Steinen beschmissen wurde oder Frauen sah die sich untereinander rangelten und ganze Backsteine umherschmissen. Es kam allerdings jeweils nur einmal vor.

Doch sind Menschen hier teilweise aggressiv und auch sehr laut, wenn sie sich miteinander unterhalten.

Der Markt war farbenfroh, die Leute aber scheu, was das Fotografieren anbelangt und so hielt ich mich zurück.

Die Hitze wurde zunehmend zu einem Problem und nach 10.30 Uhr war es kaum noch auszuhalten.

In Richtung Mali ging es weiter am Senegal Fluss entlang. (die KARTE dazu findest Du hier)

„Toubab, Toubab“ „Cadeau, Cadeau“ hörte ich pausenlos. Also Weißer Weißer, Geschenk, Geschenk.

Und das nicht nur von Kindern.

Den ersten Abend kam ich bei einer Familie auf dem Dach unter. Der kühlste Platz in der Nacht. Mit Blick zu den Sternen und ab und an einem Lüftchen ließ es sich gut aushalten.

Am nächsten Morgen kam ich kaum 5 Kilometer und wurde sofort wieder eingeladen. Ich besuchte das ganze Dorf. Schüttelte jedem die Hand.

Jeder wollte fotografiert werden und jeder wollte mir Tee und Essen geben. Am Ende aß ich bei einer Frau aus Gambia, die Englisch sprach und wurde von ihr bemuttert obwohl sie sicherlich 20 Jahre jünger war als ich.

Hausarbeit, Kinder, Wasser holen und kochen sind ihre täglichen Aufgaben. Sie kocht für drei unverheiratete Männer aus der Nachbarschaft mit, die sich dafür bei den Unkosten beteiligen, bezahlt wird sie dafür nicht. Ihr Mann arbeitet in Dakar und ist somit fast nie zu Hause.

Ein Mann fragte mich ob ich ihn heiraten möchte. Ich drehte den Spieß diesmal einfach mal um und sagte zu ihm:

„In Deinem Alter bist Du noch nicht verheiratet? Da stimmt doch irgendetwas nicht mir dir! Warum sollte ich dich heiraten, wenn es noch keine andere Frau zuvor machen wollte?“

Das ganze Dorf brüllte vor Lachen.

Senegalesen haben eine sehr direkte Art und somit wurde mir ohne Aufforderung eine Schüssel mit Wasser und Seife hingestellt, damit ich meine Fahrradschmiere an meiner Hose sauber machen konnte.

Auch sonst wiesen sie mich oft in irgendeiner Form zurecht.

Abends gab es dann Freilicht-TV-Kino für alle.

Fulas erkennt man anhand der zwei Kerben neben den Augen – eine Art Tätowierung. Die Frauen sind zudem alle extrem hübsch gekleidet und oft voller Schmuck.

Manche davon haben noch zusätzlich ihre Mundpartien blau gefärbt. Wirklich sehr spannend anzuschauen.

In dem kleinen Ort Ndioum kaufte ich mir eine Wassermelone, setzte mich an den Straßenrand und fing an die erste Hälfte davon auszulöffeln, als ein Mann mit einem Löffel in der Hand des Weges kam, sich zu mir setzte und einfach ungefragt mit löffelte.

Über Pisten ging es weiter durch brütende Hitze, staubtrockene Landschaft und viele Dörfer.

„Toubab Toubab – cadeau cadeau“ riefen die Kinder mir den ganzen Tag hinterher. Weit kam ich eigentlich nie, denn die Hitze war einfach nicht auszuhalten.

Doch wie immer ist mir die tägliche Distanz ja egal und im Senegal durfte ich drei Monate bleiben, somit spielte Zeit keine Rolle.

Jedes Dorf besitzt einen Dorf Chef der sich für das Wohl des Dorfes einsetzt. Oftmals ein alter Mann, der evtl. vorhandene Probleme regelt und eben auch Gäste wie mich empfängt und unterbringt.

Somit war also sobald die Sonne unterging meine Anlaufstelle in irgendeinem Dorf der Dorf Chef. Der mich immer sehr freundlich und respektvoll begrüßte und mir einen Platz zuwies wo ich zelten durfte.

Ein Glück ließen sie Vorschläge meinerseits zu und somit fand ich immer ein Dach um erstens nicht direkt bei den Leuten zu schlafen und zweitens war es auf dem Dach einfach kühler.

Leider gab es ab und an Verständigungsprobleme und somit war eine wirkliche Unterhaltung nicht möglich. Was ich aber nun schon oft festgestellt habe ist, dass ich durch Beobachtung ganz andere Dinge wahrnehme als wenn ich mich richtig unterhalten kann.

Oft sehe ich und erlebe ich dadurch sogar mehr, weil ich viel mehr auf die Feinheiten achte. Wie behandeln die Menschen sich untereinander, wie ist der Klang der Stimme. Wie die Gestiken, wer behandelt wen in welcher Art und Weise? Wer benimmt sich unterwürfig, wer ist dominant?

Viele Reisende sagen auch immer wieder, dass es ganz wichtig ist die Sprache vor Ort zu können. Klar hilft das immens weiter und öffnet mehr Türen, aber den wahren Charakter und die Sensibilität eines Menschen erkenne ich besser, wenn ich sehe wie sie mich behandeln, wenn ich ihre Sprache nicht spreche. Und wer spricht schon Pular oder Wolof?

Es zeigt auch Interesse und Intelligenz, wenn sich jemand mit mir trotzdem beschäftigt, obwohl er mich nicht versteht. Wenn man will, kann man kommunizieren, ohne ein Wort auszusprechen – eben auf einer ganz anderen Ebene – dazu braucht es aber Geduld und Ideenreichtum und dann sind solche Begegnungen oftmals viel intensiver und herzlicher.

Von daher sind Länder für mich, in denen ich die Sprache nicht kann, immer eine anstrengende aber auch eine intensive Erfahrung, weil ich viel mehr gefordert werde. Umso mehr genieße ich es dann, wenn ich mich wieder unterhalten kann – der Mensch geht halt lieber den einfacheren Weg, ich natürlich auch 😉

Ich erinnere mich heute noch gerne an eine Tibeterin in China, die erst gar nicht versuchte sich mit mir verbal zu unterhalten. Wir redeten kein Wort miteinander und trotzdem konnten wir wunderbar kommunizieren.

Momente die ich nie vergessen werde und eine Frau die ich sehr in mein Herz geschlossen hatte, obwohl ich nicht mal ihre Stimme hörte. Ihre ruhige einfühlsame Art hat mich damals schwer beeindruckt.

Unterzukommen war also im Senegal überhaupt gar kein Problem. Einfacher kann man wirklich nirgends sonst einen Schlafplatz finden. Es war schon fast zu einfach gewesen.

Auf dem Weg Richtung Mali, wurde mir klar, dass Mali nicht nur in einer derzeit extrem angespannten und nicht ungefährlichen politischen Situation steckt, sondern auch, dass Mali nochmals heißer sein wird als der Senegal.

Nachdem es bereits hier jeden Tag über 40 C heiß war, wollte ich mir nicht vorstellen, wie sich dann noch ein paar Grad mehr anfühlen würden. Und somit strich ich Mali erst einmal von meiner Liste und bog schon bald Richtung Süden ab, weil ich die Strecke am Senegal Fluss entlang zwar okay fand, aber jetzt landschaftlich nicht gerade beeindruckend. Im Prinzip sah doch alles gleich aus.

Noch an der Hauptstraße traf ich einen Englischlehrer. Er beschwerte sich, dass es zu wenig Verkehr auf der Straße hat. Woraufhin ich sagte, „sei doch froh, es gibt doch nichts Schlimmeres als Verkehr“.

„Nein, ich muss ja jeden Tag zur Schule und habe kein Auto und somit muss ich immer warten, bis mich jemand mitnimmt. Je mehr Autos auf der Straße sind, desto mehr Chancen habe ich mitgenommen zu werden. Manchmal warte ich 3 Stunden“ erklärte er mir.

„Wie weit hast Du es denn bis nach Hause?“ hakte ich nach.

„Vier Kilometer“, meinte er. „Vier Kilometer? Und warum läufst Du nicht oder fährst mit dem Rad, das geht doch viel schneller. Vier Kilometer sind doch nicht weit!“ antwortete ich ihm.

„Laufen, nein das ist viel zu weit. Und mit dem Rad? Ich habe kein Fahrrad und wenn dann müsste ich mir ein sehr gutes Rad kaufen, weil es sonst viel zu anstrengend wäre und so viel Geld habe ich nicht“, erklärte er mir.

„Zu Fuß würdest Du etwa 45 Min brauchen, wenn Du ein uraltes klappriges Rad nutzen würdest, wärst Du immer noch in 20 min zu Hause“ fügte ich hinzu.

„Nein ich kann das nicht, ich bin nicht so stark wie Du“, meinte er zu mir. Er selbst war ein großgewachsener muskulöser junger Mann.

In einem Laden voller Chaos, Dreck und Staub wollte ich mir etwas zu Essen kaufen. Vier junge Männer saßen dort auf Reissäcken und Eimern und tranken Tee und einer davon begrüßte mich in Englisch: „Nimm mich mit nach Europa und gib mir einen Job“, bevor er überhaupt Hallo sagte.

Nachdem er der 25’ste an diesem Tag war, der mich entweder fragte, ob ich ihn mit nach Europa nehme oder heiraten möchte und ich dadurch bereits extrem genervt war, antwortete ich ihm:

„Selbst, wenn ich eine Firma hätte und Dir einen Job geben könnte, würde ich das nicht tun, denn schau dich mal hier um. Dein Laden ist eine Müllhalde, anstelle hier dumm rumzusitzen wäre es vielleicht klüger du würdest dich mal bewegen und was tun!“ platzte mir an diesem Tag fast der Kragen.

Das Widersprüchliche zu ihren Forderungen ist ja, dass sie auf der anderen Seite ständig mit mir teilen. Ich werde jeden Tag einfach aufgefordert mitzuessen. Sobald ich gegen 14.30 Uhr in irgendeinem Dorf die Straße entlang radle, ruft mich irgendjemand zu sich und lädt mich ein mit aus der gemeinsamen Schüssel zu löffeln.

Anfangs tat ich mir da schwer es anzunehmen, doch irgendwann hatte ich verstanden, dass das hier jeder so handhabt. Das ist Teil der Kultur.

Die Kultur ist somit nicht nur – so oft fragen wie es geht, vielleicht bekommt man ja etwas ab – sondern eben auch, dass Muslime ja von sich aus teilen und gastfreundlich sind. Es geht somit keiner leer aus.

Auf der einen Seite ist das ja ein sehr positiver Gedanke und ehrenwert, vielleicht führt er aber auch dazu, dass sich Leute darin wunderbar aufgefangen fühlen und vielleicht nicht unbedingt mehr machen als sie wirklich tun müssen, denn hungern muss ja niemand, irgendjemand versorgt sie ja am Ende doch.

Ich muss da natürlich als Reisende immer vorsichtig sein, weil ich die Umstände nicht wirklich kenne und nicht wirklich verstehe. Somit darf ich nicht vorschnell urteilen.

Doch oftmals ist es so, dass man von außen als neutraler unvoreingenommener Beobachter andere Dinge sieht und wahrnimmt, als wenn man selber in der Welt aufgewachsen und in den Strukturen gefangen ist und gar nicht merkt, wie festgefahren vieles ist und somit keine wirklich positiven Prozesse mehr möglich sind.

Ich sah viele traurige Gesichter. Nicht so deprimierend wie in Mauretanien, aber die Leute haben es schwer hier, das lässt sich nicht leugnen.

Die Piste die Richtung Tambacounda ging war als Hauptstraße eingezeichnet und ich machte mir nicht wirklich weiter Gedanken darum wie abgeschieden die Gegend vielleicht sein könnte.

Bisher gab es immer Dörfer, und somit nahm ich an, das wird auch so bleiben. Wo Dörfer sind, sind auch Menschen und dort gibt es etwas zu kaufen. Ich hatte somit nur sehr wenig Proviant dabei.

Nach etwa 20 Kilometern ging die Piste überraschenderweise in einen Pfad über und so sollte es auch bleiben. Ich war im Busch – endlich.

Ich konnte wieder alleine zelten, kochen und somit auch nachts wieder besser schlafen. Dieser ewige Krach nachts ist einfach nicht mein Ding. Ob Hühner oder kreischende Kinder. Esel oder Ziegen, irgend jemand ist immer auf den Beinen nachts.

Das Kreuz des Südens begleitete mich nun jede Nacht und nicht nur das. Sternschnuppen ebenso. Was noch viel genialer war, dass nun die ersten Baobabs auftauchten. Wunderschöne Bäume. Kunstwerke der Natur. Gigantisch.

Bunte Vögel in allen Variationen. Es hatte was von Australien. Rote Erde und viel Busch.

Auch hier leben Fula‘s. Sie besitzen endlos viele Rinder. Sie sind zudem extrem elegant gekleidet. Die Frauen wunderschön angezogen. Die Dörfer klitzeklein, etwa alle 5 – 10 Kilometer tauchten ein paar Hütten auf. Teils nagelneu gebaut, andere wiederrum sind alt und fangen an zu verfallen.

Wie überall bisher im Senegal gibt es auch hier Brunnen. Von Westlern gebaut gibt es sauberes Trinkwasser, welches sie sowohl fürs Vieh als auch für sich selber nutzen. Ich konnte somit meine Wasserflaschen immer wieder auffüllen, denn bei über 40 Grad Hitze trank ich bis zu 10 Liter am Tag.

Sie hatten also sehr viele Rinder, Schmuck und sehr saubere elegante Kleidung, aber zu essen hatten sie nur Reis. Nicht einmal Sauce gab es dazu.

Zum Frühstück dann noch Kaffee. Es gab keine Milch, kein Fleisch und auch sonst nicht viel. Normalerweise würde ich sagen, bei der hohen Anzahl an Vieh muss es den Leuten doch finanziell gut gehen?

Eine Antwort darauf habe ich nicht gefunden.

Zu kaufen gab es nichts. Gar nichts. Es gab keinen einzigen Laden.

Eine Nacht verbrachte ich bei einer Familie. Ich hatte vorsichtshalber mein eigenes Essen ausgepackt um ihnen zu zeigen, dass sie mir nichts geben müssen und ich glaube, mein Gedankengang war an diesem Abend richtig gewesen, denn sie hatten nicht viel.

Ich durfte mich waschen, bekam einen Eimer Wasser in die Hand gedrückt und wurde damit in den Busch geschickt. Sie deuteten dabei immer auf eine spezielle Stelle und als ich in der Nähe eines Loches stand, war ich mir nicht sicher, ob das nun das Klo sein sollte oder das Badezimmer.

Ich kam mir ein wenig doof vor. Wie so eine Städterin, die zu blöd dazu ist, sich im Busch zu waschen, nur wollte ich halt keinen Fehler machen. Am Ende lief ich einfach irgendwo hin und war froh um die Abkühlung.

Toiletten habe ich nirgends gesehen – ich gehe davon aus, jeder läuft zu einem anderen Baum.

Sie wollten alle herzlich gerne fotografiert werden. Und trotzdem erlebte ich eine gewisse Traurigkeit bei den Leuten. Sie waren nicht wirklich fröhlich. Irgendetwas lag in der Luft was ich nicht deuten konnte.

Schulen gab es hier draußen definitiv keine. Krankenstationen oder ähnliches auch nicht. Es gab hier nichts – absolut nichts.

Nach etwa 150 Kilometern durch den Busch kam ich zu einer Siedlung. Von weiten sah ich schon, dass es dort einen Laden geben musste, denn die Umgebung war total vermüllt.

Ich trat also in den chaotischen Laden ein und mit mir das halbe Dorf. Wenn es draußen über 40 Grad hat und man mit 10 anderen Leuten gequetscht in einem Raum steht, kriegt man wirklich Platzangst.

Toubab Toubab – die Sensation des Monats. Das ganze Dorf war auf den Beinen und jeder wollte dabei sein.

Viel gab es nicht, aber es gab Reis, Zwiebeln, Milchpulver und Erdnüsse. Und es gab ein Problem, denn wie rechnet man nun diese vier Summen der einzelnen Artikel zusammen?

„2500 CFA“ wurde mir gesagt. Komischerweise wurden die Französischen Zahlen immer wieder anders ausgesprochen, ich wusste oft nicht welche Zahl sie wirklich meinten.

2500 kam mir sehr viel vor und somit fragte ich nach den einzelnen Preisen die in der Summe nur 1900 ergaben. Vor der Türe schrieb ich in den Sand die einzelnen Preise, addierte sie und die Summe war 1900. Er aber meinte immer wieder: „Nein, es sind 2500“.

Ich nahm den Reis, gab ihm dafür 1000 und fragte ihn ob das richtig sei? Das machte ich mit jedem Artikel und jedes Mal bestätigte er es sei der richtige Preis. Am Ende hatte er 1900 in der Hand sagte: „Nein, es kostet 2500.“

Das ganze Dorf war dabei und jeder hatte etwas Schlaues dazu beizutragen.

Mindestens 50 kreischende Kinder rannten mir bis zum Dorfrand hinterher und riefen Toubab Toubab – Cadeau Cadeau und als ich am Ausgang des Dorfes ankam, sah ich das Schild einer Hilfsorganisation und nun war mir klar, warum hier wieder gebettelt wurde, denn in den anderen Dörfern entlang der Strecke hörte ich das nicht einmal.

Milchpulver war wirklich die beste Lösung für den Hunger bei Hitze. Das sättigt richtig gut und liegt nicht schwer im Magen. Perfekt.

In einem weiteren Laden hatte ich mir einen Schokoriegel gekauft, den ich abends im Zelt genüsslich verspeiste und das Papier außerhalb des Zeltes in meinen Schuhen verschwinden ließ, so dass der Wind das Papier nicht wegträgt.

Plötzlich hörte ich es rascheln und eh ich begriff was passiert war, sah ich das Papier in einem Loch verschwinden. Leider aber schien das Loch nicht groß genug zu sein, so dass der Nager es wohl nicht schaffte es komplett mit in den Bau zu ziehen.

Ich war also nun in der Natur, weit weg von den Menschen und musste nun die halbe Nacht das Geraschel des Papieres mit anhören, weil der Bau nur etwa einen Meter von meinem Kopf entfernt war.

250 tolle ereignisreiche Kilometer und einige heiße Tage verbrachte ich auf dieser sogenannten Hauptstraße durch den Busch, bis ich in Tambacounda ankam und bei einer Missionarstation unterkam.

Der Wechsel von Busch zu Stadt hätte krasser kaum sein können. Der Dreck und die Dieselabgase waren wirklich kein Spaß, vor allem nicht, weil es über 40 Grad hatte.

Tambacounda war nur gut für eine Nacht und somit fuhr ich sofort weiter. Kaufte aber vorher noch Lebensmittel ein, denn wer weiß, wann es wieder was geben wird, man lernt ja dazu.

Abends fragte ich wieder beim Chef de Ville und durfte auf seinem Hof zelten. Der Chef hatte Parkinson und während wir gemeinsam aus einer Schüssel löffelten, klapperte sein Löffel pausenlos am Metall. Es gab Couscous mit Erdnusssauce.

Eines ist klar, ich würde zu Hause niemals mit einem fremden Menschen aus einer gemeinsamen Schüssel essen und hier ist es das normalste der Welt – es macht mir noch nicht einmal etwas aus.

Die Leute waren extrem freundlich. Ich war absolut herzlich willkommen. Obwohl Muslime, geben mir auch die Männer immer die Hand. Als Begrüßung wird mir überall Wasser im Plastikbecher gereicht. Alles sehr unkompliziert.

Es gab eine Schar von kleinen Kindern, die an diesem Abend Koranunterricht bekommen haben. Allgemein gibt es hier so wahnsinnig viele Kinder, wirklich unglaublich.

In der kurzen Zeit im Senegal habe ich wohl mehr Babys auf dem Arm gehabt als in meinem ganzen Leben zuvor zusammen. Hier wird keine Schau darum gemacht wie man ein Baby zu halten hat, keiner stellte meine Fähigkeit in Frage ob ich auf ein Kind aufpassen kann.

Keiner versteckte sein Kind in einem Kinderwagen oder hielt es von den anderen fern, weil es evtl. krank werden könnte oder jemand irgendetwas nicht richtig macht.

Es läuft hier alles so locker ab. Hier werden keine schlauen Bücher darüber gewälzt wie man Windeln am besten wechselt oder welchen Brei man ab dem wievielten Monat geben sollte. Auch gibt es hier keine Schnuller oder Spielzeuge.

Die Babys sind einfach dabei, spielen im Dreck und machen einen munteren Eindruck.

Auch hier durfte ich wieder Eimer-duschen. Mit Sichtschutz steht man hinter einer Art Wellblechmauer und wäscht sich. Das tolle ist auch, dass ich hier nicht mit einem Wischer nach dem Duschen die Kacheln trockenreiben muss, weil es ja evtl. Kalkflecken geben könnte, nein, einfach den Eimer über den Kopf ausleeren und fertig. Ich liebe so was.

Das ganze Leben findet vor der Haustüre statt. Jung und alt zusammen. Ein richtiger Zusammenhalt.

Bis Gambia war es nun nicht mehr weit. Alles Teerstraße – Katzensprung also.

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