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Nr. 101 Walk Across America – Oregon war super – Hitze und Brände ein großes Problem

Jul 30, 2021 | Amerika, Blog, Blog, Hiking

Der Columbia River, die Staatsgrenze zwischen Washington und Oregon, führte uns in eine andere Welt. Route

Man könnte fast meinen, der Fluss ist eine Landesgrenze, denn plötzlich waren die Menschen wieder so wie ich die Amerikaner kenne und lieben gelernt habe.

Freundlichkeit an jeder Ecke.

Im Safeway Supermarkt bekam ich meine zweite Impfung. Nicht nur dass es super schnell ging und ohne Termin, nein ich bekam sogar noch einen 10% Gutschein für meinen nächsten Einkauf – sozusagen als Belohnung dafür, dass ich mich habe impfen lassen.

Nebenan durfte ich dann noch in einem Büroladen meinen neuen Impfpass kostenlos laminieren lassen!

Prima – so macht impfen Spaß.

Oregon hatte von Anfang an den Eindruck vermittelt, dass die Pandemie schon vorbei ist. Vor den Geschäften wurde man lediglich gebeten, als Ungeimpfter weiterhin eine Maske zu tragen.

Alles erschien wie früher. Und ich muss sagen, ich fand das richtig gut!

Ich orientierte mich an den Scenic Byways – wie immer waren diese Strecken traumhaft schön.

Oregon hat extrem viele verschiedene landschaftliche Reize. Küstenregenwald bis hin zur Wüste. Schneebedeckte Vulkane, die am Horizont den Blick magisch anziehen. Endlose Weite wie sie der Wilde Westen an fast jeder Ecke zu bieten hat.

Oregon ist super!

Windig war es, zudem wurde es jeden Tag heißer und genau das war ab sofort unser größtes Problem.

Die Hitze und intensive Sonne machten uns schwer zu schaffen. Butch meidet Sonne wie die Pest und ich frage mich jeden Tag, wie wir in Zukunft durch die große, weite Welt reisen können, wenn wir die Sonne meiden müssen?

Ich versuchte immer wieder krampfhaft den Sonnenschirm so zu platzieren, dass Butch gemütlich im Trailer sitzen konnte. Doch, wie man sich sicherlich vorstellen kann, sprang Butch hin und her und der Schirm flog dadurch immer mal wieder in der Gegend herum, obwohl ich ihn mit Spanngurten so gut wie möglich befestigt hatte.

Auf dem Weg nach Condon hielt der Sheriff mehrfach an: „Braucht Ihr Wasser? Habt Ihr Essen? Bis Condon ist es noch weit. Es hat 38 Grad, bist Du sicher, dass ich Euch nicht doch mitnehmen soll?“

„Nein, lieb gemeint, aber ich bevorzuge zu laufen!“ sagte ich ihm mehrfach.

„Okay, ich komme etwa in einer Stunde wieder bei Euch vorbei, dann frage ich erneut“, und er fuhr weiter.

Spätestens jetzt wusste ich, dass hier jeder auf jeden aufpasst. Ich liebe solche Gegenden, in denen Menschen noch miteinander reden und sich füreinander interessieren!

Jesse, ein Motorradfahrer aus Washington hielt an. Er zeigte volles Verständnis für meine Abneigung gegenüber der Gegend um Seattle herum. Auch er liebt Oregon und kommt immer wieder gerne hier her, um aufzutanken und die Menschen zu genießen.

Am nächsten Tag kam er sogar extra zurückgefahren, um mich auf dem Highway abzufangen und mir ein Eis vorbeizubringen. Klasse.

An einem Canyon-Aussichtspunkt traf ich eine Gruppe Taiwanesen. Nachdem ich ganz tolle Erinnerungen an Taiwan habe, hatte ich mich gefreut, mich mit ihnen über ihr Land zu unterhalten.

Überrascht musste ich feststellen, dass sie sehr verhalten mir gegenüber waren und sehr betonten, dass sie Amerikaner seien und schon lange im Land leben.

Ich kam am Ende zu dem Entschluss, dass die Gruppe sicherlich durch das Asian-bashing in den USA – also die Diskriminierung der Asiaten wegen Covid-19 – in eine Verteidigungsposition gingen und es sicherlich irritierend fanden, dass ich mich so sehr freute mich mit ihnen zu unterhalten.

Der Sheriff der kleinen Gemeinde Condon teilte der Dame vom Chamber of Commerce mit, dass ich unterwegs bin und K’Lynn kontaktierte mich sofort auf Facebook, ich solle auf jeden Fall bei ihr vorbeikommen.

Chamber of Commerce – die Handelskammer, hat in solchen kleinen Orten nicht nur die Aufgabe die Gewerbetreibenden zu unterstützen, sondern auch für das Gemeinwohl zu sorgen. Eine super sympathische und weit über die Grenzen des Ortes bekannte Dame, die mich per Facebook weiter reichte und ich somit bekannt war wie ein bunter Hund.

Das führte zu Artikeln in Zeitungen und dazu, dass Leute an der Straße anhielten und mir Geld für meinen Fundraiser gaben. Ich bekam Bananen und kalte Getränke gereicht oder Leute hupten und feuerten uns an. Es hatte schon fast was vom Iran – das gastfreundlichste Land, in dem ich je gewesen bin.

„Pushbikegirl, schön Dich wieder zu sehen“, sprach mich eine Frau auf der Straße an. „Entschuldigung, kennen wir uns?“ erwiderte ich.

„Na klar, Du hast doch 2016 bei uns im Feuerwehrhaus übernachtet. Damals warst Du mit dem Fahrrad unterwegs. Das neue Gebäude war gerade erst eingeweiht worden und am nächsten Tag hatten wir einen Schneesturm,“ erzählte sie mit einer Begeisterung, als wäre es gestern gewesen.

An die Geschichte konnte ich mich noch erinnern, aber an das Gesicht der Dame oder den Namen leider nicht mehr. Auch wusste ich nicht mehr, dass ich schon einmal in Condon gewesen bin.

Doch konnte ich mich endlich dafür entschuldigen, dass die Danke-Postkarte nicht bei ihr angekommen ist, denn die ganze Postkartensendung aus Vancouver ging damals verloren. Es ist leider immer peinlich, wenn man sich nicht entschuldigen kann.

In Fossil durfte ich auf dem RV Park übernachten, hatte tolle Gespräche im kleinen Diner des Ortes und konnte zudem Butch mit Hamburger Patty’s versorgen.

Was mich sehr Berührte war, wie liebevoll ein Sohn seinen alten Vater zum Friseur brachte. Er half ihm aus dem Wagen, brachte ihn in den Friseursalon, half ihm zurück auf den Sitz und war weder genervt, noch gestresst, sondern strahlte dabei absolute Zufriedenheit aus.

Die Uhren ticken hier langsamer. Die Leute haben Zeit zum Reden. Sie treffen sich vor dem Supermarkt und erzählen sich den neuesten Dorfklatsch.

Zwischen Fossil und Spray hielt Ian an, packte seinen Grill aus dem Auto aus und fing an für uns zu kochen. Big Foot oder auch Sasquatch genannt (Wikipedia), war unser Hauptthema, denn der soll ja bekanntlich in den Wäldern Amerikas beheimatet sein.

Die Landschaft zwischen den Orten war einfach super. Nahezu kein Verkehr und immer wieder ganz tolle Leute, die anhielten und sich mit mir unterhalten wollten.

Auch der Sheriff des nächsten Bezirks schaute wieder nach dem Rechten und gab mir ausführliche Infos, welchen Weg ich einschlagen soll und wo ich zelten kann.

„Ich mache jetzt Feierabend. 300 Meilen bin ich heute gefahren“, meinte er zu mir. „Nachdem hier nachts die Bürgersteige hochgeklappt werden, kann ich früh Feierabend machen. Ich liebe meinen Job. Ich habe ein gutes Einkommen und eine vernünftige Krankenversicherung. Wir leben in einer sehr ruhigen Gegend. Wir haben selten Schwierigkeiten. Alle sind freundlich zueinander.“

Genau das spürte auch ich. Sicherlich weiß zwar der Nachbar hier draußen, wann wer mit wem und ob überhaupt, in die Kirche geht, aber die Stimmung in den Ortschaften war durchweg positiv.

Heike & Butch laufen für One Tree Planted – von Lilly Lindlar

Photosynthese ist die Antwort auf mindestens eine Frage in jeder Quizshow. Es ist aber auch genau die Fähigkeit, die Bäume zu so einer geeigneten Waffe im Kampf gegen Luftverschmutzung und Klimawandel macht. Und das Beste: Jeder einzelne Baum macht es jeden Tag. Das heißt aber nicht, dass jede Art, Bäume anzupflanzen, nur Vorteile bringt. Und nicht alle Baumarten sind gleich effizient bei der CO2-Aufnahme.

Da Monokulturen meist vollständig künstlich geschaffen sind, passt Begriff “Ökosystem” hier nicht wirklich. Das Zusammenspiel von Pflanzen- und Tierwelt findet nicht statt. Stattdessen wird man begrüßt von unheimlicher Stille und karger Vegetation. Besonders in Gegenden, die bereits hohe Verluste durch Abholzung verzeichnen, ist dies ein zusätzlicher Rückschlag.

Bäume in Monokulturen sind zudem sehr anfällig für Schädlingsbefall. Der Borkenkäfer, beispielsweise, ist dafür bekannt, innerhalb kürzester Zeit ganze Fichtenwälder zu zerstören. Da die meisten Schädlinge auf bestimmte Baumspezies angewiesen sind, bietet eine Baum-Monokultur meilenweit den perfekten Lebensraum. Obwohl wir neue Bäume dringend brauchen, um jahrelange Abholzung wieder gut zu machen und die Luftverschmutzung zu bekämpfen, ist dies ein Schritt in die falsche Richtung.

Nicht nur die Art der Anpflanzung spielt eine Rolle bei der Verwendung von Bäumen im Kampf gegen den Klimawandel. Auch die Art der Bäume hat Einfluss darauf, wie geeignet diese als CO2-Filter sind. Baumarten mit größeren Blättern, wie Eiche und Ahorn können aufgrund der größeren Oberfläche mehr CO2 aufnehmen. Nadelbäume sind in der Lage, eine große Menge Hitze zu absorbieren. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, viele verschiedene Arten von Bäumen anzupflanzen, um alle Eigenschaften auszunutzen. Natürlich muss dabei beachtet werden, dass es sich um einheimische Setzlinge handelt, damit diese sich im Ökosystem integrieren können.

Genau diese Aufgabe übernimmt One Tree Planted. Am Beispiel Brasilien wird deutlich wie die NGO arbeitet. 2019 wurden mehr als 5000 Bäume 80 verschiedener Arten im Atlantik Forest in Brasilien gepflanzt. Dieser Wald leidet bereits seit Jahrzehnten unter Waldbränden, Bergbau und Abholzung. Nun, da die neuen Setzlinge in das bereits vorhandenen Ökosystem integriert sind, profitieren sowohl die jungen Bäume als auch bestehende Vegetation. Der Wald kann also endlich mit der Regeneration beginnen.

Hier geht’s zu Heike’s Fundraiser. Spenden sind herzlich willkommen

Ein Kanadier vermittelte mich im Ort Spray an Lorraine. Eine sehr sympathische Hundetrainerin, die uns sofort aufnahm und mir ganz viele Tricks beibrachte, wie ich Butch erziehen kann. Es war beeindruckend zu sehen, wie sie mit ihm umging und wie schnell sie ihn dazu brachte, dass zu tun, was sie ihm sagte.

Butch war überall beliebt. Er ist bestens sozialisiert und freut sich immer wieder, wenn sich Menschen oder andere Hunde mit ihm beschäftigen. Er liebt es im Mittelpunkt zu stehen und kann es nicht ausstehen, wenn er auch nur eine Minute alleine ist. Selbst das Klo kann ich nicht alleine besuchen.

Ein Redneck hielt an: „Hey sexy chick, falls Du heute Nacht einen Unterschlupf suchst, kannst Du gerne bei mir übernachten.“

Ich schenkte ihm ein Lächeln und meinte: „Oh Danke, aber nein, heute nicht“ und ging weiter. 

Die Canyonlandschaft beeindruckte mich weiterhin. Was mich immer wieder in den USA fasziniert, ist diese Wahnsinns Vielfalt an Landschaften. Jeden Tag erlebe ich hier Postkartenmotive und liebe den Westen noch genauso wie beim ersten Mal!

„Willst Du nicht mal wieder nach Hause gehen?“ werde ich immer mal wieder gefragt. „Nach Hause, in Zeiten von Corona? Warum sollte ich das tun? Ich habe hier alle Freiheiten der Welt und zu Hause muss ich mich irgendwelchen Regeln unterwerfen. Nein danke, ich bleibe gerne weiterhin hier und genieße das Leben“ erwiderte ich.

Wir haben hier die Möglichkeit an jeder Ecke zu zelten. Butch kann herumtollen wie es ihm gefällt, er ist immer draußen und erlebt jeden Tag Neues. Mittlerweile bin ich davon überzeugt, dass ihm das Globetrotter Dasein gefällt.

Seine Neugierde auf die Welt ist beeindruckend und es macht Spaß Dinge durch ihn zu sehen und zu erleben, die mir selbst nicht auffallen würden. Trotzdem ist es anstrengend, da ich viel zu wenig Schlaf bekomme.

Lizzy und ihr Mann hielten an. „Wir haben bereits von Euch gehört. Toll Euch zu treffen“, und Butch war sofort in seinem Element und spielte vergnügt mit seinen neu gewonnenen Freunden. „Wir haben ebenso Cattle Dogs und lieben die Rasse sehr“ hörte ich sie sagen.

„Jody wohnt nicht weit von hier, sie freut sich sicherlich Euch zu sehen. Wir sagen ihr Bescheid, dass Ihr kommt“ und so hatten wir schon wieder die Möglichkeit neue Leute zu treffen.

Jody war klasse. Sie freute sich mächtig uns im Haus zu haben und erzählte mir von ihren Abenteuern mit ihren Mules. Sie ist einige Male mit ihren Tieren in den USA unterwegs gewesen und kann bis heute von ihren geschriebenen Büchern leben.

In Dayville hat die Kirchengemeinde ein Biker-Hostel aufgemacht.

Hostel ist dabei etwas zu viel gesagt, denn es gibt keine Betten, aber das ist völlig egal, denn gegen eine Spende darf man in der Kirche auf dem Boden übernachten, duschen und die Küche und das WLAN nutzen. Die Schränke sind voller Essen und jeder wird aufgenommen.

Ich blieb zwei Nächte, um mich ein wenig auszuruhen. Die erste Nacht teilte ich den Schlafraum mit einem Amerikaner, der so wahnsinnig schnarchte, dass ich kaum schlafen konnte.

Am nächsten Tag kam Hassan vorbei. Der erste Saudi, mit dem ich je gesprochen habe. Ein witziger Typ, dessen Familie sich ganz arg Sorgen um ihn macht.

Wie wir ja alle wissen, ist die Welt ja anscheinend so sehr gefährlich. Wenn wir – oder in diesem Fall die Amerikaner – von Saudi-Arabien hören, denken wir gleich an Schurken und frauenfeindliche Menschen.

Die Saudis hingehen, haben laut ihm, Angst vor den Amerikanern. Am Ende machen wir uns also alle Sorgen, weil ja angeblich die anderen immer so böse sind.

Hassan lebt seit 12 Jahren in den USA und radelt nun zum Abschluss seiner Zeit einmal quer durch die Staaten. Er war in den vielen Jahren nicht einmal zu Hause und weiß nicht so recht was auf ihn zukommen wird, wenn er wieder heimgeht.

Das weckte natürlich gleich Erinnerungen, denn auch für mich war das Heimkommen damals, nach gerade einmal 4.5 Jahren, nicht einfach und ich konnte seine Nervosität diesbezüglich absolut nachvollziehen. 

Das Gespräch brachte Fernweh. Die USA ist ja schon fast meine zweite Heimat geworden. Die Begeisterung für das Land ist immer noch vorhanden, aber es ist nicht mehr ganz so spannend wie noch vor ein paar Jahren.

Sobald die Pandemie ein Ende hat, werde ich wieder in exotischere Länder reisen. Das Fremde fehlt mir doch sehr. Kulturen kennenlernen ist immer noch mein liebstes Steckenpferd.

Ich nahm die Abkürzung nach Burns. Eine Piste, auf der es nahezu keinen Verkehr gab. Die drei Fahrer, die ich in den 5 Tagen getroffen habe, hielten alle an und fragten ob ich etwas brauche.

Auch hier war die Landschaft wieder richtig beeindruckend. Biber, Otter, Rehe und Wildpferde begleiteten zudem unseren Weg.

Kurz vor Burns durfte ich bei Cowboys übernachten. „Wir müssen mittlerweile 30% des Futters zukaufen, weil wir seit Jahren kaum Niederschlag haben,“ erzählte mir der Vater der Familie. Er war allerdings trotzdem überzeugt, dass wir Menschen nichts mit dem Klimawandel zu tun haben.

Ein Cowboy parkte an der Seite der Straße und so hielt ich ein Schwätzchen mit ihm. Wir unterhielten uns über Covid und er war ganz offensichtlich ein Trump Anhänger.

„Ich lasse mich nicht impfen! Bill Gates hat von fünf an Krebs erkrankten Frauen Zellen entnommen und damit den Impfstoff hergestellt. In fünf Jahren werden wir somit sehen, dass die ganzen Geimpften an Krebs erkranken werden und Bill Gates kann dann seine Krebsmedikamente verkaufen. Nein, ohne mich!“ und ich lief weiter und dachte über all die vielen Verschwörungstheorien nach, die ich im Laufe meiner USA Aufenthalte bereits gehört habe.

In Burns hatte ich versucht meine Isomatte zu flicken – leider erfolglos. Seit Wochen wachte ich morgens auf dem blanken Boden auf und hatte Kreuzschmerzen.

Colleen, mit der ich mich zweimal in Washington getroffen habe, bestellte mir neue Schuhe nach Burns. Nachdem ich bereits auf dem Asphalt lief, war das auch dringend nötig.

Die Moskitos in Burns waren fast so schlimm wie in Kanada, oder wie ich mir sie in Alaska vorstelle. Scharenweise machten sie sich über uns her!

An der Tankstelle sagte ein Mitarbeiter zu mir: „Ich kenne Dich. Schau mal, ich habe Bilder von Dir auf meinem Handy.“ Sein Kumpel traf mich vor einigen Wochen in Washington und hatte Bilder von mir gemacht und meinte damals, dass er für meinen Fundraiser Reklame machen wird.

Kurz außerhalb Burns suchte ich nach einer Zeltstelle. Eine große Farm lag unweit der Straße und ich lief auf das Haus zu und klingelte. Keine Reaktion. Ich rief und klingelte noch einmal, bis ein Mann durch die verschlossene Türe zu mir sagte: „Was willst Du?“

Ich stellte mich vor und erklärte ihm mein Anliegen. Woraufhin er die Türe einen ganz kleinen Spalt öffnete und sagte: „Wir lassen keine Fremden auf das Grundstück.“

„Ich bin eine Frau und alleine mit meinem Welpen. Wir haben keine Waffe und verlassen die Farm im Morgengrauen“ versuchte ich ihn zu überreden.

„Stell Dein Zelt direkt neben dem Highway auf. Aber ich warne Dich! Wenn Dein Hund eines meiner Schafe reißt, dann erschieße ich ihn sofort. Mache kein Feuer!“

Arschloch, war alles was ich in dem Moment im Kopf hatte und wenn ich eine Alternative gehabt hätte, wäre ich ganz sicher weiter gegangen.

Die Hitzewelle rollte an. Aus 38 Grad wurden 43. Butch war schon fast bewegungsunfähig. Ein Glück hatte ich ihm eine Kühlweste gekauft. Doch wenn er sie trug, benahm er sich als sei er behindert. Es kühlte ihn auf jeden Fall, aber er trank nicht mehr und lief auch keinen einzigen Schritt mehr.

Die Hitze war brutal. Die Vegetation spendete keinen Schatten und es fing an zu nerven. Ich hatte auf einmal schlechte Laune und zweifelte an meiner ganzen Aktion.

Ich mag das Tempo des Laufens. Ich habe deutlich weniger Rückenschmerzen als auf dem Fahrrad, doch die Kombi mit Butch und dem Trailer ist einfach sehr schwierig.

Wenn er neben dem Trailer herläuft, rennt er von links nach rechts und von vorne nach hinten – je nachdem auf welcher Seite es gerade etwas Spannendes zu sehen gibt. Er bellt bei jeder Kuh, verfolgt jeden Chipmunk, bellt Schilder oder seltsam gewachsene Bäume an, spielt mit Ameisen, springt nach Vögeln, Heuschrecken und Käfern.

Er schnappt sich die Schmetterlinge und Moskitos aus der Luft und wickelt dabei die Leine um den Reifen. Somit muss ich ihn erst befreien, bevor wir wieder ein paar Schritte laufen können. All das aber nur im Morgengrauen oder ganz spät abends, denn den Rest vom Tag ist es ihm viel zu heiß.  

Wir kamen dadurch natürlich nicht vorwärts. Auch wurde er immer schwerer und wog bereits 15 kg, die ich noch zusätzlich zu meinem Kram den Berg hochschieben musste. Ein Glück konnte er im Trailer auch schlafen oder zumindest ruhen.

Ein Tag hat ja bekanntlich einige Stunden und somit schafften wir dann aber doch zwischen 15 und 20 Meilen – zumindest ab und zu – meistens waren es allerdings deutlich weniger.  

Autos rauschten an uns vorbei. Keiner hielt an. Riesige Motorhomes, die sicherlich 30 – 40 L pro 100 Kilometer verbrauchen und die Leute sich wahrscheinlich kein bisschen um die Umwelt sorgen.

Ich kam mir absolut bescheuert vor. Ich lief in der prallen Sonne bei über 40 Grad und dachte an Greta, die da einsam mit ihrem Schild am Schulhof sitzt und sich nicht klein kriegen lässt auch wenn die Sprüche, die ihr entgegengebracht werden noch so ätzend sind.

Oder an den ein- oder anderen Politiker, der oder die sich ständig den ganzen Frust der Bevölkerung anhören müssen, obwohl sie versuchen etwas ins Positive zu verändern.

Unter dem letzten Zeitungsartikel über mich stand der Kommentar: Warum läuft sie nicht durch China? Die Chinesen sind doch die Schlimmsten, nicht wir.

You can’t fix stupid – ist alles was mir dazu einfällt.

Der Trooper – also der Verkehrspolizist hielt an und war vor allem um Butch besorgt.

„Ich habe auch einen Cattle Dog. Es ist doch viel zu heiß für ihn. Ich nehme Euch mit zum nächsten RV Park, dort könnt‘ ihr euch kalte Getränke besorgen und im Schatten warten bis es kühler wird.“

Kurze Zeit später saßen wir im Polizeiauto und ich war froh aus der Hitze zu sein.

Doch es kühlte überhaupt nicht mehr ab. Es hatte abends um 20 Uhr noch immer 38 Grad.

Mein Weg sollte mich Richtung Alvord Desert führen, doch ich fing an den Plan zu überdenken. Mary und Wes kamen des Weges und sorgten sich um uns.

„Ich habe Dich in Burns gesehen. Es ist doch viel zu heiß. Komm mit uns, ihr könnt‘ bei uns auf der Farm übernachten“ und auch diese Mitfahrgelegenheit nahm ich gerne an.

Am nächsten Tag hatte ich Riesen Glück und durfte beim Branding dabei sein. Die Rinder bekamen ihr Brandzeichen verpasst. Eine sehr interessante Erfahrung, die mir so gut gefallen hat, dass ich darüber einen eigenen Artikel schreiben werde.

Die Cowboys redeten alle auf mich ein:

„Dreh um. Laufe nicht Richtung Nevada. Wir nehmen Dich mit zurück in den Norden. In Seneca kannst Du aussteigen und dich dort zumindest ab und zu mal unter einen Baum setzen und ausruhen. Weiter südlich kommst Du aus der Hitze gar nicht mehr raus.“

Natürlich war mir das alles klar, doch von Gedanken und Wünschen zu verabschieden ist ja nicht immer ganz so einfach. Doch eine Stunde später saßen wir im Pferdeanhänger und wurden ordentlich durchgeschüttelt. Butch hatte richtig Panik und krallte sich auf meinem Schoss fest. Die anderen Hunde, die dort mit hinten im Trailer saßen, waren ebenso extrem nervös.

In Seneca angekommen liefen wir in Richtung Osten. Einsame Straße und voller Bäume, doch wir kamen nicht weit. An meinem Trailer brach der Lenker.

Zurück im Ort nutzte ich das WLAN des Dorfladens, der einzige Ort in dem Kaff, an dem es eine brauchbare Verbindung gibt. Ich erhoffte mir online eine Lösung zu finden.

Talyn arbeitet in dem kleinen Laden und hatte einen Kumpel, der seit Jahren in verschiedenen Radläden arbeitete, aber leider auch keine Lösung fand, wie wir den Trailer wieder flott kriegen! Und nun?

Die Idee mit dem Esel kam wieder einmal auf. In Burns gab es eine Frau, die wilde Esel trainiert und Talyn fuhr mich sofort dorthin.

Doch nach zwei Tagen musste ich auch da wieder feststellen, dass ich für einen Esel keine Geduld habe! Butch und Esel in Kombi ist einfach zu viel! Eselversuch Nummer 3 war somit mein letzter Esel-Versuch!

Aber wie geht’s nun weiter?

Zu allem Übel ging nun auch noch mein Computer kaputt. Insgesamt hatte ich also in den letzten Monaten folgende Schäden an meinen Sachen:

Computer kaputt, Kamera kaputt – dann die ausgeliehene Kamera kaputt, Objektiv verloren, Trailer gebrochen, Isomatte pausenlos platt.  

Ich kontaktierte meinen Kumpel Ronny und zudem die Werbung Firma Burley und bekam glücklicherweise von Burley einen neuen Trailer zu Talyn geschickt. Vielen DANK Burley.

Talyn kochte uns selbstgefangenen Lachs mit gebackener Ananas auf dem Grill. Absolut lecker!

Ronny kam uns besuchen und half mir mit dem Aufbau des neuen Trailers, den ich von nun an als Rikscha nutzen wollte.

Doch das schieben mit Butch war einfach zu nervig. Anfangs machte der Rikscha-Aufbau einen guten Eindruck und ich war froh um die Verbesserung. Nur leider testete ich den Burley vor allem ohne Butch.

Wenn man den Wagen so packt, dass der Schwerpunkt des Gewichtes über den Rädern liegt, funktioniert die Rikscha wunderbar. Hat man allerdings einen Hund im Wagen liegen, der sich nicht dort stapeln lässt wo man ihn haben will, wird es schwierig.

Sobald Butch weiter vorne saß, war die Anstrengung viel zu groß und die Schulter- und Rückenschmerzen wurden jeden Tag schlimmer. Es funktioniert nicht, sagte ich mir immer wieder! Mach was anderes! Und doch konnte ich das Handtuch noch nicht schmeißen!

Ronny bot an Butch im Auto zu transportieren – als Sherpa Service sozusagen. Aber darauf hatte ich gar keine Lust.

Es kam der Moment, an dem die Schmerzen zu groß waren und ich mich an den Straßenrand setzte und zu mir sagte: Heike das ist Schwachsinn was Du hier machst!

Ich laufe keinen Schritt weiter. Ich warte auf eine Mitfahrgelegenheit. 5 Stunden später kam ein Auto und wir saßen wieder in einem Pferdeanhänger.

Doch diesmal nur für ein paar Meilen. Danach sammelte mich der Trooper ein und fuhr mich bis Vale, der erste Ort, an dem es wieder Telefonservice gab. Etwa 50 Meilen in der falschen Richtung.

Auch hier zeigte das Thermometer 43 Grad an und das um 17 Uhr.

In einem Dog Park traf ich auf einen Hundebesitzer dessen Hund die Tage erschossen wurde, weil er in einem Grundstück zu nah ans Vieh heran kam. In Oregon darf man Hunde einfach erschießen, sobald sie Vieh jagen.

Am nächsten Morgen kam dann der Rauch. Oregon brennt an vielen Stellen. Es brennt in Idaho, Montana und es ist kein Ende der Hitze in Sicht. Und nun?

Die Klimakrise ist im vollen Gange, genau der Grund warum ich diesen Lauf gestartet habe, aber genau an den klimatischen Extremen sind wir gescheitert.

Aktion Walk Across America wird somit schweren Herzens abgebrochen – es hat nicht sollen sein!

Doch ich werde weiterhin für Aufforstung Geld sammeln, denn meine Abenteuer gehen ja weiter und die Klimakrise auch! 

Bis bald – das neue Abenteuer startet nächste Woche und natürlich werde ich darüber wieder berichten!

Fundraiser Stand liegt bei 6180 Dollar – somit haben wir bereits 6180 Bäume gepflanzt!
DANKE an jeden der bisher gespendet hat!

DANKE an Ronny, der uns sehr viel geholfen hat!
DANKE an alle anderen, die unseren Lauf so sehr bereichert haben!

Danke auch an folgende Firmen, die unseren Lauf unterstützt haben: Werbung

sponserte einen Trailer

sponserte die Reisekrankenversicherung

sponserte einen Quilt

Hast Du Interesse Butch auf seinen Abenteuern zu unterstützen?

Futter, Spielsachen, Medikamente, Tierarztkosten etc.

Natürlich bekommst Du auch eine Postkarte als Dankeschön!

Herzlichen DANK 🙂
Wir freuen uns sehr darüber!

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Allen Flutopfern wünsche ich von Herzen alles Gute!

15 Kommentare

  1. Hey Heike, wieder echt so tolle, abwechslungsreiche Fotos, und wie schön, mal wieder etwas von Dir zu lesen.
    Und wie gesund, den Abbruch deines walks across America nicht als Scheitern zu sehen, sehr sympathisch.
    Viele Grüße
    Heike

    Antworten
    • Hi Heike,

      lieben DANK! Freue mich sehr ueber Deinen Kommentar!
      Ja, man muss einfach einsehen koennen, wenn etwas nicht hat sollen sein!
      Lieben Gruss – wo auch immer Du gerade unterwegs bist – wuensche Dir eine tolle Zeit!
      Heike aus den Staaten!

      Antworten
    • Liebe Heike,

      es ist schade, dass du deine Pläne nicht verwirklichen konntest, aber Feuer sind echt schlimm und damit sollte man nicht spaßen.

      Um uns herum sind gerade auch über 70 Brände und wenn man sieht, wie die Natur, die Tiere und auch Menschen dem zum Opfer fallen, dann muss selbst einen Blinden auffallen, dass das hausgemacht ist. Dein Projekt ist toll, denn jeder Baum zählt, heute um so mehr!

      Liebe Grüße und alles Gute auf eurer Reise, wo immer sie euch nun hin verschlägt!

      Alex

      Antworten
      • Liebe Alex,

        ja, es sollte nun jeder verstanden haben….

        DANKE und Dir eine gute Zeit!

        LG Heike & Butch

  2. Toll, dass Du es bis hierher geschafft hast! Ich hätte wahrscheinlich schon lange vorher das Handtuch geschmissen 😉 Bin gespannt auf Deine nächsten Pläne!

    Antworten
  3. Hallo Heike ,schade das deine Tour jetzt endet ,aber wir sind schon gespannt was ihr 2 als nächstes vor habt .
    Wieder mal klasse Bilder und Gedanken deiner Reise ,wir drücken dir weiterhin die Daumen …..viele grüße von Klaus und Hilde

    Antworten
    • Herzlichen DANK lieber Klaus und liebe Hilde!
      Ich hoffe das Hochwasser hat Euch verschont!
      Die Postkarte geht die Tage auf den Weg…..
      Lieben DANK – alles Gute und geniesst den Sommer!
      Heike & Butch

      Antworten
  4. hallo Heike,
    Deine wundervollen, authentischen Bilder machen mich sprachlos.
    Sie haben so viel Inneres, nicht zu vergleichen mit sonstigen Reisebildern.
    Dein Blick für Motive ist wirklich einzigartig. Deinen Bildern sind die Umstände
    anzusehen unter denen diese entstanden. Ich habe noch nichts Schöneres
    gesehen.

    Dir und Deinem lieben Begleiter alles Gute
    wünscht Dir Claus

    Antworten
  5. Hallo Butch! ,🙂
    -super Leistung von Dir!
    Meine Hündin Joy (Border-Collie-Hovawart) hat damals in Südfrankreich bei ähnlichen Temperaturen gleich gestreikt und mich für verrückt erklärt 🙂
    LG Hiltraud

    Antworten
  6. Hallo liebe Heike,
    wow 😲!…, einfach atemberaubend Deine unbeschreiblich schönen Fotos, sowie Deine ebenso atemberaubende Tour! Da war ja echt so „Einiges“ bei Dir und Deinem süßen Butch los…! Wie Du dann immer wieder alles so meisterst, chapeau!, großartig 👏!
    Danke für den virtuellen, bzw. visuellen Hochgenuß!!!

    Liebe Grüße
    von Deiner
    Ingrid aus Bade-Bade

    Antworten
    • Herzlichen DANK liebe Ingrid…..

      LG aus den USA, ich hoffe es geht Dir gut…..

      Alles Gute von Butch & Heike

      Antworten
  7. Liebe Heike,
    es freut mich zu lesen, dass die Oregon so gut gefallen hat und dass du trotz der Brände viele Erinnerungen sammeln konntest und tolle Begegnungen mit den Menschen hier hattest. Ich lebe seit 2 Jahren in Portland und muss sagen mir gefällt es hier auch außerordentlich gut.

    Pass auf dich auf!

    Antworten

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