Ich startete meinen kurzen, neuen Reiseabschnitt, der da ohne Radfahren stattfand, mit Sombrerete einem kleinen, magischen Dorf im Bundesstaat Zacatecas im Norden Mexikos.

Ein tolles Dorf voller Leben auf den Gassen und genialen bunten Häusern, Kirchen und viel Flair. Ich schlenderte bis spät durch die Straßen und genoss es hier ausgiebig zu fotografieren, in einem kleinen Hotel zu übernachten und mir keine Gedanken um irgendetwas machen zu müssen. Es war einfach mal was anderes, ein anderer Stil und das alleine war einfach gut und eine Abwechslung.

Billard ist eine beliebte Abendbeschäftigung unter Männern. Oftmals herrscht in den Kneipen eine interessante Atmosphäre und für mich war es bisher immer einen kurzen Aufenthalt wert um die Männer beim Spiel zu beobachten.

Auch Domino wird immer wieder gespielt, vor allem unter den älteren Herren.

Komischerweise ist Fußball nicht wirklich beliebt. Jungs die kicken sehe ich nahezu nie.

Cowboyhüte sind in jedem Alter bei den Männern das Outfit schlechthin und ich muss sagen es steht ihnen wirklich sehr gut.

Die Abendaktivitäten weiteten sich mittlerweile etwas länger in die Nacht hinein aus. Was ich sehr positiv fand. Es ist einfach toll, wenn man in einer lauen Nacht unbesorgt durch die Gassen schlendern und Leute beobachten kann wie sie zur Musik lauschen und zusammensitzen und eine schöne Zeit haben, wenn auch weiterhin wenig Freude in der Luft lag.

Die etwas trostlose Zeit die ich im Norden hatte schien sich auf jeden Fall zu verbessern, wobei ich jetzt nicht sagen konnte, dass die Leute mich nun mit offenen Armen empfingen, aber es schaute alles etwas positiver aus.

Zacatecas war die erste richtige Kolonialstadt, die fast schon im Herzen des Landes auf etwa 2000m liegt und umgeben von Wüste auf einmal aus dem Nichts auftauchte. Eine alte Silberstadt in der die Spanier einiges an Kirchen und Kolonialbauten hinterlassen haben. Eine reiche Stadt.

Auch das muss ich im Allgemeinen sagen, den Mexikanern geht es einigermassen gut, es kam bisher nie der Moment für mich auf, dass ich dachte die Leute müssen hier hungern oder sehr stark zurückstecken, außer bei den Indianern in den Bergen, sie hatten wirklich nur das Allernötigste. Auch wenn es in den abgelegenen Dörfern teilweise sehr schäbig aussah, waren die Leute ordentlich gekleidet und in den Läden gab es allermeistens auch was zu kaufen.

Ich nächtigte das erste Mal seit ewigen Zeiten wieder in einem Hostel. Was mir immer wieder gut gefällt um Leute aus aller Welt zu treffen. Sich richtig unterhalten zu können ist einfach immer wieder eine tolle Sache.

Zacatecas war schön, aber ich hatte von der Stadt etwas mehr erwartet.

Von nun an gab es etwas mehr internationales Essen was ich sofort ausnutzte und beim Chinamann Dauergast wurde, weil mir das Mexikanische Essen mittlerweile zum Hals raus hing.

Ich unterhielt mich darüber mit einer Japanerin, die da meiner Meinung war. „Der Tortillafladen ist eben manchmal gefüllt, manchmal auch nicht. Er wird gefaltet oder auch nicht. Oft trieft er vor Fett und die Füllungen variieren auch nur wenig.“

Ich hätte es nicht besser ausdrücken können.

Dazu gibt es Cola. Viel Cola. Ich kenne kein anderes Land in dem so viel Cola getrunken wird wie in Mexiko. Ich kenne die Statistik nicht, aber ich bin überzeugt sie schlagen dabei sogar die USA. Sie kaufen die Cola auch nicht in 0,3 Dosen wenn sie sie nach Hause tragen, nein es sind 2,5 Liter Flaschen.

Chips sind beliebt bei Groß und Klein. Dazu das viele Fleisch und viele Fett. Die Leute sind dementsprechend übergewichtig. Als ich in den USA war sagte mir ein Ami „Du wirst sehen die Mexikaner sind noch dicker als wir Amis.“ Damals dachte ich der spinnt. Aber da liegt er gar nicht mal so falsch damit.

Oxxo ist der Seven Eleven von Mexiko, eine Ladenkette , den es an absolut jeder Straßenecke gibt, in dem man halt viel Schrott einkaufen kann. Alleine die vielen Sorten Chips füllen ein ganzes Regal der Länge des Ladens nach.

Ich mag den Oxxo Laden, auch wenn das Personal dort alles andere als freundlich ist. Aber aus einem ganz besonderen Grund. Hier gibt es nämlich meine geliebte Kinderschokolade! Echte Deutsche Kinderschokolade, daher fällt es mir schwer den Laden zu ignorieren.

Was genial ist sind die vielen leckeren Früchte die es nun an jeder Ecke gibt. Die frisch gepressten Orangensäfte sind der Hit, die Mangos und Papayas göttlich. Die Kokosnussmilch ist mindestens genauso lecker.

Jerez de Garcia Salinas war ein weiteres Pueblo Magico, also ein magisches Dorf, in das ich mich kurz verirrte und dort das erste Mal mit richtig spaßiger Live Musik konfrontiert wurde. Die Kapellen ziehen dabei von Kneipe zu Kneipe und spielen was das Zeug hält, oftmals bis tief in die Nacht hinein.

Dazwischen reiten die Cowboys auf ihren Pferden durch die Gassen, putzen die Schuhputzer die edlen Lederschuhe die hier getragen werden und die Frauen präsentieren ihr neues Abendkleid.

Da fahren die jungen Kerle mit ihren nagelneuen Schlitten den ganzen Abend die Straßen lang ab um Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und die alten Männer sitzen seelenruhig auf den vielen Parkbänken die es rund um jede Plaza gibt und beobachten die Szene.

Da war endlich was geboten, das war das Mexiko, dass ich erwartet hatte.

Nun war es Zeit für Guanajuato, eine weitere UNESCO Kolonialstadt die wohl mit zu den schönsten Städten gehört die ich je gesehen habe. Der Ausblick von oben auf die Stadt ist sensationell. Die bunten Häuser ein Augenschmaus und die engen, verwinkelten Gassen der totale Traum für jeden Fotografen.

Abends tobte in der Stadt der Kittel. Da war wieder Live Musik an jeder Ecke und die Bands liefen auch hier von einem Stadtteil zum anderen. Die Innenstadt war Autofrei und somit richtig angenehm zum Schlendern und beobachten. Einfach toll und sicherlich nach der Baja California für mich das weitere Highlight des Landes.

Ich fing an Gefallen an Mexiko zu finden, die letzten Wochen waren wirklich angenehm und beeindruckend. Ich konnte hier so richtig meine Liebe zur Fotografie ausleben, was mich immer wieder begeistert und wirklich sehr wichtig für mein Wohlsein ist. Wenn ich fotografiere geht es mir gut – ganz einfach.

Zwischen den Sehenswürdigkeiten waren oft ewig weite Strecken, die durch langweilige Gegenden gingen und ich war nicht wirklich traurig darum, dass ich hier nicht überall radeln musste und genoss den motorisierten Luxus wirklich sehr.

Auf dem Weg in die Sierra Gorda, fing ich mir eine Lebensmittelvergiftung ein, die mich heftig in die Knie zwang, doch nach etwa 24 Stunden war das schlimmste wieder vorbei.

Die Fahrt dorthin ging durch eine schöne Berglandschaft bis ich am Ende in Xilitla landete und im Dschungel war. Die Hitze war plötzlich kaum auszuhalten, doch die bunte Vogelwelt entschädigte für die Qualen. Da war endlich Leben in den Bäumen, da flattern Schmetterlinge, Papageien flogen an mir vorbei und die Welt war landschaftlich endlich eine völlig andere.

So sehr ich die Wüste liebe, aber irgendwann reicht es auch mir.

In Xilitla interessierte mich James Edwards surreale Betonlandschaft die er in seinem Dschungel für die Nachwelt hinterlassen hatte. Für meinen Geschmack etwas zu viel Beton, trotzdem war es ein Garten wie ich ihn so noch nie gesehen hatte und fand das richtig spannend zu erleben.

Was mir auch gut gefiel an diesem kurzen Touri-Trip war die Möglichkeit andere Touristen zu treffen. In diesem Fall traf ich auf einen Israeli mit seiner Italienischen Freundin, die mir das neueste aus Berlin berichteten, in dem sie seit 5 Jahren zu Hause sind. Dazu ein Spanisches Pärchen die mit ihrem VW Bus in den Norden fahren und ebenso die letzten 3 Jahre in Berlin wohnten. Da gab es viel zu erzählen.

Lulu verdiente sich das Taschengeld für die beiden, indem sie eine Spendenkasse aufstellte und jedem die Haare schnitt der Interesse hatte. Rund um den Eingang des viel besuchten Gartens hatte sie einige Kunden, unter anderem auch mich. Der 5. Haarschnitt meiner Reise und auf jeden Fall der Beste.

Dadurch, dass ich aller meistens auf irgendwelchen abgelegenen Pisten unterwegs bin ist es einfach oft schwer andere Reisende zu treffen, etwas was mir in der letzten Zeit oft fehlt.

Mit einem Amerikaner, fuhr ich von dort bis Teothiuacan zurück ins Hochland. Die große Pyramide in der Nähe von Mexiko City, beeindruckte mich allerdings nicht wirklich sehr. Da waren mir auch zu viele Leute unterwegs. Es sah für mich auch mehr aus wie eine Apokalyptische Raumstation auf dem Mars als irgendeine Ruinenstadt aus der Antike. Zudem gab‘s hier nur unfreundliche Leute.

Ich hatte mir mittlerweile eh abgewöhnt freundlich zu sein. Ich hatte mit den Mexikanern abgeschlossen. Auch ich sagte niemandem mehr Hallo, auch ich bedankte mich nicht mehr und auch ich sagte nicht mehr Auf Wiedersehen. Nur zu den Kindern versuchte ich weiterhin ein paar nette Momente aufzubauen denn die waren oft dankbar und lachten zurück.

El Tajin, eine weitere Pyramidenanlage, die kurz vorm Golf von Mexiko liegt stand als nächstes auf dem Programm. Somit war ich zurück in der Hitze und der tropischen Pflanzenwelt und fand das sogar erstmal okay so, wenn ich mir auch ernsthafte Sorgen machte, wie das in den nächsten Monaten weiter Richtung Süden werden soll. Die Hitze wird nicht weniger, sondern mehr werden.

El Tajin war genial. Eine Ausgrabungsstätte, umgeben von viel Dschungel und Vogelgezwitscher, kaum Leuten und sehr netten Menschen, die freundlich grüßten und auch neugierig fragten wer ich bin und was ich mache.

Ich konnte es noch nicht so wirklich glauben und jeder der mir einen netten Blick schenkte versetzte mich in einen Freudentaumel. Werden die Leute an der Küste nun endlich freundlich?

El Tajin hatte etwas mystisches an sich. Eine kraftvolle Ausstrahlung die mich wirklich für ein paar Stunden in eine fremde Welt versetzte. Ein tolles Erlebnis und ich war dankbar dafür all das erleben zu dürfen.

Alles in allem waren es sicherlich 1500 Kilometer die ich da in etwa 4 Wochen motorisiert unterwegs war. Ich war froh immer wieder jemanden gefunden zu haben, der mich mitnahm, oder ich ganz einfach in einem Bus unterkam.

Mir hat die kurze Radpause gut getan und auch geholfen meine Motivation und meine Einstellung zu Mexiko zu verbessern, auch wenn es nie mein Lieblingsland werden wird, hatte ich viele schöne Stunden erlebt.

Obwohl ich schon auch den ein oder anderen Moment hatte, in dem ich etwas an der Fensterscheibe vorbei rauschen sah, bei dem ich dachte, ach schade, mit dem Rad hättest Du das jetzt nicht verpasst, habe ich den kurzen Touri Ausflug nicht bereut und auch nicht das Gefühl ich hätte irgendetwas nicht gesehen was ich hätte sehen müssen.

In diesen 4 Wochen lag der Schwerpunkt einfach auf Sehenswürdigkeiten, genau den Sehenswürdigkeiten, die ich ja sonst aller meistens einfach links liegen lasse.

In El Tajin war ich wieder hungrig auf die Straße, oder sagen wir eher, es wurde Zeit wieder weiter zu radeln. Auch wusste ich, dass ich das Land auf dem schnellsten Weg verlassen wollte. Es soll nun schnurstracks gerade nach Süden gehen. Bis Guatemala liegen noch einige Kilometer vor mir.

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