Eigentlich hatte ich nicht vor, über mein Fahrradweltreise Jubiläum zu schreiben. Irgendwo fand ich die Zahl nicht so wirklich bahnbrechend. Trotz allem aber hatte ich auf meinen Social Media Kanälen dieses Jubiläums-Bild gepostet. Aufgenommen vor genau 7 Jahren bei meinem Start in Heidelberg.

Daraufhin habe ich so viele schöne und liebevolle Kommentare erhalten, dass ich mir kurzerhand überlegt habe, diesen Artikel zu schreiben.

Meine Geschichten hier sind Euch, meinen Fans und Freunden gewidmet, meinen Unterstützern und den vielen Fremden, die mir unterwegs begegneten und hoffentlich auch weiterhin begegnen werden!

Ich danke Euch allen, absolut allen Menschen, die mit mir in den letzten sieben Jahren auf meiner Reise in irgendeiner Form in Kontakt getreten sind. Ich bin sehr dankbar für all die vielen Stunden, die ich mit Euch weltweit verbringen durfte!

Dieser Post ist ein wenig anders als meine sonstigen Artikel. Ich habe mir erlaubt, zwischen meinen kleinen Geschichten von unterwegs, ein paar Eurer Kommentare, welche ich die Tage erhalten habe, einzubauen, damit auch andere sehen, wie sehr so eine Reise verbinden kann.

Kommentare zu gemeinsamen Erinnerungen, viele Komplimente, Unterstützung und Zuneigung.
Herzlichen Dank dafür!

Ich hoffe, meine kleinen Anekdoten von unterwegs werden Euch zeigen, wie wichtig solche Begegnungen sind, um immer wieder gestärkt und motiviert weiter radeln zu können. Unterwegs zu sein, ist nicht immer einfach, daher sind intensive Begegnungen die Würze einer jeden Reise – ganz besonders für eine Solo-Reisende wie mich.

Wie ihr Euch sicherlich vorstellen könnt, konnte ich nicht alle Menschen, die ich getroffen habe, hier beschreiben. Alle die, die ich nicht erwähnt habe, sind trotzdem in meinem Herzen, weil jedes Treffen für mich eine Bedeutung hat!


Tag 1 – 14. Mai 2013 – Deutschland – 0 KM

Die letzten Minuten bei meiner Mutter waren mit die schwierigsten der ganzen Tour. Ich verstaute meine Kartons im Keller, packte das Rad, umarmte meine Mutter, kämpfte mit den Tränen und radelte in ein neues Leben hinein.

Wohl war mir gar nicht und als ich nochmals hinter mich schaute, um ein allerletztes Mal zu winken, bevor ich um die Ecke fuhr und auf der Hauptstraße Richtung große, weite Welt abbog, war meine Mutter bereits im Haus verschwunden. Sicherlich konnte sie den Abschiedsschmerz nicht länger ertragen.

Ein paar Kilometer entlang des Weges traf ich meinen Vater und sagte zu ihm: „Ich radle dann jetzt mal nach Australien, wir sehn‘ uns!“. „Ganz schön weit bis dahin!“ antwortete er trocken.

Mit einem dicken Kloss im Hals und einer wenig positiven Stimmung posierte ich vor dem Heidelberger Schloss und schoss mein erstes Selfie.

Dann war ich alleine. Ganz alleine. Ich radelte in eine Welt hinaus, die ich weder kannte noch in der ich jemanden kannte – nirgendwo auf der ganzen Strecke kannte ich irgendjemanden.

Ich weiß noch, wie wir bei Deiner Mutter im Wohnzimmer saßen, am 23 Feb 2013 und das „Ding“ in Deinen Kopf pressten. Ein Moment, den ich nie vergessen werde. Wenn aus einer Idee Wirklichkeit wird!! Du bist das Licht für so viele.
– Micky –

Die Trauerfeier meiner lieben Mama hatte auch gute Auswirkungen! Du hast dann mit Patti u.a. den Anstoss bekommen, endlich loszuradeln!
– Babsi –

Tag 4 – Deutschland – wenige hundert Kilometer

Ich saß auf einer Bank vor einer Kirche. Mir tat alles weh, weil ich die Belastung des Gepäcks absolut noch nicht gewohnt war. Meine Gedanken waren alles andere als triumphierend und irgendwie war alles dunkel und grau, nicht nur weil es regnete. Minütlich stellte ich mir die Frage, warum ich das eigentlich mache? Was soll ich hier im tiefsten Bayern. Ich kenne hier keine Socke.

Eigentlich war ich das alleine reisen schon immer gewohnt. Ich bin viele Jahre meines Lebens alleine in der Welt herumgetingelt. Doch diesmal war das anders. Diesmal war das eine andere Liga – das vorerst gesteckte Ziel: Australien, war eine harte Nummer – einfach sauweit weg!

Da tauchte Roland auf. „Du scheinst eine weite Reise vor dir zu haben – so viele Wasserflaschen hat sonst niemand am Rad“. Wir kamen ins Gespräch, nicht sonderlich lange, aber Roland blieb mir in guter Erinnerung. Zwei Tage später bekam ich eine E-Mail von Paypal – sie haben eine Spende erhalten – Roland war mein erster Unterstützer!

Ich konnte es nicht glauben – da war ein total Fremder, der mehr an dieses Projekt glaubte als ich. Roland hatte mich nur ein paar Minuten kennengelernt und hatte so ein Vertrauen in mich, dass er mir Geld für meine Reise schickte?!

Ich bin ihm dafür bis heute sehr dankbar. Es waren die wichtigsten Euros der ganzen Reise – sie gaben mir irre viel Kraft. Sie kamen genau zum richtigen Zeitpunkt!

Das ist echt unglaublich, wer hätte damals gedacht, dass du die ganze Welt mit dem Bike bereist. 7 Jahre Heike, Respekt vor deinem Mut und deiner Energie.
– Beate –

From then on, we started enjoying the world through your eyes and heart. Happy anniversary…!!
-Rafi –

Oktober 2013 – 8000 KM – Türkei, Erzurum

Auf der Straße traf ich einen Weitwanderer. Stephan aus München, seit zwei Jahren unterwegs und auf dem Weg nach Tibet. Ich mochte die Türkei nicht sonderlich, ich hatte einige unangenehme Erlebnisse und war daher sehr froh, einen Landsmann auf der Straße zu treffen, um ein Schwätzchen zu halten.

Stephan brachte mir dann erst einmal bei, dass schnell unterwegs sein überhaupt gar keinen Sinn macht. Seine ruhige, ausgeglichene Art hat mich damals sehr beeindruckt.

Er nahm das Tempo aus meiner Reise und ich empfand unser Treffen als einen absoluten Glückstreffer für mich. Manchmal sind kurze Begegnungen sehr nachhaltig und können einem eine neue Richtung geben.

I met you once in Northern part of Ghana a town called Salaga…
– Abdul –

You have stayed at my little apartment in Kyoto!
– Ken –

Dezember 2013 – 9000 km – Grenze Armenien zum Iran 

Ich sehe mich heute noch an der Grenze stehen. Karge Berge, wunderschöne Landschaft und eine Staatsflagge, die da im Wind wehte und mir Angst machte. Anders ausgedrückt, könnte man auch sagen, ich hatte die Hosen voll, als mir der Armenier den Ausreisestempel in den Pass knallte und ich meine Klamotten der Iranischen Kleiderordnung entsprechend zurecht zerrte.

„Tief durchatmen Heike – das wird schon werden“ redete ich mir gut zu und rollte einem neuen Land entgegen, welches bisher von sich so gar keine positiven Schlagzeilen machte.

Der erste Grenzpolizist lächelte mir zu und sagte: „Du brauchst keine Angst haben, wir Iraner sind freundliche Leute, Du wirst unser Land lieben!“ Der nächste: „Willkommen im Iran, Du wirst ganz sicher wiederkommen, die Menschen lieben den Iran.“ Und der dritte meinte: „Wir Iraner passen auf dich auf – dir wird nichts passieren.“

Die freundlichste Grenze, die ich bisher überschritten habe – und das für mich beängstigendste Land schaute schon gleich in der ersten Minute viel freundlicher aus, als zuerst angenommen.

Die Grenze zum Iran war wohl die größte Hürde der ganzen bisherigen Reise – dank der freundlichen Grenzsoldaten war aber am Ende alles halb so dramatisch. Ich wusste spätestens hier, dass ich ab sofort auf dieser Reise alles schaffen kann, wenn ich es denn möchte.

You are inspiring, I’m certain that many are living vicariously through your adventures!
– Michael –

I am thankful. Your blogs have entertained and inspired me. Sometimes, when I am cycling in the middle of nowhere and I feel frightened I think of you and all of the times you have been in the middle of nowhere. After that, my anxiety subsides and I continue on my way without fears.
– Ruth –

Oman – Februar 2014 – 12.500 KM

Ich zeltete in der Nähe von Häusern und hatte am Vorabend Kontakt zu einer Familie, die mir eine Unterlage fürs Zelt brachte und mir erlaubte, dort zu schlafen.

Am frühen Morgen stand plötzlich ein Mann vor meinem Zelt und schaute zu mir hinein. Zu Tode erschrocken, stand ich fast senkrecht im Zelt und schaute ihn sicherlich total entgeistert an. Was will der Typ?

Dann aber sah ich, dass er ein paar Sachen in den Händen hielt. Er brachte eine Schüssel mit Essen und eine mit Wasser zum Waschen. Und so saßen wir zusammen neben dem Zelt und lachten und ich genoss das zweisame, wenn auch wortkarge, Frühstück.

Wow, it’s very special to read of all the lives you’ve touched throughout this journey.
– Donna –

Kirgistan – Juni 2014 – 16.000 KM

Dunkle Wolken am Himmel, eine verkackte Schafswiese. Die Berge zum Greifen nahe. Ein fast perfekter Zeltplatz.

Ich wollte gerade anfangen zu kochen, als eine Frau auf mich zukam. Sie brachte Bonbons, Brot und Tee mit viel Zucker. Wir lachten, wir versuchten zu kommunizieren, wir aßen zusammen.

Die Wolken wurden schwarz, die ersten Tropfen fielen und die nette Dame überredete mich, mit ins Haus zu kommen und bei ihr im Bett zu schlafen.

Auf die Frage, ob ich mich waschen wollte, bejahte ich natürlich und war mehr als überrascht, als der Ehemann mit einem Esel und einer großen, leeren Plastiktonne loszog. Erst nach 30min kam er wieder um den Ofen in einem kleinen Schuppen anzufeuern und das Wasser aufzuheizen.

Es war eine Sauna. Und definitiv die beste Sauna, die ich je genießen durfte.

Am Abend gab es Plov – das traditionelle Gericht aus Usbekistan. Ein Handwerker kam zu Besuch und fischte mit seinen dreckig-öligen Fingern ordentlich im Reis herum, um für mich die größten Hühnerstückchen zu finden. Fündig geworden, schmiss er sie mir nach und nach mit seinen großen Pranken auf den Teller, lächelte mich mit seinen riesigen Zahnlücken an und ich musste heftig grinsen.

Ich blieb drei Tage bei der Familie und war richtig traurig aber auch sehr dankbar, als ich mich wieder einmal alleine auf den Weg machte.

I always anticipate your adventuresome writings. Your inspiration is infectious!
– Frosene –

China – September 2014 – 21.000 KM

China – ein Land indem ich, wie eine taubstumme Analphabetin, monatelang nicht kommunizieren konnte. Selbst mein Bilderbuch, in dem ich auf Fotos deuten kann um etwas zu erklären, hat hier nur manchmal zum Erfolg geführt.

Irgendwo, in den ewigen Weiten von Sichuan, auf einer total abgelegenen Strecke, in der am Tag zwei bis drei Autos vorbeikommen, sah ich von Weitem zwei Westler in einem Auto sitzen. Ich winkte mit beiden Armen – SOS – Zeichen wie in den Bergen, wenn man gerettet werden möchte.

Bitte haltet an – bitte – ich will mit Euch reden – war alles was ich im Sinn hatte.

Als sie die Fensterscheibe runter machten, sagte ich zu ihnen:
„Bitte redet mit mir – ich habe seit zwei Monaten mit niemandem mehr reden können.“

Sie waren Belgier und schenkten mir eine 10-minütige Unterhaltung! Sicherlich dachte ich den Rest des Tages über jeden einzelnen Satz, den sie gesagt haben, nach. Oder vielleicht war es auch eher so, dass ich die ganzen 10 Minuten einfach nur auf sie einredete und die beiden Männer gar nicht zum reden kamen.

Aber all das war mir egal. Ich hatte eine 10-minütige Unterhaltung geführt und das war alles, was an diesem Tag zählte – oder wahrscheinlich sogar die ganze Woche.

I’ll always remember, when we met in Mulege! You were standing in the middle of the street outside a bakery. I knew it was you from afar. We talked for hours. One of my best memories!
– Harry –

Laos – Oktober 2014 – 23.000 KM

Monica aus Wien kontaktierte mich viele Monate bevor ich nach Laos kam. Sie wohnte damals in einem kleinen abgelegenen Dorf im Westen von Laos und ist bis heute bekannt als die „Marmeladen-Dame“, die ihre Marmelade an die Expats in Laos verkauft. Sie bot Elefantenritte an und hat ein Gästehaus – mittlerweile wohnt sie in Luang Prabang.

„Komm‘ zu mir – ich koche Dir Kässpätzle – ich möchte Dich kennenlernen!“.

Monica lag definitiv nicht auf meiner Strecke aber der Umweg hatte sich mehr als gelohnt! Ich blieb eine ganze Woche, durfte nicht nur ihre tolle Kochkunst genießen, sondern auch viele deutschsprachige Reisende treffen und somit endlich mal wieder tiefergehende Unterhaltungen führen.

Fernab der Heimat, nach 1.5 Jahren alleine auf der Straße, war Monica’s kleines Paradies näher an der Heimat, als alle 23.000 KM, die ich bis dahin seit zu Hause geradelt war.

Heimat ist manchmal eben doch wichtig – die Kässpätzle waren der absolute Hammer – und viel besser als sie jemals zu Hause schmecken könnten.

Amazing first picture! I just realized I’ve „known“ you for such a long time!
– Rita –

Vietnam – Januar 2015 – 24.500 KM

Der Nebel hing tief und ich war patschnass und suchte seit einiger Zeit einen Stellplatz für mein Zelt. Die Berghänge waren steil und es wurde bereits dunkel, als ich eine freie, ebene Fläche hinter einem Haus entdeckte.

Ich klopfte an die Türe und eine wunderschöne, traditionell gekleidete Frau öffnete mir die Türe. Klein war sie und überrascht, als ich plötzlich vor ihr stand. Sie lächelte und als ich mein Bilderbuch hervorkramte und auf das Zelt Symbol deutete nickte sie und ließ mich ins Haus.

Sie brannte gerade Reisschnaps und fing an, in der Mitte des Hauses ein Lagerfeuer fürs Abendessen anzuzünden.

Ich war zum Essen eingeladen und genoss meinen ersten, im Feuer gebackenen Bambus, der super lecker schmeckte.

Als ich im Dunkeln mein Zelt aufstellte, stand die ganze Familie drumherum. Und selbst noch am nächsten Morgen war mein Zelt die Attraktion des Jahres.

Ich denke bis heute sehr oft an diese Familie.

What an inspiration you are!!! Go girl!!!!!!!
– Paul –

Japan – August 2015 – 31.000 KM

Das ist ja eine Radlerin, schoss mir durch den Kopf, als ich eine Westlerin auf der anderen Seite den Berg runterrollen sah. Sofort wechselte ich die Straßenseite und stellte mich bei ihr vor.

„Schön Dich zu treffen Heike, ich bin Catherine aus Vancouver, mein Freund ist irgendwo hinter mir, der braucht immer ein bisschen länger“ und Dan rückte ein paar Minuten später auf und wir quatschten eine Weile am Straßenrand.

Catherine arbeitete für eine kurze Zeit auf Hokkaido als Englischlehrerin und so luden sie mich zu sich nach Hause ein.

Die beiden Kanadier waren einfach nur super und verwöhnten mich in ihrem kleinen Haus in Japan absolut fürstlich. Ich durfte das erste Mal in einer sprechenden Badewanne baden und zudem meinen Klositz auf 40 C erwärmen, damit ich gemütlich eine Sitzung halten konnte.

Die beiden luden mich dann nochmals nach Vancouver ein, wo ich etwa 9 Monate später eintraf und weitere 14 Tage beste Freundschaft genießen durfte. Wir fuhren Kajak zusammen, entdeckten einen Wal direkt am Stadtstrand und hatten auch sonst jede Menge Spaß.

Manche Menschen würde ich sehr gerne noch einmal wiedersehen. Dan und Catherine gehören ganz sicher dazu.

Your perspective and attitude have always been interesting.
– Kyösti –

Now you have admirers all over the world. Keep going.
– Sing –

Japan – August 2015 – 31.500 KM

Bereits das dritte Mal überholte ich den gleichen Wanderer und fragte mich, wie es sein kann, dass ein Wanderer schneller ist als ich? Und warum läuft er an der Straße entlang? Er war Japaner, hatte nur ganz wenig Gepäck dabei, alles altes Zeug, er selbst war deutlich älter als ich.

Wir kamen ins Gespräch und er teilte mir von Anfang an mit, dass er normalerweise mit niemandem spricht. Sein Englisch war gut. Er hat keine Freunde und keine Familie.

Er möchte sich bestrafen, er leidet gerne. Er darf nur zwei Euro am Tag ausgeben, schläft auf einer ganz dünnen Matte irgendwo im Gestrüpp und läuft seit drei Jahren jeden Tag 40 KM durch Japan.

Wir verbrachten einige Stunden zusammen. Er zeigte mir in welchem Laden man umsonst etwas zu Essen bekommt, weil er mit seinem kleinen Budget darauf angewiesen ist. Seine Schuhsohlen hat er mit extra Gummi beklebt, damit die Sohlen länger halten.

Er isst jeden Tag das gleiche: Toastbrot beschmiert mit Sojabohnenpaste. Dazu trockene Haferflocken. Drei Scheiben – drei Mal täglich.

Wir lachten viel, wir sprachen viel, wir kamen gut miteinander aus. Ich durfte kein Foto von ihm machen und ich kenne auch seinen Namen nicht. Und doch war er einer der interessantesten Menschen, die ich je kennenlernen durfte.

Ich habe viel und lange über ihn nachgedacht.

How I wish I could meet you one day!!!
– Veronika –

Kanada – April 2016 – 44.500 KM

Reiseburnout – inmitten der gigantisch schönen Insel Haida Gwaii.

Ich war durch – brauchte eine Pause von all den Eindrücken, die ich hatte. Ich war einfach müde, sehr müde und konnte in dem Moment die Freude nicht mehr finden.

Da lief mir Carol in einem winzigen Secondhand-Laden über den Weg.

„Wo schläfst Du die Nacht?“ fragte sie mich. „Keine Ahnung“, war meine Antwort.

„Dann komm‘ doch zu mir, ich backe nachher Heilbutt und meine Hunde freuen sich sicherlich, wenn jemand im Haus ist.“

Eine ältere, einsame Dame, die sich irre über meinen Aufenthalt freute. So richtig viel zu erzählen hatten wir uns nicht, aber das war uns beiden egal.

Der frische Fisch, den sie jeden Tag von Neuem irgendwo geschenkt bekam und sogar an ihre Hunde verfütterte, war mein absolutes Highlight auf Haida Gwaii.

Ich blieb 14 Tage bei Carol und konnte danach wieder mit voller Kraft in die Pedale treten.

You are AWESOME, and I love seeing your pictures and reading your stories. Stay well.
– Okla –

Ich weiß gar nicht genau, seit wann ich deine Touren virtuell begleite aber ich habe jede Tour mitgefiebert und genossen.
– Klaus –

Kanada – Juni 2016 – 45.500 KM

Ich erfuhr über Felix von Nicole und bekam schon bald darauf eine E-Mail von ihr.

„Ich verstecke den Schlüssel für dich, damit du ins Haus kannst, sollte ich noch nicht da sein“, lauteten ihre Zeilen.

Als sie nach Hause kam, strahlte sie über beide Ohren, fiel mir um den Hals, drückte mich ganz fest und meinte:
„Heike, du weißt nicht, was du für mich bedeutest und was ich durch dich erlebt habe! Alle meine Freunde kennen dich. Ich habe immer von dir erzählt. Da gibt es diese Frau, die mit dem Rad um die Welt fährt und wenn sie das kann, kann ich das auch!“

„Und weil es dich gibt, habe ich eine ganz tolle Radreise in Europa unternommen. Ganz alleine, weil du mich dazu inspiriert hast.“

„Bleibe so lange wie du willst! Ich bin so froh, dass ich dir nun endlich etwas zurückgeben kann. Sage mir was du brauchst und wie ich dir eine Freude machen kann. Ich bin dir so dankbar.“

Wir waren Freunde von der ersten Minute an. Nicole war Klasse und wir hatten eine ganz tolle Zeit zusammen! Ich blieb 14 Tage.

Great memories for you Heike….beautiful photos and blogs for us! Stay safe!
– Mary –

You are THE role model! You fulfill a dream that many have!
– Monica –

USA – Juli 2016 – 46.000 KM

Es ging alles blitzschnell und ich wusste gar nicht wie mir geschah, als ich plötzlich unter einem Pickup Truck lag.

In meinem Schock schrie ich die Fahrerin an: „Du hast mein Fahrrad geschrottet! Meine Taschen, alles kaputt“. Dann hörte ich Sirenen und der Krankenwagen fuhr vor.

„Wie ist denn dein Name?“ wurde ich von einer Sanitäterin gefragt. „Heike“ gab ich zur Antwort. „Dann bist Du aus Deutschland“ antwortete sie mir in Deutsch.

Und von da an, tat mir alles weh und ich fühlte mich, als wäre ich mal eben für 2 Std. in der Waschmaschine hin – und her geschleudert worden.

Im Krankenhaus fragte mich der Polizist, ob ich denn jemanden hier kennen würde. Mit etwas trauriger Stimme sagte ich: „Nein, ich kenne hier absolut niemanden“.

„Der Bürgermeister bezahlt Dir ein Hotel und wir hoffen, dass es Dir bald besser gehen wird“ und er lächelte mich etwas bedauernd aber sehr fürsorglich an.

Ein paar Stunden später rief ich Ronny aus Arizona an, den ich den Winter zuvor dort kennengelernt hatte und erzählte ihm die Geschichte.

„Du hast Glück, ich bin heute in Rente gegangen, ich packe das Auto, die 2000 KM nach Montana sollte ich laut Google in 22 Std. schaffen.“

Ronny päppelte mich wieder auf, half mir ein neues Fahrrad und ein neues Bikepacking – Setup zu organisieren und fuhr mich nach ein paar Wochen wieder nach Eureka zurück, damit ich die Great Divide, die längste MTB Route der Welt, wieder weiter radeln konnte.

Ronny ist unbezahlbar!

Happy that your journey brought you past my front door.
– Ronny –

USA – August 2017 – 51.500 KM

Hinter mir brannte der Wald. Die Rauchschwaden waren überall in der Luft zu sehen und es war schon fast gespenstig, als es Asche regnete.

Ich stand an der Straße in Bend/Oregon und hielt meinen Daumen raus. Keine 10 Minuten später stoppte John mit seinem Hund „Radar“ neben mir.

„Hallo, ich bin Heike aus Deutschland. Ich würde gerne nach Utah. Sicherlich fährst Du nicht so weit aber vielleicht habe ich ja Glück und Dein Weg führt Dich zumindest in diese Richtung?“

John schaute mich mit seinen wunderschönen hell-blauen Augen an und meinte: „Du wirst es nicht glauben, aber ich fahre tatsächlich nach Utah. Normalerweise würde ich ja nie einen Anhalter mitnehmen aber bei einer Frau mache ich heute mal eine Ausnahme. Ich habe auch noch Platz auf meiner Ladefläche, damit wir Dein Rad verstauen können.“

Wir hatten 1400 Kilometer vor uns – denn John fuhr genau dort vorbei, wo ich hin wollte.

Ich übernahm die Musikauswahl und futterte ihm im Laufe der Fahrt alle seine Lakritze weg. Wir redeten nonstop. Übernachteten zwischendurch bei seinem Bruder in Salt Lake City, der mich für meinen weiteren Weg sogar noch mit Gemüse aus dem Garten versorgte.

Als wir meinem Reiseziel, dem „Goblin Valley“ immer näherkamen, machte John noch ein paar extra Schleifen um noch ein wenig Zeit rauszuschinden und zeigte mir ein Gebiet, welches ich noch nicht kannte.

Wir nahmen uns in den Arm, verabschiedeten uns schweren Herzens und hatten sicherlich beide das Gefühl, dass wir uns auch noch bis New York jede Menge zu erzählen hätten.

Ein paar Tage später schickte er mir eine E-Mail.

Heike, ich habe erst jetzt begriffen, wen ich da eigentlich bei mir im Auto hatte. Schade, dass ich zu alt für Dich bin!
Und genau das dachte ich damals auch.

Such a life changing decision. Thanks for sharing the experience with all who travel virtually with you along the way.
– Rick –

Glad that I had the opportunity to meet you here in Guatemala!
– Consuela –

Marokko – November 2019 – 57.000 KM

Meine ungewollte Polizei-Eskorte war mir an diesem Abend auf den Fersen und ich wollte sie unbedingt abschütteln, in dem ich zig-zag durch ein Dorf radelte und dann schnell an einer Haustüre klopfte.

Zwei Frauen öffneten die Türe und lachten sofort, als sie mich sahen. „Komm‘ rein“, redeten sie in Spanisch auf mich ein.

Die Familie war wunderbar. Mit Oma kroch ich zusammen unter die Bettdecke und wir aßen selbstgebackenes Gepäck. Mit den Kindern spielte ich draußen im Dreck und fütterte die Schafe. Mit den Frauen kochte ich „Couscous“ und versuchte, die Tricks der Marokkanischen Kochkunst zu erlernen. Und mit Muttern ging ich abends im gleichen Bett schlafen.

Drei wunderschöne Tage im Kreise der Familie taten meiner Seele – wie immer – besonders gut.

Danke für Deine geteilten Erfahrungen, als alleinreisende Frau. Es hat mich inspiriert und mir für meine Reise Mut gemacht!
– Esther –

I wish you always save travels and hope 2 cu again.
– Sonia –

Gambia – Mai 2019 – 62.500 KM

Ich traf Peter und seine Freunde in einem kleinen Dorf und war sofort in der Gruppe integriert. Mein Zelt stellte ich unter meinem Lieblings-Baobab auf und genoss es, dort jede Nacht zu schlafen.

Morgens kamen wir immer alle zusammen, kochten, redeten, schossen Baobab Früchte vom Baum herunter und kauten auf dem Fruchtfleisch herum. Wir radelten durch den National Park und hörten die Schimpansen rufen und die Paviane durch das Gestrüpp rennen. Wir angelten und hörten Musik.

Eine richtig tolle Zeit, die ich da mit den Jungs verbringen durfte.

Kompliment,…. ganz großes „Fahrradkino“!
– Jörn –

So much respect, absolute legend!
– Tristan –

Liberia – August 2019 – 65.000 KM

Ich klopfte an einer Kirchentüre und der Priester öffnete mir die Türe.

„Du kannst hier leider nicht übernachten aber fahr mir hinterher, ich zeige dir einen Ort, an dem Du heute sicher unterkommst.“

Viele Kilometer radelte ich durch Pfützen und Matsch hinter seinem Auto her, bis wir auf einem großen Gelände ankamen, auf dem uns viele Kinder und einige Nonnen willkommen hießen. Ich war in einem Kinderheim gelandet und wurde strahlend in den Arm genommen und um das Gelände geführt.

Nonnen aus der ganzen Welt, die hier ihr Leben den Kindern widmen. Ich bekam mein eigenes Zimmer und durfte beim Essen mit dabei sein. Ich wurde zum Gottesdienst eingeladen und mit Liebe und Zuneigung geradezu überschüttet.

Ein Auffanglager in schwierigen Zeiten – Westafrika war kein einfaches Gebiet – und die Gespräche mit den Nonnen waren gut und wichtig für mein Wohlbefinden. Ich blieb drei Nächte und als ich mich draußen verabschiedete, kamen alle zusammen, klatschten begeistert in die Hände, sangen mir ein Abschiedslied und jubelten mir noch lange nach.

Ganz wichtige Momente im Leben einer Solo-Reisenden.

Du schaust jetzt so anders aus! 7 Jahre haben dir gut getan, das ist klar.
– Petra –

Wenn ich das Bild von damals betrachte, von vor genau sieben Jahren, als ich in Heidelberg losfuhr, sehe ich eine Frau die ich einmal war. Mit der ich mich aber heute nur noch schwer identifizieren kann und die mir zeigt wie sehr ich mich durch meine Reise ins Positive verändert habe.

Ich hoffe daher, ich kann noch ganz lange meinen Träumen nachgehen und würde mich sehr freuen, wenn ihr mich auch weiterhin so tatkräftig in allen Bereichen unterstützt, begleitet und mir zujubelt, wie in den letzten sieben Jahren.

Ich möchte zudem den heutigen Artikel zum Anlass nehmen, einen besonderen Dank auszusprechen.
Danke an Ronny, Stefan, Wolfi, Don, Micky, Esther und Babsi, die mir in den vielen Jahren immer wieder irre geholfen haben!

Und natürlich einen Riesen-DANK an alle meine finanziellen und materiellen Unterstützer, die diesen Blog und diese Reise erst möglich machen!

Der größte Dank allerdings geht an meine Eltern, denn ohne Euch hätte ich diese Welt nie erleben können! Danke, dass Ihr mir mein Leben geschenkt habt und mir die Chance gegeben habt, mich zu der Frau entfalten zu können, die ich heute bin.

Und DANKE an das Universum, dass ich das RiesenGlück hatte, in Deutschland geboren worden zu sein und dadurch den richtigen Pass besitze, um all diese vielen Grenzen weltweit auch passieren zu dürfen!

 

Ich fände es super wenn Du den Artikel mit Deinen Freunden teilst – DANKE 🙂

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