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Nr.79 Heimkommen – nach 4.7 Jahren ist keine leichte Aufgabe

Sep 4, 2018 | Blog, Deutschland, Europa

Acht Monate war ich nun in der Heimat. Acht Monate, in denen ich versucht habe meine alte Heimat neu kennenzulernen. Eine Welt bei der ich dachte ich kenne sie auswendig.

Ein Land das mir fremd geworden ist. In dem es kalt und hektisch zugeht. In dem die Schnelligkeit dominiert und die Menschen kaum Zeit zum atmen haben. Zudem ist es laut hier und verbaut.

Eine Welt die mir zu schaffen macht.

Und doch verbinde ich mit Deutschland etwas ganz Besonderes. Wie wohl jeder mit seiner Heimat.

Aber jetzt erst einmal der Reihe nach.

Am Frankfurter Flughafen betrat ich Mitte Dez.2017 zum allerersten Mal wieder deutschen Boden.

Seit neuestem wird man hier nicht mehr von einem Grenzpolizisten kontrolliert, sondern von einem Scanner und einer Kamera die in einer Schiebetür eingebaut sind. Pass wird gescannt, Gesicht ebenso. Die Türe öffnet schon bald, sofern man eine weiße Weste hat.

Trotz moderner Technik verweilt jedoch dahinter noch immer ein Grenzbeamter. Der jedem Neuankömmling den ersten Eindruck von Deutschland vermittelt.

Was ich unterwegs an jeder Grenze erlebte, bekam ich nun an meiner eigenen zu spüren. Wie heißt es immer so schön? Der erste Eindruck zählt. Richtig? Richtig! Da saß also nun dieser völlig gelangweilte und genervte Grenzpolizist, der mit seiner Körpersprache jedem vermittelte, dass ihm seine Arbeitswelt völlig zu wider ist.

Netter Willkommensgruß wie in anderen Ländern? Weit gefehlt! Kein Augenkontakt. Kein Hallo. Kein nichts.

Wäre dies ein fremdes Land gewesen, hätte ich nur gedacht, oh nein das kann ja heiter werden, die Deutschen gehen wohl zum Lachen in den Keller. Anstelle dessen wusste ich nun endgültig, dass ich wieder zu Hause bin.

Ich hatte zu meinen Leuten gesagt, dass ich auf keinen Fall abgeholt werden möchte. Ich wollte die Zeit für mich alleine haben. Ich brauchte die ersten Stunden einfach um Luft zu holen.

Als der Regen an die Fensterscheibe des Zuges prasselte, die Lichter von Frankfurt hinter mir lagen und jeder um mich herum nur Deutsch sprach, kam mir alles vor wie in einem Film. Die Emotionen fuhren Achterbahn und die Tränen konnte ich nicht mehr zurückhalten.

Ich kann nicht sagen ob ich Angst hatte oder ich mir nur einfach so fremd vorkam. Ich freute mich ja auch, aber irgendwie war mir das alles zu viel gewesen.

Zwei Frauen saßen mir im Fahrradabteil des Zuges gegenüber. Bedrückt sagte die eine zu der anderen. „Sicherlich war das alles zu viel für die Frau. Die Kiste und das Fahrrad und dann noch den Rucksack auf dem Rücken, wie soll man das auch alles hier in den Zug bekommen, kein Wunder weint die Frau.“

Da musste ich ja schon fast wieder lachen, denn das war ganz sicher mein kleinstes Problem an diesem Tag. Und so gab ich ihnen zur Antwort „Nein daran lag es nicht. Ich bin heute nur zum ersten Mal nach 4 ½ Jahren wieder in Deutschland. Vor etwa einer Stunde bin ich angekommen.“

„4 ½ Jahre – Mensch das ist aber auch echt lange. Na kein Wunder, hatten Sie denn nie Heimweh?“ Ich bekam sogar ein Taschentuch gereicht und freute mich riesig über die Zuneigung der Frauen.

Der Schaffner kam und wie für mich bestellt, fing er an sich bei uns Radfahrern zu beschweren. Natürlich hatten wir unsere Räder nicht an die richtige Stelle geparkt und alles war ein riesen deutsches Drama. Diskussionen fanden statt und am Ende sagte ein Radler zu mir: „Willkommen zurück in der Heimat. Wie Du siehst hat sich nichts geändert.“

In der letzten Bahn von Weinheim in mein Heimatdorf Großsachsen hatte es mich innerlich fast zerrissen. Es trennten mich nur noch 5 Kilometer von meiner Mutter. Plötzlich bekam ich Angst. Angst davor, dass ihr was passiert sein könnte und ich zu spät komme und sie nicht mehr da ist. Obwohl ich gestern noch mit ihr telefoniert hatte.

Wie im Delirium nahm ich die ganzen Neubauten wahr. Die Verschandelungen meiner Heimat. Ich konnte es nicht glauben wie es hier plötzlich aussah. Baumärkte, Media Markt und Co. Neue Ampeln und andere Verkehrsführungen. Es fühlte sich wie eine Großstadt an.

Mit einem Willkommens-Plakat an der Haustüre und mit der wohl freudigsten Umarmung die man erfahren kann, wurde ich von meiner Mutter begrüßt und bekam mein Muttis-Lieblingsessen aufgetischt. Hackfleischklöße mit Kartoffeln und Lauch. Doch war ich so aufgeregt, dass mir das Essen nicht wirklich schmecken wollte. Irgendwie war alles so vertraut und doch so furchtbar fremd.

Als ich ins Bett ging dachte ich an Heinz Stücke, der Weltumradler, der erst nach 51 Jahren wieder deutschen Boden betrat. Wie furchtbar das für ihn gewesen sein muss, wenn mir nach 4 ½ Jahren alles schon so andersartig und seltsam vorkam.

Wie schon fast erwartet schien hier zu Hause, zumindest bei meiner Mutter, noch alles beim Alten zu sein. Als wäre ich nie weggewesen.

Eines hatte ich für mich jedoch schon bald entschieden. So lange bleibe ich nie wieder von daheim weg. Das nächste Mal komme ich zwischendurch mal nach Hause. Ich war am Ende glaube ich doch zu lange unterwegs gewesen.

Die nächsten Tage und auch Wochen und Monate waren nicht einfach. Klar sah ich alle meine Leute. Meinen Vater, Bruder, meine Freunde, aber ich merkte auch wie sehr ich mich verändert hatte. Im Grunde hatten wir uns nicht viel zu erzählen. Es trennten uns Welten.

Beim Anblick meines Neffen und meiner Nichte, die vor 4.5 Jahren noch kleine Kinder waren, musste ich mich schwer zusammenreißen. Sie waren zu Teenagern herangereift. Es waren Kinder die ich so nicht kannte. Obwohl ich im Laufe der Zeit einige Bilder von ihnen gesehen hatte, hätte ich meine Nichte auf der Straße nicht mehr erkannt.

Ich war vor allem sehr zurückhaltend. Ich wollte mich auf keinen Fall in den Vordergrund drängen. Ich stellte Fragen und hielt die Unterhaltungen am Laufen. Die Rolle kannte ich ja sehr gut.

Alle waren sie neugierig mich zu sehen, doch nahezu keiner stellte mir irgendwelche Fragen. An meiner Reise hatte annähernd niemand Interesse. Nicht mal die, die selber ab und an reisen.

Ich kam mir ein wenig wie ein Störenfried vor. Ein Mensch der ihnen den Spiegel vor die Augen hält und sie sich darüber rechtfertigen mussten, noch immer dort zu arbeiten wo sie schon immer gearbeitet haben.

Doch versuchte ich mein Bestes niemandem das Gefühl zu vermitteln, ein angeblich interessanteres Leben gelebt zu haben – ganz im Gegenteil. Teils wusste ich aber nicht wie ich mich verhalten sollte. Ich konnte ja nichts dafür, dass ich losgezogen bin und sie nicht.

Und sind wir mal ehrlich, die allermeisten wollten ja auch gar nicht so leben wie ich und das ist doch auch gut so wie es ist.

Manche sagten mir auch klipp und klar, „So wie Du wollte ich nie leben“.

Ich bekam auch vorgehalten „Du brauchst nicht glauben, dass die anderen auch so eine Freiheit erleben möchten“. Oder auch „Du hast die Reise ja nur gemacht um Bewunderung zu erfahren.“

Ich wusste wirklich manchmal nicht was ich sagen sollte. Im Prinzip wollte ich nur einfach gerne wieder dazugehören. Aber dieses Gefühl stellte sich nie wieder ein. Bis heute nicht. Auch nach 8 Monaten nicht.

Bevor ich heimfuhr, hatte ich vor allem das Verlangen nach intensiven Unterhaltungen. Ich wollte Antworten finden. Antworten auf Fragen, die ich mir im Laufe der Zeit stellte. Doch ich merkte wie sehr die Menschen hier mit ihrem Alltag beschäftigt waren.

Ich dachte immer wir Deutschen seien weltoffen. Interessiert. Wissbegierig. Hinterfragen und wollen verstehen. Sicherlich sind wir das zum Teil auch. Aber leider hat der ganz normale Alltag die Leute fest im Griff.

Hektik. Zeitdruck. Termine.

Einige erzählten mir von ihrem Mallorca und all-inclusive Reisen. Andere von ihrem Namibia Mietwagen Erlebnis und schafften es mir jeden einzelnen Moment davon zu erzählen. Doch sie stellten mir keine Fragen zu meiner Reise. Zu meinem Leben. Zu meiner Gedankenwelt.

Warum?

Ich wollte den Leuten ja überhaupt nicht meine ganze Reise erzählen. Ich war allerdings doch sehr überrascht, dass niemand wissen wollte wie es denn derzeit in China, im Iran, Taiwan oder Mexiko aussieht.

Es dauerte nicht lange und das Interesse ebbte wieder ab mich zu sehen, erfahren hatten sie bisher nicht viel, außer dass ich wohl gesund wieder nach Hause gekommen bin.

Doch eines half mir. Sie setzten mich nicht unter Druck. Allen war klar ich werde wieder losziehen. Keiner kam mit der Frage: „Und wo wirst Du jetzt wieder arbeiten?“. Ich hatte auch nicht das Gefühl sie würden von mir etwas erwarten. Ich glaube ich war einfach zu exotisch, zu anders. Das was ich gemacht hatte überstieg deren Vorstellungskraft und somit wussten sie gar nicht was sie denken und fragen sollten. Frei nach dem Motto: „Du machst doch eh was Du willst.“

Die Frage, die ich dagegen am meisten gestellt bekommen habe war die Frage – „Wie finanzierst Du das eigentlich alles?“ Weil die meisten eben nicht verstehen können, mit wie wenig man am Ende auskommen kann.

So eine Reise ist ja vor allem auch Verzicht. Man beschränkt sich auf das Nötigste und das bringt einem die viele Freiheit. Gebe ich kein Geld aus, muss ich auch nicht zwangsläufig was verdienen. Wobei ich natürlich schon Ausgaben habe, das ist ja keine Frage, aber eben deutlich weniger als jemand der hier Miete bezahlen muss, ein Auto fährt und sich pausenlos durch Konsumverhalten und Kaufrausch sein Leben versüßt. Ich mache mir eben mein Leben auf der Straße durch Begegnungen mit Menschen und der grandiosen Natur, durch die viele Zeit und die Erlebnisse spannend. Sowas kostet eben deutlich weniger.

Anders sein und gegen den Strom schwimmen ist nicht immer einfach. Auch wenn ich die Uhr niemals zurückdrehen möchte, muss ich sagen, es ist genau so eingetroffen wie ich mir das immer vorgestellt habe. Das Heimkommen ist der schwierigste Teil der Reise.

Im Prinzip merkte ich in den ersten Monaten wie sehr alleine ich mich fühlte. Weit mehr als unterwegs. Ich hatte den Anschluss verpasst.

Es gab auch Lichtblicke. Wenn ich mich mit Leuten traf, die ich von früher her nicht kannte, war die Neugierde deutlich grösser. Leute die mich so kennenlernten wie ich heute bin. Die mir eine Chance gaben so sein zu dürfen wie ich mich heute fühle. Denn ich merke ja wie sehr die Reise mich verändert hat.

Ich hielt Rücksprache mit anderen Langzeitreisenden, die mir viele meiner Gedanken bestätigten. Sie meinten alle, das erste Mal heimkommen nach einer langen Zeit ist das schwierigste Mal, beim nächsten Mal weißt Du was auch Dich zukommt. Das glaube ich sofort.

Natürlich war ich nicht sicher an wem es nun liegt? Hatten die Leute vielleicht doch Erwartungen an mich oder ich vielleicht an sie? Oder eine Kombi aus beidem?

Habe ich die Leute vernachlässigt, weil ich mich nicht intensiv genug für die Schulprobleme ihrer Kinder interessiert habe, oder die neue Schrankwand die sie gekauft haben? Für ihre Probleme im Job, die vor 5 Jahren schon genauso klangen wie heute?

Genauso wenig konnte ich erwarten, dass irgendjemand nachvollziehen konnte, was das Problem dabei sein könnte, wenn man in der Wüste Gobi kein Wasser mehr hat oder unter der Autobahn sein Zelt aufschlagen muss, weil es sonst keine andere Stelle zu finden gab.

Auch hatte ich andere Interessen über globale Zusammenhänge die ich gerne diskutiert hätte. Deutsche Politik interessiert mich da deutlich weniger. Ich sehe mich mehr als Weltbürger als nur als Deutsche. Mein Aufenthaltsgebiet ist nun mal nicht nur hier und unsere Verhaltensweisen betreffen immer die ganze Welt.

Ich glaube am Ende sagen zu können, es lag weder an mir noch an den anderen. Es lag an den Welten, die uns trennen.

Auch banale Dinge waren plötzlich anders. Ich hatte nun einen Schlüssel fürs Haus. Eine Dusche. Ein Klo. Und ich hatte Termine. Ja, ich hatte plötzlich Termine!

Als ich kurz vor Weihnachten durch mein Dorf lief und an mehreren Häusern einfach so ohne Verabredung klingelte und Hallo sagte, war mir zuerst gar nicht so wirklich bewusst, dass das hier alles andere als üblich ist. Aber es nahm mir niemand krumm, im Gegenteil die Leute freuten sich, dass ich klingelte.

Es war auch einfach schön so durchs Dorf zu ziehen und zu wissen wie viele Menschen ich hier eigentlich kenne. Ich kannte ja die letzten 4.7 Jahre nie jemanden.

Ich packte meine Klamotten wieder aus den Kisten hervor, lies aber die meisten Sachen verpackt im Keller liegen, wo ich sie vor vielen Jahren abgestellt hatte. Ich brauchte sie nicht mehr. Ich kann mit so viel Kram gar nichts mehr anfangen. Doch manchmal findet man dort auch tolle Überraschungen – schaut mal 😉

Die Schnelligkeit auf den Straßen machte mir die ersten Wochen zu schaffen. Die Hektik in dieser Gesellschaft. Jeder rennt von einem Ort zum nächsten.

Meine erste Autofahrt mit meinem Bruder versetzte mich in Angst und Schrecken. Ich war diese Geschwindigkeit einfach nicht mehr gewohnt.

Das Fahrrad stellte ich in der Garage meiner Mutter ab. Und da stand es. Die ganzen ersten 6 Monate. Ich hatte das Radfahren satt. Ich lief nun überall hin. Egal bei welchem Wetter.

Auch da war ich ein Sonderling. Denn wer läuft schon Kilometer um Kilometer im Regen oder bei Eiseskälte. Doch wenn man wie ich so lange auf der Straße gelebt hat und nun diesen Luxus hat, seine Klamotten abends wieder irgendwo zu trocknen, wo sollte dann am Ende das Problem sein im Regen spazieren zu gehen? Zudem hatte ich ja Zeit.

Mit meiner Kumpeline Miriam wanderte ich viel im Wald. Den Wald hatte ich anders in Erinnerung gehabt, er war schöner als ich dachte. Von der Freundin meines Bruders versuchte ich Yoga zu lernen. Mit anderen Freunden unternahm ich so Dinge wie ins Kino gehen oder gemeinsam kochen. Ich versuchte einfach klar zu kommen und mich wieder ein wenig einzufinden.

Ich traf mich auch mit vielen Leuten, die sich bei mir meldeten und mich kennenlernen wollten. Das war einerseits interessant, andererseits aber auch sehr anstrengend. Zumal diese Leute sich einbildeten über mich etwas zu wissen, weil sie meinen Blog gelesen haben. Ich wusste dagegen absolut nichts über sie. Am Ende war es dann meistens so, dass sie mir ihre Lebensgeschichte erzählten und ich einfach zuhörte.

Irgendwann wurde mir das dann allerdings zu anstrengend. Mit Leuten, die ich kontaktierte und mit denen ich mich treffen wollte, war es deutlich spannender gewesen. Oft hatte ich da sehr schöne Begegnungen, die mir auch wirklich guttaten und sehr wichtig für mich waren.

Klar war aber von Anfang an auch, dass ich nicht lange bleiben werde. Doch witzigerweise fing es mir am Ende sogar an zu gefallen. Ich hätte nie gedacht, dass ich es doch so lange zu Hause aushalten werde.

Das Essen war lecker. Bei meiner Mutter im Keller ließ es sich gut aushalten. Ich hatte dort meine Ruhe und kapselte mich zeitweise dann auch etwas ab. Ich hatte meine Höhen und Tiefen und ich denke, dass ist normal nach so einer enormen Veränderung des Lebensstils.

Ich arbeitete auf einer Kamel-Lama-Esel-Pferde Farm für 3 Wochen. Ein soziales Projekt was mir riesen Spaß machte. Ich wollte herausfinden ob es möglich wäre mit einem Packtier eine längere Tour zu machen.

Dann probierte ich einen Trailer (Benpacker) im Schwarzwald, anschließend versuchte ich es mit dem Rucksack.

Wochenlang war ich davon überzeugt, dass ich was anderes machen musste. Am Ende wachte ich aber eines Morgens auf und entschied mich für die nächste Reise wieder fürs Fahrrad.

Mit meiner Mutter zusammen besuchte ich den Iran für 14 Tage. Ich zeigte ihr was ich für sehenswert hielt. Wir hatten eine super Zeit zusammen.

Mein Bruder heiratete und ich durfte die Hochzeitsbilder machen. Was ein wirklich toller Tag geworden war und auch wichtig für mich gewesen ist dabei zu sein.

Eigentlich sollte es danach wieder los gehen. Die Hochzeit war im Mai gewesen. Doch es zog mich erstmal noch nichts so richtig wieder auf die Straße. Ich wollte noch ein wenig hierbleiben.

Im Laufe der Zeit fing ich nämlich an mich an meine alte, neue Heimat zu gewöhnen.

Ich fing an die positiven Seiten Deutschlands zu sehen. Und versuchte den oft nörgelnden und negativ denkenden Menschen einmal mehr wieder klar zu machen, in was für einem Paradies sie eigentlich geboren wurden. Wie privilegiert wir sind. Was für einen Konsumrausch die Menschen täglich erleben und wie herausragend unsere Lebensqualität im Vergleich zu anderen Ländern aussieht.

Da wird über die Krankenversorgung geschimpft, über die Höhe der Renten, die Lehrer, über die Politik und über die Flüchtlinge. Viele scheinen einfach nicht zu begreifen wie gut es ihnen hier geht.

Im Prinzip ist es in Deutschland oft so, dass man die Leute nur schlecht zufrieden stellen kann. Irgendetwas Negatives finden sie eigentlich immer.

Von den ultra vielen Vorschriften und der oft spießigen Lebenseinstellung mal abgesehen, hat Deutschland aber viel Schönes und am Ende blieb ich fast den ganzen Sommer, weil es mir einfach gut gefiel. Oder aber vielleicht auch weil es praktisch war und angenehm. Und sicherlich auch weil ich immer noch müde war. Müde vom umherziehen.

Auch meine Freunde spürten wohl wie ich mich langsam wieder annäherte. Eine Freundin sagte zu mir: „Bei so einem Menschenauflauf hättest Du doch vor ein paar Monaten noch die Krise geschoben“ als ich bei einem Straßenfest so richtig Spaß in der Menge hatte. Das stimmte auch ganz genau. Der Mensch kann sich wohl irgendwie auch wieder anpassen.

Die Freundlichkeit ist in Deutschland besser geworden. Service Wüste Deutschland ist nicht mehr ganz so treffend wie früher. Aber von der Lockerheit und Warmherzigkeit anderer Nationen sind wir noch weit entfernt. Doch hatte ich viele positive Begegnungen und sage noch immer jedem Hallo der an mir vorbeiläuft, auch wenn das oft ungewöhnlich für viele ist.

Wie wir ja alles wissen, sagt man hier normalerweise nicht Hallo zu jemanden den man nicht kennt. Doch ich mache das. Und man sollte nicht meinen wie oft ein Lächeln zurückkommt. Im Prinzip sind wir Deutschen nämlich nette Zeitgenossen, nur eben etwas verschlossen.

Schlafen konnte ich hier allerdings nicht. Umgeben von Mauern und dem Krach ringsherum konnte ich oft nicht einschlafen. Die Enge und das nicht ausgelastet sein waren wohl eben doch nicht so wirklich mein Ding.

Ich hatte jeden Tag zu wenig Schlaf, auf Dauer machte mich das unzufrieden und auch sehr träge.

Der Wind hat sich in Deutschland verändert. Früher gab es hier in meiner Gegend deutlich weniger davon. Die Störche sind mittlerweile zu Scharen auf den Feldern unterwegs. Das war vor meiner Abreise noch undenkbar. Auch sonst hat sich einiges geändert. Kleinigkeiten, aber in der Summe doch sehr viel. Ich musste mich erst einmal wieder zurechtfinden. Ich hatte ja so viele Dinge verpasst.

Viele ganz normale Themen bei denen ich nicht mitreden konnte, weil ich keine Ahnung hatte um was es ging.

Die Natur fehlt mir. Die Nächte am Lagerfeuer. Die Einsamkeit. Die Gedanken, die nicht mehr fließen wollen. Meine Freiheit, mein Entdeckerdrang der nicht gestillt wird. All das ist gerade nicht mehr da. Es hat schon was von Stillstand.

Doch die Pause und mein zu Hause hat mir gutgetan. Am Ende ist es eben doch die Heimat und das Stückchen Erde mit dem man am meisten verbindet. Ob es auf Dauer glücklich macht oder nicht, es hat einen geprägt ob man will oder nicht.

Im Prinzip fühlte ich mich die ganze Zeit nur als Besucherin und das machte es am Ende doch viel einfacher für mich. Hätte ich hier anfangen müssen in einem geregelten Job zu arbeiten, hätte ich die Flucht sicherlich sofort ergriffen. Denn mit den oft eingefahrenen Arbeitsstrukturen wäre ich sicherlich erstmal total überfordert gewesen.

Cycling Cindy, eine Holländerin und ebenso in der Welt umher geradelt wie ich, macht im Moment Station in Deutschland. Somit war für uns beide klar, dass wir uns sehen werden. Eine tolle Begegnung mit vielen langen Gesprächen über Gott und die Welt. Ein richtiges Traveller Treffen.

Nun ging es im August wieder in Richtung Verabschiedung und das war nicht einfach. Ankommen und wieder los fahren sind einfach die dicksten Hürden einer Reise.

Wo es hin gehen wird, erzähle ich dann beim nächsten Bericht, der kommt aber diesmal wieder etwas zeitiger.

In der Zwischenzeit bin ich bereits die ersten 1000 Kilometer geradelt. Ich bin wieder auf der Straße und das ist gut so.

52 Kommentare

  1. Liebe Heike,
    WOW! 4 1/2 Jahre ist ja auch eine lange Zeit. Krasser Kulturschock rückwärts. Du hast dich sicher sehr fremd gefühlt, und brauchtest eigentlich richtigen, tiefen Kontakt, oder? Ich glaube, deine Vermutung mit dem Spiegel trifft es ziemlich gut, viele Menschen haben Träume, wenige leben sie, und du bist dann der personifizierte Affront, der sie an all das erinnert. Dagegen stehen dann die Erfahrungen, von komplett fremden Menschen freundlich und vorbehaltlos aufgenommen zu werden, während hier viele Türen, zumindest im übertragenen Sinne verschlollen blieben. Das ist hart.

    Mein Mann und ich waren ein Jahr mit dem Rad unterwegs, und ich habe ein Jahr gebraucht um wieder anzukommen. Ich habe viele meiner Frustrationen, die ich in diesem Jahr erlebt habe in lernen gesteckt, habe z.B. die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg entdeckt, die es mir ermöglicht, Verbindung zu allen Menschen herzustellen, ich habe viel gelesen und ausprobiert, das hat mich dann noch mal wieder wachsen lassen, dieses Reiben des neuen Selbst an der deutschen Realität. Wenn die Umstände es zugelassen hätten, wäre ich bestimmt auch wieder abgehauen, aber dem war damals nicht so.
    Jetzt bin ich dankbar, dass es so gekommen ist, meine Triebfeder ist zurückgeben „pay it forward“ wie man so schön sagt. So viele Menschen in der Fremde haben mir das Leben leichter gemacht, also vesuche ich es jetzt zurück zu geben. Ja, die Deutschen sind sehr kritisch, schwer zufrieden zu stellen und ängstlich, sich aus Situationen zu befreien, in denen sie nicht glücklich sind. Gerade weil es ihnen doch „so gut“ geht.
    In 5 Jahren ist noch mal eine einjährige Auszeit geplant, ich werde mir in der Zeit den Traum erfüllen, in Cuzco bei einem Projekt mitzuarbeiten, wo arbeitende Kinder Unterschlupf finden. Wir waren damals auf der Reise 4 Wochen dort und es lässt mich nicht wieder los.
    So findet jeder seinen eigenen Weg und das ist auch gut so!

    Ich wünsche dir auf jeden Fall „buen viaje“, „stay safe“ und was man sonst noch so sagt und bin sehr gespannt auf deine neuen Berichte.

    Hug, abrazo,
    Alexandra

    Antworten
    • Liebe Alexandra, vielen Dank für Deine lange Antwort…..
      Ich habe mal gehört, dass die Wiedereingliederung etwa so lange dauert wie man weg gewesen ist….. Daher passt Dein Kommentar es hat 1 Jahr fuer Dich gedauert.
      Der richtige tiefe Kontakt wäre wichtig gewesen – genau! Den findet man aber eben nur unterwegs, da wo die Leute sind die auch unterwegs sind und aehnliche Fragen haben…..daher ziehen ja auch die meisten Langzeitreisenden wieder los. Ist ja auch schon fast eine Sucht.
      Dir alles Liebe auf Deinem Weg…..LG Heike

      Antworten
    • Hallo Heike – na, schon wieder unterwegs, oder doch geblieben?
      Wir hatten Dich mal per Mail kontaktiert um Dich zu uns (www.casadelaleman.com) nach Kolumbien einzuladen. Leider lag es wohl vorerst nicht auf Deiner Strecke – und nun sind wir es, die einstweilen verzogen sind: in meine ganz, ganz alte Heimat im Bergischen Land. Ich selbst bin nun schon laenger wieder im Alltags-Stress, aber etwa 2 Wochen vor Dir kamen meine kolumbianische Frau und unsere kleinen Toechter per Direktflug aus Bogota in Frankfurt an – bloss fuhr unser Zug in die andere Richtung: Mainz, Koblenz, Rhein aufwaerts, Weinberge und-Doerfer, Burgen, Loreley, Koenigswinter, Drachenfels, Bonn, Koelner Dom und dann hinauf zum Eisen-Kohle-Weg… damit sie gleich zu Anfang verstehen, was fuer Ziel-Vorstellungen mich zu unserem Kolumbien-Abenteuer bewogen haben.

      Antworten
      • Hallo ihr beiden……ja lag bisher leider noch nicht auf meiner Strecke.
        Aber wer weiss…..irgendwann einmal…..bis dann
        LG Heike

    • Hallo Alexandra,

      ich bin Alexandra, 20 und habe nach dem Abi eine 6 monatige Radreise in Nordamerika gemacht. Ich musste mich auch gerade wieder einfinden und plane gerade eine einjährige Radreise nach dem Bachelor, weiß aber noch nicht, wohin. Deine Reise klingt sehr interessant, ihr habt bestimmt viel erlebt! Habt ihr vielleicht einen Blog? Und was genau ist das für ein Projekt, warum lässt es dich nicht mehr los?
      Liebe Grüße
      Alexandra

      Antworten
  2. Hallo Heike

    Danke für den detaillierten „Heimkomm-Bericht“ Fand ich sehr interessant.
    Bin gespannt wo es Dich hinzieht.
    Und ob sich an Deiner Art zu reisen und Deiner Ausrüstung etwas deutlich geändert hat/ändern wird

    Gruß

    Helmut

    Antworten
  3. Was bin ich gespannt !

    Antworten
  4. Liebe Heike,
    toll, wie einfühlsam in dich selbst du schreiben kannst. Das solltest du konservieren und später mal ein Buch in dieser Form herausbringen. Das bringt mehr als jeder Psychologie-Kurs. Einen Käufer hast du schon?.
    Sehrnsüchtig hab ich auf deinen nächsten Blog gewartet und meine Erwartungen hast du vollständig erfüllt. Bin total gespannt wo es dich jetzt gerade hinzieht; ich hab schon so eine Ahnung ?
    Weiterhin immer viel Luft in den Reifen, positive Gedanken und erfüllende Gespräche wünscht Dir
    Wolfgang

    Antworten
    • Danke lieber Wolfgang. Bist Du der Afrika-Wolfgang-Radler?
      Dir auch alles Liebe….Heike

      Antworten
      • Gerne liebe Heike!
        Leider nicht?Meine Radlererfahrungen sind noch sehr regional, aber meine Rente rückt schnell näher- dann geht’s richtig los ??
        Bis bald!
        Wolfgang

  5. Danke, dass Du wieder schreibst. Gute Reise! Freu Dich!

    Antworten
  6. Liebe Heike,

    wie gut ich Dich verstehe! Und wie sehr ich Deine Reiseberichte genieße. War ich doch selbst schon längere Zeit nicht mehr auf Reisen, reise ich in Gedanken mit Dir …

    In einem Blogartikel, an dem ich eben über eine Reise in Indien schreibe, schreibe ich u.a.:

    “ …Seit meinem 32. Lebensjahr mache ich keinen Urlaub mehr – ich reise.
    In einer dreimonatigen Rucksackreise durch Indien lernte ich den Unterschied zwischen Urlaub und Reisen kennen.

    Nach dieser Reise wollte ich nicht mehr so leben, dass ich Urlaub von meinem Alltag brauchte. Ich wollte meinen Alttag und vor allem meine Zeiteinteilung selbst gestalten können. Ich wollte so leben, dass ich keinen Urlaub von meinem Leben brauche.

    Statt möglichst schnell und viel – ein Langsamerleben.

    Reisen ist Zeit haben.
    Zeit lassen anzukommen.
    Die Seele nachkommen zu lassen an den Ort, an dem der Körper bereits ist.
    Seelenruhe.
    Land und Menschen kennen lernen – verweilen – für eine Weile.
    Mit Weile eintauchen in eine andere Kultur / ein anderes Leben /andere Gepflogenheiten.
    Andere Gerüche und Geräusche / anderes Essen und damit neuer Geschmack.
    Andere Bewegungen der Menschen / Gesten / Berührungen.

    Ein Land und seine Menschen mit allen Sinnen wahrnehmen / spüren / aufnehmen. …“

    Auch die Schwierigkeiten mit der Heimkehr, wenn man doch ein ganz anderes Leben gelebt hat und dadurch auch mit anderen Lebensvorstellungen lebt, kenne ich gut. Ich musste schmunzeln als ich dies las.

    In meinem Blogartikel „Heimkehr in die Fremde“ habe ich geschrieben:

    “ … Conclusio: Das Anders-Sein / Anders-Leben – sichtbar nur durch einen Satz von mir – ein anderes Lebensmodell, das kurz aufblitzt, ist offensichtlich eine Bedrohung, so dass sie beginnen ihr Leben und ihr Beziehungsmodell über eine halbe Stunde zu verteidigen und zu rechtfertigen.
    Es kommt keine Frage an mich – wie und warum / und wie ich lebe …
    Es interessiert sie nicht …
    Die Abwehr des Anders-Sein / Anders-Leben. Bin ich doch keine Fremde – oder schon? …“

    https://monikakrampl.wordpress.com/2017/07/22/heimkehr-in-die-fremde/

    Alles Liebe Dir auf Deinen weiteren Reisen
    Ich freue mich über Deine Berichte
    Monika

    Antworten
  7. Liebe Heike
    Wie soll ichs sagen….ganz wundervoll geschrieben, eine herzenstiefe Geschichte, Gefühle erleben pur, ich spüre Dich förmlich. Du bist ein wunderbarer Mensch, eine aussergewöhnliche Frau. Mir bleibt im Moment ganz einfach die Luft weg. Ich wünsche Dir auf Deiner weiteren Reise alles Glück der Erde.

    Marcel

    Antworten
  8. Liebe Heike,
    ich bewundere Deinen Mut, Deine Stärke und liebe Deine offene und direkte Ehrlichkeit.
    Es ist wunderbar faszinierend und entführt mich jedesmal aufs neue von Dir zu lesen.
    Diesmal aber musste ich gewaltig schlucken.
    Normal bin ich eine stille Mitleserin und lasse mich von Deinen Berichten gern „gedanklich“ entführen.
    Aber das Dir sowenig Respekt und Interesse gezollt wurde, kann ich beim besten Willen nicht verstehen.
    Das macht mich traurig und wütend zugleich.

    Du lebst wie Du es für Richtig hälst. Und genau das finde ich persönlich Grossartig.
    Mach genau so weiter.
    Lebe DEIN Leben.

    Bin schon sehr gespannt auf das was kommt.

    Ganz liebe Grüsse
    Andrea

    Antworten
    • Ganz lieben DANK Andrea! Ich glaube nicht, dass sie mir nicht den nötigen Respekt gezollt haben – manche sogar Bewunderung. Ich denke es ist eher die Tatsache, dass die Leute mit mir nichts anfangen konnten.
      Vielleicht war es auch einfach mein Fehler zu viel erwartet zu haben.
      Ich kam voller Eindrücke zurück und stapfte ins Leere.
      Beim nächsten Mal weiss ich das besser.
      LG Heike

      Antworten
  9. Hallo Heike
    Ich wünsche dir alles erdenklich gute auf deiner neuen Reise und freue mich schon auf deine neuen Berichte .
    viele grüße und Toi Toi Toi vom Klaus

    Antworten
  10. Hallo, liebe Heike,

    habe Dank für die tollen Fotos und Deinen Heimkommbericht den ich mit großem Interesse gelesen und mitgefühlt habe. Musste dabei ein paar Tränen verdrücken, weil es mir genauso ging, als ich mal 1 Jahr lang weg war und dann wieder heim kam. Ich konnte es kaum aushalten, im vollen Supermarkt einkaufen zu gehen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren. Überhaupt war alles, auch die Zurückgebliebenen mir irgendwie entfremdet. Es blieb eine Illusion, zu hoffen, dass alles wieder so werden könnte wie es vorher war. Besonders traurig fand ich die Stelle, wo Du schreibst, dass keiner Dir Fragen stellte über Deine vielfältigen Erfahrungen mit den Menschen und der Kultur der vielen Länder, die Du durchradelt hast. Schade, dass es für uns Deutsche so schwer zu sein scheint, auch mal über den eigenen Tellerrand, äh über die eigene neue Schrankwand, von der Dir berichtet wurde, zu blicken. Wahrscheinlich ist das eine Art Verdrängungsmechanismus, denn sonst müsste man ja das eigene Leben hinterfragen und sich tatsächlich selbst auf den Weg machen, um die eigenen Fesseln zu sprengen. Die Bilder von Dir und Deiner Radlerfreundin finde ich rührend, man spürt sehr stark Eure Verbundenheit. Ich freue mich so sehr, dass Du wieder losgeradelt bist, bin gespannt auf den nächsten Bericht und wünsche Dir allzeit gute Fahrt.
    Uta

    Antworten
    • Liebe Uta, DANKE Dir….tut mir leid, dass auch Du solche Erfahrungen machen musstest.

      Ich denke, dass sind nicht nur wir Deutschen, sondern das betrifft alle Menschen.
      Man ist sich eben selbst am Nächsten. Ich mir ja auch.

      Alles Liebe Heike

      Antworten
  11. Liebe Heike,
    Danke für deine tolle und so offene Beschreibung deiner Heimkehr. Ich habe oft gedacht, wie es dir wohl wieder „zuhause“ ergeht.
    Selbst, wenn man ein steter Teil dieser deutschen Maschinerie ist, empfindet man vieles sehr speziell. Gerade, das Miteinander und nur zu jemanden Hallo sagen, wenn man ihn kennt…. warum denn? Ich sage auch zu jedem hallo, ob ich ihn kenne oder nicht! Und das kostet nichts und tut nicht weh. Also bitte weiter so und hab ganz viele tolle neue Erlebnisse auf deiner neuen Reise. Alles Gute und Gruss von Simone

    Antworten
  12. Liebe Heike, ich freue mich, dass du dich entschieden hast, dein Heimkommen zu schildern und mit deinen Lesern zu teilen. Du hast eine ganz besondere Gabe, ehrlich deine Empfindungen und Gedanken zu formulieren, ohne anzuklagen und mit dem Finger auf Leute, die es anders machen, zu zeigen. Nach Deutschland wiederzukommen mit der facettenreichen Perspektive einer Nomadin, kann nicht ohne Gefühlsachterbahn gehen. Ich kann viele deiner Beobachtungen nachvollziehen. Nun bist du wieder unterwegs und ich bin mega happy für dich!

    all the best claudia

    Antworten
  13. Liebe Heike, ich bin immer noch in Marokko:-) Vielleicht raldelst du dort gerade? Komm vorbei:-)

    Antworten
  14. Liebe Heike
    Du bist schon wieder über 1000km gefahren! Bin so gespannt auf deine nächsten Berichte.
    Wir, deine followers, sind deine Fan-Gemeinde und wir wollen wissen wie es dir ergeht. Wir versuchen dich zu ermutigen und zu unterstützen. So hoffe ich wenigstens.
    Am liebsten würde ich dich begleiten auf deiner Reise.
    Sei herzlich gegrüsst und virtuell fest gedrückt.
    Ursi Baur

    Antworten
    • Das tut ihr auch – ganz doll sogar!!!!

      Lieben Gruss und lieben DANK und bitte weiter so!

      Heike

      Antworten
  15. Liebe Heike
    Leider bin ich nicht in der Lage die Gefühle so niederzuschreiben wie du . Ich finde deine ehrliche Art zu schreiben einfach super .
    In vielen entdecke ich mich wieder . Ich habe mir auch eine Auszeit genommen , alles was du schreibst erging mir genauso . Ich denke egal wie lange man aus den Hamsterrad Aussteigt es ergeht allen so . Das erschreckende finde ich das man sich verändert aber leider bleibt alles in gleichen Fluss .?!
    Ich denke mittlerweile es bringt nichts sich darüber den Kopf zu zerbrechen . Es ist nicht schön aber man muss doch etwas egoistisch sein .
    Du wirst nie jemanden der nicht das erlebt hast wie du das erklären können .
    Ich bin über 10 Jahre älter und habe so meine Erfahrungen .
    Ich mache nicht Mal mehr Bilder . Weil viel es sich kurz anschauen und dann sagen ihre Kreuzfahrt da haben sie mehr gesehen!? Und wissen über Land und Leute bescheid …….
    Sende mir noch Mal dein Konto Nummer
    Liebe Grüße Uwe
    Ich wünsche dir das du offen bleibst für deinen nächsten “ Abenteuer“

    Antworten
    • Lieber Uwe, Danke für Deinen ehrlichen Kommentar und fürs riesen Lob.
      Ja, sehr wahr, abhaken und weiter gehts….so sehe ich das mittlerweile auch.
      Meine Daten schicke ich Dir natürlich sehr gerne! Lieben Dank fuer Deine Unterstuetzung!

      LG Heike

      Antworten
  16. Hallo Heike,
    ich lese Deine Reiseberichte weiterhin gerne,es gibt in Deutschland sicher noch Gegenden
    die nicht so dicht besiedelt sind wie zB das Ruhrgebiet,Richtung Berlin vorbei zur
    „Oder“.
    Elen Wendt lebt dort wohl zeitweise nach dem sie ihr das singen auf der Straße in
    Berlin verboten haben.

    liebe Grüße

    Lothar

    Antworten
    • Lieber Lothar, Ja Deutschland hat auch schöne Ecken. Ganz richtig!
      LG Heike

      Antworten
  17. Liebe Heike,
    ich verstehe sehr gut was Du beschreibst. Ich bin nach 16 Monaten auch fuer 6 Wochen zurueck nach Deutschland gekommen und hab mich gefragt ob diese 16 Monate davor vielleicht einfach nur ein Traum waren, aus dem ich mit einigen zusaetzlichen englischsprachigen Facebook Freunden nun aufgewacht war. „Zuhause“ hatte sich nichts wirklich veraendert und grosses Interesse an meinen Erfahrungen herrschte auch nicht. Zum Glueck hatte ich sowieso nie vor zu bleiben, da ich inzwischen einen ortsunabhaengigen Job habe, der mir das Resien ermoeglicht. Aber ich verstehe sehr gut wie die Deutschen in ihrem Alltag gefangen sind und sich nicht die selben Fragen stellen wie wir „Aussteiger“ es tun. Um zu diesem Punkt zu kommen musste ich auch erst raus aus dem System, das so sehr darauf ausgelegt ist, dass wir uns die wichtigen Fragen eben nicht stellen, sondern einfach nur funktionieren. Die Antwort auf das „Warum“ und was es genau zu meinem Glueck braucht habe ich final noch nicht gefunden aber die ersten Schritte sind getan. Schoen, dass es Ausbrecher wie Dich gibt! 🙂

    Antworten
    • Danke fuer Deine Gedanken und Erlebnisse die Du hier teilst liebe Mel !
      Ich glaube wir Aussteiger wollen einfach auch mehr verstehen, sonst wären wir ja erst gar nicht losgezogen. Und ausserdem haben wir deutlich mehr Zeit nachzudenken….das jedenfalls fällt mir immer wieder auf. Leute sind einfach zu sehr in ihrem Alltag eingespannt.

      LG Heike

      Antworten
  18. Lieb Heike,
    volle Zustimmung zu jeder Zeile. Als Seelenverwandter sei mir dies erlaubt. Zuhause ist für uns die Welt. Wenn wir in Deutschland sind, sind unsere Gedanken meist unterwegs. So ertragen wir dann weit besser alles was uns nervt.
    Ich wünsche Dir die Erfüllung aller positiven Träume + freue mich gewaltig auf die nächsten Berichte.
    LG, Wi + Gi grenzenlos

    Antworten
  19. Hallo Heike, was für ein Bericht! Habe deine Story und Wahrnehmung gerne und vollständig gelesen! Ich, nie lang unterwegs gewesen, konnte jede „Gefühlsregung“ bzw. Wahrnehmung aus deinem Bericht irgendwie (komischerweise) gut nachvollziehen und hatte beim Lesen das Gefühl „ja, so wird es einem wohl gehen! Merci und gute Fahrt LG Stefan

    Antworten
  20. Liebe Heike,

    Deine Eindruecke aus Deutschland haben mir sehr gefallen. Habe mich gefreut, dass Du Deiner Mutter Iran zeigen konntest und hoffe, dass Du die Zeit mit ihr genossen hast. Bin gespannt auf die naechste Eintragung.

    Liebe Gruesse von Annemarie.

    Antworten
  21. Liebe Heike, vielen Dank für deine bisherigen 79 Berichte und eindrucksvollen Schilderungen und die vielen tollen Fotos, die ich mir stundenlang ansehen könnte. Ich geniesse wie Du die große Freiheit beim Radfahren und die vielen persönlichen Begegnungen und Erlebnisse. Das macht so reich und dankbar.
    Du hast mich inspiriert, demnächst in Taiwan zu radeln.
    Ich wünsche Dir alles Gute auf dieser und folgenden Reisen, wenig Pannen, keine Überfälle oder negative Begegnungen, keine gesundheitlichen Einschränkungen, keinen Verlust der Kamera, persönliche Zufriedenheit und Freude Tag für Tag. Take care!

    Antworten
  22. This is good!

    Antworten
  23. Liebe Heike,
    Dein Bericht trifft es mit jedem Wort und erinnerte mich an meine Heimkehr. Als ich 1994 nach einem Jahr in Syrien wieder in Frankfurt landete, wollte ich bei der Postfiliale am Flughafen eine Telefonkarte kaufen, um Mutti Bescheid zu geben, dass ich wieder gesund zu Hause bin. Handys waren damals noch unbekannt. Also Telefonkarte für eine Telefonzelle. Während in Damaskus bei fast jedem Einkauf erstmal eine Tasse Tee getrunken, ausführlich über die Familien und Fussball debattiert wurde und jede noch so kleine Erledigung locker und in freundlicher Atmosphäre eine gute Stunde dauerte, hatte ich es an der Postfiliale am Flughafen mit einer frustrierten Verkäuferin (aber wahrscheinlich mit tollen Rentenansprüchen, einer geilen Krankenversicherung und 30 Tagen Urlaub im Jahr) zu tun.
    Sie blaffte mich an, ich weiß nicht mehr warum, aber das wird ihr auch egal gewesen sein. Willkommen in Deutschland. Von Freundlichkeit steht nichts in meinem Arbeitsvertrag.
    In den darauffolgenden Wochen haben mich meine Freunde immer schäl angeschaut, wenn wir um die Häuser gezogen sind. Ich lief in meinem gewohnten Damaskus-Tempo. Immer schön langsam. Sie fragten mich ständig, warum ich so trödeln würde. Selbst wenn wir nur in die Kneipe wollten.
    Knapp mit dem Leben bin ich davon gekommen, weil ich in Berlin die Straßen zu Fuß so überquerte wie in Damaskus. Einfach in den fließenden Verkehr laufen und zwischen den Autos durch. Die bremsen schon. Aber nicht in Berlin. Das wurde manchmal eng.
    Lange Rede – kurzer Sinn. Das hat bei mir ewig gedauert.
    Ich denke einfach, das Problem liegt darin, dass man beim Nach-Hause-Kommen denkt, man kenne ja alles. Wenn man weg fährt, bereitet man sich irgendwie drauf vor. Die einen weniger, die anderen mehr. Man versucht ein wenig, die Sprache zu lernen, sich über die Gepflogenheiten zu informieren oder lässt sich impfen oder anderes. Kurz vor der Heimkehr freut man sich natürlich auf Zuhause. Denkt darüber nach, wie schön es ist, sich in seiner eigenen Sprache zu unterhalten, Menschen zu treffen, die genauso ticken wie man selbst. Und dann? Pustekuchen. Man kommt vollkommen unvorbereitet in eine Welt, die einem inzwischen fremd geworden ist. Wie Du schon sagst, den meisten ist hier nicht bewusst, in was für einem unfassbaren Wohlstand sie leben, die meisten existenzielle wirtschaftliche Probleme nicht kennen. Aber wehe, es ist ein Kratzer im Auto.
    Meine Syrienreise ist jetzt fast 25 Jahre her. In Europa war ich seitdem viel unterwegs, aber da sind die kulturellen Unterschiede natürlich nicht so groß als zwischen Orient und Okzident. Trotz allem muss ich manchmal in mich reingrinsen, wenn ich irgendwelche Sachen mache, über die ein Syrer nur die Hände über dem Kopf zusammenschlagen würde. Es bleibt also.
    Für Deine weitere Reise (Afrika klingt spannend) wünsche ich Dir alles Gute. Stay tuned.
    Christian

    Antworten
    • Lieber Christian, musste schwer grinsen als ich Deinen Kommentar gelesen habe! Ich kann mir alles genau vor dem geistigen Auge vorstellen…..
      Ein Jahr in einem moslemischen Land und Gastfreundschaft pur ist natuerlich auch ein krasser Unterschied…..und ja sie haben dort alle so viel Zeit!
      Danke….LG Heike

      Antworten
  24. Hallo Heike,

    was für ein toller Post. Ohne eine ähnliche Erfahrung gemacht zu haben, kann ich vieles gut nachvollziehen was du schreibst. Wir sind hier in Deutschland einfach so mit dem beschäftigt, was uns die Gesellschaft/Medien „vorschreiben“, das wir manchmal oder gar meistens das „zu Leben“ vergessen.

    Diese Erkenntnis habe ich selbst noch nicht all zu lange. Dieses Jahr habe ich das erste mal in meinem Leben eine Woche lang im Zelt zugebracht, in Schottland. Und es war herrlich, gern würde ich das wieder und vor allem öfters tuen 🙂
    Das war nicht annähernd so ein Abenteuer oder Wildnis wie du es erlebt hast und wirst. Doch an den Reaktionen meines Umfeldes habe ich gemerkt, wie „befremdlich“ selbst das schon für einige ist. Da konntest du dich wohl gar nicht duschen? So ganz allein? Haha…innerlich musste ich oft genug lachen.

    Leider habe ich erst jetzt von dir gelesen, schade. Aber gern folge ich dir nun auf deinen nächsten Abenteuern 🙂

    Viele Freude und gutes Radeln

    Bert

    Antworten
    • Lieber Bert,

      freut mich dass Du so eine tolle Zeit hattest…..es gibt ja auch Wochenenden und den Wald bei uns, da kann man auch immer wieder zelten 🙂
      Freut mich dass Du nun von Anfang an dabei bist 😉

      LG Heike

      Antworten
  25. Liebe Heike,

    sehr schoen geschriebener Bericht. Ich bin derzeit auf meiner vierten Langzeitreise. Ich habe mich langsam gesteigert. 13, 17,23 und derzeit schon 30. Monate. Tatsaechlich ist die erste Heimkehr die schwierigste, danach konnte ich mich besser drauf einstellen. Ich hab immer zwischen meinen Reisen gearbeitet und die Jobsuche ist mit zunehmendem Alter eine immer groesser werdende Herausforderung. Aber als genau das sehe ich es auch wenn ich vermutlich Ende 2019 heimkehre als eine andere Art der Herausforderung.
    Schoen, dass du nach einem kurzen Innehalten wieder unterwegs sein kannst. Ich wuensch dir weiterhin viele schoene Erlebnisse und Begegnungen.
    LG
    Annette

    Antworten
    • Liebe Annette, das freut mich von Dir zu hören…..ich glaube auch das nächste Mal weiss ich was auf mich zukommt.
      Dir eine tolle Zeit und lieben DANK..LG Heike

      Antworten
  26. Hallo Heike
    Ich bin Nomadin und Freelancerin und ich kann so gut nachvollziehen wie es für dich war, nach Hause zu kommen und den Menschen zu begegnen. Mir geht es auch häufig so, auch wenn ich nie solange weg bin. Allein anders zu sein und zu denken trennt einen schon von vielen Menschen.
    Alles Gute für dich
    Take care
    Katrin

    Antworten
  27. Liebe Heike,
    beim Lesen Deiner letzten 4,5 Jahre hatte ich mir häufiger die Frage gestellt, ob Du überhaupt noch zurück kannst. Ich weiß, wie es sich anfühlt, nach nur vier Wochen durch Asien reisen, in unsere Welt zurückzukommen. Es dauert Wochen, bis man sich wieder an unsere Ellenbogen-Gesellschaft gewöhnt hat. Am Schlimmsten finde ich aber, dass man sich auf Reisen viel schneller weiterentwickelt als die Leute daheim. Es scheint fast so, als würde die Zeit unterschiedlich schnell verlaufen.
    Anders zu sein war noch nie einfach, das fällt nur beim Reisen nicht so sehr auf, weil man nie lange genug an einem Platz ist, um Wurzeln zu bilden. Ich bin gespannt, ob Du noch einen Ort findest, wo Du mal ankommst und zur Ruhe kommen kannst.
    Liebe Grüße
    Alex

    Antworten
    • Liebe Alex, danke fuers lesen, meiner ganzen Reise 🙂 Du hast gutes Durchhaltevermoegen!
      Ich muss keinen Ort finden, da mir das unterwegs sein am meisten Spass macht. Die Ruhe, die mir die Natur gibt kann mir kein Haus dieser Welt bieten.
      Ich bin seit 4 WOchen in einem kleinen Haus am Strand – es fuehlt sich bereits langsam so an, als wuerde es Zeit werden weiter zu ziehen…..
      Nomaden bleiben auch nicht lange – und es gefaellt mir ja so….

      LG Heike

      Antworten

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